Gospelchor Mikrofonierung reines Recording

  • Ersteller Ersteller Squiere1967
  • Erstellt am Erstellt am
S

Squiere1967

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
13.06.26
Registriert
02.07.08
Beiträge
443
Kekse
244
Ort
Edewecht
Moin,

nach Jahren der Pause fange ich als Generation Analog wieder mit Recording an.

Ich darf im Bekanntenkreis ein Gospelchor aufnehmen. Es sind recht gute Amateure. So 12 bis 20 Personen je nachdem, wer zu den Proben kommt, ca. ein Drittel davon männlich. Es werden reine Hobbyaufnahmen. Es wird mit einzelnen Solopassagen gesungen.

Folgende Technik ist vorhanden:

Interface, 48 Volt, mit vier Mikrofonvorverstärker und DAW auf den Rechner.
2x AGK 1000c
2x Rode* Nt1-a
2x dynamische Handmikros (Hersteller ?, bringt der Chor mit, aber ich denke in SM58 Qualität).
6 normale Mikroständer, und 2x Stereoschiene

Ich kann hohe Mikroständer leihweise bekommen.

Ich kann den Ort auswählen, also Gaststätte, kleine Kirche, grosses Wohnzimmer, etc

Und Hocker zum erhöhten Stehen bringen die Sänger und Sängerinnen bei Bedarf auch mit.

Ich bräuchte mal eine grobe Richtung, welcher Ort für natürliche Aufnahmen der beste ist, wie man das mikrofoniert (nur die Membraner oder zwei Handmikrofone für die Solopassagen und zwei Membraner) und wie der Chor stehen soll.

Danke für eure Tipps im Voraus.

P S. Ich weiss, es gibt bessere Mikros als die AKG C1000, aber als reines Hobby müssen die reichen.

LG H. Schmidt
 
Zuletzt bearbeitet:

Stereomikrofonie (ORTF) für den Chor und die Solisten stützen.

Wenn der Raum gut ist, dann kannst Du zusätzlich 2 Raummikros in groß AB mit ein paar Meter Abstand zur Hauptmikrofonie dazu stellen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Der richtige Abstand
Ich würde dir als allererstes raten, ein Stereosystem zu wählen, dessen Abstand zum Chor so gewählt ist, daß das Verhältnis von Direktschall und Diffusschall erstmal passt - sonst klingt dir die Aufnahme von Sound her nachher zu direkt, oder zu weit weg.
Hast du zwei Mikros, mit denen du nachher aufnehmen willst, mach parallel zwei Mono-Aufnahmen und vergleiche diese miteinander, mach am besseren Punkt plusminus etwas Abstand nochmal zwei, bewerte nochmal.
Mit einem Finger in EINEM Ohr und geschlossenen Augen kann man oft auch ganz gut die eigene Psychoakustik veräppeln, und bei einem bestimmten Abstand besser beurteilen, ob man nah genug dran ist, für ein ausreichend direktes Klangbild.
Ich habe früher zu dem Zweck schonmal eigens meine Monitorspeaker vor Ort gefahren und z.B. in der Sakristei aufgebaut, weil das auf Kopfhörern einfach anders wirkt. Mir ging es zu Anfang so, daß ich im Nachhinein, beim ersten Anhören daheim, oft einendirekteren Sound gewünscht hätte..
Bedenke bei der Wahl des Abstands auch die Chorbreite, und deren Auswirkung auf den Abstand Sänger-zu-Mikro. Die Sänger in der Mitte sind bei sehr naher Aufstellung viel näher am Mikro dran als die außen stehenden:
1778161332829.webp

und das hört man auch. Es klingt bei der Wiedergabe dann nämlich so, als wenn die äußeren Sänger weiter hinten stehen. Es klingt, übertrieben gesagt, also so:
1778161399617.webp

Je kleiner der Raum oder länger der Nachhall ist, desto größer ist das Problem, denn umso näher muss das Mikrofonsystem für eine gute Direktschall/Diffusschall-Mischung an den Chor ran.
Wenn der Chor das mit sich machen lässt, kann in diesem Fall eine bogenförmige Aufstellung (zum Mikrofon hin) helfen.

