Capos: Review und Vergleich

  • Ersteller dr_rollo
  • Erstellt am
dr_rollo
dr_rollo
Mod Keyboards und Musik-Praxis
Moderator
HFU
Zuletzt hier
07.02.23
Registriert
26.07.04
Beiträge
13.741
Kekse
73.042
Ort
Celle, Germany
Capos.jpg

Ich hab in den 45 Jahren, in denen ich Gitarre spiele, wenig Kapodaster eingesetzt. Die meiste Zeit hab ich vorwiegend E-Gitarre gespielt, wo ich prinzipiell keine Capos nutze, u.a. weil es den Sound beeinflusst, und weil ich auch normalerweise keine Notwendigkeit gesehen habe. Barree-Griffe zu spielen ist für mich nie ein Problem und daher auch kein Grund für einen Capo gewesen.

Im letzten Jahr bin ich wieder häufiger mit Akustikgitarre unterwegs, und da kam ich dann doch vermehrt in die Situation einen Capo zu nutzen. Die typischen Songs wie ‚Free Fallin‘ von Tom Petty = Capo 3. Bund, um es in D klingend F zu spielen, ‚Wonderwall‘ von Oasis = Capo 2. Bund, ‚America‘ von Simon & Garfunkel = Capo 2. Bund, weil sich die Bassläufe in der Begleitung auf C besser spielen lassen, es aber klingend D gesungen werden sollte oder ‚Here Comes The Sun‘ von den Beatles = Capo 7. Bund – anders klingt’s nicht oder man bricht sich die Finger u.v.a. Songs natürlich auch noch.

Grundsätzliches zu Kapodastern​

Ich hab extra nochmal wegen der Schreibweise gegoogelt. Im Deutschen wird er mit ‚K‘ geschrieben, auch wenn diese Teile auch kurz Capo genannt und dann mit ‚C‘ geschrieben werden. Im Englischen heißt es wohl nur Capo. Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Italienischen (capotasto) und wurde dort wohl das erst Mal im 17. Jahrhundert verwendet. Auf jeden Fall ist es ein maskulines Substantiv, daher heißt es auch der Capo bzw. der Kapodaster.

Ein Capo ‚…ist eine bewegliche Vorrichtung, um die schwingende Länge der Saiten einer Gitarre oder eines verwandten Saiteninstruments (etwa Laute, Mandoline oder Banjo) zu verkürzen. Sie wird zwischen zwei Bundstäben um den Hals des Instruments gespannt und drückt die Saiten vor dem Bundstäbchen auf das Griffbrett. Bei den meisten westlichen Saiteninstrumenten sind die Bünde im Halbtonabstand angebracht. Beim Anbringen des Kapodasters erhöht sich daher pro Bund die Tonhöhe aller Saiten um einen Halbton.‘ (Link Wiki)

Die Grundidee dahinter ist, die Stimmung des Instruments auf die Gesangsstimem anzupassen, damit man denselben Fingersatz oder einen bequemeren Fingersatz spielen zu können. Dadurch, dass sich durch die Verkürzung der Saitenschwingung der Klang des Instruments erhöht, ist es auch manchmal ein Stilmittel, das bewusst eingesetzt wird, z.B. um der Gitarre den Charakter einer Ukulele zu geben (mach ich hin und wieder), oder wenn zwei Akustikgitarre spielen, kann es interessanter klingen, wenn eine mit, die andere ohne Capo gespielt wird, als wenn beide dasselbe auf der selben Lage spielen.

