Beschichtete Phosphor Bronze Saiten für 2 Euro. Tauchen die was?

von Flyboy, 18.12.17.

  1. Flyboy

    Flyboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.17   #1
    Nachdem ich zuerst chinesische Pickups ausprobiert habe und mir allmählich die Gitarren ausgehen, um noch welche einzubauen, sind jetzt Saiten dran. Die Vorurteile sagen, beschichtete PB Saiten für unter 2 Euro, das kann doch nichts sein. Aber ich wollte es doch mal ausprobieren...

    Bestellt hab ich sie mir in 12-56, keine Ahnung was mich da geritten hat. Nach knapp 4 Wochen lagen sie im Briefkasten. Ein Packpapierumschlag mit Aufkleber der Saitenstärke. Darin alle 6 Saiten zusammen eingeschweißt, kleine Schildchen zeigen, welche Saite man vor sich hat. Ökonomisch und sicher. Ich habe keine Erfahrung mit beschichteten Saiten. Man sieht die Beschichtung nicht, aber die Saiten fühlen sich stumpf an, auch die blanken. Der Farbe nach ist es tatsächlich Phophorbronze.
    coated PB b.jpg

    Was zuerst auffällt ist, dass die blanken Enden weit herausstehen, man hat die Saiten nur so weit wie nötig umwickelt. Was dann als nächstes auffällt ist, dass der Kerndraht der tiefen E-Saite besonders dick und steif zu sein scheint.
    Bei mir kommt da ein Verdacht auf und tatsächlich: vergleicht man die Wickeldrähte der 56er Saiten mit 54er und 53er anderer Hersteller, dann sind sie etwas dünner. Eine plausible Erklärung: der Hersteller hat für 56er keine passenden Wickeldrähte auf Lager und macht einfach den Kerndraht dicker. Wäre eine typisch chinesische Problemlösung .....
    Vergleich 56-54.jpg Kern.jpg Oben die 56, unten 54

    Als Testgitarre kommt eine Eko J-54 von 1965 zum Einsatz, die hält sowas locker aus.

    Wie klingt es nun?

    Die ersten Anschläge mit dem Plektrum klingen dumpf aber nach einer Minute haben alle Saiten ihre Arbeit aufgenommen. Üblicherweise klingen neue Saiten erstmal brilliant bis blechern. Das kann man diesen Saiten nun wirklich nicht vorwerfen. Hohe metallische Frequenzen sind ihnen eher fremd. Wohlgemerkt klingt es nicht schlecht, ich würde sogar sagen, es klingt schön. Ein voller, weicher, harmonischer Klang, auch bei den umwickelten Saiten. Da ist ja sicher der gleiche Stahl drin. Irgendwie erweckt dieser Klang in mir nostalgische Gefühle. Ich assoziere damit alte Blues und Folk Aufnahmen aus den 40er und 50er Jahren, ein Sound den ich nie habe nachvollziehen können. Damals wurden Gitarrensaiten vielleicht noch nicht aus Spezialstahl hergestellt und das Kernmaterial spielt für den Klang halt eine wesentliche Rolle. Es wurde hier schon mal nach Saiten gefragt, die von Anfang an eingespielt klingen. Hier sind sie. Für mich klingen sie wie eingespielte Saiten mit der Komplexität neuer Saiten. Andere könnten das vielleicht besser beschreiben. Die EKO spiele ich nicht allzu oft, über die Haltbarkeit werde ich so schnell nichts sagen können.
    Ich werde mit diesen Saiten und anderen Gitarren definitv weiterexperimentieren, es gibt sie auch in Bronze und da finde ich vielleicht den lange gesuchten Vintage Klang... Es sind, jedenfalls abgesehen von der Beschichtung, Saiten außerhalb vom Mainstream und vielleicht hat der eine oder andere Interesse daran....

    Und wem die Saiten zu billig sind, der gleiche Händler bietet sie auch für 5 Euro an.
     
  2. Dietlaib

    Dietlaib Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.17   #2
    Meinst du, dass sie besonders weit nicht umwickelt sind? Ansonsten ist das blanke Ende ganz normal. Dadurch lassen sich die ansonsten dickeren Saiten leichter in die Mechaniken/Stimmwirbel einfädeln.

    Kern- und Wickeldrähte können bei unterschiedlichen Saiten und Saitenmarken durchaus unterschiedlich sein. Eine "typisch chinesische Problemlösung" sehe ich nicht darin.

