Gypsy Jazz (Django Reinhardt, Rosenberg & Co) Einstieg

von Gast40561, 25.07.10.

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  1. Gast40561

    Gast40561 Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.10   #1
    Hallo!

    Am Gypsy Jazz bzw. an der dort häufig sensationellen Gitarrenarbeit bin ich spätestens seit dem Soundtrack zum Pc Spiel Mafia, welches vor 8 Jahren veröffentlicht wurde interessiert. Die letzten Wochen wurde das Ganze jetzt aber doch sehr konkret und ich überlege mir ersthaft damit selbst anzufangen.
    Ich spiele seit vielen Jahren E-Gitarre und bin v.a. im Shred-Bereich zu Hause, wodurch ich an der Technik vermutlich nicht mehr viel für den Gypsy Jazz dazulernen müsste. Das Problem ist eher die Theorie, da ich noch nie etwas mit Jazz auf der Gitarre zu tun hatte. Meine Frage ist nun wie leicht bzw. schwer der Einstieg in diese neuen Klangwelten sind, da ich weiß wieviel Zeit es benötigt um z.B. aus der simpeln Blues-Pentatonic geniale Phrases herauszukitzeln und damit zu improvisieren. Mir kommt jedoch der Jazz Sound viel komplexer vor, also nicht hauptsächlich auf eine grundsätzliche Tonleiter wie beim Blues beschränkt, ist da etwas dran? Als Instrument kommt für mich aus finanziellen Gründen erstmal nur die Maccafferi von Harley Benton in Frage. Wie sieht es auf diesen Gitarren mit den Hälsen bzw. Bünden aus? Ist die Breite bzw. das Feeling eher mit einer klasischen Akkustikgitarre vergleichbar (globiger Hals, große Bünde, hohe Saitenlage), oder eher mit einer Westergitarre (dünner Hals, "nornmale" Bünde, alles eher ähnlich einer E-Gitarre)?

    Danke:)
     
  2. Backstein123

    Backstein123 Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 25.07.10   #2
    Hallo
    :D mich sonntags morgens schon so zum lachen zu bringen :D
    Sachu dir das mal an:


    Ach der Jazz hat sich (wie vieles) aus dem Blues entwickelt, von daher dürfte etwas erfahrung mit verschiedenen Blues sachen nicht verkehrt sein.
    ansonsten wenn du dich mit der theorie des Jazz spielen beschäftigen willst schau mal bei unsren Spezis im Theorie sub rein. Die erklären dir das haar genau;)
    Ach spiel das doch erstmal auf deiner E-Gitarre, okay der sound wird nicht gleich sein aber du siehst schon ob deine "technick" reicht. Einfach mal Clean spielen und schauen wie es klingt.
     
  3. Corny

    Corny Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.10   #3
  4. Gast40561

    Gast40561 Threadersteller Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.10   #4
    Jo das war warscheinlich ein bisschen unglücklich formuliert, klar ist die Technik an sich total verschieden, ich wollte damit nur sagen, dass es nicht grundsätzlich um das erlernen von Alternate Picking und Arpeggio-Technik geht.;)
     
  5. S.Tscharles

    S.Tscharles Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.10   #5
    Zum Thema Gitarre:

    Die HB hat eine lange Mensur (so wie eine Fender) und bringt damit den Nachteil, daß man die Fingerchen schon ziemlich spreizen muss. Etwas größer sollte man auch schon sein (der Korpus ist relativ groß, und der lange Hals tut ein Übriges) und einen kräftigen Plektrumanschlag nebst einem dicken Pick (ab 2 mm) sollte man auch schon haben, weil die Gitarre erst bei entsprechender Behandlung ihre Stärken zeigt. Akkordarbeit ist auf dem Teil relativ schwer, weil der Hals doch sehr einer Konzertgitarre ähnelt, die für jemanden, der mit der E-Gitarre angefangen hat, wahrscheinlich sehr gewöhnungsbedürftig ist, also flacher Griffbrettradius, und eine D-förmige Halsrückseite in einer etwas kräftigeren Ausführung gepaart.
    Man kann hier also schon ein wenig Krafttraining machen. Das gilt auch dann, wenn man mit Vierklängen, oder Django-/Freddie Green-mässig mit verkürzten Akkorden arbeitet. Und für die nur Barre-Spieler (was man für diese Stilistik von wegen Authentizität sowieso vermeiden sollte!), hat der Hals auch so seine Nachteile. Allerdings, ich habe mittlerweile das zweite Modell, nachdem meine erste wegen eines verzogenen Halses ausgetauscht wurde, und der Hals der neuen Gitarre ist schlanker als der meiner ersten.

