[Effekt] Old Blood Noise Endeavors - Maw - Multieffekt für XLR und Klinke

Marcer
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Old Blood Noise Endeavors - Maw - Review

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Das Old Blood Noise Endeavors Maw ist ein Multi-Effekt-Pedal, das sowohl mit XLR als auch Klinke verwendet warden kann.
Ich hab es bisher in erster Linie mit Gitarre getestet und dachte mir, ich schreibe einen kleinen Erfahrungsbericht.

Zunächst einmal finde ich das Konzept, ein Pedal zu haben, das sowohl mit einem Mikrofon als auch mit anderen Instrumenten verwendet werden kann.
Für mich, in erster Linie Gitarrist, war das Pedal interessant, da ich ab und zu auch Background-Vocals in der Band beisteuere, mir aber nicht unbedingt ein Effektpedal nur dafür zulegen wollte.
Heißt das Konzept, dass man es nebenher (natürlich nicht gleichzeitig) ohne Adapter, Preamp oder weitere Geräte auch noch für Gitarre verwenden kann ist grundsätzlich erst mal interessant.

Ermöglicht wird dies durch eine Kombi-Buchse am Eingang sowie durch eine einzelne Klinkenbuchse und zwei XLR-Buchsen (Wet+Dry; Wet Only) ermöglicht. Ein kleiner Switch ermöglicht es, den Output festzulegen (also eben XLR oder die beiden Klinkenanschlüsse).
Ansonsten verfügt das Pedal über zwei Expression-Anschlüsse, Send und Return sowie einen Netzteil-Anschluss. Die Platzierung der Effekte im Effektloop erfolgt dabei zwischen Effektbank A und B.

Ein großer Pluspunkt und Kaufargument für mich: Es gibt für alles einen Knopf und man muss sich nicht durch verschachtelte Menüs kämpfen. Die Anordnung ist auf den ersten Blick allerdings etwas unübersichtlich:
maw-controls.JPG



Die Effekte
Das Maw verfügt im Wesentlichen über zwei Effekte-Bänke (lila und gelb) und eine Drive-Sektion (blau). Weiterhin gibt einen Regler und einen Switch speziell für den XLR-Eingang.
Ich habe zu jedem Effekt ein kurzes Sample jeweils mit Gitarre und Cello aufgenommen und geloopt und bin dann verschiedene Einstellungen durchgegangen. Der Aufbau dabei war wie folgt:

Gitarre (Fender Starcaster von 2013) -> Digitech JamMan Stereo -> Maw -> Instrument Out -> Orange CR 120 -> Sure SM 58 -> Focusrite Scarlett 2i2
Cello -> Sure SM 58 -> Digitech JamMan Stereo -> Maw -> XLR Out -> Focusrite Scarlett 2i2

Kopfhörer-Nutzer etwas aufpassen: Ab und zu übersteuert es leicht, weil ich es mit einigen Effekten vielleicht etwas übertrieben hab, da kann das Maw aber wenig dafür. ;)

Mic Level & Pad
Speziell für den XLR-Eingang gibt es einen Mic-Level-Regler, der genau das tut, was man erwartet sowie einen „Pad“-Schalter, der das Signal um +20DB boosten kann.

Clean Sound
Nur der Vollständigkeit halber:







Saturation
Was hier als Saturation, also Sättigung, bezeichnet wird ist im Grunde ein wirklich gut klingendes Low- bis Midgain Overdrive (vor allem in leichteren Einstellungen) mit Tone, Volume und Blend-Regler. Wie auch die anderen 3 Taster funktioniert der Schalter sowohl als regulärer An-/Aus-Schalter als auch im Latch-Modus, indem man ihn etwas länger gedrückt hält.

Saturation ist bei allen folgenden Samples immer an, mit dem Mix knapp unter der Hälfte.







