Bin ich auf dem "richtigen" Weg? Stimmt die Technick oder ruiniere ich mir die Stimme?

von MrKachen, 06.06.19.

  1. MrKachen

    MrKachen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.06.19   #1
    Hallo zusammen!

    Schon länger haben wir in meiner Band überlegt, in eine etwas "härtere" Richtung zu gehen, und da ich der Sänger bin, habe ich vor ca. 2 Monaten angefangen, mir das Screamen beizubringen. Das ganze hat erstmal so ausgesehen, dass ich google angeworfen habe und einfach mal nach nützlichen Tipps gesucht habe. Nach gefühlt 500 Foreneinträgen und 200 Stunden Videotutorials habe ich dann einfach drauf los "gescreamt". Ich bin bei meiner Recherche immer wieder über folgende Aussage gestolpert:

    "Falsche Technik auf Dauer = Tod der Stimme"

    Da ich mir meine Stimme nicht ruinieren möchte, wollte ich einfach mal jemanden Fragen, der sich damit besser auskennt. Eventuell ist hier im Forum ja jemand unterwegs. Kurz vorne Weg: Ich weiß nicht, ob das was ich mache wirklich "Screamen" ist oder ob man das eher als "Fry", "False Chords", "Shouten", "Growlen" oder was auch immer bezeichnet. Ich verwende in diesem Eintrag einfach immer "Screamen". ;)

    Wenn ich mit Worten beschreiben soll, was ich da genau mache, würde ich das folgendermaßen machen: Man kommt nach einem langen Tag nach Hause, lässt sich aufs Sofa fallen und räuspert sich genervt, weil man weiß, morgen wieder Frühschicht. Dieses Räuspern ziehe ich dann einfach in die Länge, Forme mit dem Mund ein "o" und screame. Das Ganze klappt in den Proben eigentlich ganz gut, die ersten 2-3 Songs laufen ohne Probleme, danach wirds anstrengend und ich merke, dass ich leicht heiser werde. Schmerzen sind keine vorhanden.

    Ich hoffe, ich verstoße gegen keine Forenregeln, wenn ich hier mal zwei Audiobeispiele poste.

    Song: https://soundcloud.com/martin-kreuzer-2/disparity-natures-diversity
    Scream Only: https://soundcloud.com/martin-kreuzer-2/disparity-natures-diversity-scream

    Jetzt die Frage: Bin ich technisch auf dem richtigen Weg? Natürlich weiß ich, dass ich noch ganz am Anfang stehe, und noch viel viel viel Üben vor mir liegt. Vor dem exzessiven Üben möchte ich einfach nur sichergehen, dass ich die richtige Technik drauf habe und mir und meiner Stimme damit auf Dauer nicht schade.

    Stay tuned
    Martin
     
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  2. Bully51

    Bully51 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.06.19   #2
    Du wirst nicht nur Deine Stimme verlieren, sondern auch viele Deiner Freunde ...

    Spaß beiseite. Ähnlich wie beim Punk oder beim Hard Rock beansprucht diese Art zu "Singen" die Stimmbänder ganz enorm und das kann langfristig zu einer Vernarbungen der Stimmbänder führen; mit der Folge, dass die Fähigkeit, hohe Töne zu singen, verloren geht. Ohne fachlich versierten Gesanglehrer und gelegentlichen Besuchen beim Facharzt würde ich das nicht riskieren.
     
  3. DeadHonor

    DeadHonor Metal(gesangs) Mod Moderator

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    Erstellt: 06.06.19   #3
    Auf dem richtigen Weg bist du auf jeden Fall! Mir kommt es so vor, als ob die Kontrolle noch nicht so wirklich passt. Mal zu viel Druck, dann krampfst du mal im Hals. Ich würde das Augenmerk mal auf die Atmung legen und da n bisschen üben. Aber grundsätzlich scheint es schon zu passen.
     
  4. MrKachen

    MrKachen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.06.19   #4
    Ich muss gestehen, dass ich davon ausgegangen bin, dass bei korrekter Technik die Stimme auf Dauer keinen Schaden nimmt. Ein Problem ist auch, dass es für diese "spezielle" Gesangsrichtung so direkt keine versierten Gesangslehrer gibt, zumindest wüsste ich nicht, wie man diese findet. :/

    Danke für das Feedback! Speziell zur Atmung achte ich eigentlich immer darauf (auch beim normalen Singen), über den Bauch zu atmen und den Gesang mit dem Zwerchfell zu stützen. Natürlich ist das einfach eine Sache der Übung und wie bereits gesagt, ich glaube da habe ich noch einen weiten Weg vor mir! :D Ich bin schon mal froh, dass ich technisch anscheinend richtig dran bin.
     
