Warum blutet der Asphalt?

MamaMuuht

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Hallo zusammen,

Hier der Songtext zu meiner heute eingestellten Hörprobe.

Liebe GrĂĽĂźe

Die Mama




Warum blutet der Asphalt?





Ganz schön hoch hier,
oder ganz schön tief.
Je nachdem, wie mans sieht.
FĂĽr dich wars wohl tief.
Ob wohl noch jemand nach dir rief?
Auf dem Tisch noch ein Brief,
wir hatten noch telefoniert.
Du konntest gar nichts mehr sagen,
ich hatte viel zu viel Fragen.
Ich hab dir zu viel Mut gemacht,
dabei war in dir schon Nacht.
Alle Lichter ausgeblasen,
Ganz am Schluss noch eine Nase.
Endlich, endlich fallen lassen,
Ich werde es wohl niemals fassen.

Warum gab dir niemand Halt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?



Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?



Ganz schön still hier,
auch wenn alles schreit.
Das Ende einer Zeit,
Der Anfang von unendlichem Leid.
Deine Mutter schreit nach dir
in deinem alten Zimmer
Dein Vater nicht da , so wie immer.
Ich hab mich noch nie so hilflos gefĂĽhlt,
noch nie so geheult, noch nie so gebrĂĽllt.
Ich hoffe, das ist nur ein Traum,
Dann kommen Tatortreiniger
mit Reinigungsschaum.

Warum gab dir niemand Halt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?



Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?


Warum wird von dir hier nichts mehr bleiben?
Ich werd an die Hauswand deinen Namen schreiben.
In Feuerrot, so wie der Tod.
Dahinter unsren Code.

Sternchen, Sternchen, Eins, Zwei, Drei,

By, By

Warum gab dir niemand Halt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?



Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?

Warum blutet der Asphalt?
 
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Ich find den Text sehr gut und zwar nicht im Sinne von "könnte im Radio laufen und würde nicht negativ auffallen", sondern im Sinne von "bleibt man hängen, berührt, ist stark und besonders". Gerade deswegen würde ich nicht auf das offensichtlich Gute eingehen, sondern auf Details und Entscheidungen, die ich überlegenswert finde.


Strophen:
Das für mich beste sind die Strophen. Die haben mich sofort gepackt. Die find ich toll atmosphärisch und tauche voll ein in diesen Fluss aus Gedanken, Bildern und Erinnerungen. Man ist drin, fühlt mit, alles wirkt bedeutsam.

Ich mag auch den lakonisch sachlichen Tonfall. Drei Stellen weichen fĂĽr mich aus unterschiedlichen GrĂĽnden davon leicht ab:

1. "Ganz am Schluss noch eine Nase."
Der Text bewegt sich in einer düsteren, auf Trauer und Verlust ausgerichteten Sprache. Dann kommt mit der "Nase" eine Formulierung, die davon abweicht (demonstrativ salopp, cool, Insider-mäßig, weniger feierlich, weniger distanziert). Gleichzeitig ist das die Formulierung, die am eindeutigsten übersetzt werden kann. Nicht falsch, nur die Frage: Will ich diesen "Klartext"-Moment?

2. "Der Anfang von unendlichem Leid."
Die für mich schwächste Zeile im ganzen Text, weil Emotion (hier: "Leid") eben nicht mehr durch das Dargestellte "echt" erfahrbar ist, sondern erklärt wird.

3. "Dann kommen Tatortreiniger mit Reinigungsschaum."
Der extremste sprachliche Wechsel, hin ins Makaber-Komische. Wie 1: Nicht falsch, nur: Will ich diesen Wechsel so?


Refrain:
Die Refrainzeile "Warum blutet der Asphalt?" ist ein interessantes Beispiel dafĂĽr, wie wenig ein Refrain haben muss.
Ich hab den Eindruck, wenn man Texte schreibt und vor sich auf Papier (oder sonst einem Medium) hat, dann ist man versucht, irgendwie mehr zu machen. Zusammen mit Musik kann weniger aber manchmal tatsächlich ausreichend oder sogar "mehr" sein.

Hier alles auf eine Hauptzeile zu setzen, find ich als Entscheidung gut und passend zum restlichen Text.
Die Zeile selber ist für mich mehr Ausdruck als Inhalt. Ich erkenne die Atmosphäre und Stärke, kann die Zeile aber nicht auf eine andere Ebene bringen, übersetzen, irgendetwas finden, was über das Bild hinaus einen konkreten Gedanken vermittelt.