Die richtige Stereobreite
Hast du den optimalen Abstand Chor <-> Mikros gefunden, würde ich als nächstes für diesem Punkt im Raum dann mit diesem Rechner hier ein Stereosystem ausrechnen:
https://sengpielaudio.com/HejiaD.htm
indem ich den Achsenwinkel und die Mikrofonbasis so wähle, daß der Chor sauber abgebildet wird (weder mittig zusammenfällt oder sich an den Rändern des Stereospektrums drängt)
Lustiger Nebeneffekt bei der Verwendung des Rechners: Es fällt schnell auf, daß der Aufnahmewinkel und der Mikrofonachsenwinkel sich ungekehrt proportional zueinander verhalten. Den unsäglichen Quatsch des "Mikrofonwinkel optisch an den Grenzen des Chors/Schlagzeugs/sonstwas" ausrichten, gewöhnt man sich dadurch schnell ab (auf diese falsche Intuition bin ich früher auch reingefallen, will gar nicht zugeben, wie lang ich das falsch gemacht habe)

Dies dann vor Ort verifizieren und ggfs nachjustieren. Wenn Monokompatibilität gefordert ist, dann musst du halt die Mikrofonbasis gleich null wählen und reine Pegeldifferenz-Stereofonie nutzen.

Wenn Monokompatibilität nicht wichtig ist, dann gerne die Basis aufweiten, Laufzeitstereophonie mitnutzen und damit den Raumeindruck verbessern. Die Phasendifferenzen durch Laufzeitdifferenzen sind zunächst mal keine Schweinereien, sondern einfach die Stereoinformation. Zur Schweinerei wirds nur, wenn man sowas auf Mono summiert.

Keine Lust auf all das? dann ORTF


Zu ORTF - hat einen Aufnahmebereich (nicht mit dem Mikrofon-Achsenwinkel von 110° zu verwechseln) von 96°. Ist Dank der Basis von 17cm ein Äquivalenzstereoverfahren, welches klanglich die Vorteile von Pegelstereofonie (Ortbarkeit!) und Laufzeitstereophonie (Raumeindruck!) grob im Verhältnis 60:40 mischt.
Wenn man genau das will, UND wenn die Ausbreitung des Chores aus dem Mikrofon-Blickwinkel betrachtet - bei dem vorher gewählten optimalen Abstand Chor-Mikro - zufällig diesem 96° Winkel entspricht, dann ist ORTF die beste Wahl. ORTF ist auch sonst eine gute Wahl als Pi-mal-Daumen-Ansatz, wenn man vor Ort nicht groß aufnehmen/abhören/nachjustieren kann, und genau einen Schuss frei hat.
Hat man aber die Zeit, es "richtig" zu machen würde ich, wenn ich kann, immer das "rechnen, hören, justieren" vorziehen, und die Standardverfahren (neben ORTF gibts derer noch mehr: NOS, Jecklin-Scheibe, XY etc. etc) nur als Rückfallverfahren für hektische Tage betrachten.

Großmembraner - eher nicht

Zu Großmembranern - würde ich nicht primär für den Zweck solcher Stereoaufnahmen nutzen. Die große Membran sorgt off-Axis prinzipbedingt für allerlei lustige Frequenzgangveränderungen im Hochtonbereich (Physik: kurze Wellenlänge gegenüber der Membrangröße -> Kammfiltereffekte bei seitlichem Schalleinfall unvermeidbar). Diese Nebenwirkung darf man nun künstlerisch/klängästhetisch gerne als reizvoll oder interessant empfinden. Oder sie bei Aufnahmen, wo seitlicher Schalleinfall ins Mikro das Hauptthema ist, als unerwünscht bewerten und konsequenterweise durch Verwendung von Kleinmembranern weitgehend minimieren. (Letzteres ist eher so mein Ding)
Als Solistenmikrofon sieht es wieder anders aus: einen Großmembraner würde ich einem SM-58-ähnlichen Mikro sicher vorziehen.

Wem das alles bekannt vorkommt, ich hatte ähnliches bereits in einem anderen Thread geschrieben, zu einem sehr ähnlichen Thema. Ich habs daher weitgehend per copy&paste hierhergeholt, und nur etwas angepasst:
Beitrag im Thema 'Mikrofonierung eines Chores'
 
  • Gefällt mir
  • Interessant
Reaktionen: 4 Benutzer
  • Ersteller
  • #4
Moin,

vielen lieben Dank für die Antworten.Ich habe jetzt erst mal genug Infos im mich der Sache näher anzunehmen und dann hoffentlich mit Amateurerfolg zu probieren.

LG Hauke
 

Ähnliche Themen

×
Dir gefällt Musiker-Board.de? ❤️ Lasse dir unsere neuesten Inhalte in der Google-Suche ganz oben anzeigen!
Affiliate/Werbung
Sennheiser
MKE 600
232 €
Jetzt kaufen
Zurück
Oben