Coverband vs. Tribute Band

von dr_rollo, 13.11.12.

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  1. dr_rollo

    dr_rollo Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 13.11.12   #1
    Wir hatten das Thema bereits in einem anderen Thread angefangen, was in OT ausgeartet ist. Daher hier ein Extra Thread zu dem Thema:
    Was unterscheidet eine Tribute Band von einer Coverband bzw. was erwartest DU als Besucher einer Tribute Band im Gegensatz zu einer universelleren Coverband?

    Nur um das schon einmal einzugrenzen:
    Eine Coverband covert verschiedene Künstler/Bands, während eine Tribute Band sich üblicherweise einer Band oder einem Künstler widmet.
    Manche nennen sich direkt z.B. "Deep Purple Coverband", andere verwenden einen anderen Zusatz wie z.B. Abbamania, andere verwenden einen eigenen Namen wie Echoes (Pink Floyd), Regatta De Blanc (The Police), Black Rosie (AC/DC), Mit 18 (Marius Müller-Westernhagen), The Great Pretender (Freddie Mercury), wo man aber mit ein wenig Fantasie auf die Band schließen kann.
    Üblicherweise covern Tribute-Bands ausschließlich Songs dieser einen Band, in manchen Fällen gibt es leichte Überschneidungen mit anderen ähnlichen Bands.

    Manche Tribute Bands kommen - oder veruschen zumindest - sehr bzw. möglichst authentisch rüberzukommen, d.h. die Besetzung ist identisch, das Aussehen der original Künstler wird so gut es geht immitiert, was teilweise bis zu den original Klamotten geht, die sie von ihren Idolen bekommen, ersteigert oder nachgeschneidert haben. Auch die Instrumente sind möglichst identisch, wobei dies manchmal schon problematisch werden könnte, gerade bei den Keyboards. man hat ja nun früher durchaus mehr Aufwand betrieben, weil es auch gar nicht anders ging, einen Aufwand, den man heute eigentlich nicht mehr betriebt, weil im Prinzip unnötig, udn auch teilweise nicht möglich, weil man viele dieser alten "Kisten" entweder gar nicht, oder nur zu horrenden Preisen bekommen kann, und das Zeug dann so wertvoll, das man es nur ungern auf die Bühnen schleppen würde. Von der Anfälligkeit mal ganz abgesehen.
    Hier gilt es, einen Kompromiss von Notwendigkeit und praktischer Umsetzungsmöglichkeit zu finden.
    Ebenso die Show: Wohl kaum eine Band wird solche Lichtanlagen wie Pink Floyd installieren, weil das ja in keinem Verhältnis stehen würde.

    Also nochmal die Frage: Was ist nötig, wo ist die Grenze?
    Und was wir schon angefangen hatten zu diskutieren: Wieviel Interpretationsfreiraum würdet Ihr akzeptieren (was ja im Grunde auch schon ein wenig in die Equipmentfrage fällt?
     
  2. bluebox

    bluebox HCA Keyboard HCA

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    Erstellt: 14.11.12   #2
    Hi Rollo !

    Interessante Frage. Ich denke, da gibt es auch schon wesentliche Unterschiede welche Originalkünstler gecovert/tributet werden bzw. wie das ganze nach Außen dargestellt wird. Z. B. eine Queen-Tribute Band sollte m. E. ziemilich nahe an der Stimme von Freddy Mercury sein (musikalisch natürlich sowieso).
    Auch, wie schon von dir geschrieben, wenn die Originale eine Riesen-Show auf die Bühne stellen (z.B. Pink Floyd)- erwarte ich auch das eine oder andere Show-Element (z.B. Lightshow). Wenn es um Originale geht, die jetzt nicht so spektakulär auf der Bühne auftreten, kann man darauf auch getrost im Tribute Bereich verzichten. Ich spiele ja in einer Eagles-Tribute Band mit, wobei das nach außen einzig durch die realtiv orginalgetreuen Musikwiedergabe und den Kleidungsstil dargestellt wird. Hier würde, denke ich, auch niemand eine großartige Bühnenshow erwarten. Eine Kiss-Tribute-Band sollte eben auch geschminkt sein...
    Odern bei Abba wäre es mir wichtig dass 2 Männer und 2 Frauen als Front-Leute da sind, die auch authentisch singen können.
    Bei z.B. Robbi-Williams-Cover, wäre mir nur der Frontmann wichtig, den Rest der Band finde ich irgendwie austauschbar.
    Bei den Instrumenten ist das halt so eine Sache... Das sieht wohl jeder etwas anders. Besonders die Gitarristen wollen meistens die "originale" Klampfe des Künstlers auch spielen. Bei den Keys würde ich es nicht so eng sehen. Natürlich sollte z.B. für Deep Purple eine Hammond auf der Bühne stehen oder für Manfred Mann ein Moog. Oder noch wichtiger Doors mit Vox Continental, aber sonst wäre ich da ziemlich offen, so lange der Sound hinkommt.
    Also auch hier - es kommt wie immer drauf an....

