[WORKSHOP] Mikrofonabnahme einer akustischen Geige "von innen"

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[WORKSHOP] Mikrofonabnahme einer akustischen Geige "von innen"


IMG_20200527_160035.jpg

...was bisher geschah - Der bisherige Weg der Tonabnahme


Wie ihr wisst habe ich ja schon verschiedene Abnahmemöglichkeiten meiner akustischen Geige ausprobiert und hier auch vorgestellt:
K&K Twin Spot unter den Stegfüßen
K&K Big Twin und Big Shot unter den Stegfüßen
DIY-Geigenmikrofon(halter) zum Anklemmen
IMG Stage Line - TXS-631SET Multi-Frequenz-Mikrofonsystem an der Geige
Vorallem mit dem IMG-System habe ich in letzter Zeit öfters live gespielt wenn ich nicht nur den verstärkten Sound der E-Geige, sondern zusätzlich den Klangkörper und den akustischen Klang der Geige (z.B. auch als "Monitor am Ohr") benötigt habe.
Damit war ich aber noch nicht so wirklich glücklich, da es eben im Livebetrieb immer wieder zu Rückkopplungen kam wenn ich zu nah an die Hauptlautsprecher gekommen bin.

Die Experimente gehen weiter


Also experimentierte ich im Januar und Februar 2020 weiter und suchte eine bessere Abnahmetechnik für meine Geige die sie etwas natürlicher klingen lassen würde als der K&K Big Shot unter dem Stegfuß auf der E-Saiten-Seite.

Ich versuchte wirklich verschiedenste Dinge und ging sogar so weit ein Kehlkopf-Kontakt-Mikrofon zu testen,
IMG_20200131_192420.jpg IMG_20200131_190804.jpg
aber leider war der Klang zu mittenbetont und verzerrte bei hoher Lautstärke.
Ich positionierte auch einen Shadow SH020, der sich bei meinem "Paulus"-Projekt gut bewärt hat, auf verschiedene Stellen der Geigendecke, klemmte ihn zwischen Decke und Griffbrett, oder unter den Saitenhalter - aber auch damit wurde ich nicht glücklich. :nix:
Also versuchte ich mehrere meiner Krawattenmikrofone die ja durchaus verschieden klingen, wie man bei meinem "Großen Mikrofonvergleich auf den DIY-Mikrofonhaltern an meiner Lowden S22" bereits hören konnte. Mein Beyerdynamic MCE5 positionierte ich über verschiedensten Positionen der Geige und stellte dann auch fest, dass es ohne Popschutz schlank genug war um es durch eines der F-Löcher in die Geige einzuführen. Mein Sennheiser ME2 passte leider ganz knapp nicht durch.

Erster Höreindruck aus dem Inneren der Geige


Im Innenraum der Geige herrschte ein ganz eigener Klang, der natürlich vor allem durch die Resonanzfrequenz der Geige bestimmt wurde. Sie liegt etwa zwischen dem B4 und C4 (zwischen zweitem und drittem Finger auf der G-Saite), also etwa bei 256 Hz (vergleiche hier). Sie führte durch die Überbetonung auch prompt zu einer kleinen Rückkopplung mit meinem Marshall AS50D, den ich für diesen Test verwendete. Hier entpuppte sich dessen Notch-Filter als geniale "Waffe" um diese Überbetonung und gleichzeitig die Rückkopplungen zu eliminieren.
Und das, was dann übrig blieb, war schön laut und klang richtig gut nach "Geige".
Ich versuchte verschiedene Eintauchwinkel, sowie das komplette Einführen in die Geige und schien in die richtige Richtung zu gehen.

Wo befindet sich die ideale Mikrofonposition?


Als nächstes galt es natürlich verschiedene Mikrofone zu testen die klein genug waren um durch das F-Loch zu passen und dann auch letztendlich um eine mögliche Befestigung in idealer Position.
Manches der Mikrofone wurde im Grenzbereich beim Eintauchen in das F-Loch sehr laut und bassreich. Wenn man also eine weniger basslastige Geige haben sollte, wäre das auch eine mögliche Mikrofonposition. in meinem Fall waren die Bässe an der Stelle jedoch total überbetont, da sie schon rein akustisch einfach eine Menge Wums im Bassbereich hat.
Außerdem suchte ich ja eine Position zur dauerhaften Befestigung des Mikrofons und fand dazu die F-Löcher nicht so ideal.
Aber wie bekommt man ein Mikrofon in das Innere der Geige ohne das Kabel so störend durch das F-Loch zu führen und wie bekommt man das Mikrofon in der gewünschten Position befestigt?
Hier mal einer der Tests, den ich im Bild festgehalten hatte:
IMG_20200811_111221.jpg IMG_20200811_113703.jpg

Wie bekommt man ein Mikrofon im Inneren der Geige befestigt?


Da ich erst vor kurzem vor dem Problem stand, dass ich die Endknopfbuchse meiner Lowden S22 tauschen musste und leider zu dicke Unterarme habe um durchs Schalloch bist zum Endklotz zu kommen, musste ich eine Methode entwickeln wie ich die Buchse trotzdem in die gewünschte Position bugsieren und befestigen konnte. (klick)
Mit diesen aktuellen Erfahrungen im Hinterkopf kam mir natürlich auch bei meiner Geige der vorhandene Endknopf, an dem der Saitenhalter hängt, als möglicher Zugangspunkt ins Innere der Geige, in den Sinn.
Da ein neuer Endknopf für die Geige relativ billig ist (klick) und man somit bei einem Test "nicht viel Geld kaputt macht" überlegte ich, ob ich vielleicht das MC5 durch die Öffnung der Endknopfbohrung in die Geige einführen und vielleicht ein Kabel durch den Endknopf zur Buchse am Kinnhalter führen könnte? :confused:
Allerdings hätte ich dazu alle Saiten abspannen, den Saitenhalter aushängen und den Endknopf rausziehen müssen... :gruebel:

Geniale Eingebung


Und da war sie mit einem Schlag - die Kombination der Erfahrung und die Inspiration durch Gott, kombiniert in einem Blitzgedanken:
Es wäre ja möglich ein dünnes Metallrohr durch ein passendes Loch im Endknopf in die Geige einzuführen mit dem ich dann ein Mikrofon in verschiedener Tiefe mit verschiedenen Ausrichtungen testen könnte ohne die Saiten dazu abspannen zu müssen!
Dazu braucht man natürlich ein passendes Metallrohr, ein geschirmtes Kabel welches durch das Röhrchen passt und ein Mikrofon, welches durch das F-Loch passt.
Dann kann man:
- ein passendes Loch durch den Endkopf bohren
- das Röhrchen durch das Loch in die Geige einschieben
- das Kabel durch das Röhrchen in die Geige schieben und die Geige so lange drehen, biss man es durch eines der F-Löcher greifen und durchziehen kann
- Das Mikrofon außerhalb der Geige an das Kabel löten
- Das Mikrofon durch das F-Loch in die Geige einführen und dann das Kabel durch das Röhrchen zurückziehen bis das Mikrofon am Ende des Röhrchens angekommen ist und durch das Röhrchen stabilisiert wird.
- Nun kann man das Röhrchen in verschiedene Tiefen und Drehungsstellungen bringen und der Klang zentral an der Mittellinie der Geige innen im Korpus einfangen.
:juhuu::love::heartbeat:
Also ans Werk!

