Kompetenzbestie
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Hallo Liebe Musiker-Board-Gemeinde,
da ich heute hier im Forum auf einen Thread zu Gitarren dieser Hausmarke von Gear4Music stieß, hat mich das motiviert, hier einmal ein Review zu verfassen.
Ich habe mich für die Hartwood Deytona intererssiert, weil ich es spannend fand, dass eine günstige Hausmarke ziemlich eigenständige Designs anbietet. Meist sind natürlich Anleihen an Klassiker zu erkennen, so wie bei der Deytona die Firebird von Gibson, aber mit charmanten Änderungen.

Vorgeschichte
Irgendwie hatte ich Lust, mir erstmal einen Voreindruck der Marke zu verschaffen und da bot es sich an, mal in den Showroom nach Mülheim an der Ruhr zu fahren, weil ich eh einen musikaffinen Freund im Pott besuchen wollte, der mit mir da hinfahren wollte.
Es ist kein vollausgestattetes Musikgeschäft, aber schon ganz nett und u.a. einige Hartwood-Gitarren waren da, die man auch an Verstärkern testen konnte. Die Hartwoods, die da waren, haben aber keinen guten Eindruck gemacht: Eigentlich waren alle sehr schlecht eingestellt oder hatten vielleicht sogar schlecht abgerichtete Bünde. Es gab bei mehr als einer Hartwood den Fall, dass bei zwei angrenzenden Bünden immer dieselbe Tonhöhe erklang. Trotzdem konnte ich mir schonmal einen Eindruck der Deytona als sehr leichtes und resonantes Instrument verschaffen.
Direkt kaufen wollte ich eh nicht, wegen Zugreise und so entschied ich mich im August 2025, ein Exemplar zu bestellen und auf bessere Verarbeitung zu hoffen. Das Instrument, was mich erreichte, die Variante in „Savannah Shade Blue“ war auch besser als im Showroom, aber in der Fabrik wurde der Erdungsdraht von Steg zu Elektrik vergessen. Bevor ich da selber an der Einschlagbuchse der Brücke zerre, um da so eine Verbindung zu schaffen, habe ich mich mit dem Kundendienst in Verbindung gesetzt, um die Gitarre umzutauschen. Zusätzlicher Nebeneffekt: Ich konnte sie nun in „Mesa Sunset Red“ bestellen. Ich schwankte sehr zwischen diesen beiden Farben und als ich die Gitarre in "Babyblau“ vor mir hatte fehlte mir das Besondere, denn ich habe schon eine Harley Benton DC in Ferris Blue, einem sehr ähnlichen Farbton. Deswegen nun Rot, was irgendwie Hot-Rod-mäßig aussieht, wie ich finde.
Die Abwicklung des Umtauschs verlief komplett reibungslos, so dass ich bald in Echt sehen konnte, dass sie mir in Rot viel besser gefällt. Der Erdungsdraht war auch dran!
Erstmal ein paar Specs (manches könnt ihr auch noch zusätzlich im Netz nachlesen)
Korpus: Mahagoni (laut Nachfrage beim Support eher Linde), hochglanzlackiert
Hals: eingeleimt, Ahorn mit angeschäfteter Kopfplatte + Volute, hochglanzlackiert, laut Support Double-Action-Trussrod
Mensur: 25.5“
Griffbrett: Ebenholz (laut Support könnte es auch Palisander oder [gerösteter?] Ahorn sein, da gab es widersprüchliche Angaben), 22 Bünde
Mechaniken: Chrom, 6L, große Tulpenflügel
Brücke: Chrom Tune-o-matic, Saitenführung durch den Korpus
Elektrik: 1x Minihumbucker, ca 7.4 kΩ, 1x Volume, 1x Tone
Gewicht: 2.72 kg
Verarbeitung:
Nicht schlecht! Die Bundenden sind perfekt verrundet. Die Lackierung, wo Rot an Natur angrenzt ist lediglich an der Kopfplatte leicht unsauber und am Halsansatz ganz leicht schief. Das stört mich aber nicht und ich finde diese Lackieridee ziemlich cool. Ich habe aber auch schon Modellvarianten gesehen, wo es für mich noch einmal schöner aussah, aber vielleicht ist das auch nur Serienstreuung. Manche Saitenhülsen auf der Rückseite können beim Saitenwechsel rausfallen. Die Bundabrichtung hätte etwas besser sein können, so dass bei 2mm Saitenlage (tief E im 12. Bund) auf manchen Bünden (an manchen Stellen) leichte Deadspots vorhanden sind. Ich habe manches schon durch Einzelbundabrichtung etwas behoben.
Das E-Fach wurde sauber gefräst, die Abdeckung ist bündig zum Korpus eingelassen und hat einen strammen Kontakt zur Fräsung. Da muss ich ein bisschen Fummeln zum Öffnen. Pickguard und E-Fachabdeckung sind aus vierschichtigem Tortoisematerial und die Schrauben finde ich persönlich etwas ungewöhnlich aber funktionell.