    ciao

    Micha
     
  3. dr_rollo

    dr_rollo Threadersteller Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 14.11.12   #3
    Na ja, wir hatten halt die Key-Problematik angefangen zu diskutieren, als es um Abba ging, die ja nun gerade einen Fuhrpark fern von gut und böse aufgefahren haben, den sich heute niemand mehr leisten könnte, geschweige denn eine Tribute-Band auch nur teilweise auf die Bühne stellen würde. Warum auch? Das kann man ohne Probleme heute auch mit zwei Workstations und ein wenig Programmierarbeit abdecken - meine Meinung, und auch die einiger anderer. Aber andere sehen das anders. Bei Git, Bass und Drums sieht das schon wieder anders aus. Die legendäre, aus verbrannten Dachbalken geschnitzte Gitarre von Brian May gibt's heute als sogar erschwingliche Klampfe von der Stange (Form und Farbe haben ja zumindest einen Wiedererkennungswert - sogar bei Nichtmusikern), bei Bässen fällt mir jetzt der Beatles Höfner-Violin-Bass auf, der auch nicht die Welt kostet. Das würde für jeden authentischen Geschmack ausreichen. Ob jemand wirklich auf Drums achtet, weiß ich nicht. Mir fällt da auch gerade kein Drumset mit hohem Wiedererkennungswert ein, das evtl. bei irgendeiner Band hervorgestochen haben könnte.
    Bei Keyboards wird's da schon schwieriger. Ein Roland AX1 Keytar für die Modern Talking Tribute ist erschwinglich, bei der Hammond geht's schon gleich in's Geld. Die Frage wäre eher, muss da bei einer Supertramp Tribute wirklich ein Wurlitzer 200A stehen? Würde das überhaupt jemandem auffallen, und wenn, wie vielen? Nur Musikern, oder auch nicht-Musikern? Der Sound ist entscheidend, und da wir hier ausschließlich über live reden, behaupte ich, dass da fast jede Workstation einen ausreichend authentischen Sound produzieren könnte, den niemand - zumindest live über eine PA - von einem original Wurli unterscheiden könnte. Das große Moog Modular von Keith Emerson wäre schon wieder ein größeres Problem, wobei man da sicher auch mit einer Atrappe arbeiten könnte. Ich weiß z.B. aus erster Quelle dass Klaus Schulze himself auf seiner Japan Tournee diverse Systeme aufgebaut hatte, sie aber überhaupt nicht eingesetzt wurden, sondern nur da standen und blinken mussten, weil die Japaner da so scharf drauf waren.
    Und was überhaupt wären die typischen Synthies die für eine Pink Floyd Tribute auf die Bühne müssten, wobei sie in den letzten Jahren selbst live Kurzweils auf der Bühne hatten?
    Wir reden jetzt mal nicht über ein Jean-Michel Jarre Tribute... da würde es definitiv schwierig werden, denn gerade der Besucherkreis wären sicherlich zu 90% Musiker, die sich ja schon mokieren, wenn Jarre selbst nicht das Original, sondern nur ein Mark II dabei hatte. Ansonsten gehört der wohl noch zu den Verrückten, die das ganze alte Zeugs, egal wie teuer oder empfindlich auf die Bühne schleppen.
     
  4. catfishblues

    catfishblues Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 14.11.12   #4
    John Bonhams "Amber Vistalite"; von Ludwig oder Keith Moons ";Pictures of Lily"; von Premier

    Mal so als kurzen und so weit ich weiß teuren Input :)

    Diese Sets haben einen sehr hohen Wiedererkennungswert, wie ich finde, das könnt schon einigen auffallen.
    Ich könnt es verschmerzen, wenns eine musikalisch gute tribute Truppe ist. Lieber gute Musik/Cover und mangelnde Optik, als umgekehrt.

    Grüße cat...
     
  5. vamosh

    vamosh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.11.12   #5
    macht beides spass.
    wenn man fan ist , ist eine tribute-band total super.
    coverbands sind halt vielseitiger, gibt ja so wenige :bang:.

    geschmackssasche.
     
  6. steirerbua82

    steirerbua82 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.11.12   #6
    Servus,

    wollt hier auch mal meinen Senf dazugeben...

    mein Bandkollege is Bassist in der Rammstein-Tribute-Band WEISSGLUT was hier natürlich oberste Priorität hat is die Pyro-Show - mit der sie auch nicht sparen, desweiteren noch diverse Utensilien auf der Bühne (die Engelsflüge, Flammenwerfer, brennende Tonne, usw...), z.T. werden auch nahezu zum original passende Kleidungsstücke verwendet
     
  7. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.11.12   #7
    Was mich zum Thema Tributebands und gerade zu "weissglut" interessieren würde.......

    Das ist ja meistens ein nicht unerheblicher Aufwand. Wie refinanziert man den ? Klar, im besten Fall durch Gagen aber welche Art Veranstalter bucht Tribute Bands und zahlt deren Gagen ?? Weissglut dürfte ja nicht für 400,- und 3 Kisten Bier spielen (können).
     
  8. dr_rollo

    dr_rollo Threadersteller Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 20.11.12   #8
    Irgenwie scheinen Tribute Bands angesagt zu sein. Beim letzten Maschseefest in Hannover waren an 19 Tagen 140 Bands, ohne Ende Tribute Bands dabei, sogar Eintritt frei, und die Bands haben garantiert nicht für lau gespielt.
     
  9. bluebox

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    Erstellt: 20.11.12   #9
    Hallo Rollo !

    Ja scheinbar ist es momentan angesagt. Ich selbst mag es aber lieber "bunt gemischt" zumindes in unserem Tribute-Projekt ist mir die Gesamtausrichtung des Programms zu lahm (das ist bei Rammstein-Tribute natürlich etwas anderes... ;-)).
    D.h. ich spiele lieber in unserer Cover-Band ein paar Tribute-Songs als umgekehrt.
    Zum Thema Finanzierung. Ich kenne jemanden der öfters solche Dinge organisiert. Die Kalkulation geht da über Schnittpreise. D.h. die Anfängerbands spielen entweder ganz für lau oder so im 200,00 EUR Bereich. Die nächste Kategorie liegt so bei 600,00 EUR. Danach kommen die bekannteren im 1000 EUR Bereich.
    Und die "Zugpferde" werden richtig gut bezahlt. Letztendlich darf halt das Gesamt-Budget nicht überschritten werden. Wobei ich viele Musiker-Kollegen kenne,
    die gerne mal für weniger als normal spielen, wenn auf der Veranstaltung > 5000 Besucher erwartet werden.
    Große Festivals ohne Eintritt wären ohne Sponsoring von Brauereien, Banken, Energieversorgern usw. aber trotzdem nicht machbar.

    Zum Glück gibt es das noch.

    LG

    Micha
     
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  10. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.11.12   #10
    Ich wollte lediglich Sweety Glitter sehen und habe sie mir auch angeguckt. Ansonsten bin ich nicht so Schickimicki ähhhh Maschseefestgänger. :D
     
  11. Mod-Paul

    Mod-Paul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.11.12   #11
    Absolut :) Und die dazugehörige Tributeband Amazing Journey. Vielleicht kennt man den einen oder anderen aus der Band ;) http://www.youtube.com/watch?v=bavIllGMFRA

    Aber selbst hier sieht man, dass es gar nicht so einfach ist The Who zu covern. Aber sie sind schon nah dran ;)

    Ist auch immer die Frage, wie nah muss die ganze Geschichte am Original sein? Der Musiker hat sicherlich einen anderen Anspruch als der "gemeine" Zuhörer oder Zuschauer. Muss man zudem noch genauso aussehen wie z.B. bei einigen Beatles-Tribute-Bands (am besten noch mit einem Linkshändrigen Bassisten :)) oder welcher Elvis darf es sein? Den ranken schlanken aus den 50ern oder den fetten aus den 70ern? Schwierig. Letztendlich wollen die Leute unterhalten werden. Ob sie sich nun von einer Band, die "nur" eine Band covert unterhalten lässt, oder einer Band, die den Rest auch noch gleich mitmacht unterhalten lässt, ist doch eigentlich wurscht. Hauptsache der Abend ist toffte :)
     
  12. snaer

    snaer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.11.12   #12
    Ich hoffe mal, die machen sich durch den Bandnamen das Geschäft nicht kaputt, falls sich noch jemand an die "anderen" Weissglut erinnert. http://de.wikipedia.org/wiki/Weissglut
     
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  13. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.11.12   #13
    Bei Tributebands spielen eine Menge Faktoren eine Rolle bei der Gestaltung, beim Aufbau der Band, natürlich bei der Songwahl, bei der Wahl des Equipments sowie beim Bühnenbild.

