@Dudo01, ich habe das Gefühl, dass Du es Dir selber nur unnötig schwer machst.
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist das Werk im Prinzip schon fertig und zumindest in Form einer Klavier-Skizze oder eines Particells wie es
@Günter Sch. weiter oben beschrieben hat, notiert.
Somit ist ja schon mal der größte Schritt gemacht wie ich finde.
Ansonsten möchte ich Dir auch empfehlen, erst mal mit der eigentlichen Partitur anzufangen, denn wie Du schreibst, hast Du ja auch schon einige klangliche Zuordnungen zu bestimmten Themen usw. im Kopf. Änderungen sind heutzutage am PC in den Notationsprogrammen recht schnell und einfach gemacht, und wie ich schon schrieb, spielen diese Programme die verschiedenen Instrumente in ausreichend guter Klangqualität vor. Dann hörst Du schon mal, wie es prinzipiell klingt und kannst zudem nach Belieben ausprobieren. Auch und gerade, was Verdoppelungen angeht.
Finale (benutze ich selber) ´kennt´ die Tonumfänge aller Instrumente und zeigt an, wenn man sie überschreitet. Das hilft schon mal sehr, grobe Fehler zu vermeiden.
Ich würde auch nicht so viele "Geheimnisse" um die Orchestrierung machen. Sicher sind die Kombinationsmöglichkeiten schier unendlich, aber in der Praxis reduziert sich das doch wieder ganz schnell und bricht sich herunter auf ein Abwechseln der ´Standard´-Farben, wie es eben schon in der Klassik etabliert wurde.
Ich sehe dabei hauptsächlich zwei Ebenen, die durchaus von einer gewissen Banalität sind:
Zunächst geht es doch immer wieder darum, so für die verschiedenen Instrumente zu schreiben, dass es einfach gut "passt" und deren jeweilige klanglich gute bzw. besonderen Lagen ausgenutzt werden. Also schlicht um Instrumentenkunde. Darin ist man umso besser, je intimere Kenntnisse man von den Instrumenten hat. Seit je ziehen die Komponisten im Zweifel auch immer Instrumentalisten zu Rate, wenn sie das betreffende Instrument nicht selber spielen, vor allem bei Solo-Konzerten.
Die zweite Eben hat schlicht damit zu tun,
Entscheidungen zu fällen, gewiss auch manchmal ganz spontane und willkürliche Entscheidungen, wie es
@Claus weiter oben schon mal geschrieben hat.
Vielleicht ist es oft einfach ziemlich
egal, ob ein bestimmtes Solo von der Flöte, der Oboe oder der Klarinette gespielt wird, solange es von der Lage und vom Tonumfang her passt. Vielleicht verteilt man die Solostellen auch deshalb mit Bedacht, um die Orchestermusiker bei guter Laune zu halten, denn die Solo-Bläser zeigen natürlich gerne ihr Können. Wenn diese Stellen dann auch sorgfältig an die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Instrumentes angepasst sind, dann sind die Musiker glücklich und spielen besser (das meine ich durchaus ernst!).
Ein Beispiel: Wenn die Flöte ein Solo spielen soll, dass in der tiefen Lage liegt wo die Flöte prinzipiell nicht sehr laut spielen kann, dann stößt so etwas beim Spieler dann auf Unverständnis, wenn es drumehrum recht laut zugeht und das Solo unterzugehen droht. Wenn die Stelle ein reines Solo ohne andere Instrumente bzw. mit nur ganz wenig und leiser Begleitung ist, dann ´funktioniert´ es wohl und der Spieler wird diese Stelle wahrscheinlich sogar als dankbar empfinden.
Selbstverständlich kann man vor allem von Profis verlangen, alles das kommentarlos zu spielen, was ihnen vorgelegt wird, sofern die Töne auf dem Instrument existieren. Extreme Anforderungen und extreme Lagen sollten aber musikalisch und klanglich begründet und für die Musiker prinzipiell nachvollziehbar sein.
So gilt z.B. das Fagott-Solo ziemlich zu Beginn des "Sacre du Printemps" wegen seiner völligen Offenheit und seiner extrem hohen Lage als sehr heikel und gehört gewiss zu den ´Angststellen´ unter den Fagott-Soli. Aber das wird selbstverständlich so akzeptiert, denn der Klangeindruck dieser hohen Fagott-Lage ist nun mal ein ganz anderer, als wenn die Stelle auf einem Englischhorn gespielt würde, auf das sie besser ´passen´ würde. Wenn es weniger forciert(gequält?), sondern tatsächlich ´bequemer´ hätte klingen sollen, hätte Stravinsky sie gewiss ins Englischhorn gelegt.
Einige Beispiele für Entscheidungen oder Notwendigkeiten könnten auch die folgenden sein:
In einer Klarinettenmelodie sollen kraftvolle und sehr laute sfz-Töne gespielt werden. Sie sind aber von der Klangwirkung noch nicht fett genug, auch wenn der Klarinettist sich noch so ins Zeug legt. Also verdoppelt man nur diese Töne z.B. mit sfz-Tönen auf der Trompete. Das "knallt" richtig schön und die Stelle klingt sofort gut und ´richtig´.
Klarinetten in Terzen lassen sofort an gewisse Volksmusik denken, wenn dieselben Terzen mit zwei Flöten oder zwei Oboen gespielt werden, liegt diese Assoziation schon ferner.
Wenn die Harfe Passagen spielen soll, in denen es viel Chromatik und Modulationen gibt, muss man diese Passagen fast immer auf zwei Harfen aufteilen. Denn während die eine Harfe ein paar Takte spielt, kann die andere umstimmen.
Wagner hat sich für den "Ring" die sog. Wagnertuben bauen lassen, weil er einen bestimmten Klang im Sinn hatte, der zwischen Horn und Posaune liegen sollte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wagnertuba, aber das ist, neben den gestimmten Ambossen, schon ein extremes Beispiel. Die Tatsache, dass Wagner im Festspielhaus in Bayreuth den Orchestergraben mit einem Deckel hat versehen lassen, der den Orchesterklang erst auf die Bühne leitet, wo er sich mit den Sängern mischt (und diese auch im Forte nicht überfordert werden können) zeigt aber, was für ein intensiver Klangtüftler er war.
Gerade bei Wagner lässt auch auch gut erkennen, wie er Klänge, Klangfarben und eben vor allem Instrumentalfarben
Stimmungen (Emotionen) zuordnet. Ich finde gerade das bei ihm sehr anregend.
Als Anregung möchte ich noch auf den englischen Komponisten
John Rutter verweisen, der etliche Werke für großes Orchester und Chor komponiert hat. Vielleicht kannst Du dich davon auch etwas inspirieren lassen.