Womit wir zur Optik kommen:
Die ist wirklich mal was Anderes, obwohl an Firebird angelehnt! Der Korpus ist allerdings viel kleiner! Er hat wie eine Firebird eine abgestufte Erhebung, aber wohl nicht so wie die meisten Gibsonmodelle mit angeklebten Korpusflügeln, sondern einfach so gefräst. Eigentlich ähnlich der aktuellen Gibson Firebird Platypus. An den Seiten ist der Korpus 39 mm dick (hat allerdings rückwärtig eine Bierbauchfräsung), mittig 44 mm.

Das Griffbrettmaterial könnte vielleicht eine Ebenholzvariante sein (gerösteter Ahorn eher nicht) und hat feine Poren die teilweise mit weißen Rückständen(?) gefüllt sind. Ich glaube, das war vor der ersten Reinigung schlimmer und könnte vielleicht noch schöner werden. Die Griffbretteinlagen sind ziemlich eigenständig und dienen auch gleichzeitig als Seitenmarkierungen. Ich finde sie sehr geschmackvoll!


Auch sehr geschmackvoll finde ich die Potiknöpfe, die im Gretsch-style, aber ohne Prägung ausgeführt sind. Sie sind aus Metall und mit einer Madenschraube an der Potiachse fixiert. Nicht so passend fand ich die Mechanikknöpfe im recht großen Tulpendesign. Die Mechaniken selbst waren okay, aber ich habe sie zuletzt gegen Squier 51, die ich hier noch rumliegen hatte, getauscht. Nun gefällt mir die Kopfplatte besser, sie ist aber aus meiner Sicht das am wenigsten gelungene Design dieser Gitarre.


Haptik:
Das Instrument ist sehr leicht, meine Waage misst 2.72 kg. Der Hals fühlt sich relativ kräftig an ca. 50s Gibson USA Shaping. Ein bisschen ungewöhnlich ist die Haptik trotzdem, was zum Teil am vergleichsweise kleinen und leichten Korpus liegt, der dranhängt, aber auch, weil trotz normaler Halsbreite der Saitenabstand am Sattel geringer ist als auf vielen anderen Gitarren. Ich messe 33,5mm am Sattel (von E zu e, vgl. 36 mm bei Gibson LP). Wen das stört, könnte ja einen anders gekerbten Sattel einsetzen
Durch das geringe Gewicht und eben diese kleinen Korpusmaße fühlt sie sich manchmal fast wie ein Spielzeug an. Dann andererseits wieder nicht, weil der Hals kräftig ist und echt nicht „wabbelt“. Auch durch meine eigenen Verbesserungen hinsichtlich Halskrümmung/Brückenhöhe/Bundabrichtung ist sie sehr angenehm spielbar. Konstruktionsbedingt ist die Bespielbarkeit bis zum 19. Bund problemlos, danach muss man sich etwas verrenken. Mittlerweile habe ich den vorderen Gurtpin (eh beide gegen schallerkompatible ausgetauscht) vom oberen „Korpushorn“ an den Halsfuß verlegt. Dann hängt sie für mich schöner
Nettes Detail: Gummiunterlegscheiben unter den Gurtpins statt Filz.
Elektrik:
Die Potis sind Minipotis. Das Volumenpoti ist recht gleichmäßig im Regelweg, beim Tonpoti passiert eher im letzten Viertel was. Der Pickup ist nicht etwa ein echter Firebirdpickup (je ein Klingenmagnet, von Draht umwickelt als Humbucker verlötet) sondern eine Art Minihumbucker (Metallpolepieces, hier wahrscheinlich von Keramikmagneten auf der Unterseite magnetisiert). Woher ich das weiß? Ich habe ihn mal geöffnet, da ich ihn eh wachsen wollte. Ich fand dann heraus, dass er schon gewachst war. Ich habe ihn dann wieder zugelötet und nochmal gewachst. Warum? Dazu kommen wir gleich.