    Deinen Saitentest finde ich insgesamt interessant, obwohl ich selbst eher teure Saiten kaufe. ;)

    Edit: Achja, im Threadtitel steht "tauchen" statt taugen". Absicht?
     
  3. Flyboy

    Flyboy Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.17   #3
    Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Andersrum: Sie sind sind kurz gewickelt

    Vielleicht tue ich einem qualifizierten Hersteller hochwertiger Saiten damit Unrecht und der dicke Kerndraht ist akustischer Finesse geschuldet. Klang und Handling tuts nicht gut..
    Ich habs aber im Text ein wenig abgeschwächt, Danke ..

    :great::D
     
  4. toni12345

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    Erstellt: 20.12.17   #4
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  5. realCop

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    Erstellt: 22.12.17   #5
    ...China-Spezial habe ich auch mal getestet - dachte erst, dass ich schief gewickelt bin, aber es waren schon die Saiten... Gut was will man bei diesem Preis erwarten? Die "Originalen" der bekannten Hersteller in unbeschichteter Art kosten ja meist schon das 2-3-fache... Da wird an allen Ecken und Enden (!) gespart: am Material, am Know-How (obwohl die wahrscheinlich längst die original-Wickelmaschinen haben) und an der Beschichtung...
     
  6. Flyboy

    Flyboy Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.01.18   #6
    Die Saiten sind jetzt ein paar Tage drauf und ich habe der Versuchung widerstanden die EKO wieder in den Koffer zu packen. Das schwere Teil mit 12-56 drauf ist halt nicht unbedingt Vergnügungssteuer pflichtig. Nach ca. 10 Stunden Spiel haben sich die Saiten ein wenig entwickelt. Sie klingen jetzt etwas klarer und definierter, dafür ist der "Glockencharakter" etwas zurückgetreten. Brillianz würde ich ihnen immer noch nicht zusprechen aber immer noch einen "schönen" Klang. Und der Begriff "schön" ist vielleicht der Schlüssel zum Ganzen. Möglicherweise hat man in China eine andere Vorstellung davon, wie eine Saite klingen soll und versucht diese umzusetzen. Und wir sind ja auch nicht der eigentliche Zielmarkt sondern, wie man an den Bewertungen sieht, ist es insbesondere Russland.

    Auf eine gewisse Sparsamkeit deuten zumindest die kurzen Wicklungen hin. Ich könnte mir vorstellen, dass der Wickeldraht importiert wird und damit teuer ist. Ich meine auch,irgendwo den Begriff Propriaity Coating gesehen zu haben, da ist sicher Skepsis angebracht. Zumindest die G-Saite ist im Griffbereich schon deutlich dunkler geworden.
     
  7. Flyboy

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    Erstellt: 11.01.18   #7
    Es geht zu Ende .....
    Die Saiten beginnen dumpf zu klingen, besonders die A und die E-Saite. Und das nach insgesamt ca. 15 Spielstunden. Von längerer Haltbarkeit würde ich da nicht sprechen. Dafür zeigen die Saiten bis auf die G-Saite nur geringe Verfärbungen im Griffbereich. Da wo das Plektrum auftrifft sind sie etwas heller, da scheint die Beschichtung weg zu sein.

    Mein persönliches Fazit: Ich würde nicht sagen dass die Saiten schlecht sind, sie klingen warm und glockenhaft. Aber es gibt auch keinen allzu großen Grund sie zu nutzen. Ich habe noch einen Satz 11-52 Bronze. Evtl. teste ich die mal auf der Framus Amateur. Das könnte ihren leicht metallischen Ton vielleicht kompensieren. Die Beschichtung scheint halbwegs zu funktionieren, verlängert aber nicht unbedingt die Lebensdauer. Das sollte man mal gesondert diskutieren.
     
  8. hatschipu

    hatschipu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.01.18   #8
    15 Stunden? Das ist ein Witz, und ein schlechter noch dazu. Das ist wirklich extrem wenig, da sind selbst die 2 Euro rausgeworfenes Geld, zumal der Kalng wohl eher speziell ist.
     
