Hab den Thread jetzt nur überflogen, würde aber gerne noch ein paar Ergänzungen zu
@InTune s Post machen:
..völlig serious!
Anhang anzeigen 780469
Diese Graphik beschreibt das Dehnungsverhalten von Stahl. Bei der Kraft ReH beginnt eine dauerhafte Streckung, die nicht reversibel ist. Irgendwann ist der Atomverbund dann so "gereckt" (am Ende dieses gezackerten Bereichs (ReH-ReL), dass wieder elastisches Verhalten eintritt.
Prinzipiell muss man zu Metall folgendes wissen: Metall ist zwar idR. ein homogenes Material, hat aber keinen ganz homogenen Aufbau. Vielleicht erinnern sich manche noch an den Physikunterricht, wenn man einen ambitionierteren Lehrer hatte der einem was von kubisch-flächen- und kubisch-raumzentrierten Kristallgittern erzählt (also wie die Atome angeordnet sind). Normalerweise kommt bei etwas physikaffineren Schülern dann der Aha-Moment bezüglich der Leitfähigkeit von Metall, weil man da recht gut veranschaulichen kann, dass man bei derlei Kristallgittern mit frei beweglichen Elektronen (genau das ist das Wesentliche an der sog. Metallbindung) recht gut an dem einen Ende ein Elektron hineinbringt am anderen Ende dafür eines hinausfällt - was eben z.B. bei Ionenbindungen (Standardbeispiel NaCl, Kochsalz), wo ein Atom Elektronen des anderen übernimmt und sie sich dann anziehen weil dadurch eines positiv und eines negativ geladen wird eher schwierig ist.
Jedenfalls aber ist das noch nicht alles, zwischen Kristallgittern und dem Stück Draht, welches wir sehen fehlt noch eine Ebene, nämlich die der Körner. (
https://de.wikipedia.org/wiki/Korngrenze)
Eine Saite sowie jedes andere Metallprodukt ist eben kein "Riesenkristall", sondern wenn sich beim Erstarren diese Kristalle bilden wachsen viele Kleine mal jeweils für sich (wie Hagelkörner in einer Wolke) und dadurch besteht jedes Metall aus lauter aneinander liegenden Metallkörnern. Wie diese Körner genau beschaffen sind hängt von vielen Faktoren ab, Legierung, Abkühlgeschwindigkeit, weitere Verfahren (die Drähte von Metallseilen oder auch Gitarrensaiten werden z.B. gezogen - also sozusagen "ausgewalzt" bzw. durch eine Düse gepresst -, dadurch werden die Körner länger und dünner, was die Zugfestigkeit auf Kosten der Biegefestigkeit erhöht).
Und wie dann schlussendlich diese Körner und Korngrenzen beschaffen sind bestimmt dann schlussendlich die mechanischen Eigenschaften.
Um jetzt endlich auf das Zitat Bezug zu nehmen:
Das, was da zu sehen ist, ist das Spannungs-Dehnungs-Diagramm. Das entsteht, wenn man eine Probe in eine Zugmaschine einspannt und diese Maschine macht folgendes: Sie erhöht gleichmäßig die Zugkraft und misst dabei die daraus resultierende Dehnung, also die Formänderung des Werkstücks. Bei der gezackten Linie, der Streckgrenze, endet die elastische Verformung, genau da tut sich dann was in der inneren Struktur des Materials. Kurze Anmerkung
@InTune : Nein, es ist danach nicht so gereckt, dass wieder elastische Verformung auftritt. Elastisch bedeutet, das alles Energie gespeichert wird und das ist der Fall wenn das Verhältnis zwischen Spannung und Formänderung linear ist - wie eben bis zur Streckgrenze. Der Bogen danach beschreibt wenn du so willst eben eher die Unfähigkeit des Materials, Energie zu speichern, ganz am Ende sinkt sogar die Spannung obwohl man noch immer Engie reinsteckt- das ist das genaue Gegenteil von Elastizität.
jedenfalls, das ist eine ziemliche "Ganz oder gar nicht"-Geschichte. Solange man unter diesem Bereich bleibt, die Körner passen ja quasi fast bis auf Atomgröße aneinander und dadurch wirken entsprechende Kräfte an den Korngrenzen, die die Körner zusammenhalten. Da kann man sich gut vorstellen, dass sobald sich da auch nur ein bisschen was tut genau diese Kraft zwischen zwei Körnern an der entsprechenden Stelle schlagartig gegen Null geht.
Und das wars dann schon fast für die Saite, auch wenns nur ganz kurz ein bisschen zu viel war, die unterliegt nämlich zusätzlich einer dynamischen Belastung wenn sie bespielt wird und das töten auf Dauer jedes Metall und das idR. ziemlich schnell, sobald eine Schwachstelle da ist.
Um allmählich mal zur Kernaussage zu kommen:
Vordehnen bringt zumindest auf das Material der Saite selbst bezogen
garantiert gar nichts.
Entweder bleiben die Korngrenzen, wie sie sind oder die Saite wird sehr sicher sehr bald reißen.