Die Effekte
Das Maw verfügt über zwei Effektbänke (A und B) mit jeweils fünf Effekten und einem Schalter. Für jeden Effekt gibt es zwei Control-Regler, die je nach Effekt verschiedene Funktionen haben, sowie einen Mix-Regler.
Die folgenden Effekte sind verfügbar:

Octaver
Der Oktaver kann dem Signal sowohl eine hohe, als auch eine tiefe Oktave hinzufügen. Beide können mit Control 1 bzw. 2 zum Signal zugemischt werden. Einzeln klingen beide leider sehr undefiniert und verfremdet. Die tiefe Oktave ist dabei vielleicht noch etwas besser als die hohe, die hohe erinnert eher an Chipmunk.
Insgesamt erinnert der Sound stark an den Pitch-Modus des OBNE Reflector Chorus, nur eben mit fixem Pitch. Auffällig ist auch, dass der Effekt eine deutlich wahrnehmbare Latenz hat. Um den Sound etwas anzudicken vielleicht trotzdem ganz brauchbar.







Phaser
Leider setzt sich die erste Ernüchterung beim Phaser fort. Was hier als Phaser angegeben ist geht fast ein wenig in Richtung Vibrato und hat m.E.n. wenig mit Phaser zu tun. Als Vibrato-Sound ist es sogar ganz okay, als Phaser aber wirklich zu subtil.
Wer – so wie ich – auf langsame, intensive Phaser-Sweeps steht wird damit wohl nicht viel anfangen können.







Short Delay
Effekt Nummer 3 ist ein super kurzes Delay. Bei langsamen Geschwindigkeiten (um die 50ms sind schätzungsweise das langsamste) klingt es etwas perkussiv und Slapback-Sounds sind auch ganz gut drin. Wenn man die Geschwindigkeit erhöht treten auch einige Pitch- und Feedback-Effekt auf. Für Surf-Rock oder Ähnliches insgesamt vielleicht ganz brauchbar.







Reverb 1
Der erste Hall-Effekt des Geräts. Hier handelt es sich um einen einfachen kurzen Hall.







Reverb 2
Hall zwei klingt, als ob ein zweiter Nachhall oder eine Art verwaschenes Delay etwas zeitversetzt einsetzt. Erinnert mich stark an den Dual Reverb in meinem Eventide Space. Die Hallfahne kann dadurch deutlich länger sein als bei Hall 1, aber das einsetzende Delay hört man immer raus.







Rotary
Tut im Prinzip genau dass, was man von einem Rotary-Effekt erwartet, aber auch hier finde ich den Effekt etwas zu subtil.







Flanger
Der Flanger ist leider ähnlich wie der Phaser für meinen Geschmack etwas schwach ausgefallen. Wer also einen kräftigen Jet-Sound erwartet, wird auch hier enttäuscht werden. Im Vergleich zum Phaser klingt der Flanger aber trotzdem noch mehr nach Flanger.







Long Delay
Das Long Delay ist wahrscheinlich der Effekt, den ich bisher mit Abstand am meisten genutzt habe. Im Grunde ist es einfach ein simples Delay, das genau das tut was man erwartet. Heißt man hat Regler für Feedback und Delaytime und kann mittels Mix-Regler die Lautstärke der Repeats anpassen. Schöne Oszillationen sind auch möglich. Klanglich gibt es nichts auszusetzen.







Reverb 3
Der 3. Hall ist ein weiterer längerer Reverb, dem aber ein metallischer Shimmer-Effekt hinzugefügt wird. Leider gibt es keine Möglichkeit diesen Shimmer zu beeinflussen. Mein Fall ist es nicht und neben dem Phaser vermutlich der Effekt, mit dem ich am wenigsten anfangen kann.







Reverb 4
Der 4. Hall ist neben Long Delay und Hall 1 definitiv einer der besseren Effekte. Er liefert wie auch Hall 2 etwas längere Hallfahnen, aber ohne „Delay“. Ganz cool für atmosphärische Sounds, aber auch nichts wirklich Besonderes.







