Frage an die "Profis": Wie haltet Ihr's mit Hilfsgriffen?

von HeinerM, 13.12.16.

  1. HeinerM

    HeinerM Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    08.11.16
    Zuletzt hier:
    20.06.18
    Beiträge:
    140
    Ort:
    Rheinland / Westerwald
    Zustimmungen:
    126
    Kekse:
    309
    Erstellt: 13.12.16   #1
    Es gibt ja bekanntlich für die Blockflöte etliche Hilfsgriffe, mit denen sich bestimmte Tonfolgen in höherem Tempo leichter spielen lassen. Leider gehen diese Griffe mehr oder weniger auf Kosten einer sauberen Intonation, weshalb sie von vielen Lehrkräften (u.a. auch von meiner Lehrerin) kategorisch abgelehnt werden. Mich wundert das immer ein wenig, denn schließlich gibt es ja auch die Trillergriffe, die ebenfalls in der Intonation leicht daneben liegen, was aber aufgrund der schnellen Tonfolge nicht weiter auffällt.

    Konkret geht es mir um folgende Passage im 2. Satz der F-Dur-Sonate von Händel:
    Händel.png
    Der Satz hat die Überschrift "Allegro", und dem kann ich nur einigermaßen gerecht werden, wenn ich an den markierten Stellen für das b den Hilfsgriff ohne Finger 7 verwende. Aufgrund der raschen Tonfolge der Sechzehntel fällt die etwas zu hohe Intonation an diesen Stellen m.E. nicht auf. Mit dem korrekten Griff für das b werden bei mir im geforderten Tempo die Griffwechsel immer etwas holprig, was m.E. wesentlich störender wirkt als die leicht unsaubere Intonation des Hilfsgriffs.

    Daher meine Frage an die erfahrenen Barock-Interpret(inn)en unter uns:
    Wie haltet Ihr es in solchen Fällen mit den Hilfsgriffen? Findet Ihr es legitim, sie in bestimmten Situationen einzusetzen, oder rümpft der Kenner da eher die Nase?
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  2. DieDa!

    DieDa! Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    02.11.16
    Zuletzt hier:
    15.08.18
    Beiträge:
    314
    Ort:
    BaWü
    Zustimmungen:
    159
    Kekse:
    539
    Erstellt: 13.12.16   #2
    Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt.

    Ich hatte mir angewöhnt, bei meiner Sopranflöte das H stat 1 mit 2+3 zu greifen, was bei meinen beiden Sopranflöten absolut richtig klingt. Eine Lehrerin meinte aber, das solle ich mir schleunigst abgewöhnen, man dürfe das nur für Trillergriffe nutzen. Eine andere Lehrerin dagegen sagte, beim Wechsel zum C sei das sinnvoll, weil der Übergang sauberer klingt.
    Ich habe mir nun weitgehende Griff 1 angewöhnt (was mich mehrere Woche zurückgeworfen hatte, denn eine Umstellung dauert länger als einen Griff neu zu lernen) und nutze nur noch selten 2+3 bei sehr ungünstigen Übergängen.

    Was mir Probleme macht: Bei meinen beiden Sopranflöten muss ich das hohe Cis 1,3,4 greifen statt 1,2. Da fallen mir manche Übergänge sehr schwer, bin ich oft zu langsam. 1,2 würde viel schneller gehen, stimmt aber nicht. Entsprechendes gilg für meine Altflöte beim Fis . Bei meiner Sopranino dagegen ist 1,2 richtig und bei meiner Tenorflöte für das Cis ebenfalls.
    Da würde mich auch interessieren, ob jemand der "Profis" bei schnellen Passagen notfalls den einfacheren Griff nutzen würde, obwohl er vom Ton leicht daneben liegt.
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  3. Fermate35

    Fermate35 Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    05.09.15
    Zuletzt hier:
    2.08.18
    Beiträge:
    77
    Zustimmungen:
    62
    Kekse:
    453
    Erstellt: 13.12.16   #3
    Ich verwende Hilfsgriffe fast nie aus Bequemlichkeit, sondern wegen der Intonation. Manchmal soll ein Ton leiser oder lauter sein (bei gleicher Tonhöhe); und manchmal soll ein Ton tiefer oder höher sein wie sonst (bei gleicher Lautstärke).