  5. Bully51

    Bully51 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.06.19   #5
    Bei dreien meiner Freunde und auch bei mir war nach einer Gesangskarriere im Punk, Hardrock oder Metal Schluß mit Stimme, weil sich Narben auf den Stimmbändern gebildet haben. Die Narben mussten operativ entfernt werden (evtl. auch wegen späteren Krebsgefahr)!

    Der Facharzt im Krankenhaus hat mir das so erklärt: Hohe Beanspruchung der Stimme durch Schreien oder Grunzen führt zur Vernarbung der Stimmbänder. Diese werden dicker und können nicht mehr so frei schwingen - > Hohe Töne können nicht mehr erbracht werden.
    Anders sieht es nach einer Stimmband"pflege" a la Rod Stewart aus: Rauchen und Whiskey führt zu einer Art Hornhaut auf den beiden Stimmbändern. Ist wahrscheinlich auch nicht grade gesund ...
     
  6. DeadHonor

    DeadHonor Metal(gesangs) Mod Moderator

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    Erstellt: 07.06.19   #6
    Da muss man ganz klar sagen, sowas kann passieren, man kann die Gefahr mit ordentlicher Technik und Übung stark minimieren. Wichtig ist, bei Schmerzen und Heiserkeit sofort aufhören und ein paar Tage Pause machen. Ich selber bin jetzt seitknapp 16 Jahren mit gutturalem Gesang dabei und habe dort noch keine Einschränkungen feststellen können. Punk und Hardrock sind meist aber auch gefährlicher, da dort eher geschrien oder die normale Gesangsstimme falsch angezerrt wird. Wenn man zum Beispiel False Chords richtig anwendet, kann man die Zerrung quasi ohne Benutzung der Stimmbänder erzeugen.
     
  7. MS-SPO

    MS-SPO Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.06.19   #7
    Bist Du ausgebildeter Sänger oder Autodidakt?

    Mein Fall ist diese Art des Gesangs nicht. Welches Feedback bekommst Du von Zuhörern Eurer Band?

    Und schließlich frage ich mich, ohne urteilen zu wollen: Warum tust Du Dir das an, solltest Du eine ausgebildete Gesangsstimme haben?
     
  8. MrKachen

    MrKachen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.06.19   #8
    Also in erster Linie geht es uns nicht darum, jemandem zu gefallen. Ich habe bisher bei unseren Auftritten immer "normal" gesungen, wir waren da im Bereich Punk Rock unterwegs (ähnlich Sum41, Blink182, Green Day). Da haben wir eigentlich immer sehr positives Feedback bekomen. Ich bin ein guter Musiker, habe aber nie Unterricht im Bereich Gesang gehabt. Mein Problem war immer, dass ich selbst meine Gesangsstimme zwar als gut, aber nicht als Alleinstellungsmerkmal beurteilt habe. Ich singe vielleicht nicht schlecht, aber ich war bei keinem von unseren Songs wirklich zufrieden mit meinem Gesang. Da wir alle in der Band generell auf härtere Musik stehen, kam somit die Idee auf, einfach mal was härteres zu versuchen. Diese Neuausrichtung gefällt uns allen auch recht gut. Mein Fokus liegt nun eben deswegen darauf, gesanglich zu diesem neuen Stil zu passen ohne mir dabei die Stimme zu ruinieren! :D
     
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  9. FerdinandK

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    Erstellt: 08.06.19   #9
    gebe zu bedenken, dass sich das üblicherweise nie ändert, egal was man singt.
     
  10. DarkStar679

    DarkStar679 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.06.19   #10
    ich bin da überhaupt kein fachmann, sondern anfänger.
    mir wurde gesagt, wenn man so gesungen hat, soll man die stimme mit clean gesang wieder reinigen.
    daher, wenn ich ein oder zwei lieder so gesungen habe, singe ich eines mit cleaner stimme, meist auch in höheren lagen, damit die stimmbänder eben gereinigt werden.
    ob das so ist oder nicht, weiß ich nicht. jedenfalls kann ich so einige stunden singen, ohne heiser zu werden.
     
  11. DeadHonor

    DeadHonor Metal(gesangs) Mod Moderator

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    Erstellt: 11.06.19   #11
    Das ist eine interessante Theorie, von der habe ich noch nie gehört ^^ Auch normaler Gesang ist ja eine Belastung, am besten sollte man einfach insgesamt eher Pause machen, als weiter durchziehen.
     