    Da wäre zunächst einmal der Selbstanspruch. Welchen Authentizitätsgrad strebt man an, zum einen klanglich, zum anderen optisch? Man kann sich etwa als "Revivalband" verstehen, die einfach nur Songs einer Band nachspielt, beim Sound eine "Paßt schon"-Einstellung an den Tag legt (ganz grobe Unterscheidung, etwa akustisch, clean oder crunch) und auf Outfits und Bühnenbild verzichtet, weil das Original das auch nie hatte. Gerade bei einfachen Rockbands wäre das eine Option.

    Darauf kann man dann aufbauen und gewisse Punkte steigern. Den Sound etwa. Man kann versuchen, mit Zeugs, das man sowieso hat, ähnliche Klänge wie das Original zu produzieren. Oder sich Equipment zulegen, mit dem man den Originalsound besser imitieren kann. Oder sich Equipment zulegen, mit dem man den Originalsound im Detail replizieren kann. Oder sich genau das gleiche Equipment wie das Original zulegen, was dann auch dem Bühnenbild zuträglich wäre, aber je nach Originalequipment einfach, aber etwas teurer bis komplett unmöglich ist.

    Oder das Bühnenbild. Den Anfang machen die Outfits. Etwas ganz grob Ähnliches, das ungefähr ans Original erinnert, oder exakte Repliken der Originaloutfits aus den gleichen Materialien wie beim Original? Das kann man dann noch weiter steigern. Da spielt dann auch wieder das Equipment mit rein, das trägt ja auch zur Optik bei. Oder einzelne Dekosachen oder Lichteffekte. Der Gipfel ist dann das, was bestimmte australische Tributebands machen: Die bauen das komplette Bühnenbild eines Originalkonzerts oder einer Originaltournee inklusive der kompletten Original-Lightshow bis zur letzten Kanne in Originalgröße nach. Die sieht man dann aber auch nicht auf Stadtfesten, sondern eher in Stadien, Mehrzweckhallen oder Konzerthäusern, wo man auch mal mehrere Tage zum Auf- und Abbau hat.

    Der nächste Aspekt ist dann der Anspruch der Zuhörerschaft. Was für ein Publikum wird das eigene Konzept ansprechen? Und wen will man ansprechen?

    Ich würde grundsätzlich unterscheiden zwischen vier Zuhörergruppen:
    • Der Gelegenheitshörer. Kennt die Originale hauptsächlich aus dem Rundfunk.
    • Der moderate Fan. Hat zumindest die wichtigsten Alben, kennt musikalisch also mehr als das, was im Radio läuft, sowohl reine Albumtracks als auch Albumversionen von Songs, die für den Singlerelease oder fürs Radio gekürzt wurden. Kann das eine oder andere Livealbum haben, muß aber nicht.
    • Der Hardcore-Fan. Hat mindestens alle regulären Releases, häufig zusätzlich Raritäten, definitiv auch diverse Livealben/-videos, und auch Konzertbootlegs finden sich in seiner Sammlung. Verfügt außerdem über ein umfassendes Wissen über das Original.
    • Der Musikerpolizist. Überlappt mit einem der drei obigen Typen, achtet aber zusätzlich auf das verwendete Equipment, die Spielweise der Musiker und je nachdem, welchem Instrument er sich normalerweise widmet, noch mehr auf die klangliche Authentizität als der Hardcore-Fan, weil er als Musiker hören und nachvollziehen kann, wie der Klang gemacht wird.
    Jedes Tribute-Konzept zieht eine andere Hörerschaft an, die jeweils andere Erwartungen und Ansprüche hat. Das gilt es einzuschätzen und die Band entsprechend auszurichten. Wenn man sich beispielsweise bis hin zur akribischen Mikrofonwahl einen abbricht, um eine perfekte Truck-Stop-Illusion aufzuziehen, wird man selbst vielleicht mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein und damit, daß man es erreicht hat. Für das Publikum, das zu 90% Truck Stop nur aus dem Schlagerradio kennt und komplett frei von Nerds ist, ist das Perlen vor die Säue. Umgekehrter Fall: Wenn man eine Jarre-Tributeshow ohne weitere Details ankündigt, die dann in Fankreisen die Runde macht, dann ein Yamaha PSR-S550, einen B*hr*ng*r-Mono-Keyboardamp und vier PAR-Kannen mit bunten Folien aufbaut für ein Publikum, das zu 90% aus Hardcore-Jarre-Fans und zu 30% aus Synthesizerspielern besteht, und dann auch noch die Ed-Starink-Versionen spielt, fällt man mit Pauken und Trompeten durch.

    Nichtsdestotrotz sollte man als Musiker mit dem Ergebnis zufrieden sein und sagen können, man hat getan, was man konnte. Es ist wenig befriedigend, wenn man z. B. als Keyboarder mit einem Sänger eine Erasure-Tributeand aufzieht, einen mördermäßigen, teilweise echtanalogen Gerätepark auffährt, Vince Clarks Sounds (die Drums hat Clarke mit einem Modularsynthesizer gebaut) bis ins letzte Detail nachbastelt und dann vom Sänger zu hören bekommt, daß das für die Kleinkunstbühnen und LGBT-Veranstaltungen, wo er auftreten will, totaler Overkill ist und du ihn nur mit einem einfachen Keyboard und einer Handvoll Sounds begleiten sollst.