Sound:
Ohne Versärker klingt die Gitarre laut, straff und ausgewogen frisch. Sustain ist auch gut da und es macht auch Spaß, sie ohne Verstärker zu spielen.
Mit Verstärker kommt‘s drauf an
Der Pickup ist sehr mikrofonisch, was wahrscheinlich auch an dem metallenen Pickuprahmen liegt. Ein Nachwachsen hat teilweise geholfen. Aber ist der Stegpickup von Neil Youngs schwarzer Les Paul nicht auch ein mikrofonischer Firebirdpickup? Das kann also auch Charakter haben.
Der Pickup hat etwas weniger Power und Fettigkeit als ein normaler Humbucker, aber er hat mehr Drahtigkeit und Klarheit. Dies macht die Gitarre zu einer Rhythmusmaschine à la Malcolm Young. Die Anschlagdynamik ist gut und es macht Spaß, richtig reinzulangen. Fürs Solospiel ist es vielleicht etwas zu metallsich dünn.
Hier verschiedene hingestümperte Soundbeispiele:
Clean über mein selbsterstelltes Tonexcapture meines Laney Pro Tube 50 mit passender 4x12:
Bei 0:39 drehe ich den Tonregler komplett ab, bei 0:42 etwas auf und das Geplingel am Ende ist wieder ganz offener Höhenblende.
Rhytmuscrunch über mein selbsterstelltes Tonexcapture meines Marshall JMP 2204 an 1960 Box. Das capture ist sehr höhenreich ausgefallen und da ist der Pickup vielleicht schon etwas zu viel des Guten, besonders am Ende bei den Singlenotes.
Solocrunch habe ich über mein Capture vom Marshall JMP 1987 mit 1960 Box eingespielt. Hier habe ich von 0:07-0:16 und 0:38-0:42 den Volumeregler etwas zurückgedreht und man merkt einen moderaten Höhenverlust, der auch an diesem Ampcapture gar nicht so verkehrt ist
Metalsounds (ich kann gar kein Metal spielen) hab ich mit dem Capture „5150 Advanced STL Josh Middleton“ von Daddy88 gemacht (). Hier habe ich ein Noisegate eingesetzt. Vielleicht kann jemand mit den Höreindruck ja was anfangen.
Ich glaube, mit viel Gain wird man auf Bühnenlautstärke auf jeden Fall ein Pfeifproblem wegen Mikrofonie bekommen. Als Demo habe ich nochmal denselben Input durch das JMP 1987 und das 5150 Modell, wie jeweils oben verwendet, gejagt und mit dem Plektrum (in der Reihenfolge) auf Korpus, Pickupring, Pickup und Steg geklopft. Dann nochmal Gerumpel und dann in den Pickup gesprochen. Die Einstreuungen werden durch die Nähe zum PC verstärkt.
Das Klopfen auf den Pickuprahmen scheint sich am stärksten (jedenfalls mit höchster Frequenz) wahrnehmen. Wenn man also mit viel Gain spielt, wäre vielleicht ein Pickuprahmen aus weniger magnetischem Material sinnvoll.
Fazit:
Bei dieser Gitarre handelt es sich um ein Instrument, welches seinen Preis wert ist. Wenn man (je nach Produktionsstreuung) selbst noch etwas Hand anlegt (oder anlegen lässt), hat man eine Gitarre mit speziellem Charme. Dies ist durch die Optik, die Haptik und den etwas speziellen Pickup begründet. Als Metal-, Haupt- oder Allroundgitarre ist sie so wohl, besonders als Einpickupvariante nicht besonders passend und es fehlt auch (was vielleicht für manche wichtig ist) eine Identifikationsmöglichkeit bekannter Gitarrenformen. Es ist eben doch keine Gibson Firebird. Aber ein charmanter Exot, den ich gern zum Spielen hernehme und auch live verwende:
Ich hoffe, Euch hat das Lesen des Reviews gefallen!
Beste Grüße,
Matthias
da ich heute hier im Forum auf einen Thread zu Gitarren dieser Hausmarke von Gear4Music stieß, hat mich das motiviert, hier einmal ein Review zu verfassen.
Ich habe mich für die Hartwood Deytona intererssiert, weil ich es spannend fand, dass eine günstige Hausmarke ziemlich eigenständige Designs anbietet. Meist sind natürlich Anleihen an Klassiker zu erkennen, so wie bei der Deytona die Firebird von Gibson, aber mit charmanten Änderungen.

