Drum-Tuning-Methode - Snare, Toms, Bassdrum

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Prodrummer1603
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Ich möchte euch hier vorstellen, wie ich mein Set schon seit einigen Jahren stimme. Kleiner Disclaimer: Die Methode, die ich anwende, habe ich nicht selber erfunden. Die Stimmtechnik scheint sich unter vielen großen Drummer schon seid Jahrzehnten durchgesetzt zu haben. Ich habe mir aber gedacht, dass diese Stimmtechnik für einige hier noch unbekannt sein könnte und wollte sie deshalb mit euch teilen.
Ich kann nur bestätigen: Diese Methode funktioniert einwandfrei und hat mir schon viele Komplimente von Tontechnikern eingebracht :)

Es gibt sicherlich viele Drummer da draußen, die frei schnauze und nach Gefühl Trommeln stimmen, und solange es ihnen gute Ergebnisse liefert spricht da auch überhaupt nichts gegen.
Es gibt keinen falschen Weg, Drums zu stimmen. Es gibt nur gut und schlecht klingende Trommeln :p
Da ich aber keinen Nerv habe, bei jedem Fellwechsel erstmal Stunden an den Trommeln zu sitzen, um die gut klingen zu lassen, war ich auf der Suche nach einer Stimmtechnik, die mit absoluter Garantie gute Resultate erzielt und zudem noch sehr schnell ist, wenn man denn weiß, was man tut.

Gott sei Dank bin ich über Periphery auf Adam Nolly (ehemaliger Bassist, derzeitiger Drum-Soundengineer/Producer) aufmerksam geworden. Auf dem Youtube-Kanal von Drummers Review erklärt er in zwei Videos, wie er (u.a. auch für Periphery) Snares und Toms stimmt. Er beruft sich dabei aber auch auf Drummer wie John Bonham oder Dave Weckl, die die gleiche Methode anwenden.

Grundlegend gilt für alle Trommeln (bis auf die Bassdrum), dass die Felle in sich gestimmt sein müssen. Bedeutet: Die Tonhöhe an jeder Stimmschraube muss gleich sein.

Was ihr für Werkzeug braucht:

- Stimmschlüssel (am besten mit kleinem Aufsatz wie z.B. hier)
- Handy mit Pitch-Pipe-App (z.B. ClearPitch oder Realistic Pitch Pipe)
- evtl. Tune-Bot, erleichtert euch das Stimmen bei höheren Stimmungen (bei der Snare); ansonsten müsst ihr euch auf euer Gehör verlassen, was etwas Übung verlangt

BASSDRUM:
Die ist bei mir recht unspektakulär. Ich stimme die Felle so tief wie irgendwie möglich (sowohl Schlagfell als auch Resonanzfell), um den Grundton möglichst nach unten zu drücken und das Sustain zu verkürzen. Gleichzeitig wird auch das Attack verstärkt. Jazz-Drummer sollten vielleicht etwas höher stimmen. Auf einen Ton oder so stimme ich aber nie.
Der Stimmschlüssel mit dem Aufsatz ist hier von Vorteil, weil ihr nur über den Aufsatz und die Kraft aus Daumen und Zeigerfinger die Stimmschrauben "fingertight" andrehen könnt. Das sorgt für eine halbwegs gleichmäßige Fellspannung und verhindert, dass die Stimmschrauben so locker sind, dass sie rumklappern.

SNARE:
Wie Adam Nolly auch stimme ich mein Resonanzfell auf ein "A". Die Pitch-Pipe-App kann euch hier die Tonhöhe vorgeben. Das Fell sollte sich unabhängig von der Dicke ziemlich straff anfühlen. Um den Ton des Resonanzfelles zu hören, empfiehlt es sich das Schlagfell abzudämpfen und das Resonanzfell am Fellrand in Nähe einer Stimmschraube leicht mit der Stockspitze oder dem Finger anzuspielen.

Die Tonhöhe des Schlagfelles hängt davon ab, was für ein Sound und Musikstil ihr bedienen wollt.
Wer ein gutes Gehör hat, kann einfach die Pitch-Pipe-App als Referenz nehmen. Ich persönlich habe allerdings Probleme ab einer gewissen Tonhöhe den Grundton herauszuhören. Je höher das Schlagfell gestimmt ist, desto mehr Obertöne kommen hinzu, die den Grundton überlagern. Deswegen habe ich mir den Tune-Bot zugelegt. Der ermöglicht das Filtern von Frequenzen und dem Anzeigen der Tonhöhe (wie bei einem Gitarrenstimmgerät). Allerdings bedarf es auch hier ein bisschen Übung, da der Tunebot nicht immer den entscheidenen Ton anzeigt (sondern Unter- oder Obertöne). Schaut am besten dieses Video an. Hier zeigt Adam Nolly, wie er Snare-Drums stimmt (inkl. Klangbeispielen für unterschiedliche Stimmungen). Es lohnt sich aber auch die anderen Tonhöhen auszuprobieren. Ein Halbton höher oder tiefer kann einen riesigen Einfluss auf den Charakter der Snare haben. Die hier genannten Töne beziehen sich immer auf den Fellrand, direkt an der Stimmschraube gespielt:

