[Gitarre]PRS S2 Vela

von Stratspieler, 16.05.19.

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  1. Stratspieler

    Stratspieler Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 16.05.19   #1
    Vorab

    "Mann ist die leicht!" entfuhr es mir, als ich die Vela aus ihrer Verpackung, d.h. ihrem extrem robusten und gut gepolsterten Gigbag schälte....

    DSC06200.JPG

    ...wenn man ansonsten auch 4kg-Strats gewöhnt ist.

    Seit 2015 habe ich mit einer Vela geliebäugelt. Und nun ist mir diese aus Schweden gebraucht, aber in neuwertigem Zustand, ins Haus geflattert.

    DSC06202.JPG

    Gestatten, dass ich mich mit meinem sperrigen Namen vorstelle:

    Paul Reed Smith S2 Vela Satin Limited Edition McCarty Tobacco Sunburst.

    Oder so ähnlich. Für mich ist sie "die Vela". :)

    Zwar geliebaeugelt und irgendwann auch schon mal kurz angetestet, aber dennoch ertappe ich mich immer wieder bei der plumpen Irritation: Leicht und zierlich ist sie vs. schwer und wuchtig in der Haptik selbst meiner leichtesten Strat - taugt diese PRS was? Erstaunlich, wie ich "Qualität" jahrelang offenbar nur nach Gewicht bemesse. Überhaupt ist es erstaunlich und fast schon gefühlt befremdlich, wie ich mich, wie in einen Spiegel schauend, ertappe, jahrelang offenbar nichts weiter als Gewohnheiten und Umfeld aufgesessen zu sein. :gruebel:

    Auch wenn ich aus deutscher Gewohnheit (oder ist es Conditioniertheit?) noch so suche: da ist nicht das kleinste Fitzelchen, was zu beanstanden wäre. Die Verarbeitung der Vela ist ohne jedes Wenn und Aber, die Abrichtung der Bünde ist wie aus einem Guß, die Bespielbarkeit ist traumhaft. Saitenziehen ohne Scheppern, Leeklang ohne Scheppern...

    Will's so schreiben: Da ist einfach und ohne jedes Brimborium drumherum eine Gitarre, deren Grundjustagen und Verarbeitung von Anfang an so dermaßen gut sind, dass ich mich frage, wieso man das bei anderen und wohlgemerkt - deutlich teureren (!) - Herstellern nicht auch mal einfach so hinbekommt: Befreit von jedem Mythos, ohne all die alten und längst verstaubten Heroen und Legenden zu bemühen (und trotzdem noch aus welchen Gründen auch immer hie und da zu schlampern), sagt die Vela einfach: Hier bin ich?!!

    DSC06204.JPG

    Auch hinsichtlich der Lackerung bin ich einen neuen Weg gegangen - diese Vela kommt ohne deckende Glanzlackierung.

    DSC06206.JPG

    In manchen Berichten liest man, dass die Besitzer hier sehr unzufrieden sind: Angeblich kann man bereits schon mit dem Fingernagel eine Kerbe ins Holz drücken. Das kann ich so nicht feststellen. Das Holz dieser Vela ist einfach nur hart. Man erkennt gut die Oberflächenstruktur. Natürlich sollte man sich vorsehen: schabt man zum Beispiel versehentlich mit dem scharfkantigen Ende einer Schraube übers Holz, dann ist zwar kein Kratzer im Lack, dafür ist dann aber eine häßliche Schramme im Holz.

    Test clean

    Mit dem Klang der Vela war ich zunächst nicht so zufrieden: Hm, für eine Gitarre in dieser (Neu-)Preisklasse hätte ich eigentlich mehr erwartet. Die vielen Hörbeispiele im web sind hier ziemlich eindeutig positiv - dem war aber bei dieser Vela nicht so. Der Neck-Pickup klang zwar ganz gut. Nee, das ist falsch, es muss eigentlich schon so heißen: Der Neck-Pickup klang unerwartet gut. Mit einem Neck-Pickup meiner Strats verglichen, klingt er voller, runder, dynamischer mit deutlich weniger Brummeinstreuungen. Das geht in Richtung des Neck-Pickups von Kloppmann, die ich auf einer der Strats drauf habe, wenngleich der feinzeichnender kommt.