Da wär für mich die Frage, gibt es einen solchen Gedanken und wie wichtig ist es, dass dieser erkannt wird? Wie frei und assoziativ darf so ein Bild sein?
Meine Wahrnehmung prägt der Begriff "Asphalt" und ich verbinde das mit "draußen", während die Strophen eher nach "drinnen" klingen ("Tisch", "Brief", "Zimmer"). Gibt es dafür eine Auslösung? Falls es zwei Szenen einer Geschichte sein sollen, wie groß darf die Leerstelle dazwischen sein?

Unabhängig von solchen im Nachhinein gestellten Fragen bleib ich beim Lesen voll dabei und bin gespannt, ob nach dem zweiten Refrain noch was kommt.


Interlude:
Beim dann tatsächlich folgenden Schlussabschnitt (ab "Warum wird von dir nichts mehr bleiben?") ist es ähnlich wie mit dem Refrain.
Ich find die getroffene Entscheidung, also tatsächlich noch was zu bringen, sehr gut, die besondere Verbundenheit kommt auch rüber, inhaltlich auflösen kann ich das Folgende aber nicht.
Ähnliche Fragen: Wie kryptisch darf ein Text sein? Wann ist es Stärke, wann Schwäche?


ResĂĽmee (nur weil ich davor auch ZwischenĂĽberschriften gemacht hab ;-)
Insgesamt sehr gut. Auf der emotionalen Ebene stark und berĂĽhrend. Daneben ein paar Details, wo man sich bewusst(!) entscheiden muss, ob man die genannten Nuancen so will.
 
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..ich schreib mal "frisch von der Leber weg", wie man so schön sagt;-)..

..ich bin erst einmal auf sie Suche nach der Hörprobe gegangen und fand, dass das Unterforum hier bei den Vocals auf alle Fälle naheliegend ist..da ist sie ja schließlich auch verlinkt..

..und dann..ups..KI..schluck..

..den Fakt erst einmal ignoriert und angehört..mehr als beim Lesen des Textes werden hier die phonetischen Spielereien deutlich..

..die erste Halbstrophe taucht seine Zeilenenden in 'ie'-Klänge, besonders schön, wenn nach 'tief' und 'rief' noch ein 'Brief' auftaucht..die zweite Halbstrophe nutzt das 'a' als prägenden Klang..

..in der nächste Strophe sind es 'ei' bzw. die Aufgabe dieses Ordnungsmusters..das entspricht ja dem hinterlassenen Chaos in der Song-Story..auch ein Dreierreim ist wieder dabei 'schreit', 'Zeit', 'Leid'..gutes Prinzip..

Ende einer Zeit,
Der Anfang von unendlichem Leid.
Deine Mutter schreit
..du hast keine Angst vor Wiederholungen und Doppelverwendung, wie hier von 'Ende', aber warum in einem Klischee-Adjektiv? Auch schön, das Zusammenbringen von Ende von etwas und Anfang von etwas anderem..
vielleicht ginge "Ende einer Zeit. Das Ende und der Anfang von Leid", o.ä.

..der Titel ließ ja schon erahnen, das die Songstory etwas tragisches birgt..das bestätigt sich vollends..Details am Rande geben dem Alleingelassenen oder besser dem Alleingebliebenen Kontur..Drogen (Nase)..nicht mehr ganz jugendlich (Mutter, Vater, altes Zimmer)..letzte Versuche (das Telefonat, das erst im Rückblick Fragen beantwortet)..ein Schuldiger (der Vater, so wie immer), was die Sache vielleicht zu sehr vereinfacht..

..dass man hilflos zurĂĽckbleibt, ist einfach so..das werden viele kennen..

..insgesamt eine anspruchsvolles und ambitioniertes Projekt..

..gutes Ding..

PS: Die vielen Leerzeilen machen es unnötig schwer den Text zu lesen..ich weiß, das passiert, wenn man mal auf dem Telefon, mal auf dem Tablet oder Rechner arbeitet..

GruĂź, m.
 
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Ich finde den Text auch stark - wie auch schon vermutet. Und bleibe erst mal rein beim Text. (Hinweis: Es gibt hier die Funktion "Einfügen ohne Formatierung" - damit entfallen die Zeilenabstände, die man sonst händisch wieder rauskillen muss.)