Low-Tuning: C oder C#, Für Tunebot-Nutzer: 262 Hz (C), 277 Hz (C#)
Mid-Tuning: D oder D#, Für Tunebot-Nutzer: 294 Hz (D), 311 Hz (D#)
High-Tuning: E oder höher, Für Tunebot-Nutzer: 329-330 Hz (E), ....

Das Low-Tuning eignet sich super für Balladen, Classic Rock, Oldies oder Pop/Country. Die Obertöne sind eher unterdrückt. Der Sound ist fett, dafür aber auch relativ platt/charakterlos.
Ich persönlich stehe auf das Mid-Tuning, speziell D#. Die Snare bekommt damit ein bisschen mehr Crack und mehr Obertöne. Und trotzdem ist der Sound sehr vielseitig, sodass man auch problemlos Balladen und Pop spielen kann. Da ich in einer Coverband spiele, die viele verschiedene Style bedient, kann ich das Mid-Tuning nur empfehlen. Von Red Hot Chilli Pepers bis Rolling Stones ist hier alles möglich.
Im High-Tuning sind die Obertöne noch einmal präsenter, die Snare knallt richtig, allerdings eignet sich der Sound meiner Meinung nach nur für Funk oder Metal.
Am Ende ist Snare-Tuning Geschmacksache.

TOMS:
Die Toms lassen sich problemlos mit Gehör stimmen, da die Obertöne in der Regel nicht so krass sind. Auch hier gilt: Dämpft das jeweils andere Fell am besten ab, um nur das zu stimmende Fell zu hören.
Generell gilt: Sind Resonanz- und Schlagfell gleich gestimmt, wird das Sustain maximiert und die Obertöne verstärkt. Je größer das Intervall desto kürzer das Sustain und desto geringer die Obertöne. Wer nicht gerade Jazz spielt, sollte um die gleiche Stimmung eher einen Bogen machen.

Adam Nolly empfiehlt, dass Resonanzfell immer eine kleine Terz höher zu stimmen. Es gibt allerdings auch andere Intervalle die Sinn machen.
Ich persönlich bevorzuge die reine Quarte. Die Toms klingen damit noch einmal fetter und fokussierter. Obertöne werden noch einmal minimiert. Über den Equalizer muss dann fast gar nichts mehr herausgezogen werden.
Weil das Schlagfell in dieser Stimmung noch einmal tiefer ist, wird auch das Attack betont. Für alle, die Rock und Metal spielen, ist das sicherlich nicht verkehrt.
Die kleine Terz wie von Adam Nolly empfohlen klingt etwas ausgewogener und kann auch für Jazz verwendet werden. Es besteht auch die Möglichkeit, die große Terz zu verwenden. Hier kann ich euch nur die Videos von Kenny Sharretts empfehlen, der verschiedene Intervalle zwischen Schlag- und Resonanzfell ausprobiert hat und mit Klangbeispielen belegt.

Um zu ermitteln, auf welche Tonhöhen man eine Tom mit einem bestimmten Durchmesser am besten stimmen sollte, verlinke ich euch den Drummers Review - Tom-Tuning Guide
Adam Nolly hat hier auch Empfehlungen abgegeben, auf welche Tonhöhen man die einzelnen Toms stimmen sollte, wenn man eine gewissen Konstellation hat (z.B. 10"-Rack, 12"-Rack und 16"-Standtom).
Einfach mal durchlesen. Ist sehr hilfreich.

Wenn eine Tom auf beispielsweise D gestimmt werden soll, muss man natürlich wissen, auf welche Tonhöhe die einzelnen Felle gestimmt werden müssen, um eben jenen Ton zu erreichen.

Hilfsregeln:
Bei der kleinen Terz müsst ihr das Resonanzfell immer einen halben Ton tiefer stimmen als der Ton, der am Ende rauskommen soll.
Und das Schlagfell dann eine kleine Terz tiefer als das Resonanzfell.
Bei der reinen Quarte wird das Resonanzfell auf genau den Ton gestimmt, der am Ende rauskommen soll.
Und das Schlagfall dann eine reine Quarte tiefer als das Resonanzfell.