Das "Lanzenmikro" in der Geige


Ich fand ein passendes Edelstahl-Röhrchen mit Außendurchmesser 4mm und Innendurchmesser 3mm und entgratete es sorgfältig an beiden Enden innen und außen. (Mögliche Bezugsquelle: klick)
Ein passendes Stück abgeschirmtes Kabel mit fast 3mm-Außendurchmesser fand ich ebenfalls.
Vom Umbau der beiden Sennheiser ME3-Headsets hatte ich ja noch die beiden Kapseln in der Schublade deren Frequenzgang vielleicht etwas bassärmer sein könnte (klick) und somit im Resonanzbereich der Geige schon etwas abgeschwächt wäre. Außerdem müssten sie mit dem hohen Lautstärkepegel in der Geige auch bei Doppelgriffen und vollem "Fortissimo" verzerrungsfrei zurecht kommen. :gruebel:
Bedienungsanleitung ME3

Frequenzgang Sennheiser ME3.jpg

Ich ging natürlich davon aus, dass sich der Frequenzgang durch den Ausbau aus dem Headsetgehäuse und damit auch die Richtcharakteristik und der zugehörige Nahbesprechungseffekt ändern würde und war gespannt wie der Klang unter all diesen speziellen Bedingungen sein könnte. :nix:

Durchgangsbohrung durch den Endknopf


Also spannte ich einen 4mm-Holzbohrer in den Akkuschrauber, klemmte die Geige kopfüber zwischen die Knie und setzte mittig auf dem "Pariser Auge" meines Endknopfes an. Das Perlmut war hart und das Ebenholz ebenfalls, ließ sich aber trotzdem gut durchbohren.

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Auch wenn ein Endknopf nicht viel kostet: Es war ein total komisches Gefühl auf diese Art uns Weise ein Loch in die Geige zu bohren!
Vor allem bei vollem Saitenzug auf dem Endpin durch den Saitenhalter!
Aber es ging Gott sei Dank alles gut und hat geklappt! :great:
Das Loch war dann etwas zu eng für das Röhrchen, deshalb bohrte ich noch mit einem Stahlbohrer etwas nach bis der Bohrer leicht im Loch zu bewegen war.
Nun ließ sich das Röhrchen mit etwas Druck in das Loch im Endknopf einführen und ich schob es ein Stück in die Geige ein.
Dann schob ich das Kabel durch das Röhrchen und ein Stück weiter, bis ich es so in die Position gedreht hatte, dass es aus dem F-Loch herauskam.
Ich zog es noch weiter raus, isolierte es dann außerhalb der Geige ab und lötete es an eine der beiden Sennheiser-Mikrofonkapseln.
Dann klebte ich auf die Rückseite der Kapsel ein Stückchen Spiegelklebeband um die Lötstelle zu isolieren und wickelte ein Stück Alufolie über die Kapsel um das Mikro abzuschirmen. Natürlich ließ ich dabei das kleine Loch auf der Rückseite der Mikrofonkapsel frei. Dann schnitt ich einen schmalen Streifen Schrumpfschlauch ab und fixierte mit ihm die Alufolie, damit sie nicht durch die Vibrationen in der Geige "rascheln" kann.
Dann zog ich die Kapsel durch das F-Loch in die Geige und in Position auf mein "Lanzenröhrchen".
An das andere Ende des Kabels lötete ich provisorisch einen 3,5mm-Miniklinkenstecker und nun kam der große Moment um die ersten Töne per Lanzenmikro in der Geige einzufangen. :D

IMG_20200204_184845.jpg IMG_20200204_185003.jpg IMG_20200204_234452.jpg IMG_20200204_234520.jpg IMG_20200204_235436.jpg IMG_20200204_235453.jpg IMG_20200205_000457.jpg IMG_20200205_000804.jpg IMG_20200205_001155.jpg IMG_20200205_001204.jpg IMG_20200205_001724.jpg IMG_20200205_001756.jpg

Kleiner Rückschlag


Ich schloss an den 3,5mm-Klinkenstecker meinen Phantomspeiseadapter an, steckte ihn in den Marshall, drehte vorsichtig auf und...... :m_drummer: ...es passierte gar nichts! Kein Ton, das Mikro war einfach tot :mad:
Ich war echt enttäuscht! Aber es half ja nichts... Ich prüfte mit meinem Multimeter auf Durchgang - Und es war tatsächlich ein Kurzschluss auf der Mikrofonleitung! Echt doof!
Also schob ich das Kabel wieder durch das Röhrchen in den Korpus bis ich die Mikrofonkapsel nach langer Fummelei im F-Loch greifen und durch dieses dann auch hindurchmanövrieren konnte.
Ich entfernte den Schrumpfschlauch, die Alufolie, den Kleber und entdeckte das Problem: Die Isolation des einen Drähtchens war tatsächlich einen Hauch zu kurz und die Litze berührte den Rand der Mikrofonkapsel. Somit hatte sie Kontakt zur Masse und der Kurzschluß war das Ergebnis.
Ich lötete die Litze also nochmal ab, kürzte sie noch etwas und lötete sie dann so an, dass dieser Fehler nicht wieder vorkommen kann. Dann klebte ich wieder ein Stück Spiegelklebeband als Isolation auf die Lötstelle, nahm aber jetzt ein Stück 3M-Aluminium-Klebeband, schnitt das Loch passend aus, klebte es auf die Kapselkante und schnitt den Überstand ab. Den Schrumpfschlauch konnte ich mir dadurch sparen, da das Alu-Klebeband um Längen besser geeignet war! :great: Durch das Aufkleben des Bandes auf das Kapselgehäuse gab es auch eine saubere Masseverbindung und das Alu fungierte damit als gute Abschirmung.
Ich schob die Kapsel wieder vorsichtig durchs F-Loch und zog sie in das Röhrchen in Position. Die selbstklebende Alufolie trug kaum auf dem Kabel auf und war nun viel besser geeignet, denn so konnte sie ein Stück in das Ende des Röhrchens gezogen werden und stellte dadurch eine saubere Masseverbindung zum Röhrchen her. Außerdem war die Kapselposition dadurch stabiler und zeigte sauber nach oben.
Ich war viel zufriedener und fiberte wieder auf den nächsten Moment zu: Ich steckte alles ein, drehte den Verstärker langsam auf und prüfte durch Zupfen die Soundübertragung der Mikrofonkapsel.
:m_drummer:

Ein Hammer Sound


Und was soll ich sagen: Ich war echt total von den Socken, denn die Mikrofonkapsel des Sennheiser ME-3 übertrug die Resonanzfrequenz des Geigenkorpusses viel schwächer. :great: Ich konnte den Notchfilter ausschalten und das Mikrofon deutlich höher aufdrehen, da es ja auch unempfindlicher war. Auf den ersten Blick war das die ideale Mikrofonkapsel!
Ich drehte den Verstärker laut auf damit ich den Klang trotz der akustischen Lautstärke der Geige gut hören konnte und testete verschiedene Tiefen des Röhrchens in der Geige, sowie verschiedene Drehungen.
Als ich zufrieden mit der Position war, nahm ich das Signal des Piezos und des ME-3-Mikrofons über mein Roland UA-25 EX auf. Ohne den Originalklang konnte ich den Sound nochmal besser beurteilen und fand den Mikrofonklang sehr, sehr gut! Er war deutlich besser als bei der Mikro-Abnahme von außen und war schöner und natürlicher als der Klang des Piezos! Vor allem auch ohne die Bogengeräusche die eben beim Lastwechsel und Aufsetzen auf die Saiten (und damit den Steg und den Piezo) entstehen. Sie sind durch die Entkopplung und Mikroabnahme überhaupt nicht vorhanden!
Trotzdem liegt der Reiz tatsächlich am meisten in einer Mischung aus beiden Signalen. Das macht die Geige vielschichtig, interessant und sehr ausdrucksstark!