    ABBA wurden hier genannt, und ein ABBA-Tribute (bzw. meine Äußerungen dazu) war auch in einem anderen Thread der Auslöser für diesen hier. ABBA sind meines Erachtens ein Sonderfall, weil sie an sich eine breite Hörerschaft ansprechen von der Hausfrau bis zum Synthesizernerd. Somit hängt es von der Tributeband und deren Konzept ab, wie weit sie gehen muß.

    Im Gegensatz zu vielen anderen sehe ich den Synthesizerteil bei ABBA als sehr anspruchsvoll und nicht zu unterschätzen an. Gerade die Alben ab Arrival leben von einem dichten Elektronikarrangement und ganz besonderen Klängen, die eben nicht jeder x-beliebige Rompler aus dem Ärmel schüttelt. Diesen ganz besonderen Sound nimmt selbst der Nichtnerd, sogar der Nichtmusiker, unbewußt wahr und wird es sicherlich nicht negativ auffassen, wenn man schön nah an den Originalsound kommt. Noch dazu ist ABBA mit zwei Händen nicht spielbar. Wenn nun eine ABBA-Tributeband der gehobenen Mittelklasse die vier Frontleute optisch und stimmlich sehr treffend nachbildet, und dann steht da ein (1) Keyboarder und spielt auf einer Yamaha MOX8 eine schmerzhaft aufs Allerallernötigste kastrierte Fassung von Benny Anderssons einst so opulenten Arrangements, dann paßt das in meinen Augen nicht zusammen.

    Auch wenn es wirklich schwierig ist, Bennys teilweise arg exotische und heutzutage immer noch nicht geklonte Synths (z. B. Moog Polymoog, Yamaha GX-1, NED Synclavier) überzeugend oder auch nur strukturell nachzuahmen, so sollte man trotzdem nicht vollends resignieren und sich aus absolute Minimum beschränken, wenn mehr als die Hälfte der Band auf Authentizität erpicht ist. Da sollte man schon mindestens den Aufwand betreiben, den man normalerweise einer Hammond mit Leslie oder einem Rhodes widmet.

    Wohlgemerkt, das ist noch für ungefähr dieselbe Zielgruppe wie Mamma Mia. Noch schwerer hat es eine Tributeband, die die perfekte ABBA-Illusion bieten will, um im gnadenlosen Konkurrenzkampf der hochwertigen ABBA-Tributebands bestehen zu können, und neben Softoldiehörern und alten wie neuen ABBA-Fans sicherlich auch den einen oder anderen Synthfreak und/oder Angehörigen der Musikerpolizei anlockt, der sehen will, ob die Band hält, was sie verspricht. Zum einen braucht man entweder Zuspieler oder vier Keyboarder. Fünf, wenn der Bühnenbenny auch in die Tasten zu greifen gedenkt, denn manche Songs erfordern auch mal weit mehr als zwei oder vier Hände an Synthesizern, man kann nicht alles zweihändig spielen (als nicht klavierverdorbener Vollblut-Synthfreak schon gar nicht), und den Bühnenbenny kann man nicht überzeugend in eine Tastenburg setzen, die unter anderem ein bis zwei Arturia Origins oder gar einen Laptop enthält.

    Denn das Equipment ist das andere Problem. Originalsound auf dem Niveau der besten Tributebands der Welt erfordert Originalequipment. Ausweichen auf ABBAs Livegear kommt nicht in Frage, weil von ABBA nicht so viele Liveaufnahmen, offiziell oder Bootleg, kursieren (es gibt genau ein offizielles ABBA-Livealbum), als daß auch nur die Hardcorefans, geschweige denn moderatere Fraktionen, sich an replizierten Original-ABBA-Liveversionen ergötzen würden, jedenfalls weniger als an den Albumversionen. Somit ist man als ABBA-Tributeband praktisch gezwungen, die Studioversionen zu spielen – zu replizieren, wenn man wirklich eine ABBA-Illusion auf absolutem Top-Niveau anstrebt.

    Erstes Problem damit: Für die perfekte Replica auf dem Niveau der Australian Pink Floyd Show bräuchte man das Originalequipment. Und noch mehr Keyboarder, weil ABBA sich aufgelöst haben, bevor es MIDI gab. Das Originalequipment ist aber teilweise selten, teuer, schwer zu handhaben und anfällig. Der gern für Bässe eingesetzte Minimoog ist da noch am einfachsten zu kriegen und zu warten – wohlgemerkt, man braucht immer noch mehrere, weil es in einer Livesituation undenkbar ist, mal eben einen anderen Sound einzudrehen, weil 1971 die Synthesizer noch keinen Speicher hatten – man konnte froh sein, den Minimoog nicht mehr mit Patchcords verdrahten zu müssen –, und weil der Synthlauf in S.O.S. alleine schon drei Minimoogs benötigt. Das krasse Gegenteil ist die schon erwähnte Yamaha GX-1. Ein weißer Koloß im Gewand einer zweieinhalbmanualigen Konzertorgel. Ungefähr 13 (dreizehn) Stück haben Japan nur verlassen, vermutlich wurden weniger als 50 gebaut, und man darf eine mittlere bis hohe fünfstellige Summe in Euro zahlen, um eine zu erwerben, so denn mal eine zum Verkauf angeboten wird (Benny Andersson hat für seine um die 70.000 US-Dollar hingelegt). Der Spieltisch wiegt 300 kg, die Bank wiegt 67 kg, das Vollpedal wiegt 20 kg. Backstage müssen zwei schalldichte Kammern eingerichtet werden zum originalgetreuen Abmikrofonieren der beiden jeweils 141 kg schweren Yamaha-TX II-Röhrenkabinette. Das Ding ist vollanalog, 100% spannungsgesteuert, diskret aufgebaut (nix mit Chips oder so), und wenn sie nach einer Weile warm ist, darf man 36 Voicecards einzeln nachstimmen. Normalerweise sollte die GX-1 sich nach einem Temperaturwechsel zwei Wochen akklimatisieren. Und wenn mal was kaputtgeht, braucht man Yamaha-Techniker, um sie zu reparieren, und einen Schutzengel, der dafür sorgt, daß nichts kaputtgeht, wofür es keine Ersatzteile mehr gibt. ABBA sind (im Gegensatz zu Led Zeppelin) meines Wissens nie mit der GX-1 getourt, aber wir wollen ja keine Tour nachspielen, sondern die Studioversionen. Außerdem haben Abb Again wohl mal in Erwägung gezogen, tatsächlich eine GX-1 anzuschaffen, dann aber statt dessen die halbe Welt nach einem (mutmaßlichen) CS80 abgegrast.

