Bedeutung des Cembalo in der Klassik

von Fastel, 29.06.08.

  1. Fastel

    Fastel Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 29.06.08   #1
    hi,
    ich belese mich grade zum thema cembalo (halte ein kurzes referat) und habe mit dem MGG und einem Fachbuch auch ganz gute Literatur zur hand.
    nun finde ich allerdings nicht so wirklich etwas zur bedeutung des Cembalos in der (wiener/mannheimer) klassik.
    klar, das pianoforte (klavier) hat das cembalo eigentlich verdrängt um es mal allgemien zu sagen. aber hat sich das cembalo nicht noch über mozart hinaus in hausmusik-aufführungen oder zumindest als übungsinstrument erhalten?

    ich würde diesen "niedergang" gerne ein wenig skizzieren können (so makaber es klingt).

    welche bedeutung hatte das cembalo zur zeit beethovens? wurde noch dafür komponiert? war es auf bestimmte bereiche beschränkt?
    das einzige was ich momentan finde ist, dass ab 1800 in einem berühmten fr. konservatorium in kalten wintern mit cembaloholz geheizt wurde (weil keiner mehr die instrumente kaufen wollte). doch ich vebinde mit dem cembalo auch mozart und das würde bedeutet dass es ja zumindest bis in die 1790er von bedeutung war...

    noch eine andere frage: ich habe in dunkler erinnerung, dass eine J. S. Bach-komposition die erste war, die das cembalo als auch "soloinstrument" emanzipierte. angesichts der langen geschichte kann ich mir das nicht so recht vorstellen. könnt ihr mir einige "schlüsselwerke" der "clavier"literatur vor bach nennen? ich nehme an die italienischen konzerte sind nicht die erste "cembalo-solo" komposition die nicht als reine übung gedacht war.

    danke im voraus - auch über weiterführende links
     
  2. Roland Kramer

    Roland Kramer Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 01.07.08   #2
    *grübel* ... vielleicht kannste da mal schaun:

    Johann Jakob Froberger
    John Bull
    Byrd hat auch für's Virginal komponiert.
    Louis Couperin
    Hm, Scarlatti mit seinen 555 Sonaten war allerdings Bach's Zeitgenosse, also was spät.

    Viel Glück bei der Suche!
    Roland
     
  3. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 01.07.08   #3
    Natürlich war Bach nicht der erste, der soli für das cembalo schrieb, das "Fitzwilliam-virginal-book" ist eine umfangreiche sammlung aus dem elisabethanischen England, in Frankreich war Couperin ("L'art de toucher le clavecin"), in Italien Domenico Scarlatti (hunderte von solosonaten) der meister, Froberger in Deutschland wurde genannt.
    Das hammerklavier hatte anfangs manche mucken, überall gab es noch die technisch ausgereiften cembali, an den sonaten von Haydn kann man ablesen, dass er noch lange das cembalo benutzte, auch Beethoven spielte noch darauf, aber anfang des 19.Jhs. verschwanden sie. Der neue, klassische stil verlangte dynamisches spiel und anschlags-differenzierung.
    Verwirrend ist, dass mit "klavier" jedes tasteninstrument gemeint sein konnte, eine strenge trennung ist schwer möglich, und wer auf einem alten "tafelklavier" gespielt hat, weiß um dessen begrenzte möglichkeiten.
    Zu den idealen der Mannheimer Schule steht das cembalo im gegensatz, dort schaffte man die terrassendynamik zugunsten von crescendo und decrescendo ab, auch verlangte die thematische arbeit stärkere akzentuierungsmöglichkeiten. Aber die kompositionen sind erst ein anfang, in vielem noch der vergangenheit verhaftet, vollender klassisch/dialektischen stils war Joseph Haydn, da wurde das cembalo auch als generalbass-stütze im orchester überflüssig (bei Mozart kommt es noch vor).
     
  4. Fastel

    Fastel Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 01.07.08   #4
    danke das hilft.
    da ich mit rückfragen zum thema clavichord und virginal rechne darf ich das virginal book nicht verschweigen.

    zu der bach sache: ich glaube das ist eher ein missverständnis. vielleicht hat er die ersten konzerte in dem das "klavier" das soloinstrument ist geschrieben?

    ich stecke immernoch ein wenig in der frage fest, welches gewicht das cembalo in der klassik hatte. bis mozart scheint es gegenüber dem forte piano eher beherrschend, ab beethoven anders herum. schon die früh-klassik hätte mit ihrem musikideal ein fortepiano gebraucht aber die unausgereifte technik ließ musiker und komponisten beim cembalo bleiben. - das wäre jetzt meine aktuelle schlussfolgerung.

    aber das setzt wohl tieferes nachforschen voraus was für das referat nicht verlangt werden wird. intressant wäre es aber :)
     
  5. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 01.07.08   #5
    Wir werden vieles nicht wissen, weil es für zeitgenossen kein thema war, sie konnten nicht mit dem wissensdurst ihrer nachfahren rechnen.
    Solokonzerte mit orchester kenne ich vor Bach nicht, er bearbeitete Vivaldis violinkonzerte und nahm sich an ihnen ein vorbild. Mozart notiert noch in seinen klavierkonzerten ein (2.) cembalo mit continuo-funktion.
    Das cembalo war in größeren räumen "unhörbar" und taugte nicht als konzertinstrument.
    Tief schürfen hilft nicht immer, ohne information können wir nur vermuten. Wird schon werden, dein referat!
     
  6. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 07.07.08   #6
    Vermutlich wird es wenig Handfestes geben, aber allen damaligen Tasteninstrumentalisten dürfte klar geworden sein, daß mit dem Hammerklavier und später dem Fortepiano Techniken entstanden, die dem Cembalo für die aktuellen musikalischen Strömungen überlegen waren.

    Es wird mit Sicherheit die Traditionalisten gegeben haben, die am Cembalo festhielten, vermutlich insbesondere dort, wo nach wie vor die Continuogruppe mit dem Cembalo verwendet wurde.

    Ich würde die Frage mal an Sabine Bauer stellen (wenn du dein Referat nicht ausgerechnet bei ihr schreibst...), die hat mit Sicherheit Stilkenntnis und Überblick genug, um dir da weiterzuhelfen. Meiner Erfahrung nach helfen Spezialisten gerne. Und eine Einschätzung von einer Spezialistin kommt fast jedem Referat zugute.

    Harald
     
  7. Fastel

    Fastel Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 23.07.08   #7
    ja ich habe nun eine 3 bekommen.

    eigentlich hab ich das meiste gewusst, bin dem dozenten aber nicht genug auf die aufführungspraxis eingegangen. alte spieltechniken mit neuen zu vergleichen, die tricks der generalbassspieler und der inhalt der alten Clavierschulen waren meine schwächen. hab ich dann wohl doch falsche schwerpunkte gesetzt...
    der rest hat gepasst.
     
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