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[Effekt] Artec Analog Delay SE-ADL

RomanS
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Gleich mal vorweg: Ich benutze Delay fast ausschließlich für Slapack Echo, deshalb bezieht sich mein Review auch nur auf diesen Einsatzzweck!

Ich habe bisher hauptsächlich ein Danelectro Wasabi Rock-A-Bye Delay benutzt, ein digitales Delay mit Analog-Sound, welches auch recht gut klingt, allerdings ein sehr großes Gehäuse hat, und der Platz auf meinem Pedalboard wird immer weniger...
Habe mich deshal auf die Suche nach kompakterem Ersatz gemacht - ideal wären wohl ein MXR Carbon Copy, BBE TwoTimer, Malekko Echo, oder so was gewesen, aber für den reinen Einsatzzeck als Slapback wollte ich nicht so viel ausgeben.


Das Artec Analog Delay SE-ADL
(das kleinere der beiden von Artec angebotenen Delays) sitzt in einem Metallgehäuse, das von den Abmessungen annähernd den üblichen Hammondgehäusen entspricht, wie sie viel Boutique-Pedalbauer verwenden, es ist eine Spur breiter und höher, aber gleich lang (ca. 11,5 x 7 x 3 cm); angenehmerweise ist das Batteriefach durch eine Plastikklappe am Boden zugänglich, anders als bei Hammond-Gehäusen, wo der Boden abgeschraubt werden muß; allerdings empfiehlt es sich bei Delays wg. des hohen Batterieverbrauchs ohnehin, einen Netzadapter zu verwenden (ein Anschluß dafür sitzt an der rechten Seite neben der Eingangsbuxhse).

Das Artec wird als "True Bypass"-Pedal verkauft, ich bin mir da nicht sicher, ob das tatsächlich stimmt; es wurde nämlich keiner der bei True Bypass-Pedalen üblichen 3PDT-Schalter verbaut, sondern nur ein DPDT, womit echter True Bypass mit Status LED eigentlich nur möglich ist, wenn man eine sogenannte "Millenium Bypass"-Schaltung verwendet - Diagramme im Beiheft zum Pedal (wo auch alle anderen Pedale von Artec erklärt werden) sollen die Vor- und Nachteile von True Bypass gegenüber Buffered Bypass erklären; hierzu ist ein korrektes Diagramm zur einem Buffered Bypass-Pedal abgedruckt, zu True Bypass aber zwei Diagramme: einmal ein "echter" TB, wo durch den Schalter sowohl der Eingang als auch der Ausgang des Effektschaltkreises aus dem Signalweg genommen werden, und gleich darunter ein Diagramm, wo nur der Ausgang des Effektschaltkreises geschaltet wird, der Eingang aber mit dem Signalweg permanent verbunden ist (entsprechend dem "mechanical output switching", bzw. "half-assed bypass" hier: http://www.stinkfoot.se/andreas/diy/articles/bypass.htm )
Meine Vermutung aufgrund der Infos im Beiheft und des DPDT- statt eines 3PDT-Schalters ist, dass das Artec genau so einen "half-assed bypass" hat, keinen echten True Bypass.

Ähnlich sieht's bezüglich "analog" aus: das Beiheft schreibt: "SE-ADL revives the feeling of ANALOG DELAY in the 80s. Contrary to nomal DIGTAL DELAY, this effect makes warm and friendly sound from ANALOG CIRCUIT. Also this has variable RESOLUTION by TIME and REPEAT as traditional analog delay and tape echo machine."
Hmm, das ist nicht nur recht holpriges Englisch (OK, Artec kommt auch aus Korea - das Pedal ist aber Made In China), es ist auch sehr zweideutig - nach der Beschreibung könnte es sowohl ein echtes analoges Delay sein, als auch ganz einfach ein digitales, das den Sound von analogen nachzuahmen versucht (ähnlich wie mein altes Rock-A-Bye, oder wie das Excalibur bzw. Modtone Delay, die ja auch recht zweideutig als "analog" angepriesen werden, tatsächlich aber digitale Emulationen sind).
Innen im Artec ist jedenfalls kein für echte analoge Delays üblicher BBD (Eimerkettenspeicher) zu finden, nur ein Artec-eigener ASIC-Chip (mehr dazu in diesem Thread zum "großen" Artec Delay, dem ADL2, das technisch sehr ähnlich aufgebaut sein dürfte: https://www.musiker-board.de/vb/reviews/242662-effekt-artec-adl2-delay.html ); höchstwahrscheinlich als doch kein "echtes" Analogdelay, bei dem Preis (49€) auch kein Wunder.

An Regelmöglichkeiten gibt's "Time" (also Verzögerungszeit; max. 440ms) - der Regler arbeitet übrigens "andersrum", die maximale Delayzeit steht am Linksanschlag zur Verfügung, und wird im Uhrzeigersinn kürzer, "Mix" zumEinstellen des Verhältnisses zwischen Original- und Effektsignal, und "Repeat" zur Einstellung der Wiederholungen des Echos.