    Man könnte versuchen, dieses Problem mit realitätsnahen Emulationen zu umgehen. Minimoog-Klone gibt's genügend, sogar in reiner Hardware hat man die Wahl zwischen Arturia (Origin) und Creamware (Use Audio Plugiator, Creamware Noah, Creamware/Sonic Core Minimax ASB), die sind alle näher am Minimoog als ein Voyager. Origin deckt außerdem noch ARP Odyssey Mk I und Avatar (mit 2600-Teilen), Roland Jupiter-8, Sequential Circuits Prophet-5 (sofern Benny keinen V3 mit CEM-Chips hatte), und mit etwas Glück kann man aus (hauptsächlich oder ausschließlich) CS80-Modulen einige der GX-1-Sounds basteln, die dann nur noch eine überzeugende Röhrenampsimulation brauchen. Mellotron M400 und Yamaha CP80 dürften auch nicht schwierig sein, Yamaha GS-1 schon eher mit seiner Klangerzeugung mit zweimal vier FM-Operatoren (wirklich Frequenzmodulation, nicht die Phasenmodulation vom DX7). Die Stringmachine Yamaha SS-30 gehört dann zu den ersten Geräten, für deren Emulation ziemlich zwingend ein Computer gebraucht wird – auf Oktavteilern basierende Stringmachines können mit Samples nur sehr ungenügend und virtuell-analog überhaupt nicht nachgebildet werden. Vom Synclavier II (digital, sehr aufwendiger FM-Synth, kam zum Glück erst ab 1980 zum Einsatz) gibt es kein Modeling-VSTi, geschweige denn eine Emulation auf Modelingbasis in Hardware, da steht man also komplett im Regen. Ein ähnliches Problem gibt's beim Polymoog, von dem es nur Samples der Strings gibt und von der Vox Humana der zweiten Generation – beides für ABBA nutzlose Sounds. Das Synclavier-Problem kann man umgehen, indem man nichts aus dem letzten ABBA-Album The Visitors spielt, aber ohne wirklich überzeugendes Polymoog-Oktavteiler-Piano kein Eagle (derweil die Polymoog-Strings von Arrival mit 16 Instanzen eines polymoogbestückten, nicht einfach nur auf Kontakt aufsattelnden Stringmachine-VSTi nebst Amp-Simulation machbar wären). Und andere Moog-Emulationen können diesen charakteristischen Sound ebensowenig gut genug reproduzieren wie generische virtuell-analoge Synthesizer, von Samplern/Sampleplayern oder gar Romplern ganz zu schweigen.

    Das Ganze nun auf die Bühne zu bringen im Rahmen einer ABBA-Show, die nicht nur eine akustische, sondern auch eine optische Illusion sein soll, stellt das nächste Problem dar. Wie gesagt, der Bühnenbenny ist mitnichten der einzige Keyboarder. ABBA hatten selbst schon mal vier Keyboarder gleichzeitig auf der Bühne (Benny nicht mitgezählt), somit wäre eine Keyboarderarmada denkbar. Aber die würden dann dastehen mit in Hardware gegossenen VSTis (optional), Laptops und Masterkeyboards – klanglich authentisch, optisch nicht. Origins, falls vorhanden (weil unnötig, wenn Laptops dabei sind) als Module statt als Keyboards, zusammen mit den anderen Modulen und den Laptops ab in den Backstage, Masterkeyboards vintagemäßig tarnen – sieht schon besser aus, klingt genauso, aber die Keyboarder haben auf ihre Gerätschaften keinen Zugriff mehr und müssen sie blind fernsteuern, wenn man nicht ein, zwei Synth-Techs im Backstage hat. Außerdem muß man irgendwie die eine oder andere Stagebox in den Backstagebereich legen. Backingkeyboarder nebst Equipment komplett in den Backstage – dann darf man dem Publikum erklären, wo die ganzen Synthsachen herkommen bei einer angeblichen (tatsächlichen) Live-Show, und dann ist da noch das Backstage-Stagebox-Problem.

    Ganz ohne Zuspieler kommt man nicht aus. Um einen wirklich authentischen ABBA-Sound zu kriegen, braucht man mehr als nur vier Gesangsstimmen. Ich denke dabei an Songs wie Lay All Your Love On Me oder Move On.

    Daß eine solche Produktion nichts für Stadtfestbühnen ist, nicht mal für eine große NDR-Bühne (es sei denn, das ist der einzige Auftritt auf der Bühne den Tag), dürfte klar sein. Die paßt eher in Hallen und Arenen, wo die entsprechend hochwertigere, leistungsfähigere PA dem Soundaufwand gerechter wird.

    Interessanterweise macht The Australian Pink Floyd Show ganz genau das: Sie baut die Lichtanlage einer tatsächlich stattgefundenen Pink-Floyd-Tour 1:1 nach, und zwar bis hin zu Projektionen. Brit Floyd scheint sie darin sogar noch zu übertreffen.

    Ich will ja nichts sagen, aber selbst The Wall ist schon von TAPFS inszeniert worden. Nicht die gigantische Roger-Waters-Version von 1990, aber die Pink-Floyd-Version von 1979 war auch schon so opulent, daß sie nur viermal aufgeführt wurde. So ziemlich der einzige Unterschied zwischen Pink Floyd und TAPFS war, daß, wenn ich mich nicht irre, bei TAPFS ein rosa Känguruh die Mauer umgeworfen hat. Wohlgemerkt, sie hätten ohne weiteres auch das Schwein nachbauen können, das wäre auch nicht schwieriger gewesen als ihr rosa Markenzeichen.

    Wenn bei Manfred Mann (Earth-Band-Tribute) ein leibhaftiger Moog Minimoog Model D steht, dann hat man schon einen klanglichen Authentizitätsanspruch, der es notwendig macht, auch das andere Vintagezeugs dazuzustellen. Oberheim SEM (das alte, nicht die Neuauflage), das per CV/Gate am Minimoog hängt, Yamaha CP70 usw. usf.

    Eine leibhaftige Vox Continental reicht für einen Ray Manzarek auch nicht. Wenn, dann muß man so konsequent sein und zumindest eine Gibson G101, ein Rhodes Mk I und mindestens einen Rhodes Piano Bass dazustellen. Mindestens einen, am besten mehrere, damit sich der Keyboarder nicht verrenken muß, wenn er mit rechts mal das Rhodes, mal die Vox und mal die Gibson spielt und mit links trotzdem den Piano Bass weiterspielt.