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  9. SonicAudio

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    Erstellt: 12.01.18   #9
    Jemand, der ganz bewußt und absichtlich chinesischen Billigschrott erwirbt, der muß sich auch über all die zu erwartenden Mängel nicht wundern. Das gilt nicht nur für Saiten, sondern auch für alles andere, mal abgesehen davon, daß er damit auch noch die westlichen Märkte schädigt! :bad:
     
  10. hatschipu

    hatschipu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.01.18   #10
    Ich denke, es ging um einen Test aus Neugier. Daher würde ich Milde walten lassen. :patpat:

    Vom Grundsatz her hast du natürlich recht. :opa:
     
  11. Flyboy

    Flyboy Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.01.18   #11
    China ist inzwischen zur Werkbank der Welt geworden, da kommen nicht nur die iPhones her, sondern auch viele gute Gitarren. Und ich nehme mal an, dass auch die eine oder andere Markensaite dort gewickelt wurde. Da ist ist es glaube ich nicht verwerflich mal zu schauen, ob die inzwischen selber brauchbare Saiten hinbekommen. Scheint nicht der Fall zu sein. Prima, Vorurteil bestätigt. Das Schöne ist, dass man dabei auch Erfahrungen machen kann, z.B. dass Beschichtungen die Lebensdauer nicht zwangsläufig erhöhen. Ist doch interessant ...

    Aber neben dem Billigschrott gibt es halt auch brauchbares, z.B Tonabnehmer die durchaus was taugen und mit denen man günstig auch mal alte Klampfen nachrüsten kann. Mit Waren, die man sonst nicht gekauft hätte schädigt man auch keine "Westliche Märkte".

    Genau, das triffts .. und die lass ich mir auch nicht nehmen ....


    PS
    Ein Review der 70 Cent Saiten spar ich mir. Nur so viel: die waren noch schlimmer als erwartet ....
     
  12. peter55

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    Erstellt: 12.01.18   #12
    Bitte hier keine allg. Diskussion über Produkte aus China etc.

    Die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe und Grundlagen dazu können gerne im Pol&Ges.-Sub diskutiert werden ;)
     
  13. Flyboy

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    Erstellt: 22.01.18   #13
    So, zur Vervollständigung noch die 11-52 in beschichteter Bronze. Genauso verpackt wie die Phosphorbronze Version, aber die kleinen Schildchen fehlen. Und die Saitestärke ist per Hand draufgeschrieben. Die Saiten fühlen sich steif an, aber ohne große Spannung, eine ist leicht verbogen. Zum Teil kurz, aber ausreichend gewickelt.

    Die Gitarre ist eine Morales MJ-25 ein schöner japanischer J-45 Nachbau. Und die klingt üblicherweise klar und straff, ähnlich dem Original. Die Saiten verleihen ihr eine bisher unbekannte Wärme und Fülle. Neben dem schon gebrauchten Atribut "schön" fällt mir noch der Begriff "ausdrucksstark" ein. Was auch auffällt, ist ein langes Sustain. Die heller klingende Bronze passt auch besser zu den Saiten und verleiht ihnen etwas Glanz. Nein, das sind keine schlechten Saiten, sie sind nur anders ..

    Falls ich diese Saiten unbeschichtet finde, werde ich mir ein paar Sätze in die Schublade legen. 15 Stunden Lebensdauer sind nicht viel, aber die eine oder andere Markensaite hielt auch nicht länger durch. Und bekanntlich hat Schönheit ihren Preis .....
     
  14. Flyboy

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    Erstellt: 02.02.18   #14
    Es war ein Traum, wenn auch ein kurzer.

    Diese Saiten machen süchtig, ich musste die Morales immer wieder in Hand nehmen um diesen tollen Klang zu hören... Für diese Art von Saiten scheint die alte Dame mal gemacht worden zu sein. Ich habe mich immer gefragt, was für eine geniale Gitarre Don McLean auf dem "American Pie" Album spielt. Jetzt weiss ich, es sind die Saiten.

    Aber auch diesmal war es nur ein kurzer Rausch. Schon nach wenigen Stunden wurde der süße Glockenklang straffer und irgendwann wars dann vorbei. Scheißegal, ich bin süchtig und brauch das wieder.

    Ein Grund für die recht kurze Lebensdauer könnte sein, dass diese Saiten das Dehnen beim Aufziehen nicht vertragen. Den ersten Satz der 70-Cent Saiten hab ich gedehnt und sie waren schlicht tot. Ein weiterer Satz, ungedehnt, klingt zumindest halbwegs. Das mit dem Dehnen sollte man auch mal gesondert diskutieren
     
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