[Effekt] - Menatone Red Snapper

von rabbitgonemad, 28.07.07.

  1. rabbitgonemad

    rabbitgonemad Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.07.07   #1
    Menatone Red Snapper

    Es ist nicht so, dass dieses Teil neu auf dem Markt ist bzw. ich es neu hätte… Dennoch finde ich hat es ein Review mehr als verdient.

    Alle Beschreibung basieren hierbei auf Erfahrungen mit der 4-Regler-Version, die Version im „FishFactory“ konnte ich nur sehr kurz antesten, die anderen nicht.

    Doch holen wir zunächst ein wenig weiter aus…

    Die Firma „Menatone“ wird in den Kalifornien, USA von Brian Mena und seinen Mitarbeitern geführt. Wie die meisten fing Brian mit Verstärkerreparaturen und allgemeiner Elektrotechnik an, etwa seit 1996 spezialisiert er sich auf Effektgeräte für Gitarristen in Bodenpedaform. Seine Produktpalette umfasst hauptsächlich Overdrive- und Distortionpedale, doch auch ein Tremolo und ein Filter wurden im Laufe der Jahre hergestellt.

    Der Red Snapper (im folgenden auch RS) geht auf sein allererstes Produkt zurück, das „The Red“-Pedal. Es entsprach den Spezifikationen der späteren Red Snapper mit drei Reglern (siehe z.B. Guitartest.de). Bemüht man die Google-Bildersuche, wird man auf viele unterschiedliche Versionen des RS treffen, die aber – sofern gleiche Anzahl an Reglern – vom elektronischen Aufbau her identisch sind. Dieses hat Brian in amerikanischen Foren persönlich bestätigt, nachdem in letzter Zeit die Gebrauchtpreise für ältere Versionen stark anstiegen (da angeblich die alten besser als die neuen etc.etc.). Das Gerät ist true-bypass ausgelegt und beste Bauteile wurden laut Hersteller verwendet. Es arbeitet mit 9v.

    Gain

    Das Pedal ist an das legendäre Ibanez TS808 angelehnt und von da aus weiterentwickelt worden. Seine besondere Charakteristik liegt in seinem offenen, unkomprimierten und durchsichtigen Klang. Es produzierte pure Verzerrung ohne Matschen oder Undefiniertheit im Ton. Die tubescreamertypische Betonung der Mitten ist hier nicht so sehr vorhanden (wie bei vielen Boutiqueklonen), er klingt viel ausgeglichener obwohl er seine Herkunft nicht verleugnet. Manche sagen, in diesem Punkt ähnelt er dem Klon Centaur Booster, ich persönlich kann das nicht beurteilen.

    Die Gainreserven sind dementsprechend eher als „gering bis mittel“ zu bezeichnen. Etwa ab 9Uhr (Reglerweg im Uhrzeigersinn) beginnt ein leichte Verzerrung einzusetzen, die sich bis 12Uhr zu (einem moderaten) Crunch entwickelt. Will man wirklich rocken mit dem Pedal, wird man schnell den Gain-Regler auf 3Uhr bzw. Maximum stellen. Doch auch hier macht er eine gute Figur, in den neueren und besonders der aktuellen Version soll diese noch besser funktionieren als bei den älteren. Bei allen Einstellung bleibt der Charakter von Gitarre und Amp erhalten, natürlich begünstigt durch den „transparenten“ Klang der Schaltung.

    Aufgrund dieser Klangcharakteristik wird er oft vor recht chrunchenden Amps eingesetzt, wie auch in meinem Fall. Hier erhält man mit anderen Pedalen schnell einen Verlust an Definition, da mit mehr Gain vom Pedal auch mehr Kompression hinzugefügt wird – es matscht ein wenig sagt man umgangssprachlich. Der RS verhält sich meinem Empfinden nach eher wie ein Cleanboost+Gain (was ja eigentlich ein Overdrive ist), dennoch klingt es wie der Verstärker weiter aufgedreht. Es reagiert dabei immer dynamisch auf den Anschlag. Auch vor anderen Zerrern machen sicher diese Klangeigenschaften natürlich hervorragend, man erhält viele tolle Kombinationen.

