Die Preise der Instrumentenelektronik - an was liegt es?

von Tieftonsüchtiger, 05.08.07.

  1. Tieftonsüchtiger

    Tieftonsüchtiger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.08.07   #1
    Hi,

    ich habe mir neuerdings ein paar Gedanken über eine aktive Schaltung in meinem Ibanez gemacht.

    Beim großen T hab ich auch was schönes gefunden, einen EQ für Höhen und Bässe:

    https://www.thomann.de/de/emg_btc_control_2_band_eq_1poti.htm

    ok...ein Tandempoti mit einem Platinchen dran, ein kleiner Chip und ein paar Kondensatoren....bisschen Weichlot.... 99 Knüppel! Geschätzter Komponentenwert: 8 Euro fuffzich beim Reichelt.

    An was liegt es, dass Elektronikkram so teuer ist? Bei PUs verstehe ich es ja noch halbwegs ( spezialmagneten aus Spezialeramik und blabla) aber bei Potis?

    Ich muss dazu sagen, dass ich jetzt nicht allzu viel Ahnung habe von Elektronik, aber könnte das ein Feinelektroniker mt passendem Werkzeug nicht auch?

    Das soll jetzt kein Angriff gegen die Firmen und deren Verkaufspolitik werden oder sowas, ich möchte hier nur mal nachfragen.

    mfg
     
  2. -Martin-

    -Martin- Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.08.07   #2
    In der Größe könnte das schwierig werden das selber zu bauen, aber wenn du was billiges und gutes haben willst, guck ma HIER, 4 Band EQ mit zwei parametischen Mittenbändern, für unter 40€. Mitn bischen Geschick kriegste das hin, kannste dir dann ein nen Gehäuse auf den Amp oder vor die Füße stellen.
    Habs noch nicht gebaut, die Teile sind aber schon bestellt und ich glaub an elkulk, sicher ein super Teil :great:

    Ansonsten, häufig sind Teile, die nicht soo klein sein müssen das sie in nen Bass passen, auch günstiger, zB. sowas

    Grundsäztlich kann man denke ich sagen, das der Preis weniger durch die verwendeten Bauteile bestimmt wird, sondern dadurch, dass man solche Gerätschaften ja auch erst mal entwickeln, verbessern, produzieren und rausbringen muss. Einen weiteren Preisaufschlag macht halt die Miniaturisierung aus.
     
  3. peter55

    peter55 A-Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 05.08.07   #3
    Hi Tieftonsüchtiger,

    du mußt bedenken, daß bei solchen Dingen immer auch die Zeit und die Kosten der Entwicklung einer solchen Schaltung in den Preis miteingehen. Wenn du nur nach dem reinen Materialwert einer Ware gehst, könnte davon keine Firma oder kein Hersteller leben. Der Bäcker kann seine Brötchen auch nicht für den Materialwert von - was weiß ich - 5 Cent verkaufen. Er muß auch seine Betriebskosten einrechnen. Natürlich ist der Preis von 99 € für die kleine Platine und die paar Bauteile sicher auf den ersten Blick sehr hoch, aber auch hier gilt im Endeffekt Angebot und Nachfrage. Wenn kein Mensch diese Teile kaufen würde, ginge der Preis sicher langsam nach unten, bzw. würde das Teil vllt garnicht mehr hergestellt werden.

    Auch ich will jetzt keiner Firma ihre "Hochpreispolitik" schönreden, es sollte nur der Versuch einer Erklärung sein.

    Greetz :)
     
  4. s!d

    s!d Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.08.07   #4
    Es könnte aber auch genauso gut das Gegenteil der Fall sein:

    - Umso mehr von einer Sache gekauft wird, umso schneller fällt der Preis um der Nachfrage gerecht zu werden. Dafür werden die Dinge, die es nur noch selten gibt immer teurer; eben aufgrund ihres Seltenheitsgrades!
     
