Die Unterschiede von dB und dB(A) verstehen

von lusthansa, 02.04.12.

  1. lusthansa

    lusthansa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.04.12   #1
    Hallo, Leute. Ich bin Gitarrenlehrer. Ich hatte leider im Abitur damals in Physik leider nicht das Thema "Akustik". Meine Frage dreht sich um Dezibel und die verschiedenen (gibt es das?) Unterformen.

    Also: Es ist bekannt, dass Musik auf Dauer die Ohren kaputtmacht, wenn man sie ständig über 85 dB (oder 85 dB(A)??????) hört ...

    Daher habe ich mir im Internet ein Lautstärkemessgerät gekauft. Daran ist schon etwas komisch: Es steht unten drauf: Messbereich: 32dB bis ca. 130 dB. Wenn man dann aber das Display anmacht, dann kommt da z. B. 40 dB(A) NICHT 40 dB, wenn man z. B. was leise sagt. Was ist denn nun was bei dB und dB(A)?

    Okay, dann zu der Hauptfrage: Ich wohne in einer Wohnung und über mir sind noch Nachbarn. Wir haben das mal, damit´s keinen Streit gibt, getestet, wann die was von mir hören, und das ist bei 85 dB(A) auf der Messgeräteanzeige der Fall. Ist eh super, lauter will ich nicht hören. Okay, nun sagen wir, ich will diese 85 dB(A) erreichen, indem ich das Gitarrenprogramm "Guitar Pro 6" anmache und da eine Spur laufen lasse, die aus allen Noten eines Songs XYZ besteht AUßer (gemutet) der Spur "Rhythmusgitarre". Die habe jetzt mal mein Gitarrenschüler gelernt und will sie über den Guitar Pro - 6 - Backingtrack mir vorspielen. Dabei soll sein Klang (geht ex Line Out vom AMP in mein EPM 6 Mischpult) MIT GP6 zusammen (geht aus dem Audiointerface vom Laptop in meinen Mixer im Stereospurbereich) eben genau diese noch tolerierbaren 85 dB(A) erreichen.

    Gut ... jetzt weiß ich noch so nebulös, dass 42,5 dB(A) + 42,5 dB(A) eben NICHT 85 dB(A) sind, sondern dass das was Logarithmisches ist ... Wenn jetzt mein Gitarrenschüler genauso laut sein soll wie der Backing Track, wie muss ich dann beide Regler einstellen? Ist vllt. 82 dB(A) + 82 dB(A) = 85? Oder 83 db(A) + 83 db(A) = 85?? Wer hat da Formeln für?

    So, dann noch ne Frage: Guitar Pro 6 hat unten so ein virtuelles Mischpult ... da gibt´s natürlich auch so grafisch dargestellte Fader vom "echten" Mixer ... die kann man hin und herschieben und beim Schieben sieht man dann so Werte wie -0,3 db oder meinetwegen 6.5 db, etc.

    Sagen wir mal, beim Song XYZ hat der Rhythmus-Gitarren-Fader in Guitar Pro 6 (und GP6 sei jetzt mal als Noten-Abspieler richtig prima abgemischt ...) die Stellung -3,5 dB(a) ... so: Wie muss ich jetzt mit meinen ganzen Gain und Hastenichgesehenreglern am EPM6 Mixer UND mit den ganzen Reglern am Marshall AMP hindrehen, damit ich GLEICH mit einem perfekten Sound GP6 + echte Gitarre vom Schüler loslegen kann? Ich frage, weil ich will hier keinen Tontechnikunterricht geben,sondern Gitarrenunterricht und der Schüler soll nicht 5 min. bei mir zugucken, wie ich mit seinem Test-Gespiele den "perfekten Mix" hinbiege ... gibt es da so eine "Theorie" zu, die einen gleich per Kopfrechnung die richtigen Settings "rausfinden" lässt oder habe ich da übertriebene Ansprüche?

    Danke für Tipps, lusthansa
     
  2. ThomasT

    ThomasT HCA Akustik HCA

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    Erstellt: 02.04.12   #2
    80dB + 80dB sind immer 83dB. Verdopplung von "Energiegrößen" (Leistung, Intensität) ergibt 3dB mehr. Verdopplung von Feldgrößen (wie nennt man das? also Spannung, Schalldruck etc.) ergibt 6dB mehr.

    Die Formel ist

    L[dB] = 10 lg (P1, / P0) P = Leistung

    L[dB] = 10 lg (U1^2 / U0^2) U = Spannung
    = 10 lg (U1/U0) ^2 = 20 * lg (U1/u0)

    dB ist keine Einheit, sondern eine Vergleichsgröße!

    dB(A) gibt an dass der Schallpegel filterbewertet ist. D.h. Bässe und Höhen werden weniger berücksichtig.

    Spontan würde man vermuten 82 dB(A) + 82 dB(A) = 85 dB(A).
    Aber die Addition von unterschiedlichen Signalen ist nicht so trivial!

    Und ausserdem, die Angabe von 85 dB maximalpegel ohne Gehörschäden ist unbewertet. Also ohne A-Filter. Wenn dein Pegelmesser kein "linear" kann, dann nimmt C.
     
  3. Novik

    Novik Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.04.12   #3
    Hallo Lufthansa.