    Ist aber schon interessant. Hammond B3, Leslie 122, Vox Continental, Rhodes, Wurlitzer und Clavinet haben bitteschön so authentisch wie irgend möglich zu sein, am besten the real deal. Der Minimoog vielleicht auch noch. Aber alle anderen Synths und dergleichen können gern aus dem Sample-ROM einer Einsteigerworkstation kommen oder durch den jeweils ähnlichsten ROM-Samplesound ersetzt werden (was nicht heißt, daß der dann ähnlich ist), vom ARP Odyssey bis hin zu Emulator-Sampleklassikern wie die Vox Humana aus dem Polymoog Keyboard (Art Of Noise – Moments In Love, Jean Michel Jarre – Zoolook) oder die Shakuhachi (Peter Gabriel – Sledgehammer, Enigma – Sadeness Part 1), wo statt dessen irgendein Chor oder irgendeine Flöte genommen wird.

    Trotzdem schwören viele auf Nord Electro und Nord Stage, auch wenn eine MOX das wohl auch könnte. Siehe Hammond. Anscheinend reicht ein Rompler für alles – bei Hammond dann aber doch wieder nicht, da muß es ein roter Schwede sein, der seine Rotary-Simulation auch nicht verwenden darf, weil statt dessen ein nochmals authentischerer Ventilator zum Einsatz kommt. (Wieso macht nie einer so einen Aufriß um einen Prophet-5?)

    Da fragt man sich dann aber, wie eine Tributeband, die ein Modularsystem nur als Attrappe aufstellt, dann alle Modularsounds 1:1 mit einer Workstation nachbauen will. Oder überhaupt mit Hardware, die weder von Clavia (Nord Modular) noch von Arturia (Origin) kommt.

    Wenn du die siechen Pink Floyd der 90er replizierst, kannst du getrost mit Kurzen arbeiten. Wenn du aber TAPFS und Brit Floyd Konkurrenz machen und die Pink Floyd der 70er replizieren willst, geht das nicht mehr.

    Das dürfte der Grund sein, warum es keine (aktive) Jarre-Tributeband gibt: Der Aufwand, um die Fans zufriedenzustellen (wie gesagt, fast alles Hardcorefans und viele Synthfreaks darunter), ist immens. Sound und Optik (im aktuellen Tourmaßstab, ich rede nicht von einer Paris La Défense-Replica) ist so ziemlich unmöglich, nicht nur, weil man heute wohl kaum noch mal eben an einen EMS VCS3 Mk I, einen VCS3 Mk II, vier EMS Synthi AKS, einen von 100 gebauten ARP 2500, einen RMI Harmonic Synthesizer und einen Moog 55 Modular kommt, von einem zuverlässigen Memorymoog als eins der Hauptkeyboards ganz zu schweigen, um die In>Doors-Tour zu replizieren, sondern weil Sachen wie der Geiss Digisequencer Einzelstücke sind. Nur Sound wäre mit massivem VSTi-Einsatz möglich, aber die Optik leidet. Jarre hat nie Laptops im Setup gehabt, selbst in Gdańsk nicht. Wenn man die Leute nicht mit massiven Synthesizerburgen (und darin nur Zeugs, das Jarre tatsächlich mal gespielt hat) beeindrucken kann, braucht man eine gigantische Licht- und Lasershow. Und weder mit Originalgear noch mit Rechnern geht es auch nicht, weil ich mal zu behaupten wage, daß selbst eine Supernova oder ein Nord Modular trotz vorhandener 18-dB-Filter ungeeignet ist, einen EMS-Synthi nachzuahmen. Von der wahrscheinlich genehmigungspflichtigen offenen Laser Harp mit 60-Watt-Laser ganz zu schweigen.

    Bei einfacheren Tributebands (also maximal die Klasse Quo, Bon Scott, Pfefferminz) ist das tatsächlich so, und zwar schon länger. Das Logo hier in Hamburg hat jeden Sommer mehrere Wochen jeden Abend eine andere Tributeband auf der Bühne. Und die Kieler Woche wäre nicht die Kieler Woche ohne Tributebands.

    Wie gesagt, das hängt ab a) vom Original, b) von dem, was das Original an Fans hat, und dann c) davon, wen von diesen Fans man ansprechen will. Generell gilt: Je aufwendiger das Original ist, um so notwendiger ist es, denselben Aufwand beim Tribute zu betreiben, denn um so aufmerksamer und kritischer, wenn nicht gar nerdiger, sind die Fans.


    Martman
     
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  14. Jackpot

    Jackpot Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.11.12   #14
    Also ich unterscheide nicht prizipiell zwischen "Coverband" und "Tribute-Band", sondern sehe das eine als Teil des anderen. Eine Tribute-Band ist eine spezielle Art Coverband, d.h. "Tribute" verstehe ich als Cover-Konzept.
    Prinzipiell steht meinem Verständnis nach jede Coverband diesen vier Gruppen gegenüber:
    Meiner Einschätzung nach befinden sich alle vier Gruppen im Publikum von Coverbands und das Größenverhältnis zwischen den einzelnen Gruppen wird bestimmt durch die Art der Veranstaltung.

    Selbst habe ich schon Tribute-Bands bei Sport- und Straßenfesten, in Kneipen und (ich würde mal sagen) "Clubs" erlebt, auf explizit eigene Shows wie TAPFS bin ich noch nicht gegangen, insofern fehlt mir das Erlebnis der gesamten Bandbreite einer Tribute-Band. Zudem muss ich noch erwähnen, dass die Tribute-Bands, die ich bisher besucht habe, eher im Bereich "Gitarrenmusik" angesiedelt waren (hauptsächlich The Beatles & Metallica), und Keyboards/Synthesizer dabei eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben. Andererseits bin ich im Tastenbereich ohnehin nicht bewandert, so dass ich das ganz anders wahrnehme als bspw. die Gitarren, den Gesang (beides mein eigenes Metier) oder das Schlagzeug (bin ein Drummer-Sohn).