  5. d'Averc

    d'Averc Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 06.08.07   #5
    da hätte selbst adam smith keine kausalität gesehen ;) . größere nachfragemengen senken die stückkosten und erhöhen entweder den gewinn des bösen unternehmers oder rufen konkurrenten auf den plan, die am großen kuchen mitknabbern wollen. im zweiten fall haben wir eine funktionierende marktwirtschaft (und in jedem haushalt mindesntens einen pc etc.). im ersten das phänomen, dass wir jetzt zwar billige instrumente aus china kaufen können, dafür u.u. milch(produkte) bald teurer sein werden als bier (naja ... das war im mittelalter ja auch schon mal so).
    ach ja ... zum eq: die zu realisierenden verkaufszahlen sind zu gering. deswegen teure produktion. wohl keine/wenig konkurrenz. deshalb relativ große spanne und damit recht hoher preis.
     
  6. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 06.08.07   #6
    Ja. Aber

    1. arbeitet der nicht umsonst und auch nicht für 10 Euro die Stunde

    2. hat er Geld für das passende Werkzeug bezahlt

    3. kostet ihn sein Arbeitsplatz Geld (falls den nicht auf dem Klo oder am Küchentisch eingerichtet hat)

    4. Muss er wissen, was er bauen soll. Dieses Know-How kostet Geld.

    5. Muss er Steuern zahlen.

    6. Muss er unetgeltlich für Baufehler geradestehen

    7. Muss eine exakte Teileliste zusammengestellt werden und die Teile müssen exakt bestellt werden (Arbeitszeit).

    8. Muss er ein Platinenlayout entwerfen

    9. Muss das Teil hinterher noch in den BAss passen

    10. Frage ich mich gerade, warum ich hier die Welt erkläre :D
     
  7. bullschmitt

    bullschmitt Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.07   #7
    Weil du der einzige bist, der dazu hier in der Lage bist ? :great:
     
  8. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.07   #8
    Musikelektronik ist zum Teil extrem teuer. Hauptsächlich, weil soche Preise bezahlt werden.

    Entwicklungkosten bei einem 2-Band-EQ... wer daran länger als ein paar Stunden entwickelt ist selber schuld.

    EMG stellt die auch nicht in Miniserie her und lässt sicher auch keine hochbezahlten Elektroingenieure die SMD Bauteile auf die Platine klatschen. Das wäre ja so, als würde man Architekten das Loch für den Keller buddeln lassen.
    Das Argument, dass das selber bauen genauso teuer wäre lass ich mal nicht gelten. Auch für einen simplen MP3 Player gebe ich selber fast 100 Euro aus wenn ich ihn selber bauen will und der wäre dann ne Ecke größer als ein gekaufter, der 30 Euro kostet. (und in dem im Gegensatz zu einem kleinen EQ wirklich Technik sitzt)


    Man könnte das sicher auch günstig machen, Behringer würde sowas für 10-15 auf den Markt werfen. Aber anscheinend ist der Markt bereit mehr zu bezahlen und dafür etwas mit einer Marke drauf in seinem Bass zu haben. Würde ich auch machen, dann weißt ich zumindest, dass der Poti in Ordnung ist und die Bauteile nicht wie reife Äpfel von der Platine purzeln. Das ist zwar auch beim großen B nicht der Regelfall, aber das Risiko ist zumindest gefühlt höher.
     
  9. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 07.08.07   #9
    Ganz, ganz bestimmt nicht. Aber die übrigen 99,99999999999 % sind hier wohl nicht im Board :D

    Es bleiben trotzdem negative Kosten, wenn das Ergebnis der Entwicklung nicht Gewinn bringend verkauft werden kann.

    Die brauchen das nur deshalb nicht in Miniserie herzustellen, weil sie es geschafft haben, dass ungefähr 1 Millionen Gitarrenschüler weltweit glauben, mit ihrem sauer Erspartem den Sound ihrer Helden kaufen zu können. Kostet teuer und steht EMG drauf = Sound. Der Mensch will halt sein Placebo.

    :great:

    Es gibt aber noch die Zwischenphase. Aktive Elemente ins Instrument einbasteln ist ja nicht der große Kick für Hersteller. Letztlich muss man da als Musiker froh sein (sofern man es denn haben will), dass es überhaupt Hersteller gibt, die den Mut haben, solche Nischen besetzen. Es sind schon Tausende Pleite gegangen - nicht an ihren Ideen, sondern weil die Existenz sichernde Masse letztlich kauft, wo Metallica, ZAkk Wylde dahinter und Boss , EMG oder sonstwas draufsteht.

