E-Geigen-Aufnahme: mono oder stereo?

von Strato Incendus, 27.06.18.

  1. Strato Incendus

    Strato Incendus Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.12
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    625
    Zustimmungen:
    99
    Kekse:
    1.308
    Erstellt: 27.06.18   #1
    Ich habe jetzt wiederholt die Erfahrung beim Aufnehmen mit meiner Yamaha YEV gemacht, dass das, was ich beim Abspielen der Aufnahme (solo geschaltet) höre, deutlich anders (=schlechter) klingt, als das, was ich beim Einspielen wahrnehme: Während der Aufnahme klingt es schön ausgewogen, warm, aber auch in den Höhen brillant genug. Auf der Aufnahme selbst ist es aber dann entweder zu dumpf oder zu dünn, als sei der Sound insgesamt "gequetschter", nimmt nicht so viel Raum ein.

    Zur Signalkette: Es geht von der YEV in mein Boss GT-10 (mit eingeschaltetem Preamp) und von dort in meinen Marshall JVM (Gitarrenverstärker), wobei ich hier im Clean-Kanal den Bass voll rein und die Mitten und Höhen ganz rausdrehe. Klingt radikal, ich weiß, aber was rauskommt, gefällt mir sowohl im Raumklang als auch über die Kopfhörer des Mischpults :D . Vor der Lautsprecherbox des Verstärkers steht dann einfach ein Shure SM58 Beta, von da geht's ins Mischpult und von dort in die DAW.

    Mein erster Gedanke war, dass der (wenngleich geringe) akustische Klang der YEV direkt neben meinem Ohr meine Klangwahrnehmung verzerrt, weil dieser rein akustische Klang natürlich mehr Höhen hat, und man über den Knochenschall durch den Kiefer ähnlich wie beim Singen den Klang evtl. gleichzeitig auch noch als voller wahrnimmt als das, was der Tonabnehmer auffängt.

    Doch beim Aufnehmen habe ich ja die Kopfhörer auf den Ohren, und die geben mir ja hauptsächlich wieder, was am Ende der gesamten Signalkette im Mischpult ankommt. Und das klingt auch noch gut (zumindest für mich so weit in Ordnung, erfahrenere Spieler mögen andere Ansprüche haben ;) ).

    Der einzige Unterschied, der dann noch bleibt, ist, dass ich beim Aufnehmen die Geige ja auf beiden Ohren höre.

    Deshalb meine Frage: Nehmt ihr (E-)Geigen standardmäßig als Stereosignale auf? Für mich war es erst einmal näherliegend, sie analog zu Gitarren, Bass und Gesang wie alle Solo-Melodieinstrumente in mono aufzunehmen.

    Ich habe allerdings gemerkt, dass ein Stereo-Spread-Effekt, der also bestimmte Frequenzen nach rechts oder links panned, den Klang deutlich angenehmer macht.

    Also dachte ich, warum stereo künstlich mit einem Effekt simulieren, wenn man die Geige auch gleich stereo aufnehmen kann?

    Es scheint mir nur gegen alles zu gehen, was ich bisher über das Aufnehmen von Soloinstrumenten zu wissen glaubte :D .
     
  2. robbert

    robbert HCA-Geige HCA

    Im Board seit:
    06.06.13
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    872
    Ort:
    14000 D
    Zustimmungen:
    6.675
    Kekse:
    25.206
    Erstellt: 27.06.18   #2
    Für Aufnahmen finde ich die Signalkette etwas zu lang. Ich würde dir raten, es mal direkt vom GT 10 in die DAW zu probieren.
    Probiere das mal aus.
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  3. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.12
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    625
    Zustimmungen:
    99
    Kekse:
    1.308
    Erstellt: 27.06.18   #3
    Das habe ich als erstes probiert, das klang dann aber sehr dünn, weil die Geige ja keinen Korpus hat. Ein bisschen mache ich das über Reverb weg, aber den zusätzlichen Boden von der Marshall 4x12-Box zu haben schadet schon nicht :D .

    Der Punkt ist ja, dass mir der Klang, den ich aufnehme, bis zum Moment des "Stopp"-Drückens gefällt, also das, was im Mischpult ankommt = das, was ich auf den Kopfhörern höre. Nur das, was beim Abspielen der Aufnahme rauskommt, klingt dann anders.
     
  4. GeiGit

    GeiGit Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    12.12.13
    Beiträge:
    3.929
    Ort:
    CGS-Schwabbach
    Zustimmungen:
    5.162
    Kekse:
    59.653
    Erstellt: 27.06.18   #4
    Aufnehmen ist nie ganz einfach und beide Wege können zum Erfolg führen. Ich selbst mache die komplette Klangbearbeitung in meinem HD500 und gehe dann stereo in die DAW wenn ich den Hall mit aufnehme und mono wenn ich ihn in der DAW dazu rechne.
    Trotz geschlossenem Kopfhörer hört man aber eine Geige und A-Gitarre noch etwas real durch und kann die Aufnahme erst beim Anhören beurteilen.
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  5. robbert

    robbert HCA-Geige HCA

    Im Board seit:
    06.06.13
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    872
    Ort:
    14000 D
    Zustimmungen:
    6.675
    Kekse:
    25.206
    Erstellt: 27.06.18   #5
    Versuche es mal mit einem anderen Signal, z.Bsp.: sprich oder sing etwas ins Mikro, stöpsel mal eine Gitarre ran oder, oder....
    Wenn das andere Signal etwa 1:1 in deiner DAW ankommt, müsste sich auch die Aufnahme der Geige so verhalten.

    Ich habe keine Ahnung wie deine DAW funktioniert, vielleicht ist das Mikro nicht richtig eingepegelt? Am Mischpult macht man das ja mit dem
    Gain-Regler, (den immer noch manche lernresistente Musiker für den zweiten Lautstärkeregler halten....:rolleyes:).
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  6. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.12
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    625
    Zustimmungen:
    99
    Kekse:
    1.308
    Erstellt: 27.06.18   #6
    Ah, das ist schon mal ein guter Punkt! Ich packe nämlich mit Amp / Effektgerät bereits vor der Lautsprecherbox etwas Hall drauf, um den Korpus zu simulieren, dann könnte das den Unterschied machen - weil dieser Klangeindruck mit (Stereo-)Hall beim Spielen vorhanden ist, aber auf der Aufnahme natürlich wieder verloren geht.

    Zum Thema anderes Signal: Die Kette ist dieselbe, mit der ich auch meine E-Gitarren aufnehme. Aber auf denen ist eben normalerweise kein Hall drauf, höchstens mal Chorus oder Delay.
     
Die Seite wird geladen...

mapping