    Wichtig war/ist mir bei den Tribute-Bands zunächst der Sound. Es muss nicht wie eine Plattenaufnahme klingen (wenn ich sowas hören will, brauch ich nicht auf ein Konzert gehen), aber die Essenz des Bandsounds muss schon da sein. Insofern halte ich auch das verwendete Equipment für nachrangig - sofern das Ergebnis stimmt. Soll heißen: Bei der Beatles-Coverband muss bspw. nicht unbedingt der Vox AC-Irgendwas auf der Bühne stehen, es muss auch nicht unbedingt die Rickenbacher um den Hals hängen - wenn die Band einen anderen Weg findet, die Essenz des Sounds zu reproduzieren, dann bin ich durchaus zufrieden. Viel wichtiger finde ich bspw., von der Gitarre kommend, die Spieltechnik des jeweiligen Musikers, dem man dabei Tribut zollt. Das macht meiner Einschätzung nach mehr vom Sound aus als der Rest, da es die Grundlage legt, von dem aus der Rest des Equipments arbeitet. Aber wenn er die Essenz des Sounds anders hinbekommt, soll mir das recht sein.
    Danach kommt meinem Geschmack nach die Essenz der gespielten Songs. Wie brachte/bringt die tributierte Band den Song dar? Das ist die Richtschnur, an der sich die Tribute-Band messen muss: Hier muss sie den "Bandgeist" überzeugend rüberbringen, um für mich (als Tribute-Band) funktionieren zu können.
    An dritter Stelle würde ich dann Optik und verwendetes Material nennen, die ja oft Hand in Hand gehen. Im Vergleich mehrerer Tribute-Bands kann das den Ausschlag darüber geben, welche ich bevorzugen täte, auch und gerade wenn mir beide bei einem Konzert individuell ganz gut gefallen haben. Soll heißen: Schwarze Anzüge und Pilzköpfe machen keine Beatles-Tribute-Band, sondern sind das Sahnehäubchen einer solchen.

    Von der anderen Seite betrachtet, also wenn ich eine Tribute-Band aufziehen wollte, würde ich die Prioritäten wohl ähnlich setzen. Soll heißen: Es ginge mir darum, gleich einem Schauspieler voll und ganz in die Rolle des Künstlers zu schlüpfen, dem ich Tribut zolle. Das bedeutet, das eigene Ego voll und ganz zugunsten der Rolle zurückzustellen, nicht zu interpretieren, sondern das ganze künstlerische Geschick in die Reproduktion dessen zu stellen, was der Künstler da auf der Bühne (ge)macht (hat). Das fängt bei der Spielweise an, und wenn die mit dem vorhandenen Equipment an ihre Grenzen stößt (d.h. wenn der Sound mit dem vorhandenen Material noch zu weit entfernt ist), dann geht es an Neuanschaffungen, die sich dann freilich am Original orientieren. Maßgeblich wäre dabei wohl die Frage: Wie würde der Künstler spielen, wenn er genau jetzt und an genau diesem Ort spielen täte?
     
  15. dr_rollo

    dr_rollo Threadersteller Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 23.11.12   #15
    Jackpot,
    gerade Deinen letzten Satz würde ich gerne herauspicken, nämlich völlig richtig:
    Oder anders ausgesagt, wenn irgendeine Band heute spielen würden, hätten sie noch dasselbe Equipment, wie sie es vielleicht früher auf die Bühne gebracht hätten am Start, oder würden sie die Sache auch eher praktisch sehen? Gerade im Keyboardbereich schleppen die "großen" Bands doch kaum noch die großen alten analogen Monsterkisten auf die Bühne, wenn es moderne Workstations gibt, die diese Sounds abdecken können. Wieviele nutzen heute Möglichkeiten wie u.a. virtuelle Instrumente vom PC/MAC, was sie vermutlich auch damals genutzt hätten, wenn es das schon gegeben hätte. Das höchste der Gefühle ist noch ne richtige Hammond (gerade erst wieder bei Deep Purple gesehen), aber anderes wird heute i.d.R. pragmatischer abgedeckt. Warum auch nicht, wenn der Sound dem Original-Instrument nahe genug kommt, was in den meisten Fällen schon mehr als aureichend hinkommt.
    Es muss für eine Beatles-Cover-Band kein AC30 sein, wenn ich "den" Sound auch mit einem anderen Amp hinbekomme. Klar, würde es ein bisschen zu sehr nach Stilbruch aussehen, wenn dort nur ein Line6 Pod steht, so wie ih es bei einer Police-Coverband auch interessanter fände, wenn dort eine Batterie an Fußtretern liegt, als wenn er nur ein Muliteffekt hätte.
    Manche Sachen sind aber auch relativ überschaubar hinzubekommen, und würde der Band einen enormen Grad an Authentizität geben, wie z.B. die fetten Mikroständer von ZZ Top. Wobei - bei der Gelegenheit erwähnt - ich mir keine ZZ Top Coverband ohne Bärte vorstellen könnte, aber die dürften natülich gerne auch angeklebt sein! :p
     
  16. jf.alex

    jf.alex Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.11.12   #16
    Von einer erstklassigen Tributeband erwarte ich möglichst originalgetreue Reproduktion von Musik und Show des Originals.

    Von einer erstklassigen Coverband wünsche ich mir einen irgendwie wiedererkennbaren eigenen Stil in Songauswahl und Arrangements. Statt dessen bekomme ich aber meist nur ein zusammengewürfeltes Potpourri halbwegs originalgetreu nachgespielter Stimmungshits, welche kaum zusammenpassen.

    Alex
     
  17. steirerbua82

    steirerbua82 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.11.12   #17

    ne das is richtig - die Gage für weissglut liegt scho um einiges höher - aber muss ja auch - die ganze Pyro-Show kostet ja ne ganze Stange Geld, des ja auch irgendwo finanziert werden muss

    - - - Aktualisiert - - -


    Also bisher gabs keine Probleme - ganz im Gegenteil mit ihnen gehts gut voran. Nach ihrem TV-Auftritt in der diesjährigen RTL2-Castingshow "My name is".
    ABer danke für Info mit der anderen Band, ich werd des mal weitergeben.
     
  18. Martman

    Martman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.11.12   #18
    Das sehe ich wieder etwas anders. Ein guter Tribute-Act ist eine genaue Replica eines Originals. Man spielt nicht, wie das Original spielen würde, sondern man spielt, wie das Original spielt oder gespielt hat. Wie ich schon woanders sagte, ist die Frage beispielsweise bei einem Act, der live eher unbekannt, aber durch Studioversionen sehr bekannt ist, nicht: "Wie würden ABBA 2012 live klingen?" Auch nicht: "Wie haben ABBA 1980 live geklungen?" Sondern: "Wie haben ABBA 1980 im Studio geklungen?" Das ist es nämlich, was die Leute kennen, was die Leute erwarten, wo sie den Maßstab ansetzen.