    Es gibt einmal den reellen Schalldruck, der meist in dB(A) gemessen wird, und es gibt dB im Digitalen Raum. Korrekterweise wird dies mit dBFS bezeichnet und bedeutet Full Scale. Diese Pegel sind nicht gleichzusetzten mit dem Schalldruck, denn sie bezeichnen den Dynamischen Umfang einer Digitalen Aufnahme. So ist beispielsweise eine CD mit 44,1 khz und 16 bit Wortbreite mit einem Dynamischen Umfang von 96 db ausgestattet. Der Lauteste Pegel ist die 0dB während der kleinstmögliche Pegel die - 96db sind. Dies ist aber lediglich virtuell im Digitalen Raum und lässt sich nicht einfach auf den reellen Schalldruck ableiten. Denn man kann ja den Verstärker unabhängig von der Lautstärke der Datei verändern. So kann eine Datei mit -10 db reell einen höheren Schalldruck erreichen, als eine Datei mit 0db. Mann muss ja nur den Verstärker weiter aufdrehen.

    Du brauchst da auch eigentlich gar nicht mathematisch rangehen. Stelle einfach die Lautstärke des Backintracks und der Gitarre ein und miss die Lautstärke mit einem SPL Meter. Gegebenenfalls korrigierst du, bist du die 85 dB erreichst
     
  4. ThomasT

    ThomasT HCA Akustik HCA

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    Erstellt: 02.04.12   #4
    Hier muss ich intervenieren.

    Schalldruck wird in Pascal gemessen oder in Amerika auch pound per square inch. Schalldruck ist Druck! Nix Pegel. Nix dB.

    Erst wenn man den Schalldruck mit einem anderen vergleicht wird daraus dB.
    Man vergleicht ihn gewöhnlich mit dem Schalldruck an der Hörschwelle.

    L[dB] = 20 * lg(p1 / p0)

    die 2 kommt daher, dass Druck quadratisch in den Leistung eingeht und dB ursprünglich leistungsbezogen war.

    Bei dBFS ist der Bezugspegel vollaussteuerung des Systems. Also wenn die Werte eines 16bit Systems 32767 sind.
    Man "tut" hier so als entsprechend doe digitalen Werte Spannungen (des analogen Signals). Das hat nichts mit virtuell zu tun.

    Der kleinsmögliche Pegel bei 16 bit sind ist übrigen minus unendlich nicht minus 96 ...
     
  5. Novik

    Novik Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.04.12   #5
    Meinetwegen Schalldruckpegel.

    Also man tut nur so, das ist aber nicht virtuell? Digital kennt nur 0 und 1. Also wird digital die realität virtuell nachgebildet.
    Und bringt einem ein pegel von -1300 db bei 16 bit etwas? Meine Angabe war praxisbezogen und nicht theoretisch

    Und nix für ungut. Ne akurate Formelsammlung hilft dem Ersteller hier auch nix. Du schreibst selber, dass die Aufsummierung von unterschiedlichen Audioinhalten nicht so trivial sind wie 2 identische Signale
     
  6. Stifflers_mom

    Stifflers_mom Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.04.12   #6
    ohne jetzt zu viel ins physikalische Detail zu gehen, das wichtigste wurde eh schon angerissen:

    Nur zwei kohärente Signale (=identische) addieren ihre Signalamplitude um +6 dB! Das kommt aber eher selten vor, dass zwei Signale identisch sind... (z.b. Monosignal auf Stereoanlage)
    Nicht kohärente Signale (z.b. weißes Rauschen) addieren ihren Pegel um +3 dB. Jedes Signal eines Musikinstruments/einer Stimme hat aber kein weißes Spektrum (nennt sich "sparse"), also kommt im Endeffekt noch viel weniger als +3 dB raus.

    Pegel deinen Backingtrack einfach auf kurz unter den erlaubten Pegel ein (1 dB reicht völlig) und gut is. Oft dreht man ja eh etwas zurück, wenn noch eine zusätzliche Quelle dazukommt.

    Falls es mal (gott bewahre) zu einem Rechtsstreit kommen sollte, bist du sowieso immer im grünen Bereich wenn du dich immer nur bis zum erlaubten genannten Pegel bewegst. Der ist nämich ein Mittelwert über relativ lange Zeit. Und jede kurze Spielpause, ausklingen des Akkords zieht diesen Mittelwert nach unten über die Zeit gesehen. Also kann man locker auch ein paar dB ohne Probleme drüber spielen! :D


    Zum lesen über bewertete Schallpegelmaße gibts hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bewerteter_Schalldruckpegel
    und wens noch genauer interessiert hier:
    http://www.sengpielaudio.com/TabelleDerSchallpegel.htm
     
  7. ThomasT

    ThomasT HCA Akustik HCA

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    Erstellt: 02.04.12   #7
    NEIN!

    Das ist ein alter Irrtum!

    Digital kennt Zahlen. Zahlen begrenzter Genauigkeit. Aber mehr als nur 0 und 1.

    Zu sagen, digital wäre nur 0 und 1 ist so als würde man sagen analog ist nur 0 bit 9.
     
  8. foxy-s

    foxy-s Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.04.12   #8
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  10. ambee

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