    Am besten wäre es, wenn man die Hilfsgriffe genauso gut könnte wie die Hauptgriffe, damit man dann je nach Situation entscheiden kann, was man braucht. So weit bin ich leider noch nicht - ich kann nur sehr wenige Hilfsgriffe spontan spielen, viele andere muss ich mir erst in Ruhe raus suchen und dann speziell für die Stelle üben, an der sie vorkommen.

    @DieDa!: beide Lehrerinnen verallgemeinern zu stark. "Nur bei Trillergriffen" - siehe oben, der Griff ist auch sonst manchmal praktisch. "beim Wechsel zum C" - hängt von der Tonart ab, in der gespielt wird. Bei C-Dur mag das stimmen.

    Letztendlich hängt es auch von der Flöte ab, ob der H-Griff mit 2+3 ein Nebengriff mit anderer Intonation ist (also bei gleichem Atem höher oder tiefer) oder nur ein Alternativgriff (gleiche Intonation) mit anderer Klangfarbe.

    Wo aber beide Lehrerinnen recht haben: es ist nicht gut, sich eine bestimmte Griffweise anzugewöhnen und die andere dann gar nicht mehr zu können. Manchmal klingt eben die eine, manchmal die andere besser.

    @HeinerM: ob die Intonation auffällt oder nicht liegt ja im Ohr des Zuhörers. Die meisten Laien dürften den Unterschied nicht direkt hören (und ich vermutlich auch nicht). Eine saubere Intonation erzeugt aber insgesamt einen besseren Klang, selbst wenn man es bei den einzelnen Tönen nicht hört. Und wenn du mit geübten Musikern zusammenspielst, kann das schon einen Unterschied machen. Aber schlimmer ist es natürlich, wenn du dich verhaspelst.

    Ich stelle mir bei allen Stellen, die ich nicht so hinkriege wie ich will, die Frage: Wann will ich es für wen spielen?

    Wenn das "wann" noch in ferner Zukunft liegt (weil z.B. kein Konzert ansteht oder ich das Stück nur zum Spaß oder für den Unterricht übe), dann kann ich mir alle Zeit nehmen, um die Stelle richtig zu üben. Der wichtigste Tipp ist vermutlich: die Stelle ganz oft langsam und sehr bewusst spielen, damit die Finger lernen, was sie tun sollen! Danach kann man dann langsam die Geschwindigkeit steigern. Die Folge d-b-a-b kommt ja in vielen Stücken vor, da lernt man gleich was für's Leben.

    Wenn das "wann" allerdings sehr bald ist und die Zuhörer vermutlich alle Laien, würde ich schummeln und mir das Leben so einfach wie möglich machen.
     
    gefällt mir nicht mehr 4 Person(en) gefällt das
  4. HeinerM

    HeinerM Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    08.11.16
    Zuletzt hier:
    20.06.18
    Beiträge:
    140
    Ort:
    Rheinland / Westerwald
    Zustimmungen:
    126
    Kekse:
    309
    Erstellt: 13.12.16   #4
    Das Problem ist auch eher die Folge b-a-b-g.

    Dafür gibt's 'nen Keks!
    ;)
     
  5. Raverii

    Raverii Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.05.16
    Beiträge:
    434
    Zustimmungen:
    245
    Kekse:
    1.496
    Erstellt: 13.12.16   #5
    Ich schließe mich @Fermate35 an!
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  6. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    09.05.13
    Beiträge:
    6.019
    Ort:
    Vorgebirge/Rhnld.
    Zustimmungen:
    3.004
    Kekse:
    48.908
    Erstellt: 13.12.16   #6
    Das kann ich nur dick unterstreichen! :great:

    Den Begriff "Hilfsgriff" finde ich etwas unglücklich. Ich tendiere dazu, von Alternativgriffen zu sprechen und finde es wichtig, sich die feinen Unterschiede zu "erhorchen", zu vergleichen, wie die verschiedenen Flöten, die man hat, reagieren und die Griffe dementsprechend zweckgebunden einzusetzen.

    :great:

    Gruß
    Lisa
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
Die Seite wird geladen...

mapping