Kürzen des Röhrchens und der Anschluß an den "Ring" der vorhandenen 6,3mm-Stereo-Buchse


Noch war das Spielen kein Genuß, da das Röhrchen ja noch viel zu lang war und irgendwie an meinem Hals vorbei musste :rolleyes:
Ich markierte das gewünschte Ende bündig mit dem Endpin, lötete den provisorischen Stecker ab und zog das Röhrchen aus dem Endpin, ließ aber natürlich das Kabel mit der Mikrofonkapsel in der Geige. Als das Röhrchen aus dem Endpin draußen war, zog ich noch das Kabel aus dem Röhrchen, trennte das Röhrchen ab, schliff das Ende, entgratete die Innenkante, rundete die Außenkante leicht und schob es anschließen wieder über das Kabel und durch das Loch im Endpin in die Geige. Dabei achtete ich natürlich auf die korrekte Drehungsstellung und schob es bündig in den Endpin.
Dann schob ich das Kabel zwischen Zarge und Saitenhaltersaite durch, legte es einmal um den Endpin und ließ es dann nach oben parallel zum vorhandenen Kabel des Piezos unter die Kinstütze zur Buchse laufen.
Dann demontierte ich die Kinnstütze, löste das Kabel des Piezos unter der Kinnstütze, lötete es von der Buchse ab und änderte dann die Masse-Brücke an der Buchse um den Anschluß vom "Ring" des Steckers von der Masse zu nehmen und für das Mikrofon bereit zu machen.
Dann schob ich beide Kabel durch einen Schrumpfschlauch, schrumpfte ihn so, dass die Kabelführung unter der Kinnstütze wie gewünscht verlief und lötete beide Kabel an.
Dann klebte ich den Schrumpfschlauch mit den Kabeln mit Sekundenkleber-Gel in die gewünschte Position unter die Kinnstütze und montierte sie wieder.

Unsichtbare Montage und flexibler Anschluss


Der Piezo war ja schon ziemlich unsichtbar montiert, aber das Mikro ist noch um einiges unauffälliger.
Man erkennt eigentlich nur am eingesteckten Kabel dass da eine Abnahme der Geige stattfindet.
Ich kann nun wahlweise ein normales Gitarrenkabel einstecken und nur den Piezo damit abnehmen,
oder ein spezielles Stereokabel verwenden welches am Ende in einen 6,3mm-Mono-Klinkenstecker für den Piezo und einen 3,5mm-Klinkenstecker für den Phantomspeiseadapter des Kondensatormikrofons auffächert.
Oder ich kann mit einem der beiden Signale meinen Line 6 Relay G30-, oder IMG-Sender füttern,
oder mit beiden Signalen zwei Sender.
Wenn ich jedenfalls beide Signale in getrennte Eingänge des Mischpults einspeise, kann der Tontechniker beide Signale getrennt bearbeiten und in passendem Maße verstärken.
Man kann auch dann zu einer eventuellen Rückkopplungsvermeidung auf den Bodenmonitor beispielsweise nur das rückkopplungsfestere Piezosignal legen, oder beide auch stereo in ein In-Ear-Monitoring füttern.
Man hat tatsächlich die volle Flexibilität und spart sich batteriehungrige und/oder rauschanfällige Vorverstärker im/am Instrument oder Gürtel.
Da ziehe ich persönlich auch jederzeit einen Sender vor.

Ein passender Winkelstecker für den Line 6 Relay G30-Sender


Das Relay G30 kann ja durch den hochohmigen Instrumenteneingang den Piezo direkt übertragen. Die 1,3 Megaohm reichen und bringen einen ziemlich ausgewogenen Klang.
Es hat aber auch den Eingang für Elektret-Mikrofone und kann somit beide Abnehmer meiner Geige übertragen (siehe hier).
Da der Klinkenstecker in der Buchse sehr gut hält und man den Sender problemlos am Stecker halten kann, überlegte ich, ob ich ihn nicht mit einem passenden Winkelstecker "einfach so" in die Buchse am Kinnhalter meiner Geige einstecken, ohne ihn zusätzlich zu befestigen? Und vielleicht könnte ich in diesen Winkelstecker gleich noch einen Umschalter integrieren mit dem ich wahlweise den Piezo, oder das Lanzenmikrofon dann senden könnte?
Die Idee war geboren und der Forscherdrang geweckt und so machte ich mich an's Werk und lötete zwei 6,3mm-Stereoklinken und einen Kippschalter so zu einem Winkelstecker zusammen, dass der Sender links neben dem Kinnhalter senkrecht nach unten auf Höhe der gummierten Füße des Kinnhalters hing und durch dieses Gummi nicht gegen den Geigenkorpus schlagen oder reiben, aber auch nicht zu weit nach vorne schwenken konnte. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich simpel:

IMG_20200527_141225.jpg IMG_20200527_141232.jpg IMG_20200527_155906.jpg IMG_20200527_160042.jpg IMG_20200527_160057.jpg IMG_20200527_160104.jpg IMG_20200527_160115.jpg IMG_20200527_160301.jpg

Ich fand die Lösung echt schön und konnte bei ausgeschaltetem Sender auch zwischen den Eingängen hin und her schalten.
Der Nachteil war aber, dass das Mikrofon im Vergleich zum Piezo viel leiser war und ich echt schon daran zweifelte ob ich das richtige Mikrofon eingebaut hatte oder ob ich nicht lieber doch ein ausgangsstärkeres Mikrofon einbauen sollte?
Der zweite Nachteil des Winkelstecker war, dass man ihn auch umgekehrt einstecken konnte, dann aber nur noch eine der beiden Schaltungen korrekt funktioniert.

...und dann kam meine Israelreise, eine Grippe und dann der Covid 19-Lockdown


Ich hatte den Umbau gerade fertig gestellt, als ich Mitte Februar 2020 mit einer Reisegruppe unserer Gemeinde für 14 Tage nach Israel ging und meine Geige auch mitnahm. Man darf sie übrigens trotz Überlänge tatsächlich als Handgepäck im Flieger mitnehmen und auch in eines der Gepäckfächer oben verstauen. Da ist die Geige absolut im Vorteil gegenüber der Gitarre. Die beiden Gitarristen der Reisegruppe mussten sich vor Ort eine Gitarre ausleihen. Ich konnte auf meinem eigenen Instrument spielen :great:
Das Bild hier entstand übrigens an der Taufstelle von Johannes am Jordan:

IMG-20200220-WA0048.jpg

Nach der Israelreise hatte ich leider 14 Tage eine Grippe und beim Familiengottesdienst am 8. März 2020 war ich zwar wieder fit, spielte aber wegen benötigten Effekten meine E-Geige.
Am 13. März war dann klar, dass am 15. März kein Präsenzgottesdienst mehr stattfinden durfte und wir stemmten unseren ersten Streaming-Gottesdienst aus der Hüfte. Ich bin ja Diakon für Musik und Technik in unserer Gemeinde und war ab diesem Zeitpunkt sowohl in der Vorproduktion der Musik unter der Woche, als auch in der Technik für die Übertragung am Sonntag sehr stark eingebunden, so dass irgendwelche Tests mit meiner A-Geige erstmal komplett zurückgestellt werden mussten.