Vorgeschichte
Irgendwie hatte ich Lust, mir erstmal einen Voreindruck der Marke zu verschaffen und da bot es sich an, mal in den Showroom nach Mülheim an der Ruhr zu fahren, weil ich eh einen musikaffinen Freund im Pott besuchen wollte, der mit mir da hinfahren wollte.
Es ist kein vollausgestattetes Musikgeschäft, aber schon ganz nett und u.a. einige Hartwood-Gitarren waren da, die man auch an Verstärkern testen konnte. Die Hartwoods, die da waren, haben aber keinen guten Eindruck gemacht: Eigentlich waren alle sehr schlecht eingestellt oder hatten vielleicht sogar schlecht abgerichtete Bünde. Es gab bei mehr als einer Hartwood den Fall, dass bei zwei angrenzenden Bünden immer dieselbe Tonhöhe erklang. Trotzdem konnte ich mir schonmal einen Eindruck der Deytona als sehr leichtes und resonantes Instrument verschaffen.
Direkt kaufen wollte ich eh nicht, wegen Zugreise und so entschied ich mich im August 2025, ein Exemplar zu bestellen und auf bessere Verarbeitung zu hoffen. Das Instrument, was mich erreichte, die Variante in „Savannah Shade Blue“ war auch besser als im Showroom, aber in der Fabrik wurde der Erdungsdraht von Steg zu Elektrik vergessen. Bevor ich da selber an der Einschlagbuchse der Brücke zerre, um da so eine Verbindung zu schaffen, habe ich mich mit dem Kundendienst in Verbindung gesetzt, um die Gitarre umzutauschen. Zusätzlicher Nebeneffekt: Ich konnte sie nun in „Mesa Sunset Red“ bestellen. Ich schwankte sehr zwischen diesen beiden Farben und als ich die Gitarre in "Babyblau“ vor mir hatte fehlte mir das Besondere, denn ich habe schon eine Harley Benton DC in Ferris Blue, einem sehr ähnlichen Farbton. Deswegen nun Rot, was irgendwie Hot-Rod-mäßig aussieht, wie ich finde.
Die Abwicklung des Umtauschs verlief komplett reibungslos, so dass ich bald in Echt sehen konnte, dass sie mir in Rot viel besser gefällt. Der Erdungsdraht war auch dran!
Erstmal ein paar Specs (manches könnt ihr auch noch zusätzlich im Netz nachlesen)
Korpus: Mahagoni (laut Nachfrage beim Support eher Linde), hochglanzlackiert
Hals: eingeleimt, Ahorn mit angeschäfteter Kopfplatte + Volute, hochglanzlackiert, laut Support Double-Action-Trussrod
Mensur: 25.5“
Griffbrett: Ebenholz (laut Support könnte es auch Palisander oder [gerösteter?] Ahorn sein, da gab es widersprüchliche Angaben), 22 Bünde
Mechaniken: Chrom, 6L, große Tulpenflügel
Brücke: Chrom Tune-o-matic, Saitenführung durch den Korpus
Elektrik: 1x Minihumbucker, ca 7.4 kΩ, 1x Volume, 1x Tone
Gewicht: 2.72 kg
Verarbeitung:
Nicht schlecht! Die Bundenden sind perfekt verrundet. Die Lackierung, wo Rot an Natur angrenzt ist lediglich an der Kopfplatte leicht unsauber und am Halsansatz ganz leicht schief. Das stört mich aber nicht und ich finde diese Lackieridee ziemlich cool. Ich habe aber auch schon Modellvarianten gesehen, wo es für mich noch einmal schöner aussah, aber vielleicht ist das auch nur Serienstreuung. Manche Saitenhülsen auf der Rückseite können beim Saitenwechsel rausfallen. Die Bundabrichtung hätte etwas besser sein können, so dass bei 2mm Saitenlage (tief E im 12. Bund) auf manchen Bünden (an manchen Stellen) leichte Deadspots vorhanden sind. Ich habe manches schon durch Einzelbundabrichtung etwas behoben.
Das E-Fach wurde sauber gefräst, die Abdeckung ist bündig zum Korpus eingelassen und hat einen strammen Kontakt zur Fräsung. Da muss ich ein bisschen Fummeln zum Öffnen. Pickguard und E-Fachabdeckung sind aus vierschichtigem Tortoisematerial und die Schrauben finde ich persönlich etwas ungewöhnlich aber funktionell.


