Burst-Lackierungen an günstigen Instrumenten

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Hi zusammen,

hier im Forum gabs ja schon häufiger Bau-Threads, wo zu sehen ist, wie aufwendig eigentlich eine "richtige" Burst-Lackierung gemacht wird.

Ich stelle immer wieder fest, dass im günstigeren Gitarrensegment eine "Vintage Burst" oder "Sunburst" Lackierung ebenso wie "Natur" oder "Schwarz" angeboten wird - meist zum selben Preis. Habt ihr Informationen für mich, wie so eine Fake-Burst Lackierung hergestellt wird?

Bsp.:



Schönen Festtag!
Chris
 
Pie-314

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Hey Du,

Ich weiß nicht, ob Du das hier im Forum schon öfter verlinkte Video von einer Fabrikbesichtigung bei Gibson kennst:


Bei ziemlich genau 23:57 wird gezeigt, wie ein Mitarbeiter eine Sunburst Lackierung aufsprüht.

Ich weiß jetzt nicht genau, auf welche Bau Threads hier im Forum Du Dich beziehst, und wie Du daher den Aufwand klassifizierst, aber Bezug nehmend auf das verlinkte Video scheint mir eine (Sun-) Burst Lackierung eine Sache von wenigen Sekunden zu sein. Also nichts, was den Preis für das Instrument großartig in die Höhe treiben sollte, zumindest bei einem großindustriellen Vorgehen wie in dem Video. :)
Auch wenn Jim DeCola, der Master Luthier von Gibson im Video behauptet, dass diese Lackierarbeit eine sehr schwierige Angelegenheit darstelle, die einen erfahrenen Mitarbeiter mit sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert. :-D

Keine Ahnung, ob Dir mein Beitrag hier weiter hilft. Ich hoffe es zumindest mal. :)

Aber vielleicht können Experten hier im Forum wie der @Bassturmator oder @murle1 auch noch mehr dazu sagen.
Kompetenter als ich sind sie allemal. :)
 
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humbletone

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Moin,
wow - schnelle Antwort! Genau diese Art von Burst-Lackierung meine ich. Leider sehe ich ihn nur schwarze Farbe für die Ränder auf die "Burst" Lackierung draufsprühen. Wie der Farbverlauf dahinter gemacht wird, weiß ich nicht. Aber genau in die Richtung zielt meine Frage! :)

Mir war so, als hätten wir hier mindestens einen Bastelthread gehabt, wo extrem nah im historischen Gibson-Original gearbeitet wurde. Mit Nitrolacken und gewissen Farbfüllern - und auch mit Hilfe von UV-Strahlung usw. Ich hab jetzt sämtliche von mir abonnierte Threads durchgeschau, finds leider auf die schnelle nicht mehr wieder.

Der Zweck meines Threads ist, ob man bedenkenlos eine billige Burst Lackierung kaufen kann, oder ob die Gitarre unter Folie oder 10 Lagen dicker Farbe eingekleistert ist.
 
Hauself Zwo

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ob die Gitarre unter Folie oder 10 Lagen dicker Farbe eingekleistert ist.
Spielt das denn "im günstigen Gitarrensegment" (freundliche Umschreibung für Low-Budget- oder Billiggitarren - die verlinkte HB) eine Rolle? Man kauft die Optik des Sunburst, und mit Blick auf den Preis wird wohl kaum jemand erwarten, dass diese von einem zertifizierten Lackierermeister unter Verwendung bester Lacke und Farben/Beizen aufwändig gestaltet wurde.

Bei der verlinkten Epiphone in der 500-€-Klasse gehe ich davon aus, dass es sich nicht um Folie handelt, allerdings sieht dieses Sunburst mit dem hohen Schwarzanteil imho auch nicht gerade kunstvoll aus.

Die zwei Gitarrenbauer, mit denen ich losen Kontakt habe, meinten vor einiger Zeit, es werde erst dann aufwändig und mühsam, wenn der Kunde einen ganz bestimmten Farbverlauf in Übereinstimmung mit der Holzmaserung des Korpus wünsche, das sei dann "Fieselarbeit". Bei industriell gefertigter Ware schließe ich mich @Pie-314 an.
 
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Ich79

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Der Zweck meines Threads ist, ob man bedenkenlos eine billige Burst Lackierung kaufen kann, oder ob die Gitarre unter Folie oder 10 Lagen dicker Farbe eingekleistert ist.
Da gibt's keine Folie. Das wäre viel zu aufwändig oder würde einfach sch.... aussehen. Bursts werden normalerweise in ein oder zwei Schritten lackiert. Beim klassischen Sunburst z.B. erst ein deckender schwarzer Rand und danach ein eingefärbter Klarlack für den Übergang.
Siehe z.B.
Der Aufwand an sich hält sich in Grenzen. Aber man braucht Übung um den Burst gleichmäßig hinzubekommen.
 
