Dann will ich mal mit meinem Bericht anfangen. Mit Bildern kann ich leider nicht dienen, aber keine Angst, es wurden genug gemacht. Einen ersten Vorgeschmack hat Topo ja schon geliefert.
Ich konnte ja leider aus zeitlichen Gründen nicht beim gemeinsamen Mittagessen dabei sein, bin also direkt zu
Beyerdynamic* gekommen. Nach kurzer Zeit kam dann auch die restliche Meute aus der Pizzaria. Ein Haufen gut gelaunter Kerle, äh wer gehört da jetzt zu welchem Usernamen? Bei manchen waren die Hinweise eindeutig, bei anderen weiß ich es bis jetzt noch nicht.
Aber egal, die Besichtigung begann zunächst mit der Vorführung des bekannten
Beyerdynamic* Werbevideos und ein paar allgemeinen Informationen zur Firma. Erste Fragen wurden gestellt auch ausführlich beantwortet. Das zog sich übrigens durch den gesamten Besuch, auch auf durchaus kritische Fragen erhielten wir klare und nachvollziehbare Antworten. Ich denke, das ist nicht unbedingt selbstverständlich und zeigt, dass wir voll ernst genommen wurden. Das war keine reine Werbeveranstaltung, sondern teilweise ein echter Dialog auf Augenhöhe.
Die Firma Beyerdynamic ist mit rund 300 Mitarbeitern keine besonders große Firma, die Stückzahlen ihrer Produkte sind dadurch auch begrenzt. Besonderen Wert wird auf das Attribut Made in Germany gelegt. Hier ist dieses Siegel durchaus angebracht, denn Beyerdynamic fertigt nach eigener Aussage 80% der benötigten Bauteile selber. Das mag jetzt für sich nicht so besonders beeindruckend klingen, was das aber konkret bedeutet wurde uns bei der Werksführung schnell deutlich. Die Führung wurde von Herr Vogel geleitet, einem ehemaligen Mitarbeiter, der 45 Jahre im Unternehmen gearbeitet hat. Was uns alles gezeigt wurde werde ich nicht ausführen, dass machen besser die Leute mit Bildern.
Zur Führung gab es für jeden einen Funkempfänger mit Ohrhörer für das Funkmikro von Herrn Vogel. Zunächst dachte ich, das wäre bei der kleinen Anzahl an Leuten wohl mehr eine Produktpräsentation denn von praktischem Nutzen. Aber es war durchaus praktisch, wenn man mal ein paar Meter weiter weg stand, um sich etwas interessantes näher anzusehen. Teilweise resultierten daraus auch Multitasking-Herausforderungen, wenn ich versuchte, über den Hörer Herrn Vogel zu folgen, wenn gleichzeitig neben mir eine weitere interessante Diskussion mit Bernd Neubauer lief.
Zurück zum Thema Made in Germany: Beyerdynamic fertig nicht etwa nur die Schwingspulen, Membranen und Magnetsysteme der Kopfhörer und Mikrofone selber, sondern auch so gut wie alle anderen Dinge. So werden beispielsweise die Transformatoren alle selber gedreht und die Platinen bestückt. Alle Plastikteile werden selber gespritzt und auch die dafür nötigen Formen werden selber hergestellt. Dies geschieht jedoch in einem anderen Werk nicht weit entfernt. Dort werden alle Metallarbeiten durchgeführt, um den dabei entstehenden Schmutz von der Montage der Produkte zu trennen. Die Konsequenz, die hinter dem Ansatz einer Produktion in Deutschland steht, fand ich bemerkenswert. Der Grund, warum sie fast alles selber herstellen, ist die dadurch mögliche Flexibilität und die Notwendigkeit, auf Änderungen schnell reagieren zu können.
Neu war für mich auch, dass Beyerdynamic eine große Produktpalette im Bereich der Sprechanlagen, Dolmetscheranlagen und ähnlichem hat. Vieles wird hier nicht auf Halde, sondern speziell für Aufträge gefertigt und angepasst. Dafür ist die Flexibilität die aus der Produktion an einem Ort resultiert ebenfalls wichtig.
