Als Berliner muß man ja auch mal ein Gedicht in seinem Dialekt verfassen.
Hier kommt ein sehr langes Gedicht, das nicht nur den in Berlin aufgewachsenen
Mitgliedern hier im Board als Anregung für einen Vortrag in der Familie dienen könnte:
Siehst juut aus, alter Junge oder Mann-oh-Mann – die Zeit vajeht
Een Berlina Jeburtstachsjedicht zum 70sten
Lieba Willi
Eenen Tusch mitsamt Fanfare
Du wirst runde 70 Jahre !
Fraachst Dich, wenn die Jahre pesen :
“Isset det nu schon jewesen ?“
Tröstest Dich dänn mit Jewalt :
’Keene Sau wird je so alt !’
An ’ne Lichtjahre jemessen
kannste Deine jlatt vajessen.
Du krichst Falten, wat nich ausschließt,
det man saacht, det Du juut aussiehst.
Janz im Jegenteil, janz plötzlich
saacht det jeda – wie entsetzlich !
Lobjesänge und dergleichen
war’n noch nie ’n jutet Zeichen.
Jestern noch‘n junget Küken.
Jetzt beinahe schon uff Krücken.
Ob man bettelt, ob man fleht -
Mann-oh-Mann – die Zeit vajeht.
Ooch wenn Jugend mal vorbei is
gloobt man lange, det noch Mai is.
Gloobt, man hat noch junge Flüjel,
kiekt dänn leider ooch in‘ Spiejel.
Und schon trifft ein‘ da die Keule,
sieht man vorn die Pasta-Beule
und beim Mann vom Spül’n der Nierchen
prall den Friedhof von den Bierchen.
Und dänn äugt man ooch bedeppert
wat sich da an Runzeln läppert.
Steht da nackt – im ’Kleid der Liebe’
und man denkt, selbst wenn’s so bliebe,
müßte man den Fetzen heben
und sehr bald zum Büjeln jeben.
Ach, wie graust sich der Ästhet.
Mann-oh-Mann – die Zeit vajeht.
Jeder Mann liebt seine Mähne.
Doch dänn schwindet manche Strähne.
Erst de Hälfte, dänn Zweedrittel.
Da hilft ooch keen Düngemittel.
Kommt er weita inne Jahre,
kennt er jedet seiner Haare.
Haarausfall und Altersfalten
war’n noch nie nich uffzuhalten.
Nur an unjeahnter Stelle
wuchert plötzlich det Jewölle.
Neese, Ohren - Jott bewahre -
uff’m janzen Körper Haare,
der jetzt ooch von Flecken wimmelt.
Keene Angst – is nischt vaschimmelt.
Jestern noch’n junga Hüppa -
heut‘ schon lange Baumwollschlüppa.
Janich toll, wie man’s ooch dreht.
Mann-oh-Mann - die Zeit vajeht.
Fast ein jeda – unjelogen
hat am Anfang jute Oogen.
Doch dänn trübt sich de Pupille
und der Mensch brauch dänn ‘ne Brille -
1, 2, 3, 4 Dioptrine !
Rollt erst eenmal die Lawine,
bleiben ihm zum Schluß alleine
dann vom Baumarkt Glasbausteine.
Und darunter wie zum Schrecke
schlabbern ooch noch Tränensäcke.
Will der Mensch mal wat verdauen,
muss er erst ‘n bisschen kauen.
Jehn die Beißerchen dänn flöten
is zumeist Ersatz vonnöten;
denn so’n Mensch wird nich sehr schwelgen
kauta nur noch uff de Felgen.
‘Beiß Dich durch‘ heißt die Parole !
Darum kooft er für viel Kohle
een Gebiß für sich alleene -
strahlend weiß – doch diese Zähne,
zwar die teuersten von allen,
sind ihm oft ins Wort jefallen
und dänn jibt et Brei-Diät.
Mann-oh-Mann – die Zeit vajeht.
Hat der Mann zu ville Kräfte
tauscht er jerne Körpersäfte.
Klettert dänn als Strahlemännchen
flugs uff Heidi, Jutta, Ännchen.
Eijentlich sollte man sammeln
anstatt tierisch rumzurammeln.
Und so wird er dänn bald merken :
een Kondom läßt sich nicht stärken.
Schließlich blinkt unter der Wampe
ooch schon die Reservelampe.
Jestern blies er noch Trompete,
heut‘ die kleene alte Flöte.
Und er denkt, wenn nischt mehr steht :
Mann-oh-Mann - die Zeit vajeht.
Manche Frau wird sich erst zieren,
Alter schlichtweg ignorieren.
Alle Frau’n – bis uff die alten
sorjen sich um ihre Falten.
Schon als noch sehr junget Bräutchen
sorgt die Frau sich um ihr Häutchen -
nee, nich die Intim-Passage -
Dekolltee und die Visage !
Überall macht se Menkenkel.
Bürstet ooch die Oberschenkel.
Hadert mit der Obstmarkt-Brangsche :
will nur Pfirsich – kricht Orangsche.
Hat se schlaffe Hautbeschwerden,
muss se ‘n bisschen praller werden.
Und so jeht jede Amanda
janz allmählich aussenander.
Mal trägt selbst der schärfste Feja
links und rechts die Hüftausleja.
Ooch am Bauch von unsern Täubchen
stauen sich die Sahnehäubchen.
Selten konnten ooch gefallen
hintenrum die prallen Ballen.
Früher Flachland ohne Ende,
heute schweret Berch-Jelände.
Und selbst dann, wenn Ihr druff steht :
Mann-oh-Mann, die Zeit vajeht.
Und schon komm‘n die nächsten Pannen
mit deie prallen Feinkost-Wannen.
Wenn det Janze dänn verwittert,
allet runzelt, fällt und knittert
und det janze Fettjezappel
schrumpelt wie’n alter Appel.
Die verfluchte Erdanziehung.
trotzt ja jeda Stütz-Bemühung.
Schließlich knacken ooch die Knochen.
Da ist wirklich nischt zu kochen,
und man schickt’n Stoßjebet :
Mann-oh-Mann – die Zeit vajeht.
Doch ick saare Euch janz ehrlich :
“Trotzdem is det Leben herrlich !
Zwischen Wiege und der Bahre
liejen oft die scheensten Jahre.
Und keen Mensch uff’m Planet
Schielt schon vorher unter’s Beet.“
Mann-oh-Mann – die Zeit vajeht !
“Macht Euch Spaß“, rät der Poet.