Aufbau und Anwendung eines Capos​

Grundsätzlich besteht der Capo aus einer kurzen ‚Leiste‘ (mir fällt gerade kein anderes Wort ein), die auf der Seite, die die Saiten herunterdrücken soll gummiert ist oder mit einem anderartigen weichen Material versehen ist. Diese Leiste liegt über dem Bund, um die gewünschte Tonerhöhung zu erreichen, also nicht auf dem Bundstäbchen selbst, im Prinzip, wie man den Ton auf der Saite mit dem Finger herunterdrückt. Von unten baut dann eine entsprechende Vorrichtung den Druck auf der Halsunterseite aus, die diese gummierte Leiste auf die Saiten herunterdrückt, meistens eine Feder, und da unterscheiden sich eigentlich die Bauformen in erster Linie. Aber dazu später. Im Grunde ist es nichts anderes als der Zeigefinger, der über einem Bund liegt und der Daumen, der von unten den Gegendruck erzeugt, damit alle Saiten gleichmäßig heruntergedrückt werden, und die Saiten fest auf dem Bundstäbchen aufliegen und nicht scheppern.

Da die Griffbretter der Gitarren unterschiedlich sind, gibt es verschiedene Ausführungen, zum einen, was die Länger der gummierten Leiste angeht – 6-Saiter, 12-Saiter, Ukulele, Banjo, und auch mit leicht gebogenem Profil, um sich an das gewölbte Griffbrett, sowie gerades Profil z.B. für Konzertgitarren, wo das Griffbrett nicht gewölbt ist. Bei den meisten Capos wird die nötige Spannung über einen Hebel mit Feder hergestellt, andere haben eine Schraube zur Fixierung oder das Schubb Patent, wo eine gewisse Voreinstellung über eine Schraube eingestellt wird und dann der Capo aufgeklemmt wird. Eine Art gibt es noch, wo über ein Raster eine grobe Voreinstellung gegeben ist und man der Capo über ein minimal flexibles Nylonband an den Hals spannt.

Die verschiedenen Capos​

Ich hatte einen Schubb C1 in meinem Repertoire, mit dem ich erste Versuche gestartet hab, und irgendwo (ich glaube bei Wish) hab ich dann einen günstigen no-name Schubb Nachbau für 12-Saiter günstig geschossen. Mit der Schraube bei diesem Typ Capo war mir das zu umständlich, und daher hab ich mir bei Thomann mal ein paar weitere zum Testen bestellt, ein Harley Benton HBCA-K und ein D’Addario PW-CP-07. Dann bin ich Zufall in einer alten Kiste noch auf meinen allerersten Kapodaster gestolpert, garantiert über 40 Jahre alt, ein Willner, leicht angelaufen, die beweglichen Mechaniken daran etwas schwergängig, was aber mit etwas Silicon-Öl schnell behoben war – und ja, er tut’s noch, also kommt er auch mit in den Test. Dann hat mir ein Kollege bei einem Gig von seinem G7th vorgeschwärmt, hab ich dann noch gleich nachbestellt. Dann fehlt mir in meiner Erfahrunsgschatzkiste jetzt eigentlich nur der mit dem Nylon-Spannband, den ich im Prinzip auch besitze, finde ihn aber im Moment nirgends (s. 1. Bild). Den gibt's bereits für unter 2 Euro neu, tut's sicher auch, ist aber in meiner Erinnerung ein bisschen umständlich von der Handhabung gewesen. Wie auch immer fällt der dann hier aus der Betrachtung raus. Wollte diesen Typ nur der Vollständigkeit erwähnen.
1669467396873.png
Capo2.jpg Capo1.jpg Capo4 - HBCA-K.jpg Capo6 - daddario.jpg Capo5 - Willner1.jpg Capo3 - 7th.jpg
Apropos Vollständigkeit: Beim Stöbern auf der Thomann Seite kann man sehen, dass es natürlich noch einige andere Abwandlungen gibt, zumindest was die Mechanik angeht, in erster Linie, wie und in welcher Form der Druck auf die Saiten fixiert wird. Darüberhinaus bin ich dort noch darüber gestolpert, dass es auch noch ein paar spezielle Capos gibt, mit denen man nicht alle Saiten auf eine Lage bzw. Bund verkürzt, sondern wo die Saiten einzeln fixiert werden, und somit open Tunings realisiert werden können, oder auch Capos, die nur eine oder drei Saiten herunterdrücken, oder den sogenannten Drop D Capo, der alle 5 Saiten bis auf die tiefe E-Saite herunterdrückt. Diese Modelle lass ich hier auch außen vor. Ich beschränke mich hier auf meine Auswahl, die schon ein breites Spektrum abdeckt, wie ich finde.