    Aber die Zwischenpositionen und der Stegpickup: Nee, das war irgendwie quäkig und plärrig, das war nichts für mich. Allerdings sah ich auch, dass der Stegpickup für meine Begriffe irgendwie doof eingestellt war - viel zu hoch und viel zu gekippt in Richtung der hohen Saiten. Ich vermag nicht zu sagen, ob es eine Werkseinstellung war, oder ob hier der Vorbesitzer dran geschraubt hat.

    Da neue Saiten nebst Justage für mich bei einer erworbenen Gitarre ohnehin Pflicht sind: Also runter mit den Anlieferungssaiten (vermutlich 009er) und "meine" D'Addario EXL110 draufgezogen. Das Griffbrett bekam gleich sein Lemon-Öl dazu und außerdem flogen bei dieser Gelegenheit gleich die Schutzfolien vom Pickguard ab: Es waren zwei Schutzfolien drauf. Eine vom Pickguard und eine weitere da nochmals drüber. Ach ja, das Pickguard kam natürlich auch erst mal runter, denn der Toggle Switch schaltete mir "zu schräg". Ich habe ihn etwas verdreht, so das es für mich passt. Außerdem wollte ich mir bei dieser Gelegenheit gleich mal die Verdrahtung sowie die Halseinleimung beschnarchen: "Long Tennon". So ganz nebenbei: Die Bohrlöcher für die Verschraubungen des Pickguards sitzen extrem genau.

    Zusammen mit den neuen Saiten habe ich die Höhe von Neck- und Stegpickup neu justiert, so, wie es mir nach meinem Gefühl richtig erscheint.

    Angeworfen das ganze an den clean eingestellten Blues Deluxe. Dessen Einstellungen habe ich einfach von denen der Strats, die sonst dran sind, übernommen.

    DSC06210.JPG

    Und nach dem ersten Anspielen einzelner Töne, Akkorde und Arpreggios entfuhr mir entgegen meiner eigentlich sonstigen Gewohnheiten nur noch ein ungläubiger Laut, allzu bekannt dem Zitat von Götz von Berlichingen entsprechend…

    Die Vela klingt wie ein Klavier am Neck-Pickup. Und mit den Zwischenpositionen ist jetzt dieses Plärrige, Quäkige weg. Hier ist der Ton kehlig und voll, er erinnert an eine Strat, ist aber eben nicht strattypisch, sondern eigenständig. Der "Klavierton" ist immer noch da, er liegt quasi über dem Kehligen drüber. Schalte ich um auf den Stegpickup, so bekommt der Ton einen Growl. Er wird nicht störend schneidend oder beißend, es hört sich humbuckertypisch an, als wartet der Pickup jetzt knurrend und in Lauerstellung darauf, loszubrüllen. Die Kombination von splitbarem Steghumbucker und Singlecoil am Neck kann ich nur als gelungen betrachten. Der Lautstärkesprung ist kaum hörbar und es sind genug Höhen am Stegpickup da.

    Die Saitentrennung ist einzigartig. Man will gar nicht wieder aufhören mit Spielen. Und das aus diesem federleichten, geradezu zierlichen Ding! Kein Schwingen, kein "vorzügliches Räsonieren des Korpusses…". Einfach so. Befreit von allem verstaubten Mythen. Keine Literatur mit endlosen Geschichten, die jährlich stets neu erfunden werden. Kein Schwadronieren von Kolumnenschreibern über die ach so herrliche, alte Zeit, wo nur dort das Vintage so trefflich gedieh, der alte Muff des alten Lackes so herrlich riecht und jeder alte Amp, der neu getestet wird, von nun ab der beste ist, den man jemals zu hören bekam... Bis der nächste Amp kommt, denn dann wird es dieser sein... Bis die nächste Vintage-Gitarre kommt, denn dann wird es diese sein...