Erster Praxiseinsatz auf der Bühne


Nach einigen Gottesdiensten war es dann irgendwann im Juni soweit, dass ich auch meine A-Geige mit diesem Winkelstecker bei einem Online-Gottesdienst spielte. Ich stellte aber nach einigen Liedern fest, dass ich sie Anfangs irrtümlich auf den Piezo geschaltet hatte und sie darauf dann am Mischpult eingestellt wurde. Das klang zwar viel besser als ich erwartet hätte, nahm mir aber die Möglichkeit auf das Lanzenmikrofon umzuschalten, da dieses einfach zu wenig Ausgangspegel brachte. Mangels Markierung wäre es jedoch ebenfalls möglich, dass ich den Winkelstecker falsch herum verwendet hatte. :confused:
Ich merkte auf jeden Fall, dass es da noch Nachbesserungsbedarf gab. :rolleyes:

Nachbesserungs-Überlegungen


Mitte August war einen Hochzeit geplant auf der ich die A-Geige spielen wollte. Bis dahin wollte ich eine bessere Lösung haben, allerdings hatte ich wenig Zeit und entschied mich erstmal das Mikrofon vorerst verbaut zu lassen und statt dem Line 6 Relay G30 meine IMG-Sendeanlage zu verwenden.
Sie war zwar ausschließlich auf Mikrofonbetrieb ausgelegt, war aber da auch empfindlicher als die G30-Sender und hatte einen Gain-Regler zur Anpassung. Außerdem hatte sie als Eingang eine 3,5mm-Buchse mit Schraubanschluß. Dadurch wäre es möglich einen passenden Adapter zu bauen und ihn am Sender durch den Schraubanschluß zu fixieren. Das wäre sicherer als das reine Einstecken des Steckers und ein Absturz des Senders wäre auch unter hektischen Umständen nahezu umöglich.
Außerdem war die IMG-Sendeanlage auch kaum im Einsatz während meine beiden Line 6 Relay G30-Anlagen doch viel häufiger (Fir Gitarren und E-Geige) zum Zuge kamen.
Hmm... :gruebel:
All diese Vorteile veranlassten mich zum nächsten Schritt:

Ein schraubbarer Winkelstecker für meine IMG-StageLine-Sendeanlage


Mein IMG StageLine TXS-631 SET wurde von mir in letzter Vergangenheit fast ausschließlich für meine A-Geige mit meinem selbstgebauten Halter auf diese Weise verwendet. Der Halter war praktisch, denn an ihn konnte ich dann auch den Sender per Klettband festbinden.
Das Lanzenmikrofon brauchte diesen Halter ja nicht mehr. Deshalb kam ja auch die Idee auf, den Sender einfach als "Einstecksender" zu verwenden und ihn dadurch mit dem Stecker zu "montieren".
Vor langer Zeit hatte das Kabel des SET-Mikrofons einen Wackelkontakt im Stecker und ich hatte ihn durch einen neuen Stecker ersetzt (klick). Der defekte Stecker lag aber immer noch in meiner "Gruschtelkiste" und wurde nun wieder herausgekramt, "nackig gemacht" und mit einem alten 6,3mm-Stereo-Stecker zu einem passenden Winkelstecker verbaut:

IMG_20200813_221721.jpg IMG_20200813_221729.jpg IMG_20200813_224206.jpg IMG_20200813_224457.jpg IMG_20200813_224939.jpg IMG_20200813_225038.jpg (weitere Bilder muss ich mal machen und nachliefern :engel:)

Die diagonalen, verzinnten Massekabel brachten zwar schon ziemlich Stabilität in den Winkel, ich verwendete aber trotzdem zusätzlich mein UV-härtendes BONDIC um den Stecker "zu vergießen" und "richtig stabil" zu machen!
Anschließend umschrumpfte ich den Winkel mehrteilig und war sehr zufrieden mit dem Endprodukt.
Der Sender saß gut an der Geige, konnte nicht abstürzen und sich auch nicht verdrehen, da die Gürtelklemme so zwischen den beiden gummierten Klammern der Schulterstütze saß, dass diese das verhinderten und ihn zusätzlich weit genug vom Geigenkorpus abhielten und abfederten und er somit keine Klopf- oder Schabgeräusche verursachen konnte.
:juhuu:

Der erste "richtige" Einsatz auf einer Open-Air-Hochzeit


Am 14. August 2020 durfte und konnte ich endlich wieder mal vor Live-Publikum Geige spielen und war gespannt wie sich denn das Lanzenmikro mit dem IMG-Sender in Kombination schlagen würde.
Wir bauten die PA und Bühne unter einem Pavilion auf und ich genoß die Freiheit keinerlei Kabel, Monitoring oder ähnliches zu brauchen.
Ich hörte genug von den anderen durch deren Monitore und die Geige selbst war rein akustisch direkt am Ohr sowieso laut genug.
Der Sender war leicht und saß zudem auf der Schulterstütze. Somit machte er die Geige am Kopf nicht schwerer. Seine Antenne war zwar nahe meines Gesichtes, störte aber nicht und ich war erstaunt wie gut die Geige klanglich einzustellen war und wie gut sie dann auch klang und dabei sehr rückkopplungsfest war! Das war echt kein Vergleich zur Mikrofonabnahme von außen! Da waren Welten dazwischen! Die Gedanken an einen Mikrofontausch waren sehr schnell wieder verworfen und ich beschloss, dass die Geige nun einfach mit dieser Sendeanlage in Kombination zuküftig zum Einsatz kommen sollte!
:great:

Der Langzeittest - 5 Tage Fastenwoche - Jeden Abend eine Stunde Lobpreis


Ende September - Anfang Oktober war dann bei uns die Fastenwoche im CGS und wir trafen uns jeden Abend im großen Saal eine Stunde lang gemeinsam um zu singen, zu beten und auf Gott zu hören.
Wir spielten dazu in kleiner Bandbesetzung mit viel Improvisation und ich genoss es völlig frei und ungebunden spielen zu können! Ich nutze die A-Geige mit dem IMG-Funksystem und mein LD-InEar-System mit meinem Shure SE215.
Das ist die Klangkorrektur, die schließlich im GLD112 eingestellt wurde:

IMG_20201004_083452.jpg

Ein Großteil der Korrektur im Bassbereich war eben notwendig um die Überbetonung der Resonanzfrequenz der Geige zu reduzieren.
Die Resonanzfrequenz liegt wie schon oben gesagt etwa zwischen dem B4 und C4 (zwischen zweitem und drittem Finger auf der G-Saite), also etwa bei 256 Hz (vergleiche hier).
Ich war echt glücklich wie natürlich meine Geige klang, egal ob gestrichen, oder gezupft!

Fazit


Ich bin Gott sehr dankbar nun einen konstanten, gut klingenden Mikrofon-Sound meiner akustischen Geige jederzeit zur Verfügung zu haben! Das macht sie extrem flexibel, da sie sehr schnell an eine Mischpult angeschlossen ist und der Tontechniker dabei die volle Soundkontrolle hat.
Es gibt keine Bogengeräusche wie beim Piezo, keine Rückkopplungen und Windgeräusche wie beim außen positionierten Mikro und ich habe weiterhin die volle Bewegungsfreiheit beim Spielen!

:juhuu::m_vio::juhuu::m_vio::juhuu:

...wer noch mehr von mir lesen möchte, darf gerne durch meine Reviews und Workshops stöbern. :coffee:

Vielen Dank für Euer Interesse! Seid gesegnet!