Womit wir zur Optik kommen:
Die ist wirklich mal was Anderes, obwohl an Firebird angelehnt! Der Korpus ist allerdings viel kleiner! Er hat wie eine Firebird eine abgestufte Erhebung, aber wohl nicht so wie die meisten Gibsonmodelle mit angeklebten Korpusflügeln, sondern einfach so gefräst. Eigentlich ähnlich der aktuellen Gibson Firebird Platypus. An den Seiten ist der Korpus 39 mm dick (hat allerdings rückwärtig eine Bierbauchfräsung), mittig 44 mm.

Das Griffbrettmaterial könnte vielleicht eine Ebenholzvariante sein (gerösteter Ahorn eher nicht) und hat feine Poren die teilweise mit weißen Rückständen(?) gefüllt sind. Ich glaube, das war vor der ersten Reinigung schlimmer und könnte vielleicht noch schöner werden. Die Griffbretteinlagen sind ziemlich eigenständig und dienen auch gleichzeitig als Seitenmarkierungen. Ich finde sie sehr geschmackvoll!


Auch sehr geschmackvoll finde ich die Potiknöpfe, die im Gretsch-style, aber ohne Prägung ausgeführt sind. Sie sind aus Metall und mit einer Madenschraube an der Potiachse fixiert. Nicht so passend fand ich die Mechanikknöpfe im recht großen Tulpendesign. Die Mechaniken selbst waren okay, aber ich habe sie zuletzt gegen Squier 51, die ich hier noch rumliegen hatte, getauscht. Nun gefällt mir die Kopfplatte besser, sie ist aber aus meiner Sicht das am wenigsten gelungene Design dieser Gitarre.


Haptik:
Das Instrument ist sehr leicht, meine Waage misst 2.72 kg. Der Hals fühlt sich relativ kräftig an ca. 50s Gibson USA Shaping. Ein bisschen ungewöhnlich ist die Haptik trotzdem, was zum Teil am vergleichsweise kleinen und leichten Korpus liegt, der dranhängt, aber auch, weil trotz normaler Halsbreite der Saitenabstand am Sattel geringer ist als auf vielen anderen Gitarren. Ich messe 33,5mm am Sattel (von E zu e, vgl. 36 mm bei Gibson LP). Wen das stört, könnte ja einen anders gekerbten Sattel einsetzen
Durch das geringe Gewicht und eben diese kleinen Korpusmaße fühlt sie sich manchmal fast wie ein Spielzeug an. Dann andererseits wieder nicht, weil der Hals kräftig ist und echt nicht „wabbelt“. Auch durch meine eigenen Verbesserungen hinsichtlich Halskrümmung/Brückenhöhe/Bundabrichtung ist sie sehr angenehm spielbar. Konstruktionsbedingt ist die Bespielbarkeit bis zum 19. Bund problemlos, danach muss man sich etwas verrenken. Mittlerweile habe ich den vorderen Gurtpin (eh beide gegen schallerkompatible ausgetauscht) vom oberen „Korpushorn“ an den Halsfuß verlegt. Dann hängt sie für mich schöner
Elektrik:
Die Potis sind Minipotis. Das Volumenpoti ist recht gleichmäßig im Regelweg, beim Tonpoti passiert eher im letzten Viertel was. Der Pickup ist nicht etwa ein echter Firebirdpickup (je ein Klingenmagnet, von Draht umwickelt als Humbucker verlötet) sondern eine Art Minihumbucker (Metallpolepieces, hier wahrscheinlich von Keramikmagneten auf der Unterseite magnetisiert). Woher ich das weiß? Ich habe ihn mal geöffnet, da ich ihn eh wachsen wollte. Ich fand dann heraus, dass er schon gewachst war. Ich habe ihn dann wieder zugelötet und nochmal gewachst. Warum? Dazu kommen wir gleich.