Zur Veranschaulichung hier mal ein Beispiel, basierend auf meinem Setup (10, 12 und 16").
Gemäß dem Guide ziele ich D, A und C an.

Für die einzelnen Felle würde das bedeuten:

Kleine Terz:
10er-Tom: C# (Reso), A# (Schlag)
12er-Tom: G# (Reso), F (Schlag)
16er-Tom: H (Reso), G# (Schlag)

Reine Quarte:
10er-Tom: D (Reso), A (Schlag)
12er-Tom: A (Reso), E (Schlag)
16er-Tom: C (Reso), G (Schlag)

Für die anderen Intervalle habe ich leider keine Regeln.

So, das wars dann auch. Über euer Feedback würde ich mich sehr freuen.
Ein großes Dankeschön an Adam Nolly und Kenny Sharretts, zwei Experten wenn es um Drum-Tuning geht :)
 
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Kann man so machen. Ich mach es immer nach Gehör.

Mein Vorbild ist da Rob Beatdown Brown. Dessen bester Satz dazu: Drum tuning is no rocket science.
Man kann ja aus allem eine Wissenschaft machen, ob man das muss...? Who knows.


View: https://www.youtube.com/watch?v=arz8Vt4RLjY&t=20s

View: https://www.youtube.com/watch?v=EPQPYM_849Y

View: https://www.youtube.com/watch?v=FTdXOWKIQc4&t=10s

Ich bin halt Naturwissenschaftler xD Deswegen betrachte ich die Trommel auch als Klangkörper, der nach festen physikalischen und akustischen Gesetzen funktioniert.
Es liegt in meinem Wesen, nach einer "Formel", nach einem Rezept zu suchen, was man immer anwenden kann und was immer die gleichen Ergebnisse liefert.

Wie ich bereits oben geschrieben habe: Es gibt kein "Richtig" oder "Falsch". Solange es gut klingt, ist es egal, wie man da hin gekommen ist.
 
Solange es gut klingt, ist es egal, wie man da hin gekommen ist.
Wenn man genug Zeit hat, kein Thema.

Alle Wege führen nach Rom, heißt es so schön. Allerdings wäre mir ein Abstecher über Sydney zu langwierig. ;)
 
Wenn ich neue Felle drauf ziehe brauche ich höchstens ein paar Minuten, bis alles wieder so ist wie vorher. Natürlich bedarf es für Anfänger ein bisschen Übung. Aber nach ein oder zwei Durchläufen geht die Methode super schnell. Und für mich definitiv schneller als blindes ausprobieren und nicht wissen, wo man ansetzen soll.
 
Ich empfinde deine vorgestellte Methode nicht unbedingt als außergewöhnlich. Ist im Grunde das, was man in unzähligen Tuning-Tutorials im Netz sieht, scheint mir. Da nicht jede*r mit Tunebot stimmt, nicht für jede*n relevant. Zumal es halt auch nur DEINEN Geschmack abbildet, während andere Drummer mit hoher Wahrscheinlichkeit mit anderen Einstellungen trotzdem nen guten Sound hätten. Nur eben anders.

Für Drummer, die bisher nur dem Prinzip Zufall folgen, mit Sicherheit trotzdem ein guter Ansatz.
 
Kommt auch immer darauf an, wie oft man das macht.
Für einen Drum-Tech ist dieser Ansatz sicher sinnvoll, da man damit in relativ kurzer Zeit gleiche Ergebnisse erzielen kann.

So ein Tunebot ist wohl eher für jemanden interessant, der öfter als einmal im Jahr seine Felle wechselt.
 
Ich bin halt Naturwissenschaftler xD Deswegen betrachte ich die Trommel auch als Klangkörper, der nach festen physikalischen und akustischen Gesetzen funktioniert.
Genau wegen dieser Aussage wundere ich mich etwas über deine Stimm-Methodik, die mir in einigen zentralen Aspekten verkürzt zu sein scheint. Die Betrachtung der physikalischen Gegebenheiten an einem Mebranophon mit zwei Membranen (=> Trommel des Schlagzeugs) und insbesondere der akustischen Eigenschaften der Betriebs-Umgebung kommt man schnell zu weitergehenden Schlussfolgerungen.