Aufgefallen ist mir auch die Textstelle mit der Nase - für mich aber ein notwendiger Hinweis zur Suchtproblematik, die ansonsten im Text nicht explizit erwähnt wird ... blutender Asphalt passt dazu, allerdings kann dies auch auf einen Unfall verweisen ... sprachlich könnte man das natürlich auch anders ausdrücken - eine Linie ziehen oder ähnliches ...
Bei den anderen beiden Textstellen, die @hobz biz-zejt anfĂĽhrt, bin ich allerdings dabei - das fĂĽhrt mich sprachlich raus und fĂĽr mich passt es nicht so richtig ... also so, wie ich den Text verstehe und einordne ...

Für mich geht es um die Fassungslosigkeit angesichts eines unwiederbringlichen Verlustes - der Tod eines engen Freundes - und um die eigene Hilflosigkeit dabei - und um die Erfahrung, dass sich für andere die Welt einfach weiterdreht. Ich sehe einen Jugendlichen, dem dies wiederfährt. Stark, dass hier nichts eingefriedet oder mit Sinn versehen wird - es geht um diese einschneidende Erfahrung.

Sehr starker Text, den ich auch erst mal auf der Textebene belassen möchte - wenigstens ein paar Tage. Mir schwant etwas, wenn ich zur Hörpfobe hinüberwechsle - und das möchte ich erst mal noch aufschieben. Die Hinweise auf die phonetische Wirkung nehme ich gerne auf ...

Danke für´s Posten!

x-Riff
 
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Guter Text - etwas sperrig und wenig eingängig, aber unter allem liegt diese Geschichte, die mich packt. Was mir auffällt ist, dass er über die gesamte Länge unvorhersehbar bleibt. Das kann daran liegen, dass es kein Reimschema oder durchgehende Metrik gibt, was wieder einmal beweist, dass ein Songtext keinen "allgemeinen Regeln" folgen muß, um zu funktionieren. Und natürlich nicht auf eine Massentauglichkeit im Radio abzielt.
Was ich noch bemerkenswert finde, ist das der Text zwar emotional trifft, aber keinerlei "GefĂĽhligkeit" oder Betroffenheit ansteuert. Das ist groĂźe Klasse, die Du auch in anderen Texten schon bewiesen hast.
Sowas läßt sich toll vertonen und performen.

Ich habe ja in die KI Aufnahme bereits reingehört und mich dort auch schon dazu geäußert.

Auch von mir: Danke fĂĽr`s Posten.
 
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  • #6
Erst einmal danke für euer wertvolles Feedback. Vielleicht für euch von Interesse, wie dieser Text entstanden ist. Ich hatte zunächst eine KI Musik in Endlosschleife gehört. Dann habe ich dazu angefangen, irgendwelche Worte, Satz Fragmente rhythmisch zu sprechen . Mit zunehmender Dauer der Endlosschleife begann ich, sehr aus dem unbewussten, zu texten. Und irgendwann begannen sich die Wörter zu Sätzen zu bilden. Die Entstehungsgeschichte dieses Songs hängt also mit dieser Musik eng zusammen. Ein wenig so, wie in einer sehr frühen Phase meines Texterlebens. Zu irgendwelcher Musik bin ich angefangen, zu singen, zu sprechen. Oft sinnlose Worte, Phrasen, Vokale. So sind sehr frühe Texte von mir entstanden. Da war ich so Anfang 20. Das hat mir immer Riesenspaß gemacht und ich bin gewissermaßen in die Worte hineingefallen. Man könnte also sagen, dieser Text ist ein wenig backto the Roots. Vielleicht ist es auch deshalb ein Projekt, was mich berührt. Es ist ein Texten gewesen, was ein wenig jenseits von meiner üblichen Art Texte zu schreiben liegt. Soviel mal zur Entstehungsgeschichte.
 
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Ich hatte zunächst eine KI Musik in Endlosschleife gehört. Dann habe ich dazu angefangen, irgendwelche
..interessant..das ist ja so ähnlich, wie man es als Komponist macht, wenn man zu einem Drum-Groove oder zu einer Akkordfolge jammt..man verlässt das Drumherum und lässt zu, dass etwas von innen hochkommt..Rhythmus wird das wesentliche Element..
 
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