Den Kopf voll von Eindrücken gab es nach der Führung Präsentationen der aktuellen Produkte aus dem Bereich Kopfhörer und Mikrofone. Bei letzteren kam es zur Diskussion um die beiden günstigsten neuen Mikrofonen (TG V30ds und TG V35ds). Diese kommen als einzige nicht aus dem deutschen Werk, sondern aus Fernost. Beyerdynamic zielt damit besonders auf den Markt außerhalb von Deutschland, wo der Name einer deutschen Traditionsfirma ein wichtiges Kaufargument ist, allerdings auch ein besonders niedriger Preis erwartet wird. Die Bedenken einiger von uns ging dahin, dass sich diese Produkte eventuell eher negativ auf den Ruf von Beyerdynamik auswirken könnten, da sie nicht die Qualität der deutschen Produkte erreichen. So ganz zerstreut werden konnten diese Bedenken nicht, aber der Standpunkt von Beyerdynamic ist in diesem Fall aus meiner Sicht auch nachvollziehbar. Vielleicht äußert sich dazu noch jemand anderes.
Zum Schluss lief der Besuch im eifrigen Testen von Kopfhörern und Mikrofonen aus. Dabei gab es einige positiv überraschende Ergebnisse, genaueres werden sicher noch andere schreiben. Daneben wurde noch eifrig mit den Beyerdynamic-Mitarbeitern diskutiert.
Wie in meiner Bewerbung für den Besuch angekündigt habe ich mich auch nach den beruflichen Möglichkeiten für Studenten der Elektrotechnik erkundigt. Beyerdynamic arbeitet eng mit der Fachhochschule Heilbronn zusammen. Beim Werksrundgang haben wir ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit gesehen, ein Headset mit speziell auf das Motorengeräusch kleiner Sportmaschinen abgestimmter aktiver Außengeräuschreduktion. Durch diesen Kontakt zum Ingenieursnachwuchs können sie ihren eigenen Bedarf an Nachwuchs natürlich einfach und sinnvoll decken. Darüber hinaus findet sich in der Entwicklungsabteilung Ingenieure aus den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Physik. Durch die Funkmikrofone werden auch Leute mit Kenntnissen aus der Hochfrequenztechnik gebraucht. Allgemein ist es Beyerdynamic wichtig, bei Entwicklungen vor lauter Technik nicht den Blick auf den Anwender, also den Musiker und/oder Tontechniker zu verlieren. Ich hatte in dem Zusammenhang auch den Eindruck, dass sie die Testobjekte nicht einfach nur zu unserem Vergnügen hingestellt hatten, sondern ehrlich an unseren Eindrücken und unserem Feedback interessiert waren.
Der Tag ging langsam auf den Abend zu und trotzdem gab es immer noch viel zu diskutierten, fachsimpeln oder einfach nur zu quatschen. Warum sollte es offline auch so großartig anders sein, als hier online im Board?
Als ich schließlich beim Gehen die Uhrzeit eingetragen habe, habe ich erstaunt festgestellt, dass wir über 5 Stunden bei Beyerdynamic waren. Diese Stunden waren wirklich voll von Interessantem und Neuem. Ich kann für mich nur sagen, dass es sich absolut gelohnt hat, dort hin zu fahren.
Vielen Dank an Beyerdynamic, an livebox für die Organisation und an das Board!
Jetzt bin ich mal gespannt, was der Rest von euch noch so schreibt. Es war insgesamt so viel, dass ich sicher eine Menge noch offen gelassen habe. Falls ich irgendwo etwas nicht korrekt wiedergegeben habe, so bitte ich um Korrektur.
Ich hoffe, der Thread findet auch reichlich Resonanz bei denen, die nicht dabei waren. Falls ihr noch Fragen habt, werden wir sicher versuchen sie zu beantworten, sofern wir dies können!