Weitere Anmerkungen
Das Pedal scheint ein leichtes Noise-Gate integriert zu haben, zumindest ist meine Jazzmaster komplett still wenn ich nicht spiele, was sonst nicht der Fall ist. Einstellungsmöglichkeiten dazu gibt es aber nicht.
Weiterhin gibt es wie oben beschrieben auch noch zwei Expression-Pedal-Eingänge, die ich bisher mangels EXP Pedal aber noch nicht testen konnte.

Fazit
Hier ein Fazit zu ziehen fällt wirklich nicht leicht. Grundsätzlich finde ich die Idee des Pedals richtig gut, also heißt ohne Adapter und irgendwelche Preamps ein Gerät zu haben, dass ich sowohl mit Mic als auch mit Klinke nutzen kann.
Allerdings hätten Sie in der Ausführung noch einiges optimieren können, z. B.:

  • Warum gibt es keinen Schalter um die Effektreihenfolge festzulegen? Wenn ich Hall 1 und Long Delay gleichzeitig nutzen will, geht das nur mit dem Hall vor dem Delay, was etwas verwaschen klingt und sicher auch mal cool sein kann, bei manchen Anwendungen aber einfach nicht passt.
  • Die Mix-Regler sind leider wirklich etwas fummelig: Gefühlt passiert die größte Änderung in den ersten 10% des Reglers.
  • Das Layout mit den vielen Knöpfen (siehe oben) ist auf den ersten Blick wirklich etwas unübersichtlich, farbige Knöpfe oder ein paar Markierungen am Gehäuse hätten da Wunder gewirkt. Man gewöhnt sich zwar dran, aber auf einer dunklen Bühne greift man da vermutlich schnell mal daneben.
  • Generell klingen die Reverbs für meinen Geschmack etwas zu Hell und z. T. ein bisschen metallisch. Ein Tone-Regler wäre hier eine super Sache gewesen. (Der Tone-Regler rechts beeinflusst ausschließlich den Saturation-Mode.)
  • Generell wirkt es so, als ob sich OBNE bei den Effekten nicht wirklich viel Mühe gegeben hat, vor allem gemessen an anderen Pedalen der Firma.
  • Ganz cool ist die Möglichkeit, per Loop weitere Effekte einzubinden, aber leider ist auch hier die Position fest, d.h. immer zwischen den beiden Effektbänken A+B.
  • Mit einem Neupreis von 282,00€ nicht gerade ein Schnäppchen

Wer bis hierher gelesen hat, wird feststellen, dass das alles etwas ernüchternd klingt.
Ich find das Pedal von der Idee her dennoch sehr cool und zumindest mit Long Delay und Reverb 1 kann ich die für mich wichtigsten Sounds für den Gesang abdecken. Ich werde es auf jeden Fall vorerst behalten, bis auch ein Test im Proberaum möglich ist, was gerade hinsichtlich Feedback bei höheren Lautstärken sicher interessant ist.
Zumindest hatte unsere Sängerin damit in der Vergangenheit öfters Probleme mit anderen Vocal-Effekten. Leider wird das wohl erst nächstes Jahr möglich sein.
Ein Update werde ich dann natürlich ergänzen. Langfristig werde ich aber sicher nochmal was anderes probieren.

Für wen ist das Pedal also geeignet?
Gute Frage. Der reine Vocalist ist vermutlich sowohl finanziell als auch funktionell mit anderen Pedalen wie denen der TC Voice Live Serie oder dem Boss VE-20 besser beraten, wozu ich dazu leider keinen direkten Vergleich hab.
Der reine Gitarrist hat seine Effekte sowieso bzw. hat auch genug Alternativen.

Für alle die mehr oder weniger beides betreiben und vor allem Wert auf Hall und Delay legen oder einfach keine Lust auf Menüs haben, könnte es dennoch interessant sein.
 

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