Ich stimme die Felle so tief wie irgendwie möglich (sowohl Schlagfell als auch Resonanzfell), um den Grundton möglichst nach unten zu drücken
Ganz unabhängig vom Musikstil geht hier viel mehr. Die Grundfrequenz einer typischen Bassdrum liegt irgendwo zwischen 50 und 90 Hz. Die entsprechenden Wellenlängen liegen also zwischen knapp 4m bis etwa 7m. In diesem Frequenzbereich findet man besonders ausgeprägte Raummoden, also Frequenzen, für die in dem jeweiligen Raum stehende Wellen entstehen. Stimmt man eine Bassdrum auf eine dieser Raummoden, bleibt die Energie besonders lange in der Luft und die Bassdrum klingt dadurch viel mächtiger, als bei anderen Frequenzen. So tief wie möglich klingt eben NICHT so fett wie möglich.

Wie Adam Nolly auch stimme ich mein Resonanzfell auf ein "A".
Betrachtet man eine zweifellige Trommel genauer, handelt es sich (modellhaft gesprochen) um ein schwingendes System aus drei Oszillatoren, von denen zwei eine einstellbare Eigenfrequenz haben (=> Felle) und die miteinander gekoppelt sind. Wegen der Kopplung über die Luftsäule und den Kessel kann keiner der Oszillatoren mit seiner eingestellten Eigenfrequenz frei schwingen, sie sind zu Resonanz gezwungen.

Dieses System wird nun durch einen Impuls (Schlag mit dem Stick) gestört und gibt auf diese Störung die sog. Impulsantwort. Der Verlauf der Hüllkurve und das Obertonspektrum hängen von den Verhältnissen der eingestellten Eigentöne ab.

Davon abgeleitet kann man feststellen, dass es (grob vereinfacht) drei Klangzonen gibt:
- resonante Zone: beide Felle auf etwa gleichem Ton => maximale Obertöne, maximales Sustain
- warme zone: Resonanzfell höher als Schlagfell gestimmt => mittlere Obertöne angehoben, Sustain verkürzt, "warmer Klang", viel Attack, beliebte Rock/Pop-Stimmung
- flache Zone: Resonanzfell tiefer gestimmt als Schlagfell => Grundton und hohe Obertöne angehoben, Sustain verkürzt, "flacher, oder toter Klang", weniger Attack, mit etwas Dämpfung fast nur noch Grundton und grundtonnahe Obertöne, beliebte Metal-Stimmung

Mit anderen Worten: die Festlegung auf einen fixen Ton des Resonanzfells beschränkt die stimmtechnischen Möglichkeiten stark.

Je größer das Intervall desto kürzer das Sustain und desto geringer die Obertöne. Wer nicht gerade Jazz spielt, sollte um die gleiche Stimmung eher einen Bogen machen.

Adam Nolly empfiehlt, dass Resonanzfell immer eine kleine Terz höher zu stimmen. Es gibt allerdings auch andere Intervalle die Sinn machen
Der erste Satz stimmt grundsätzlich, auch wenn man das stärker differenzieren sollte (=> Klangzonen). Die Empfehlung, das reso immer eine Terz höher zu stimmen, ist eine aus meiner Sicht kontraproduktive Beschränkung. So ist die Trommel immer in der warmen Zone. Es gibt aber auch andere sinnvolle Stimm-Möglichkeiten.

P.S.: Man muss keine Wissenschaft aus der Stimmerei machen, stimmt. ABER ein wissenschaftsbasiertes Verständnis der Schwingungsverhältnisse an der Trommel und im umgebenden Raum hat mir geholfen, leicht verständliche Prinzipien und Methoden zu entwickeln, mit deren Hilfe man das gesamte stimmbare Spektrum seiner Trommeln erfahren und kontrollieren kann.
Darüber hinaus klappt damit auch die Anpassung der Stimmung an unterschiedliche Umgebungen und Situationen.

Die drei Prinzipien:
1. Benutze dein Gehör. Es ist das wichtigste Werkzeug beim Stimmen und immer, wenn du etwas an der Trommel geändert hast, beurteilst du das Ergebnis mit deinem Gehör. (Für Stimmwerkzeug-Fans: auch wenn du den Tunebot o.ä. verwendest, trifft dies zu.)
2. Jedes Fell soll immer in Stimmung mit sich selbst sein, also im identischen Abstand zur jeweiligen Stimmschraube soll derselbe Ton abgreifbar sein.
3. Der Klangcharakter der Trommel wird über das tonale Verhältnis der beiden Felle zueinander eingestellt. Dies gilt sowohl für die Hüllkurve (Attack, Sustain, Decay), als auch das Obertonspektrum (Timbre Punch, Projektion etc.), siehe auch das Klangzonenmodell weiter oben.
 
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