IMG_20200527_160035.jpg


P.S.: Soundaufnahmen und weitere Bilder gibt es, falls ihr wirklich Interesse daran habt und das hier zeigt und kundtut ;)
Ich freue mich auf eure Fragen!
 
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Ralphgue
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Hallo @GeiGit

Auch wenn ich Trommler bin, lese ich deine Artikel äußerst gerne und bin immer begeistert ob deiner akkuraten, gut lesbaren, super dokumentierten Ausführlichkeit.
Es ist immer wieder schön für mich, über den Tellerand zu schauen und was Neues zu lernen, auch dank deiner Artikel.
Ich hab eine ziemliche genaue Vorstellung dessen, wie aufwändig es ist, sowas wie z.B. hier zu erstellen.
Danke dafür..
 
GeiGit
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Vielen Dank für das tolle Lob @Ralphgue!
Du hast schon Recht, das hier ist einer meiner aufwändigeren Workshops und ich habe ihn über viele Wochen verteilt geschrieben und immer wieder ergänzt bis ich letzten Endes halbwegs zufrieden mit der Beschreibung und Verständlichkeit war. Es gibt eigentlich nur noch einen Review/Workshop an dem ich bisher noch länger feile und rumdoktore... aber auch den werde ich hoffentlich in ein bis zwei Monaten abschließen und veröffentlichen können. Aber nicht desto trotz macht es ja auch total Spaß meine Entdeckungen, Überlegungen und Auf- und Umbauten mit euch zu teilen! Vorallem wenn man dann letzten Endes nach ca. 27 Jahren Erfahrung mit Geigenabnahme von Gott "die Idee" zu "der Lösung" bekommen hat! Dann ist der Aufwand nicht zu hoch das alles aufzuschreiben, da ich mich selbst ebenfalls über solche Ideen und Inspiration freue wenn ich sie entdecke und lesen darf!
 
Stollenfiddler
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Ich möchte mich hier dem positiven Feedback nochmal anschließen. Die Entwicklung dieser Mikrofonlösung ist mit viel Sachverstand, Mühe, Fummelei aber vor allem mit viel Liebe entstanden. Dieses alles so sorgfältig zu dokumentieren, Irrwege und Lösungen zu beschreiben, das ist nicht selbstverständlich. Natürlich kann das auch viel Freude bereiten, es ist aber auch verdammt viel Arbeit, Texte zu schreiben, zu korrigieren, die richtigen Fotos zu machen und wieder herauszusuchen, das alles in guter Struktur und angenehm für potentielle Leser aufzubereiten. Wer so etwas noch nie gemacht hat, kann kaum abschätzen wie aufwendig das sein kann.

Es gibt hier im Musikerboard eine Menge Leute die gerne mal Reviews oder Workshops schreiben. Ein paar ganz Wenige produzieren aber besonders viel Inhalt. @GeiGit , du gehörst zu diesen besonders produktiven Schreibern. Ich finde das echt großartig, mach weiter so. Zumal einige deiner langen Artikel ganz sicher mit dem Wissen entstanden sind, dass möglicherweise nur sehr wenige Menschen reell etwas "davon haben" werden. Du hast das trotzdem durchgezogen. Toll.
 
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GeiGit
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Vielen Dank lieber @Stollenfiddler!
Es ist zwar total schade, dass die Streichergemeinde, die von solch einem Beitrag wirklich etwas hat, oder es gar nachmachen könnte, sehr klein ist. Das sieht man ja auch hier im Musiker-Board.
Wenn ich rein nach der "Erfolgsquote", oder dem Feedback gehen würde, müsste ich eher meine Themen im Bereich E-Gitarre ausweiten. Man sieht, wie viel mehr so ein ganz kleiner Workshop in dem Bereich doch beachtet wird: klick
Aber ich schreibe das was mich bewegt, bei dem ich meine, dass die gewonnenen Erkenntnisse zu wertvoll sind um "nur bei mir" zu bleiben und teile mit allen Interessierten.
Und gerade im Bereich Streicher bekommt man einfach wenige Beispiele bei denen man sich was abschauen kann. Man ist eher alleine gelassen und auch die Geigenbauer haben mit "Abnahme" vergleichsweise weniger am Hut als im Bereich Gitarre.
Umso mehr freut es mich, dass wir auch hier ein kleiner aber aktiver Haufen sind, zu dem auch du sehr viel beiträgst! Danke an der Stelle auch an dich!
 
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Habe schon das "Projekt Paulus" gerne verfolgt und lese mit großem Interesse mit. Respekt für die gute Ausgewogenheit von technischem Verständnis, handwerklichem Geschick und Ausdauer, auf der Suche nach der besten Lösung im Dienste der Musik und zum Lob Gottes. Ich bin selbst als Pianist/Keyboarder/Chorleiter im Bereich NGL/Gospel/Worship unterwegs (hauptsächlich gewesen...), daher habe ich ein wenig Einblick. Alles Gute weiterhin.
 
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Vielen Dank @HaraldS für diese schöne Rückmeldung! Es ist immer toll zu hören dass hier der Bereich "Worship" in vielen Ecken vertreten ist! Ich war auch bei Projekt Paulus von all den Entdeckungen und Einfällen begeistert, die mir geschenkt wurden und weiß auch, dass ich auch hier bei diesem Projekt in all den Jahren auch immer wieder geleitet und mit Ideen und Gelingen versorgt wurde!
Und ich genieße es zu tüfteln, zu entdecken, zu testen, neue Wege zu gehen und die Wege und Lösungen zu dokumentieren und zu teilen! Die Ehre gehört Gott, aber den Spaß daran darf ich behalten und genießen :)

Habt ihr Interesse an Aufnahmen mit diesem Lanzenmikrofon? Wollt ihr was hören?


Wie ist denn das Interesse von euch allgemein am Klang dieses Lanzenmikrofons? Soll ich noch Aufnahmen machen? Wollt ihr was hören?
Ich mach euch die Abstimmung ganz einfach: Wenn ihr diesen Beitrag hier mit "Gefällt mir" markiert und genügend Stimmen zusammen kommen, werde ich mich hinsetzen und euch passende Aufnahmen machen! Versprochen!
 
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Ok, für euch drei (und alle, die es vielleicht ebenfalls hören wollen) habe ich nun eine Aufnahme mit meinem Lanzenmikrofon und zum Vergleich auch mit dem verbauten K&K Big Shot (siehe Review), der ja unter dem Steg klemmt, gemacht.
Ich habe dazu die Geige mit beiden Tonabnehmern an meinen Line 6 HD500 genauso wie meine A-Gitarre angeschlossen und den Sound kopiert und auf die Geige angepasst.
Das Lanzenmikro ist also mit meinem Phantomspeiseadapter am Mikrofoneingang, und der Piezo am Aux-Eingang angeschlossen.
Das ist jetzt noch kein "bewährter Livesound", sondern wurde bisher nur für diese Aufnahme verwendet.
Es könnte aber durchaus ein "Livesound" daraus werden, denn er gefällt mir außerordentlich gut!

1.Vers: "Lanzenmikrofon" Sennheiser ME3-Kapsel, 2. Vers: Untersteg-Piezo "K&K Big Shot", 3. Vers: Beides zusammen

Ich habe die Aufnahme hier im Board schon bei den Weihnachtsliedern gepostet: Klick

Stille Nacht in A-Dur
Geigen-Version




Gitarren- & Geigen-Version




Für meine Gitarre (Lowden S22, siehe Review) verwendete ich das von mir eingebaute Sennheiser ME865-Modul (per DiY-Spinne entkoppelt, siehe Workshop) und den K&K Untersteg-Piezo FanTaStick Stereo (siehe Review)

Bin gespannt wie euch der Klang gefällt!
 