Der Praxistest​

Haupteinsatz soll bei mir auf meiner Allround und Arbeitsgitarre, diner Fender Acoustasonic Tele sein: 6 Saiten, leicht gewölbtes Griffbrett, 11er Satz mit umwickelter G-Saite. Aber ich ziehe zum Vergleich auch eine Cort 6-Saiter Akustik, sowie eine Guild 12-Saiter und eine E-Gitarre dazu, und schau auch mal, wie sich ein Capo für gewölbtes Griffbrett auf einer Konzertgitarre macht.
Was alle Capos im Grunde gleich haben, ist eine gummierte Leiste, das sogenannte Sleeve, mit der die Saiten heruntergedrückt werden, und das Gegenstück, das von unten gegen den Hals den Druck auf das Sleeve herstellt, meist auch ein mehr oder weniger stark gummierter Hebel, wenn man so will, mehr um den Hals vor Beschädigungen zu schützen, aber auch für besseren Halt. Im Grunde wie der Zeigefinger beim Baree-Griff, der auf den Saiten liegt und der Daumen, der von unten dagegen drückt. Das Sleeve ist leicht gewölbt, damit es sich den meisten Griffbrettern besser anpasst. Die Gummierung ist leicht unterschiedlich, bei einigen Modellen weicher, bei anderen härter. Die Wölbung und die Länge des Sleeves variiert bei den Capos, zwischen 5,2 und knapp 6 cm.

Anlegen des Capos​

Im Prinzip kann man einen Capo von oben oder von unten anbringen. Die meisten setzen ihn von oben nach unten auf, was ich auch tun würde, weil es so der Hand, die von unten um den Hals greift, weniger in die Quere kommt. Dann sollte das Sleeve möglichst nahe am Bundstäbchen und nich in der Mitte des Bundes sitzen.
Alle Capos könnte man theoretisch mit einer Hand anbringen, man nimmt aber eigentlich meistens automatisch die rechte Hand dazu, um den Sleeve zu fixieren, bis auf den Harley Bento, das ist wirklich eine reine ein-Hand-Bedienung, und für den Willner braucht man im Prinzip die zweite Hand, um den Bügel zu schließen.
Der D'Addario besitzt eine Schraube, die man anzieht, nachdem man ihn ansetzt, und so anzieht, bis alle Saiten sauber klingen, auch das geht besser, wenn man mit der anderen Hand das Sleeve fixiert, während man die Schraube anzieht. Beim G7th drückt man den Capo nur zusammen, drückt evtl. noch etwas nach, bis alle Saiten sauber klingen.
Beim Schubb muss man mit der Schraube eine vorab-Justierung vornehmen, wo dann der Druck nach umlegen des Hebels ausreichend ist. Wenn nicht, löst man wieder und justiert nach. Klingt umständlich, ist es aber nicht, wenn man es einmal eingestellt hat - zumindest beim Original. Bei meinem Schubb Nachbau ist das leider anders. Da die Justierungs-Schraube im Gegensatz zum Original keine Feder verbaut hat, verdreht sich die Schraube so leicht, dass man jedes mal neu justieren muss. Da wackelt und eiert aber auch sonst alles - ich hatte ihn ja nur gekauft, weil er für 12-Saiter sein sollte. Ja, das Sleeve ist ein paar mm länger, aber wie der Praxistest gezeigt hat, passen letztlich alle Capos, die ich hier zur Verfügung hatte, von der Breite auf den 12-Saiter Hals meiner Guild, sogar auf den noch breiteren Hals meiner Konzertgitarre.
Alle Capos bekomme ich ohne Probleme so angelegt, dass alle 6 Saiten sauber und ohne Schnarren klingen. Auch auf der Konzertgitarre klappt das ohne Probleme, obwohl die gar keinen gewölbten Hals hat.
Das Problem ist tatsächlich bei der 12 Saiter, und hier ist es nicht die Breite des Halses oder der zu kurze Sleeve, obwohl bei den meisten Capos in der Beschreibung steht: für 6-saitige E- und A-Gitarren. Hier liegt das Problem leider bei den Oktav-Saiten, weil sich dicke und dünne Saiten abwechseln, vor allem bei der hohen G-Saite. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Man muss beherzt den Druck deutlich erhöhen, dann bekommt man alle Saiten sauber zum klingen. Der Willner fällt hier gleich raus, der schafft neben der hohen G-Saite auch nicht die hohe D- und A-Saite. Beim Harley Benton reicht der Druck zumindest nicht für die hohe G-Saite, weil die Feder den maximalen Druck vorgibt, und beim G7th fehlt auch die letzte Spur Druck, um auch die G-Saite sauber zu bekommen.