Kommen wir zum wichtigsten, dem Klang:
Der ist, gleich mal vorweg, zumindest für Slapback Echo HERVORRAGEND (das Pedal kann noch mehr, kann z.B. auch selber oszillieren, aber ich setze derartige Effekte eigentlich nie ein, und fühle mich nicht kompetent, dazu eine Aussage zu machen). Es klingt tatsächlich analog-warm - allerdings nicht so dunkel wie manche echte Analog-Delays (z.B. Boss DM2; die klingen zwar für mich immer sehr schön fett und warm, wenn man alleine oder in einer kleinen Besetzung spielt, gehen aber in größerer Bandbesetzung und dichten Arrangements gern etwas unter); von der digitalen Kühle z.B. der Boss und Digitech-Delays, die ich schon probieren konnte, andererseits auch keine Spur. Am ehesten erinnert es mich an die Soundclips vom analogen Malekko Echo 300 Bright (das ich allerdings noch nicht in natura probieren konnte).
Im Vergleich zum für Slapback auch nicht schlechten, noch billigeren Danelectro FAB Echo klingt es deutlich "naürlicher" (= weniger als "Effekt" herausstechend) und wärmer, das FAB Echo kann bei heftigeren Einstellungen irgendwie metallisch klingen, das Artec tut das nicht.
Auch mit meinem Danelectro Wasabi Rock-A-Bye hab ich es verglichen, das Dano klingt im Vergleich irgendwie flacher, eindimensionaler, trockener (sorry, Effektsounds beschreiben ist gar nicht so einfach), das Artec etwas plastischer, lebendiger.

Bezügl. Bypass kann ich keine negativen Auswirkungen oder Soundveränderunge bemerken; das Rauschverhalten ist auch im üblichen Rahmen - es ist zwar definitv ein leichtes Rauschen hörbar, sobald man das Artec anschaltet, aber in einem Ausmaß, der auch bei den meisten andern Pedalen üblich ist, und selbst bei Zimmerlautstärke nicht stört.

FAZIT: Als preisgünstige, analog klingende Alternative für Slapback Echos oder für Pseudo-Reverb-mäßige Sachen (Surf-Musiker dürften damit auch ihre Freude haben) kann ich das Artec SE-ADL nur sehr empfehlen!

PS: Hier noch der Link zum Hersteller! http://www.artecsound.com/effect/index.html
 
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Hi Roman,

sehr schönes Review, das ich eigentlich auch bewerten wollte, aber die Kiste lässt mich nicht :mad: .

Ich hatte mal den größeren Bruder vom Artec, klanglich hat mir das sehr gut gefallen, aber im Bypass war immer ein Übersprechen vernehmbar, also gings wieder zurück. Freut mich, dass das bei Deinem nicht so ist.

Mittlerweile bin ich beim quietschelilafarbenem :D Excalibur Delay gelandet. Das passt ebenfalls wie die Faust aufs Auge. Verwendungsbereich wie bei Dir für Slapback Geschichten, gelegentlich auch mal längere Delayzeiten bei Solos (Another Brick in the wall etc.).



Gruß Rainer
 
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Hi, ich hatte vor geraumer Zeit ja auch ein Review hier verfasst... gleiches Thema!

Gutes Teil nur die Netzbuchse ist eine Zumutung :(
 
RomanS
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Hi,
hast Du einen Link zu Deinem Review (kann's mit "Suchen" nicht finden)? Tät mich interessieren, wie Deine Meinung ist!

Was hast Du gegen die Netzbuchse? Meine funktioniert tadellos. Oder meinst Du die Platzierung an der Seite? Ich weiß, dass das viele stört, wenn die Netzbuchse an der Seite ist, und nicht oben, aber ich persönlich find das eigentlich ganz praktisch - der Platz an den Seiten ist ohnehin "vertan" durch den Stecker vom Patchkabel, da ist's egal, ob daneben auch noch der Netzstecker ist - und wenn dafür die Stirnseite frei bleibt, kann man die Pedale enger Staffeln, wenn man eine zweite Reihe am Pedalboard hat...
 
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Danke - hatte nur im "Review"-Forum gesucht, nicht im "Effekte"-Forum, deshalb hab ich's nicht gefunden...

Also das Problem mit dem Stecker hab ich nicht, meiner sitzt schön stramm drinnen und wackelt nicht; sollte sich auch langfristig nicht ändern, da ich meine Pedale alle fest auf einem Pedalboard verschraubt habe, dementsprechend gibt's keine mechanische Belastung des Steckers.
 
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Hab inzwischen (auf speziellen Wunsch) noch ein paar spezifische Sachen getestet:

-) Übersprechverhalten (also: hört man ein Effektsignal, wenn das Pedal ausgeschaltet ist): Perfekt! Nicht die Spur von einem Delay zu hören, wenn es ausgeschaltet ist (trotz "half-assed bypass").

-) Rauschverhalten bei höheren Einstellungen (wie gesat, ich benutzt es nur für Slapback, hab daher längere Delay-Zeiten ursprünglich nicht getestet): so im oberen Drittel des Regelwegs des Delay-Reglers (bei 440ms maximaler Delayzeit also wohl so ab 300ms) beginnt das Artec doch sehr deutlich zu Rauschen - wenn man es nicht nut für kurze Delayzeiten, Raumsimulation, Anfetten des Sounds, Slapback benutzen will, sondern für längere Zeiten, wär's also vielleicht nicht die beste Wahl...
 

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