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Toll! Soundbeispiele sind immer gut!

Ich finde, das Lanzenmikrophon klingt sehr angenehm warm, betont aber die "Helmholtzresonanz" über, der Klang ist etwas topfig. Könnte man mit EQ korrigieren um 270Hz herum (Klangfarben Schleske).

Der Big Shot schwächelt etwas bei den a-Formanten.

Beide Pickupsysteme gehen auf jeden Fall mit dem "Brillianzbereich" (3,5kHz) sehr gut um.

Zusammen wird der Klang richtig gut, das ist in Sachen E-Geige schon oberste Liga. Persönlich würde ich mal schauen was passiert, wenn man über 5kHz etwas anhebt, oder wie "die Lanze" klingt, wenn sie untenrum abgesenkt wird. Erwähnenswert aber auch der Gitarrenklang, die kommt gleichermaßen transparent wie angenehm rüber. Echt gut. Frohes Fest und bleib gesund, @GeiGit
 
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Danke für's genaue Hinhören und Analysieren @Stollenfiddler !
Ich habe bei beiden Abnehmern bei 240Hz schon 5dB abgesenkt, aber du hast recht. Der (leider auch in Natur schon) recht "topfige" Klang ist immer noch deutlich. Vielleicht senke ich nochmal 2dB auf -7dBab, ich möchte allerdings nicht die Wärme verlieren. Bei 5000Hz hebe ich mal um 2dB an. Mal sehen wie es dann klingt.
Der Klang lässt sich auf jeden Fall noch optimieren!

Danke für das Lob für den Gitarrenklang! Das war jetzt echt ein langer Weg bis ich richtig zufrieden war (siehe Reviews)!
 
WolleBolle
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Erst einmal Hut ab für die Bastelei. Das war bestimmt viel Arbeit. Aber wenn ich das sehe blutet mir das Herz, sicherlich ist das nur eine Billiggeige, aber oder gerade deswegen lohnt sich der Aufwand wohl eher kaum.
Wenn man die Geige an ihrem Korpus verändert, das Holz anbohrt und noch etwas an die Decke anbringt, dann verändert sich der Klang eines Streichinstruments. Also halte ich das für nicht nachahmenswert. Die bauliche Veränderung kann durchaus der Grund sein für deine Probleme am Sound.

Ich bin sehr viel im Klassikbereich unterwegs und da gibt es etliche Musiker die noch nicht einmal ein gutes hochwertiges Klemmmikrofon an ihre Geige lassen würden. Nicht nur aus Angst vor Beschäftigung sondern auch wegen dem Klang.

Aber als Spielerei und Zeitvertreib und als Kurzweil fürs Board ist es okay. Und wie gesagt es zeigt das du handwerklich und kreativ was drauf hast! : great:

Greets Wolle
 
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Also ich sehe hier in keiner Weise ein "Bastelei" und "Spielerei" für das Board, sondern einen ernstzunehmenden und sehr guten Gedanken, wie eine akustische Geige unauffällig und gut abgenommen werden kann, ohne das Instrument umbauen zu müssen. Sehr genial durch den Endknopf in die Violine zu gehen. Leider hab ich da beim Cello den Stachel. Wobei ich mich mein Shadow-Nanoflex-System immer noch klanglich überzeugt. Natürlich ist das nicht so schön unauffällig wie die hier vorgestellte Lösung!

@WolleBolle - ja viele Streicher:innen sind erschreckend konservativ, bezeichnen umgebaute Stradivaris und Guaneries als der klanglichen Weisheit letzter Schluss, obwohl die mit den modernen Saiten nichts anfangen können, da die Saitenspannung zu hoch ist,... Subjektivität ist dort gemäß Blindvergleichen ausschlaggebend.
Viele Streicher:innen wehren sich auch gegen Einhängesaiten aus Kevlar, obwohl diese eindeutig den Klang direkter übertragen. Nicht, weil sie überzeugt sind, dass Kevlar schlechter ist, sondern weil die schon immer aus Nylon waren :gruebel: :D ;)
Hier könnte ich ewig weiter machen und ich gehe davon aus, dass mein Darmsaiten-Kammermusikcello auch nur wenige Modifikationen erfahren wird.

Wenn hier @GeiGit durch den Endpin bohrt, um eine klanglich überzeugende Lösung zur Abnahme seiner Geige zu kommen, ist das m.E. nicht Zerstörung von Streichinstrumenten, sondern ein super Gedanke, der klanglich wahrscheinlich NICHTS am akustischen Sound ändert, sondern nur für eine Verstärkung Vorteile bringt.

Soweit ich das beurteilen kann, wie üblich handwerklich und technisch toll gelöst!
 
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Hallo @WolleBolle ,

natürlich hast du Recht, dass Änderungen am Klangkörper der Geige einen Einfluß auf deren Klang haben. Das ist unbestritten und somit ist die "Angst" manches klassischen Musikers da absolut begründet.
Allerding muss man tatsächlich unterscheiden an welcher Stelle eine Änderung gemacht wird und dabei ganz realistisch an die Sache rangehen und nicht "überängstlich".
Trotzdem bin ich über deine Bemerkung sehr froh, denn sie beschreibt tatsächlich eine "allgemeine Haltung" vieler Streicher/innen die teilweise begründet, aber nicht immer richtig ist und bietet mir nun die Möglichkeit darauf einzugehen.
Ich bin sehr froh, dass auch @cello und bass da ähnliche Gedanken sogar schon gepostet hat, während ich hier immer noch an meiner Antwort tippe :engel:
Also lasst uns ruhig auch über solche Dinge hier diskutieren! Davon lebt doch auch das Board!

Deshalb hole ich jetzt auch etwas weiter aus:

Also - Zuerst mal etwas zu meiner Geige:
Laut "Zettel" ist sie eine "Antonius Stradiuarius Cremonenfis Faciebat Anno 1717" :rofl:
Der Zettel hinter dem F-Loch, auf dem das steht, ist schön alt und sieht "echt" aus...
IMG_20180509_170905.jpg

Das stimmt jedoch nicht und das weiß ich schon über 30 Jahre.
Vor ein paar Jahren hat sie sich @fiddle beim Thomann Service angeschaut. Er ist ja gelernter Geigenbauer und nach seiner Einschätzung ist es eine Geige aus einer sächsischen Manufaktur und wurde dort wahrscheinlich in den Dreißigern des neunzehnten Jahrhunderts gebaut (also zwischen 1830 und 1840 herum). Somit handelt es sich nicht um eine "Fälschung" einer Stradivari. Sie ist nur von der Bauart und Form her einer solchen Stradivari nachempfunden und das war wohl zu dieser Zeit absolut üblich das mit solch einem Zettel zu versehen. :nix:

Somit ist sie natürlich auch keine Millionen wert!

Es ist die Geige, auf der mein Opa Anfang des 20. Jahrhunderts mal studiert hat, auf der ich nach der 3/4 Geige weiter gelernt habe und die ich somit seit etwa 1980 schon spiele.
Sie wurde in den Achzigern auf 5000DM geschätzt. Deshalb hat auch die Versicherung die Reparatur des Wirbelkastens bezahlt als dieser in meinen Händen beim Stimmen zerbröselte.
Leider sind die Wirbellöcher nicht sehr glücklich positioniert worden und auch der Bassbalken ist zu schwach ausgelegt.