    Das "Un/Geile" ist ja, dass sich heute 16-jährige Mucker, die selbstverständlich "anders" sein wollen, letztlich nach den selben Prinzipien für ein Musikprodukt entscheiden, wie ihre "spießigen " Eltern für eine Hautcreme oder eine Bratpfanne. Da hat die Mediengesellsschaft in den jungen Köpfen voll zugeschlagen.

    Um heute wirklich anders und angenehm gehasst zu werden, muss man schon mit einem Gewehr seine Lehrer und Mitschüler niederzumetzeln. Früher reichten dazu Wahwah, bunte Klamotten und lange Haare.

    Von daher kann ich einem Hersteller, der sich heute traut, mit exotischen "BAu-ich-mit-in-mein Instrument"-Produkten gegen den Hype von EMG, Boss & Co. anzutreten eher Resepkt entgegenbringen als die Frage, warum sie es nicht für 20 Euro machen.
     
  10. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.07   #10
    Wenn ein kleiner Hersteller Elektroniken mit guten/neuen Ideen in wirklicher Kleinserie oder Handarbeit baut dann wären auch weit über hundert Euro noch angemessen. Weil dann ständen die Entwicklungkosten wirklich in einem anderen Verhältnis zu den verkauften Einheiten und es würde wohl auch mehr Entwicklung drinstecken. Z.B. wäre die Wal-Elektronik, die von vielen als so genial angesehen wird (kann ich nicht bewerten, hab noch nie einen Wal-Bass in der Hand gehabt) sicher mehr wert.

    Ein Grund für die hohen Preise könnte auch sein, dass die Zielgruppe einfach nicht zu den Behringerkäufern gehört. Leute, die gezielt ihr Instrument modifizieren haben wohl einen gewissen Anspruch, der sich nicht mit Billigprodukten verträgt.

    Sollte ich mal meinen Bass mit einem guten aktiven EQ nachrüsten wollen, stände das EMG Ding wohl relativ weit oben auf meiner Liste. Er ist zwar zu teuer, aber wenn ich einen zuverlässige, kleine Elektronik in meinem Bass hab ist mir das 50 Euro zuviel sicher wert.
    Selbstbau hätte ich bei solchem Kleinzeugs keine Lust. Wenn ich schon zum Lötkolben greife will ich was interessantes machen.
     
  11. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 09.08.07   #11
    Das ist nicht ganz so. Also "Nicht schon immer". Jede Spiel- Stil- und Moderichtung hat/te Anfänge, die erst mit der Zeit mehr oder weniger erfolgreich ins kommerzielle Räderwerk gehievt werden/wurden.

    Die Bluejeans ("Nietenhosen") waren einst Arbeiterhosen, wurden daraus alternativ und schließlich zum Markenartikel, mit dem man auch in den Bundestag gehen kann. Dann kamen irgendwann zur Abgrenzung gegen Jeans-Spießer die die Arschhängerhosen, die erstmal cool independent im Straßenkampf wirkten und mittlerweile Eingang in die Kinderstuben gehalten haben.

    Kleine Beispiele aus der Musik:

    Selbst ein Million-Seller wie Johnny Cash war anfangs ein Geheimtipp.

    Das erste Studioalbum von Johnny Winter "The Progressive Blues Experiment" wurde von ängstlichen RCA-Managern auf Eis gelegt und erst veröffentlicht, nachdem er bei CBS groß rauskam.

    Die große deutsche Plattenfirma Polydor hatte einst kein Interesse an Udo Lindenberg, weil Rock mit deutschen Texten zu exotisch war und als nicht verkaufbar galt.

    Der Mitte/Ende 70er aufkommende Punk ist zunächst komplett über Indie-Labels gelaufen, weil sich Kommerzfirmen davor gegruselt haben. In diesem Zuge sind Indie-Labels, die auch heute noch die Nischen abdecken, hierzulande überhaupt erst entstanden.

    Heute geht das leider alles fixer. Kaum füllen in Boston oder Philadelphia Garagenbands die Clubs, schon kommen die Plattenmanager mit Schecks angerannt. Bloß nix verpassen, was Trend werden könnte...


    .
     
  12. palmann

    palmann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.07   #12
    Warum kostet ein Bier in der Kneipe 3,00 EUR?

    Gruesse, Pablo
     
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