    Die Klangregelung

    Ein Hauptkritikpunkt an den älteren Versionen war/ist ihre Höhenlastigkeit. Durch lediglich einen „Bite“-Regler war das Pedal „untenrum“ eher schlecht zu regeln. Der Reglerverlauf des Bite fügt Höhen und obere Mitten hinzu, was bei 12Uhr jedoch je nach Amp/Gitarre schon zu viel sein konnte. Man musste sich also sozusagen entscheiden für einen sehr höhenlastigen oder aber eher basslastig/mittenlastigen Ton, so zumindest interpretiere ich die Beschreibungen im Netz.

    Vielen wiederum gefällt der Einsatz des Bite-Reglers auch, um gerade bei der oben beschriebenen Anwendung als Boost vor nem chrunchenden Amp die Artikulation nicht zu verlieren.

    Dennoch fügte Brian vor ein paar Jahren den sog. Cut-Regler hinzu. Der tut auch genau das was der Name sagt, er reduziert/schneidet ab, und zwar eher die unteren Frequenzen („control of the treble response“). . Gegen den Uhrzeigersinn „zugedreht“ findet keine Beeinflussung des Signals statt – super Widerspiegelung der Bässe. Der Effekt des Reglers ist irgendwie schwierig zu beschreiben. Zunächst denkt man, dass beide Regler die höheren Frequenzen beeinflussen, dann jedoch mit ein wenig Übung kann man ähnlich wie bei Bass/Treble-Klangregelung 1000 verschiedene Klangmuster finden.

    Das Volume

    Die Volumenreserven sind sehr großzügig ausgelegt. Je nach Gaineinstellung erreicht man schon bei 9 bis 10Uhr die Lautstärke des durchgeschliffenen Signals. Das Pedal lässt sich wegen der effektiven Klangregelung also auch sehr gut als Cleanboost, Trebleboost etc. einsetzen.

    Fazit

    Ich könnte im Moment nicht drauf verzichten. Es ist sicherlich nicht das Ende aller Wünsche und hat seinen relativ festen Einsatzbereich. Es wird wahrscheinlich eher die Blues/Rock/Jazz-Ecke bedienen als härtere Gangarten. Dennoch habe ich für mich bis jetzt noch kein Pedal gefunden, das gerade im lowgain-Bereich so schön nach Amp klingt. Eine klare Bevorzugung von Humbucker- oder Singlecoilgitarren konnte ich nicht feststellen. Ich denke also, dass viele Spieler damit glücklich werden könnten.

    Ein Tipp noch: es klingt auch super mit Tweedamps, die ja angeblich ein wenig pingelig sein sollen wenn’s um Vorschaltgeräte geht. Der knackige, wenig komprimierte Zerrsound klingt auch selbst ein bisschen nach Tweed wie ich finde.

    Knackpunkt: Nur ein Händler in Deutschland und selten mal auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Bitte um Nachfrage, Kritik etc.

    Und so sieht meiner aus: Sozusagen ein White-Snapper mit invertierten Farben! ;)
    [​IMG]
     
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  2. JigsawJC

    JigsawJC Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.09   #2
    Dann werd ich mal nach immerhin fast 2 Jahren den ersten Post hierzu machen :D

    Sehr schönes informatives Review und (was mir persönlich ja immer gut gefällt) man muss hier keinen Roman lesen, um einen guten überblick zu bekommen.

    Das Prinzip ist klar: ein Pedal, dass nicht nach Pedal klingt sondern eher nach dem Amp vor dem es hängt. Vom OCD sagt man das ja auch. Gibts da eigentlich außer dem Dual Drive noch andere Alternativen?

    Gruß mit Blues
    JC
     
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