Dann wurde es ihr Anfang der Neunziger leider mal im Kofferraum eines Autos zu warm und die Decke löste sich teilweise. Deshalb hat sich durch den Saitenzug der Halswinkel stark verflacht und der Steg musste in der Höhe (von mir unter der Leitung und Aufsicht eines gelernen Geigenbauers) gut 5 Millimeter abgenommen werden damit sie überhaupt wieder halbwegs spielbar wurde.
Trotzdem ist der Saitenabstand zum Griffbrett immer noch viel zu hoch.
Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, auch wenn es mich immer wieder stört.
Man müsste eben diese Dinge richten, dazu die Geige öffnen, ein neues Griffbrett und einen neuen Bassbalken einsetzen und hätte anschließend auf jeden Fal einen anderen Klang. Das ist auch nur das Nötigste davon und würde schon über 1000€ kosten. Wäre das alles gut in Schuß und man müsste nichts richten, wäre sie laut Schätzung eines anderen Geigenbauers vielleicht 2000€ wert.
Reell ist sie tatsächlich nicht (mehr) viel wert.
Ideel für mich jedoch schon! ...und sie klingt gut, dass ist die Hauptsache!
Trotzdem waren das für mich genug Gründe mich zu trauen an ihr einfach ein paar Dinge auszuprobieren. :guilty: :m_vio3:
Ich habe den Saiten- und Kinnhalter getauscht und auch den Piezo zwischen Stegfuß und Decke geklemmt. Das sind alles Dinge, die tatsächlich den Klang beeinflussen könnnten - aber er blieb gleich. Teilweise habe ich das sogar durch Aufnahmen belegen können weil ich es natürlich auch selbst wissen wollte und eigentlich mit einer Klangänderung gerechnet hätte (klick). :gruebel:

Das mit dem höchwertigen Klemmikro kann ich übrigens verstehen und auch nachvollziehen, da eine Klemmung wirklich auf der Zarge geschehen und dann sicher halten muss ohne den Lack zu verletzen.
Wenn die Klemmung nur etwas weiter auf der Decke und dem Boden sitzt, bremst sie definitiv die Schwingung der Geige. Das habe ich ja schon bei meinem Tausch den Kinnhalters geschrieben. Damals war der originale Kinnhalter seitlich sitzend und seitlich angeklemmt montiert und er bremste tatsächlich die Decke und hat den Geigenklang gedämpft. Der neue Kinnhalter hat eine zentrale Klemmung im Bereich des Endklotzes. Dort ist die Decke durch den Endklotz sowieso gedämpft und dort macht eine solche Klemmung keinen Unterschied im Klang (klick).
Auch mein Anklemmmikro machte keine Klangänderung, da es nur im Bereich der Zarge klemmt (klick).

Doch zurück zu meinem hier beschriebenen Umbau und dem Loch durch den Endpin:
Wir befinden uns hier ebenfalls im Bereich des Endklotzes und ich behaupte mal ganz dreißt, dass ein zentrales Loch durch einen Endpin den Klang einer Geige nicht beeinflusst.
Ich konnte jedenfalls nichts dergleichen feststellen und man kann den Umbau ja jederzeit durch einen neuen Endpin für 2-5 Euro rückgängig machen.
Ich habe also nicht den Korpus angebohrt, sondern ein Einsteckteil, dass im Enklotz des Korpusses sitzt!

Die beschriebenen Klangprobleme, bzw. diese ausgeprägte Resonanzfrequenz hat meine Geige schon viele Jahre und schon lange vor all den Umbauten. Ich konnte sie übrigens mittlerweile wieder etwas reduzieren, da ich mich erinnert habe, dass ich die Position des Steges auf der Decke mal verändert hatte, nachdem ich gelesen hatte, wie der Steg tatsächlich sitzen soll und dies bei mir so nicht der Fall war.
Er soll eigentlich auf einer gedachten Verbindungslinie zwischen den "F-Strichen" der "F-Löcher" sitzen. Das war damals bei mir eben nicht der Fall. Deshalb hatte ich es korrigiert.
Das sie danach "mehr Bass" hatte, hatte ich weder gleich gemerkt, noch mit der Änderung in Verbindung gebracht.
Ich habe mich neulich trotzdem wieder daran erinnert und nun den Steg wieder 1-2mm weiter Richtung Endknopf verschoben.
Dadurch setzte ich ihn näher zur Stimme, was natürlich den Klang der Geige durch die anderen Schwingungslängen stark verändert.
Das half auf der einen Seite dabei die Resonanzfrequenz etwas zu verringern und zum anderen verlängerte es meine Mensurlänge von 315mm auf 317mm und somit sind die Griffpositionen nun wieder näher an der "Standard-Mensurlänge" von 320mm die auch meine E-Geige hat.
Diese "kleine" Änderung hat jedoch den Klang der Geige um ein vielfaches mehr verändert, als alle meine anderen Änderungen!
Insofern: Änderungen können den Klang erheblich beeinflussen und man muß wissen was man wo macht, was etwas beeinflusst und was nicht.

Übrigens @Stollenfiddler:
Ich habe bei beiden Abnehmern bei 240Hz schon 5dB abgesenkt, aber du hast recht. Der (leider auch in Natur schon) recht "topfige" Klang ist immer noch deutlich. Vielleicht senke ich nochmal 2dB auf -7dBab, ich möchte allerdings nicht die Wärme verlieren.
Die Absenkung bei 240Hz ist nun auf den Maximalwert von -11dB eingestellt. Zusammen mit der Versetzung des Steges bin ich nun sehr nah am gewünschten Klang angekommen!:juhuu:

Sorry für den langen Text und die etwas ausufernde Erklärung :hi5:
Mir war einfach wichtig klar darzustellen, dass ich nicht einfach drauflos bastel, sondern die Dinge vorher abwäge, mit Sinn und Verstand teste, umsetze und es ist am Ende keine Bastelei mehr, sondern eine durchaus profitaugliche Lösung die mancher vielleicht sogar gerne hätte, woran sich aber trotzdem viele nicht ranwagen werden.
 
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Sehr spannend, danke für deinen Beitrag.

Was ich mir überlege, wäre es technisch nicht auch möglich die Ausgabe ähnlich zu einer E-Gitarre zu realisieren? Für mich als Laie ist die Technik der schwingenden Saiten recht ähnlich.
 
buschreiter
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Klasse Beitrag und herzlichen Dank für die ausführliche Beschreibung! Ich selber war lange auf der Suche nach einer guten Möglichkeit, die Geige in lauten Locations (spiele Folkrock) zu mikrofonieren, ohne etwas am Instrument machen zu müssen. Letztlich bin ich bei remic gelandet: https://www.remic.dk/shop/violin/remic-v5200_lb/

Leider schweineteuer, aber absolut rückkopplungsfest und gut tönend laut unserem Techniker. So richtig viel Auswahl, die beides mitbringt, hat man als Geiger ja leider nicht :redface:
 
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Natürlich ginge das @Christian_Hofmann
Es gibt auch magnetische Tonabnehmer für die Geige die man dann zum Beispiel an's Ende des Griffbretts montieren kann.
Das sind dann Spulen mit Magnet, die die Saiten abnehmen.
Die Grundvoraussetzung dafür sind aber Stahlsaiten. Und die klingen auf einer Geige sehr hart und ändern den akustischen Klang der Geige ziemlich.
Zusätzlich nehmen sie elektrisch eben nicht den akustischen Klang, sondern nur die Schwingung der Saite ab.
Da fehlen dann einfach wesentliche Elemente des akustischen Klanges.
Diese Art der Abnahme macht man, wenn man den Sound verzerren will. Dafür ist allerdings dann die Bauweise einer E-Geige ohne Klangkörper besser geeignet, da sonst der Korpus eben zu Rückkopplungen neigt.
sbib baut solche E-Geigen mit magnetischen Tonabnehmern (klick) und auch Tonabnehmer zur Nachrüstung (klick). Ich habe mal eine E-Geige von ihnen vor paar Jahren auf der Musikmesse in Frankfurt angespielt und sie klang leider sehr unnatürlich. Also das Gegenteil von meinem Mikrofonklang in diesem Workshop.
 