  12. Andae

    Andae Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.07.19   #12
    Huhu
    Der Facharzt hat da schon recht, ein Detail wird hier aber nicht genannt ;)
    Hohe EINSEITIGE Beanspruchung der Stimme kann zu Vernarbungen führen. Du kannst dir das wie beim Krafttraining vorstellen. Trainierst du immer nur den Bizeps, wirst du auch nur damit schwere Dinge heben können, alle andern Muskeln sind dann schlapp wie ein Teig. Zudem ist der Bizeps einfach viel schneller abgenützt, weil er dann auch Dinge hebt, für die er eigentlich nicht gedacht wäre. Trainierst du den ganzen Körper, wirst du vielseitigere Dinge heben und machen können. Die Muskelabnützung bleibt überall gering, da jeder Muskel seine Aufgabe erledigen kann. ODER anderes Beispiel aus dem Sport: Trainierst du deine Muskeln tagtäglich aber dehnst sie nie, stagnieren sie irgendwann. So ist das auch bei der Stimmmuskulatur. Trainierst du sie nur aufs Schreien, oder nur auf Bruststimme, nur Kopfstimme, oder nur Growling, dann ist sie einseitig und eingeschränkt. Sie wird schneller abgenützt, weil du sie nur genau für diese Zwecke nutzt und schliesslich auch nutzen kannst. Trainierst du hingegen auch Cleanvocals in allen Registern und Farben, schaffst du es einerseits die Stimme flexibel zu halten, anderseits behältst du deine Vocalrange gross und deine Stimme wird gedehnt. Das beste Gegenstück zu Bruststimme, Growling, Screaming, etc. ist im Übrigen die Kopfstimme ;) Dass man alles trainiert, heisst längst nicht, dass man in der Band auch alles singen muss. Man kann sich ruhig fokusieren und nur Schreien oder Growle. Wichtig ist einfach, dass man den Fokus zu Hause breiter fasst beim Üben. ;)

    @MrKachen mein Feedback für dich:
    Der Ansatz stimmt schon Mal. Was mir bei dir noch fehlt, ist der richtige Stimmsitz. Du fällst hin und wieder in den Hals, was auf Dauer schädlich für die Stimme ist. Versuche den Stimmsitz mehr in die Stirn, also nach vorne zu verlagern. Falls dir es schwer fällt, vorzustellen, was ich meine: Mach mal eine Babystimme nach und schrei mal wie ein Baby. Kein Baby wird Heiser, wenn es stundenlang schreit. Als Baby hast du nämlich den perfekten Stimmsitz. Und zwar in der Nase/Stirn-Gegend. Adaptiere diesen Sitz auch aufs Growling, Screaming, etc. Du wirst mit der Zeit merken, wie viel einfacher alles geht dann.

    Zur Atmung: Es gehört viel mehr dazu als der Bauch und das Zwerchfell. Sind wir mal ehrlich. Anatomisch ist es überhaupt nicht möglich in den Bauch zu atmen. Wir atmen in die Lunge. Also dehnen sich die Lungenflügel aus, dies wiederum drückt die Flanken nach aussen. Warum oft Bauchatmung gesagt wird? Weil Die optimale Stützfunktion der Stimme durch Bauchspannung abgerundet wird. Stützen bedeutet, die Flanken ausgedehnt zu lassen, denn Bauch nach aussen gedrückt (und nicht angespannt, wie beim Sport) zu haben und dann mit dem Oberzwerchfell (ich sag dem Magischer Punkt) noch die gewissen Attacks zu geben. Dies ist jetzt vor allem für Brust- und Beltstimme, wie auch für Screaming, Growling etc. Sobald du reine Kopfstimme singst und in die Höhen gehst, sollten sich die Flanken weichen und nicht angespannt bleiben. Du kommst nämlich viel höher, wenn du sie fallen lässt (natürlicher Fall). Es ist eine komplexe Sache, die selbst manchem Gesangslehrer zu kompliziert ist, um es gut zu erklären oder zu beschreiben. Ich erinnere mich an genau eine Gesangslehrerin, die mir vermochte genau zu erklären, was eigentlich alles zur Atemtechnik / Stützapparat und dessen Funktionstätigkeiten gehört. Oft wird einfach gesagt: Bauchatmung und Zwerchfell spannen. Damit erreichst du allerdings nur die Hälfte von der Power und Stimmsicherheit, die du erlangen kannst, mit voller Stützfunktion. Dennoch glaube ich, schadet ein Gesangslehrer nie. Gesangslehrer beobachten und helfen. Jeder hat seine Methode und seine Art. Ob du richtig stützt oder nicht, dass kann oder sollte dir ein Gesangslehrer sagen und verbessern können und auch manch andere Dinge... ;)


    Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen? Ich bin gespannt auf deine Fortschritte und würde mich freuen, wenn du mich hier auf dem Laufenden hältst :D
     
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