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shackenb

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Ich würde das jetzt auch nicht als Fake Burst bezeichnen, denn eigentlich ist es die gleiche Technik. Man spritzt schräg über den Rand des Gitarrenbodies.
Der Aufwand, den z.b. Ich so treibe liegt eigentlich vielmehr darin den Lackaufbau, die Materialien, die Technik und auch die Lackalterung mit einfliessen zu lassen. Und das möglichst so wie in den 50ger Jahren.
Und damals hat man das auch immer einfachst möglich und effizient gemacht,das darf man nicht vergessen (das macht er uns heute aber schwierig annähernd die gleiche Materialien oder welche mit gleichen Eigenschaften zu verwenden). Eigentlich ist ein Burst keine große Sache, es kommen halt 2 Farben zum Einsatz statt einer.
 
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humbletone

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Vielen Dank für eure Beiträge!

Ich wurde nun heute fündig. Als richtige Burst-Lackierung meinte ich ein Vorgehen wie es z. B. AlexGT hier und anderswo immer wieder aufzeigt: https://www.musiker-board.de/threads/gibson-les-paul-makeover.623011/page-10#post-7700752

Spielt das denn "im günstigen Gitarrensegment" (freundliche Umschreibung für Low-Budget- oder Billiggitarren - die verlinkte HB) eine Rolle? Man kauft die Optik des Sunburst, und mit Blick auf den Preis wird wohl kaum jemand erwarten, dass diese von einem zertifizierten Lackierermeister unter Verwendung bester Lacke und Farben/Beizen aufwändig gestaltet wurde@Pie-314 an.

Es gibt ja einen Bereich zwischen "zertifizierter Lackierermeister" und einem ist alles egal (mehr Schein als sein), da es eine billige Gitarre ist. Kurzum: ich verzichte bei billigen Gitarren gerne auf aufwendige Designelemente, da sie mMn den Preis entweder erhöhen oder aber die übrige Qualität herab setzen. Ich komme allerdings auch damit klar, wenn eine Gitarre handwerklich "billiger", aber eben in ihrem Preisbereich authentisch gemacht wird. Eine Harley Benton Ahornwölkchen-Folie käme mir nicht ins Haus. Eine schwarze Harley Benton schon. Und wie so ein Burst einzuschätzen ist, weiß ich jetzt dank euch.

Die beiden Gitarren im Beitrag oben habe ich einfach als Beispiele raus gesucht. Ich bin an beiden Modellen nicht interessiert. Ich finds voll nachvollziehbar, dass in diesem Preissegment ein Burst auf andere Art- und Weise hergestellt wird. Ich wusste allerdings nicht wie. Jetzt hab ich dank der Videos ein paar Eindrücke gewinnen können.
 
OldRocker

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Hey,

hab mal (schon vor Jahren) mit dem früheren Lackierer vom Siggi Braun gesprochen. Der hat mir erklärt wie er Burstlackierungen mit unterschiedlichen farbigen Beizen mit Schwammtechnik "in die Decke drückt". Das ist recht aufwändig, vorallem die Homogenität der Übergangsbereiche hinzubekommen ist wohl nicht einfach.
Sinn dieser Technik ist es so die Maserung von gewölkten/geriegelten usw. Decken sehr plastisch wirken zu lassen.
Die so gebeizte Gitarre wird dann mit einem dünnen Klarlack versiegelt.

Gruss,
Bernie
 
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Habe das Aufbringen einer 2T-SB-Lackierung mal bei FGN in Matsumoto gesehen: Der Lackierer hält den gelb gebeizten Korpus an einem "Halsersatz" in der linken Hand, die rechte sprüht frei Hand mit der Spritzpistole den schwarzen Rand, der Übergang ergibt sich aus Abstand und Winkel, sprich Erfahrung des Lackierers. Danach dreht die linke Hand den Korpus um 180 Grd und es wird die Rückseite lackiert. Zeitaufwand komplett so 30 sec, Kostenaufwand im Centbereich.
 
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Hey,

hab mal (schon vor Jahren) mit dem früheren Lackierer vom Siggi Braun gesprochen. Der hat mir erklärt wie er Burstlackierungen mit unterschiedlichen farbigen Beizen mit Schwammtechnik "in die Decke drückt". Das ist recht aufwändig, vorallem die Homogenität der Übergangsbereiche hinzubekommen ist wohl nicht einfach.
Sinn dieser Technik ist es so die Maserung von gewölkten/geriegelten usw. Decken sehr plastisch wirken zu lassen.
Die so gebeizte Gitarre wird dann mit einem dünnen Klarlack versiegelt.
Gruss,
Bernie

Einschub Beizen vs. lackieren: Der große Nachteil bei dieser Beiztechnik ist es das dabei das geriegelte, die Wölkchen durch die Beize weitgehend fixiert werden. Das ist dann ganz anders als bei einer mit Nitro lackierten Decke, durch die Catoyanceeffekt sind die Riegel wesentlich plastischer und mehr drei 3D, sprich man sieht sie je nach Blickwinkel ganz anders (siehe die Burstszene aus Spinal Tap).