Sound:
Ohne Versärker klingt die Gitarre laut, straff und ausgewogen frisch. Sustain ist auch gut da und es macht auch Spaß, sie ohne Verstärker zu spielen.
Mit Verstärker kommt‘s drauf an
Der Pickup hat etwas weniger Power und Fettigkeit als ein normaler Humbucker, aber er hat mehr Drahtigkeit und Klarheit. Dies macht die Gitarre zu einer Rhythmusmaschine à la Malcolm Young. Die Anschlagdynamik ist gut und es macht Spaß, richtig reinzulangen. Fürs Solospiel ist es vielleicht etwas zu metallsich dünn.
Hier verschiedene hingestümperte Soundbeispiele:
Clean über mein selbsterstelltes Tonexcapture meines Laney Pro Tube 50 mit passender 4x12:
Bei 0:39 drehe ich den Tonregler komplett ab, bei 0:42 etwas auf und das Geplingel am Ende ist wieder ganz offener Höhenblende.
Rhytmuscrunch über mein selbsterstelltes Tonexcapture meines Marshall JMP 2204 an 1960 Box. Das capture ist sehr höhenreich ausgefallen und da ist der Pickup vielleicht schon etwas zu viel des Guten, besonders am Ende bei den Singlenotes.
Solocrunch habe ich über mein Capture vom Marshall JMP 1987 mit 1960 Box eingespielt. Hier habe ich von 0:07-0:16 und 0:38-0:42 den Volumeregler etwas zurückgedreht und man merkt einen moderaten Höhenverlust, der auch an diesem Ampcapture gar nicht so verkehrt ist
Metalsounds (ich kann gar kein Metal spielen) hab ich mit dem Capture „5150 Advanced STL Josh Middleton“ von Daddy88 gemacht (). Hier habe ich ein Noisegate eingesetzt. Vielleicht kann jemand mit den Höreindruck ja was anfangen.
Ich glaube, mit viel Gain wird man auf Bühnenlautstärke auf jeden Fall ein Pfeifproblem wegen Mikrofonie bekommen. Als Demo habe ich nochmal denselben Input durch das JMP 1987 und das 5150 Modell, wie jeweils oben verwendet, gejagt und mit dem Plektrum (in der Reihenfolge) auf Korpus, Pickupring, Pickup und Steg geklopft. Dann nochmal Gerumpel und dann in den Pickup gesprochen. Die Einstreuungen werden durch die Nähe zum PC verstärkt.
Das Klopfen auf den Pickuprahmen scheint sich am stärksten (jedenfalls mit höchster Frequenz) wahrnehmen. Wenn man also mit viel Gain spielt, wäre vielleicht ein Pickuprahmen aus weniger magnetischem Material sinnvoll.
Fazit:
Bei dieser Gitarre handelt es sich um ein Instrument, welches seinen Preis wert ist. Wenn man (je nach Produktionsstreuung) selbst noch etwas Hand anlegt (oder anlegen lässt), hat man eine Gitarre mit speziellem Charme. Dies ist durch die Optik, die Haptik und den etwas speziellen Pickup begründet. Als Metal-, Haupt- oder Allroundgitarre ist sie so wohl, besonders als Einpickupvariante nicht besonders passend und es fehlt auch (was vielleicht für manche wichtig ist) eine Identifikationsmöglichkeit bekannter Gitarrenformen. Es ist eben doch keine Gibson Firebird. Aber ein charmanter Exot, den ich gern zum Spielen hernehme und auch live verwende:
Ich hoffe, Euch hat das Lesen des Reviews gefallen!
Beste Grüße,
Matthias