    Wenn man als Tributeband damit wirbt, eine Band exakt zu kopieren, kommt man mit "hätte, würde, könnte" nicht weiter. Wenn man sagt: "Ja, äh, wir haben uns gedacht, so ungefähr würden Queen klingen, wenn sie mit Freddie 2012 hier an der Kiellinie spielen würden", dann kommt der VA und bucht eine Tributeband, die sich so anhört wie Queen, wie sie Ende der 80er, Anfang der 90er in der Ostseehalle oder besser noch im Madison Square Garden geklungen hätten. Oder noch einmal besser - wie sie im Studio geklungen haben. Einzig (vielleicht, wenn es keine absolut perfekte Illusion der 1991er Queen sein soll) mit dem Zugeständnis, daß Freddies Gesundheitsprobleme nicht nachgespielt werden.

    Gerade eine Tributeband, die a) einen hohen Originalitätsanspruch hat, b) mit dem auch wirbt, vielleicht gar mit Superlativen oder anderen blumigen Ausdrücken, und c) nicht gerade die typische vierköpfige Rockband ist, sollte sich so genau wie irgend möglich ans Original halten. Wenn sie das nicht will oder kann, sollte sie sich begnügen mit dem undankbaren, anonymen Mittelfeld, öffentlich zugeben, daß sie gewisse Zugeständnisse bei der Umsetzung machen muß, und sich nicht beklagen, wenn selbst lokale Veranstalter eher für viel Geld die Ober- bis Spitzenklasse-Konkurrenz über größere Distanzen "einfliegen" läßt, statt einen selbst zu buchen.


    Martman
     
  19. dr_rollo

    dr_rollo Threadersteller Mod Musik-Praxis Moderator HFU

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    Erstellt: 26.11.12   #19
    Sorry, da muss ich widersprechen. Man hört sich Tribute-Bands deswegen an, weil entweder das Original nicht mehr tourt (schon tot, aufgelöst, zu teuer etc.). Die wenigsten interessiert es, dass Studioaufnahmen 1:1 reproduziert werden, was selbst die Originale nicht tun oder getan haben. Ansonsten könnte man sich auch den Aufwand mit den Pyro- und Lightshows sparen, der einem VA eh so teuer kommen würde, dass er sich fast die Originalband hätte kommen lassen können. Es geht beiner Tribute-Band eindeutig um eine Live-Performance, und da orientiert man sich auch - wenn überhaupt - an den Liveshows der Originale und damit auch bei der Songinterpretation. Ansonsten erwarte ich auch von einer Freddie-Kopie, dass er selbstverständlich schwul ist, sich bittschön mit Aids infiziert und ... ok, letzten Satz bitte streichen!
    Ne, mal ganz im Ernst: Muss bei einer Def Leppard Tribute-Band der Drummer einarmig spielen? Oder muss ich als Jimi Hendrix Tribute sowieso nur vollgedröhnt mit Heroin auf die Bühne gehen, weil ich ansonsten den Spirit nicht rüberbringe, sowie dann später meine Karriere stilgerecht mit einer Überdosis beenden?
     
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  20. .Jens

    .Jens Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 26.11.12   #20
    Genau wegen solcher Aussagen und der daraus resultierenden Erwartungshaltung eines Durchschnittspublikums macht es leider immer weniger Spaß, live zu spielen - sei es als Originalkünstler oder als Cover/Tributeband.
    Bis in die 80er und teilweise 90er hat der Musikkonsument es noch goutiert, dass ein Live-Konzert anders klingt als eine Studioaufnahme, und Fans diverser Bands (um mal beim Beispiel Queen zu bleiben) haben mit viel Aufwand Live-Aufnahmen gesammelt - teilweise dann eben notgedrungen Bootlegs... Ich kenne Leute, die besaßen damals im Extremfall 5 Bootlegs von derselben Tour aus unterschiedlichen Städten, also immer dasselbe Programm. Die grottige Soundqualität wurde in Kauf genommen, weil eben der Song bei jedem Auftritt ein bisschen anders klang, das Solo anders war etc. Diese Unterschiede waren Kult, und man ist genau deswegen zum Konzert gegangen ("Mal sehen, wie sie das heute spielen...").

    Heutzutage mäkeln die Leute schon, wenn bei Madonna oder Lady Gaga irgendein Sample-Intro fehlt oder ganz bewußt geändert wurde, um in der Show einen Akzent zu setzen ("Bäh, das klingt gar nicht wie auf Platte"). Gar nicht auszudenken, wenn ein Künstler mal auf die Idee kommt, einen Song in einer abgespeckten Akustik-Version zu spielen. Früher wäre das ein unvergessliches Erlebnis gewesen, gerade wenn diese Version so nicht auf Platte zu kaufen ist. Heute wird das erst dann toll gefunden, wenn man genau diese Akustikversion schon 50 mal im Radio gehört hat. Gerade letztens erst habe ich bei einer TV-Show massenweise ratlose bis angeekelte Gesichter gesehen, als Alex Clare mal "Too Close" nur mit der Akustik gespielt hat.

    Das geht soweit, dass große Teile des Publikums mit einer Vollplaybackshow unterm Strich zufriedener sind als mit einer Live-Show, weil es "genau wie auf Platte, ey!" klingt.

    Das Abstraktionsvermögen, dass live notwendigerweise anders klingt als Studio, und das gerade das Unvorhersehbare einen Reiz hat, fehlt. Deine Erwartungshaltung, Martman, spiegelt genau das, was ich oben (zugegeben: überspitzt - es gibt schon noch Leute, die auch "Live" noch zu schätzen wissen) geschrieben habe.

    Ich frage mich allerdings, ob die Leute, die (wie ich) es 1000x besser finden, wenn ein Song mit Herzblut, Charisma und großer Musikalität so gecovert wird, dass aus den vorhandenen Mitteln das beste gemacht wird, irgendwann aussterben - und auch, wo das alles hinführen soll. Ich habe mittlerweile nicht nur aufgrund gestiegener Kartenpreise nur noch selten Lust auf ein Livekonzert - sondern eben auch, weil kaum noch neue Künstler kommen, bei denen ich mir von einem Livekonzert mehr verspreche als wenn ich zuhause im Warmen die Platte höre...
     
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