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Moin!

Aber wenn ich das sehe blutet mir das Herz, sicherlich ist das nur eine Billiggeige, aber oder gerade deswegen lohnt sich der Aufwand wohl eher kaum.
Wenn man die Geige an ihrem Korpus verändert, das Holz anbohrt und noch etwas an die Decke anbringt, dann verändert sich der Klang eines Streichinstruments. Also halte ich das für nicht nachahmenswert. Die bauliche Veränderung kann durchaus der Grund sein für deine Probleme am Sound.

Ich bin sehr viel im Klassikbereich unterwegs und da gibt es etliche Musiker die noch nicht einmal ein gutes hochwertiges Klemmmikrofon an ihre Geige lassen würden. Nicht nur aus Angst vor Beschäftigung sondern auch wegen dem Klang.

Was hat mein Geigenlehrer mich damals zur Schnecke gemacht, als ich an meiner eigenen Geige mit Knetmasse einen Piezo-Pickup dran hatte. Und ich war sooooo stolz darauf, neben Unterricht, Jugend-Sinfonierorchester auch noch mein eigentliches Musikziel zu machen: in einer Band spielen!

Und diese übermäßige Wertschätzung ist der Grund dafür, dass die Violine jetzt ein elitäres Klassikinstrument ist. Vor 100 Jahren war sie noch ein ganz normales Volksinstrument, da gab es auch noch eine "Fiedel", mit deutschen Phrasierung. Die ist verloren gegangen: im Geigen-Folk kann man Südengland von Wales unterscheiden, Schottland von Irland und vermutlich auch noch Kent von Devonshire. Schweden hat bis heute noch eine Geigentradition, sogar die Niederlande. Ich schreib mich hier gerade in Rage, weil mir in den Sinn kommt, dass hier eine ganze musikalische Tradition einfach so verloren gegangen ist. Und einer der Gründe dafür ist diese Instrumentenverehrung aus der Klassikecke. Dabei können die Jungs trotz all der Ausbildung selten Improvisieren oder gar mal eine andere Phrasierung sich erspielen, ganz zu schweigen von einem bewussten Wechsel des Timings zwischen laid back, auf dem Beat oder vor dem Beat. Ich habe große Hochachtung vor dem, was Streicher im Klassikbereich leisten, nichtsdestotrotz ist das nicht die alleinige Welt der Musik. Geigen wie die von GeiGit sind hochwertige Gebrauchsgegenstände, nicht mehr und nicht weniger.

Und jetzt zurück zum Thema @WolleBolle
GeiGits Lanzenmikrofon ist zwar Eigenbau, ganz neu ist die Idee allerdings nicht - zeitweise (1980er Jahre) hat die gesamte Streicherabteilung des Londoner Symphonieorchesters solche Mikros im Korpus gehabt.
 
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eine bessere Abnahmetechnik für meine Geige die sie etwas natürlicher klingen lassen würde
Zu dieser Zielsetzung kann ich dem Ansatz
Mikrofonabnahme einer akustischen Geige "von innen"
nicht folgen. Was der Zuhörer hört ist doch der Klang, der nach außen geht - der Zuhörer sitzt ja nicht im Inneren des Instruments. Wenn ich also den "natürlichen Klang" hören will, muss ich doch mein Ohr dorthin positionieren, wo es diesen Klang normalerweise wahrnimmt. Soweit ich mich erinnere gibt es u.a. für Geigen kleine Mikrofone an flexiblen Mini-Schwanenhälsen zur Befestigung an der Kinnstütze oder am Steg, um eben mit einem möglichst nahen Ohr das aufzunehmen, was von der Geige abgeht. Das ist das was man von der Geige direkt hört und was ich als ihren natürlichen Klang verstehen würde. Im Inneren dürften die Schallwellen u.U. ganz wüst sein. In der Praxis tippe ich darauf, dass die überwiegend Holzschwingungen von einer bestimmten Stelle aufgenommen werden.
 
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Wenn ich also den "natürlichen Klang" hören will, muss ich doch mein Ohr dorthin positionieren, wo es diesen Klang normalerweise wahrnimmt.

Absolut richtig, und deswegen positioniert man ja im Studio i.d.R. ein Mikro in ca. 50-100cm Entfernung. Da, wo das Ohr eines Zuhörers auch realistischerweise wäre:



Soweit ich mich erinnere gibt es u.a. für Geigen kleine Mikrofone an flexiblen Mini-Schwanenhälsen zur Befestigung an der Kinnstütze oder am Steg, um eben mit einem möglichst nahen Ohr das aufzunehmen, was von der Geige abgeht. Das ist das was man von der Geige direkt hört und was ich als ihren natürlichen Klang verstehen würde. Im Inneren dürften die Schallwellen u.U. ganz wüst sein. In der Praxis tippe ich darauf, dass die überwiegend Holzschwingungen von einer bestimmten Stelle aufgenommen werden.

Was von der Geige in wenigen Dezimetern oder gar Zentimetern an Klang abgeht, ist voll von Nebengeräuschen: den Fingern, die auf das Griffbrett auftreffen, Kratzgeräusche des Bogens, Atmen des Spielers, Nebengeräusche der Schulterstütze oder der Kleidung. Ähnlich ist es ja bei den allermeisten Orchesterinstrumenten. Da finde ich es eigentlich keine schlechte Lösung, wenn wie hier im Thread das Mikro innen drin positioniert ist. Das führt vermutlich nicht zum gleichen Sound, den man in 1m Abstand hätte, aber der Geigenklang ist gleichzeitig isoliert und vermutlich nebengeräuschfrei. Er ist dadurch vermutlich am Pult gut formbar, könnte ich mir denken, und das ist ja in einer Bandumgebung wichtig.
 
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@soundmunich Geige im Studio aufnehmen, und Geige für Bühne abnehmen sind ganz verschiedene Schuhe. Für Studioaufnahmen hat sich das Mikro im Korpus nicht durchgesetzt und auch die London Symphonics haben das wieder ausgebaut. GeiGit bastelt für die Bühne - also möglichst natürlicher Klang bei der Musik angemessenen Feedbackresistenz, Durchsetzungsvermögen, Wohlklang und Bewegungsfreiheit. Schwere Aufgabe für uns Streicher!

Allerdings hat @GeiGit hier ja bereits belegt was diese Technik leisten kann - der Klang ist nicht ohne Verfälschung, holt aber die Frequenzen ab, die dem Piezo durch die Lappen gehen. Für die Bühne vermutlich bis zu mäßiger Lautstärke also eine tolle Option. Und als Geiger kennt man das Stirnrunzeln der Tontechniker - wenn die Geige ausgepackt wird - gut. GeiGit kennt auch die erleichterte Stimme beim Soundcheck, wenn ein Signal am FOH ankommt, mit dem der "Toni" arbeiten kann.
 
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