Das Problem mit dem Stimmen​

Jeder kennt es oder hat es schon erlebt: Die Gitarre stimmt, Du legst den Capo an, und die Gitarre stimmt nicht mehr. Was kann man tun? Grundsätzlich muss die Bundreinheit natürlich optimal eingestellt sein. Dann sollte die Gitarre vor dem Anlegen des Capos gestimmt sein. Wenn man nach dem Anlegen nochmal nachstimmt, unbedingt den Capo noch mal kurz lösen, um zu vermeiden, dass Saiten unter'm Capo noch mal nachrutschen - das gleiche Phänomen, wenn Saiten im Sattel zu fest sitzen. Ansonsten hilft nur, ein gutes Mittelmaß finden, denn am Ende gibt es auch ohne Capo nie ein 100% korrekt gestimmte Gitarre.
Auch das Saitenziehen, was ja mehr bei der E-Gitarre vorkommt, kann sich negativ auf die Stimmung der Gitarre auswirken, weil die Saite durch den Capo schlechter zur Ausgangsposition zurückkommt, und sollte daher möglichst vermieden werden.

Fazit:​

Im Grunde haben alle Capos im Test ihren Zweck mehr oder weniger erfüllt. Sie funktionieren an der 6 saitigen Akustik-Gitarre genau wie an der E-Gitarre soweit, dass sie ihren Zweck erfüllen, wenn man grundsätzliche Dinge beachtet, wie ich sie oben beschreiben habe. Den Willner hab ich relativ schnell wieder zur Seite gelegt, weil er vom Handling zu umständlich war, und weil mich die obere Kante beim Spielen gestört hat, ähnlich, wie wenn ich den Capo von unten anbringe. Der Harley Benton ist nett, weil er wirklich nur mit einer Hand schnell angelegt ist. Er trägt aber optisch ziemlich auf, was ich unsexy finde. Für die 12-Saiter war er nicht geeignet, genauso wie der G7th, der auf der 12-Saiter nicht genügend Druck ausüben konnte. Mir hat das Handling auch nicht so zugesagt. Das Lösen ist zwar einfach, weil nur ein Hebel bewegt werden muss, aber da konnte ich mich bislang nicht dran gewöhnen. Am ehesten sagt mir der original Schubb zu. Ist er erst einmal justiert, ist es nur ein Handgriff, um ihn anzubringen. Der D'Addario kommt bei mir auf Platz 2. Ist schön leicht und sitzt sicher und optisch unauffällig. Man muss halt nur jedes Mal die Schraube festdrehen und wieder lösen.
Der Schubb Nachbau landet in der Tonne. Wer billig kauft, kauft zweimal und ärgert sich darüberhinaus unnötigerweise.
Die Gummierung ist bei allen Capos leicht unterschiedlich, was - wie manche behaupten - sich auch ein wenig auf den Klang auswirken soll, was ich nicht nachvollziehen konnte. Am Ende drückt der Capo die Saiten nur auf die Bundstäbchen, wie das die Finger letztlich auch machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 4 Benutzer

Ähnliche Themen


Neue Themen

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Oben