Anfangs habe ich auch mal die Beiztechnik probiert, das ist wesentlich komplizierter als die Nummer mit der Lackierung und die Chance das es nicht aussieht wesentlich größer.
 
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Es macht auch einen Unterschied, ob ich hier von Hobby bzw. Kleinbetrieb oder Industrieller Fertigung spreche.
Tatsächlich ist in industrieller Produktion lackieren viel einfacher, als beizen. Denn die benötigte Ausstattung Lackierkabine/Kompressor/Lackpistole ist vorhanden. Und mit ein wenig Übung ist so ein Burst sehr schnell gesprüht. Im iondustriellen Umfeld gibts dann sicher auch gleich für jede Farbe eine eigene Pistole, das zeuitaufwendige Pistolereinigen zwichen den Farbaufträgen fällt damit weg. Beizen ist da viel zeitaufwendig, und einen schönes Burst zu beizen ist, wie shackenb erwähnt hat, durchaus ein Aufwand.
Im Hobby-Bereich ist beizen auch deshalb verbreitet, weil es eben keine Lackierausrüstung braucht, und zum Versiegeln auch Klarlack aus der Dose reicht. Zum Beizen reicht mir die Beize, Schwamm und ein Fetzen.
 
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glombi

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Und ich dachte immer, die Sunburst-Lackierung sei gerade für "billige" Gitarren erfunden worden, um bei laminierten Bodies einfach die unschönen Seiten mit dem Schwarz kaschieren zu können, und and der Decke und der Rückseite den Eindruck eines edlen, massiven Holz-Bodies vorgaukeln zu können... :good_evil:
Das 3TSB ist dann doch nur die Evolution des 2TSB. Heute jagt jeder das perfekte Burst, mich kann man damit nur jagen...
 
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shackenb

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Also es gab das Burst schon vor den mehrteiligen Bodies, Fender hat dann wohl erst den Rand von Tele‘s (ca. ab 54) mehr opaque zu sprühen, damit man die mehrteiligen Bodys am Rand nicht so erkennen konnte. Dann natürlich auch die Strats...

Wobei ein mehrteiliger Body per se ja nichts schlechtes sein muss...
 
shackenb

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ist für den Klang einer E-Gitarre zwar auch egal...

Darüber könnte man sich auch trefflich streiten, aber da sind wir wieder beim Glaubenskrieg und das ist nicht im Sinne des Threaderstellers...
 
humbletone

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Schön, dass hier Austausch stattfindet. :) Lerne dazu! :great:

Eine Burst-Lackierung im industrieller Fertigung verursacht also vergleichbare Kosten/(Aufwand), wie eine schwarze Lackierung?
 
kikiroro

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Schön, dass hier Austausch stattfindet. :) Lerne dazu! :great:

Eine Burst-Lackierung im industrieller Fertigung verursacht also vergleichbare Kosten/(Aufwand), wie eine schwarze Lackierung?
Ich glaube im Gibson Factory Tour Video wird es kurz gezeigt...
Die haben da einfach 3-4 Pistolen hängen...jede mit einer anderen Farbe. So kann der Lackierer das Burst direkt spritzen, ohne aus dem Lackierstand zu müssen.
Die Gitarren hängen ja an einem Fließband. Es wäre einfach zu Zeitintensiv nach jeder Gitarre die Pistole zu reinigen...

Es wundert mich...das die noch keine Lackierroboter haben...da ist die Serie wohl doch noch zu klein.
 
Günter47

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Schön, dass hier Austausch stattfindet. :) Lerne dazu! :great:

Eine Burst-Lackierung im industrieller Fertigung verursacht also vergleichbare Kosten/(Aufwand), wie eine schwarze Lackierung?

Bei Fender wurden Gitarren schon in den 50er Jahren industriell gefertigt. Da wurde auf jede Sekunde und jeden Cent geachtet.
Eine Sunburst Lackierung dauerte dort ähnlich lange, wie heute in China.
Bei Fender kam es auch zu dem vor, dass Gitarren nicht grundiert...oder keinen Klarlack bekamen, oder Gitarren einfach in einer anderen Farbe übergetüncht würden.
Historischer Pfusch, wie ihn sich heute nicht mal die Chinesen leisten können.
 
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mr.coleslaw

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Fotofolie, kann man kaum von einer echten Lackierung unterscheiden.
 

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