    Aktiviert man den Coil Split des Neck-Humbuckers, so wird der Ton insgesamt kehlig-ausgedünnter. Das kann man durchaus als netten Effekt betrachten; ich denke, mein Fall wird das nicht so unbedingt. Das ging mir schon so, als ich die Baja-Telecaster meines Sohnemannes testete. Der Coil-Split der Vela klingt für mich in Richtung der Phasenauslöschung der Telecaster.

    Bin auf den Test im Proberaum gespannt, wenn es gezerrt zur Sache geht. Die Hörbeispiele im web sind vielversprechend.

    Fazit

    Hier bin ich - die Vela. Federleicht, zierlich, schlicht, schnörkellos, modern. Einfach so. Mit Sustain ohne Ende. Die Kombination von Singlecoilsound und wenn es sein muss, wahrscheinlich irrem Humbucker-Bratsound.

    Ja, so habe ich mir das über die Jahre klanglich vorgestellt.

    Und ja - ich fürchte, dass das nicht meine einzige Vela bleiben wird, denn da gibt es noch was richtig schönes... :)

    DSC06208.JPG
     
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  2. exoslime

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    Erstellt: 16.05.19   #2
    sehr schöne Gitarre und tolles Review :great:
    Viel Spass mit deiner Vela!
     
  3. Tiger13

    Tiger13 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.05.19   #3
    tolles review. Ich mag sogar die SEs aus diesem Hause. Keine Ahnung, warum bei PRS alles oberfeinst ist, was das (egal welches...) Werk verlässt.
     
  4. rmb

    rmb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.05.19   #4
    Dem schließe ich mich an.
    Naja -- als billig würde ich die Gitarren von "PRS" nicht gerade bezeichnen, wenn auch "preiswert". Meine persönliche Erfahrung mit "PRS" ist aber, das die Gitarren für mich zu steril und sauber klingen, und dadurch meinem Stil nicht so recht entgegen kommen wollen, also eher so einen Mainstreamsound haben, aber vielleicht ist das bei deiner "Vela" und deinem Stil ja anders. Verstaubte Heroen und Legenden zu bemühen ist sowieso Unsinn, da sollte man sich von seinem eigenem Gefühl und Gespür leiten lassen:rolleyes:, ohne auf andere zu gucken, zumindest wenn man etwas Erfahrung hat.
    Optisch ist deine Vela aber schon zum "verlieben", also, hau rein;).
     
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  5. badguitarplayer

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    Erstellt: 17.05.19   #5
    Schöne Gitarre :great:!
    4 Kilo Strats sind doch eher selten ;)!
     
  6. Stratspieler

    Stratspieler Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 17.05.19   #6
    Ja, es geht eben einfach so. Man dreht den Volumeregler zurück und der Ton dünnt nicht aus oder wird dumpf. Es funktioniert einfach.

    Ich habe eine (die hier schon vorgestellte Classic 70s). Exakt 4,0 kg. :-)

    ja, das ist wirklich eine Frage des bevorzugten Stiles. Auf der anderen Seite gibt es ja die netten, kleinen Helferlein, die so einer Gitarre zu "Schmutz" verhelfen können. Hier ein paar Beispiele, was machbar ist:



    Faziniert bin ich insbesondere von diesem Beispiel hier, weil das eine Richtung ist, in die ich mich gern bewegen will und die auch zeigt, wie universell die Bandbreite dieser Gitarre ist:



    Auf diesen Punkt möchte ich separat eingehen, ohne ihn allerdings überzustrapazieren; soll also im Rahmen des technischen Reviews keine jetzt geöffnete Büchse der Pandora sein. Ich habe das oben ganz bewusst so mitgeschrieben, weil ich mich eben dabei ertappt gefühlt habe, wie sehr ich diesem - hm, wie schreibt man das jetzt - "Heroen- und Legendenmarketing" anhängen kann, ohne dass ich es über die Jahre selbst bemerkt habe. Man entwickelt Kenntnisse und technische Fertigkeiten, man bastelt am Instrument herum, um klassikerbedingte Schwächen auszumerzen, man lebt aber auch mit dennoch vorhandenen bauartbedingten bzw. technischen Schwächen seines Instrumentes. Kein Herablassen, kein Lästern, sondern ein Verblüffen, ja fast ein erstauntes Verschämen... Selbstverständlich werden meine Strats immer meine Strats bleiben, die PRS ist nun nicht die plötzliche "seelische Läuterung" und fortan sind meine Strats nur noch Klassiker-Müll. So möchte ich das nicht verstanden wissen. Ich möchte das im Review als Metadatensatz, als Anregung verpackt, mitgeben: Wie denkt Ihr darüber nach - über Euer ureigenstes mentales Umfeld mit Eurem geliebten Werkzeug. Könnte man einen separaten Thread dazu aufmachen, das habe ich aber gar nicht weiter vor. Thats It. :-)
     
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  7. rmb

    rmb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.05.19   #7
    ja --- wäre vielleicht interessant, einen Thread dazu zu eröffnen, aber ich möchte das auch nicht tun.
    Bei mir ist es halt so, das ich mir eben eine Gitarre hab "bauen" lassen, die das tut, was ich möchte (Stratspieler bin ich aber auch:)). Nur noch soviel, ich glaube das einige, gerade hier im "MB", ganz bestimmte Soundvorstellungen haben, teils auch durch gewisse Vorbilder, und dann meinen, sie könnten diese nur verwirklichen, wenn sie genau die Gitarre und das gleiche Equipment ihres "Idols" spielen. Meiner Meinung nach ein Irrtum. Wie gesagt, man sollte seinem eigenem Gefühl bei der Gitarrenwahl vertrauen:rolleyes:, du tust das ja offensichtlich:great:.

    In diesem Sinne, nochmals, viel Spaß mit deiner "Vela"

    Micky
     
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  8. BlakeWilder

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    Erstellt: 17.05.19   #8
    Sehr schöne Gitarre! Kann man die Saiten auch in die Brücke hängen oder geht nur string-through?

    Greetz,

    Blake
     
  9. Bassturmator

    Bassturmator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.05.19   #9
    Es ist genau umgekehrt Blake: Es ist eine toploader-bridge und string-through ist nicht möglich.
     
  10. poundcake

    poundcake Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.05.19 um 10:24 Uhr   #10
    Hi- mich macht die auch extrem an- leider siekein Trem....;-(((
    Hat die nun insgesamt also eher einen hellen knackigen Klang oder mehr so in Richtung LP Jr.?
     
  11. Stratspieler

    Stratspieler Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 25.05.19 um 08:53 Uhr   #11
    Was für mich erst mal ein wenig ungewohnt ist, um nicht zu sagen, etwas fummelig: Wenn man nicht aufpaßt, dann flutscht die Saite, die man aufziehen möchte, schnell wieder unten raus.

    Das fehlende Tremolo war lange Zeit ein Überlegungsgrund, wenn man, wie ich es gern mache, einfach nur mit der rechten Handkante auf dem schwebend eingestellten Strattremolo bequem "herumjammert". Aber auf der anderen Seite kann man auch mit den Fingern der linken Hand Töne tremolieren (korrekter: vibrieren) lassen. Eine willkommene Übungssache.

    LP Junior... Ich hatte einst eine Special mit P90. Aber ob die Vela so klingt, oder klanglich in die Richtung geht (SC am Neck) kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Dieses "etwas Telemäßiges" in der Zwischenposition des Toggles hatte die LP Junior Special jedenfalls nicht. Hell-knackig oder spitz, glasig (ist immer relativ) wie eine Strat ist sie nicht. Eher weicher zeichnend. Sie hat in der Zwischenposition dieses Kehlige, Eigene im Sound. Das ist aber alles schwierig zu beschreiben.

    Sie ist auf jeden Fall eines: extrem vielfältig reagierend im Klang hinsichtlich der Höhenjustage ihrer Pickups. Das ist mir bei anderen Instrumenten so bislang noch nicht aufgefallen.
     
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