    Trotzdem, in Bezug auf das Preis-/Leistungsverhältnis ist diese Gitarre wirklich eine Empfehlung wert. Und - irgendwie macht das Teil süchtig, jedenfalls macht es ziemlich Spaß, damit zu spielen.

    Zur Spieltechnik:
    bei Youtube finden sich drei Videos von "Romane", die zumindest einem etwas fortgeschrittenen Spieler den Einstieg in die Materie Zigeunerjazz sehr erleichtern können. Gewisse (nicht nur Grund-)Kenntnisse sollte man aber dafür schon haben. Wer weiter in die Materie einsteigen will, von besagtem Herrn gibt es auch ein ziemlich gutes Buch http://www.melbay.com/product.asp?ProductID=20014BCD, bzw. noch ein weiteres von Stephane Wrembel http://www.melbay.com/product.asp?ProductID=20273BCD, das auch eine gute Einstiegsmöglichkeit in die Materie bietet. Und beide Bücher sind meiner unmaßgeblichen Meinung nach eine weitaus größere Hilfe als alles, was online und vor allem in besagtem Videoportal zu finden ist. Über Google lässt sich noch eine Menge Material finden, recht gut ist das hier http://www.gipsy-jazz.de/, weil hier eigentlich wirklich hilfreiche Informationen gegeben werden. Wer´s mag und braucht, wird dort bestimmt noch fündig. Außerdem findet sich in der neuesten GuitarTechnique ein recht brauchbarer (falls es nur um Licks mit minimalen Erklärungen geht) Workshop zur Spieltechnik von Django Reinhardt, allerdings dürfte ein "Shredder" damit seine Probleme kriegen.
    Die grundlegende Technik für Ziegeunerjazz ist sogar schon ziemlich ähnlich zu dem was für gepflegten Metal gebraucht wird (3 Noten auf einer Saite-Skalen, Arpeggios, Sweeping etc.). Nur sollte man hier auch wirklich wissen, was man tun könnte, damit es dann wirklich klingt.

    Pentatonik und Blueslicks kann man eigentlich vergessen, weil hier erstmal nur Arpeggien längs zum Griffbrett aufgerufen sind, und die Denkweise eine völlig andere als bei Metal oder auch Blues, meiner unmaßgeblichen Meinung nach sogar anders als bei Jazz ist, wo es doch erstmal um mehr oder weniger passende Skalen geht.

    Und mit Powerchords geht gar nichts, hier sind ordentlich Vierklänge (Jazzakkorde) mit Erweiterungen aufgerufen, und die machen sowohl für die linke Hand - wie auch für die Birne - richtig Arbeit, weil diese Art Musik eben auch die richtige Begleittechnik braucht, ohne die alles nichts klingt. Und da muss neben der rechten Hand eben auch die linke einwandfrei laufen, weil diese Art Musik ohne die richtigen Akkorde nicht klingt, auch wenn man längst den richtigen Anschlag draufhat.

    Einziger Trost, die Arpeggien sind fast nur Dreiklangsarpeggien, und die Akkorde sollten dann ebenfalls auf drei Töne verkürzt werden, was, wenn man es mal verstanden hat, die Sache auch wieder einfacher macht.

    Ob man allerdings innerhalb von drei Monaten vom erfolgreichen Shredder zum guten Zigeuner-Swing-Gitarristen werden kann, wage ich für meinen Teil zu bezweifeln, weil - wie in dem verlinkten Video auch zu sehen ist - Palm-Muting bzw. rechte Hand auflegen, ist auch nicht.

    Trotzdem, lass Dich nicht entmutigen, Wille kann Berge versetzen!
     
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  6. Bylethum

    Bylethum Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.10   #6
    Nur weil du schnell spielen kannst sagt das nichts über deine Fähigkeiten zum Gipsy Jazz aus. Betonen möchte ich hier folgendes:

    er hat alles sonstige gesagt.
     
  7. S.Tscharles

    S.Tscharles Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 25.07.10   #7
    @Bylethum: Danke für die Blumen!

    Für den (interessierten) Rest: die typische Anschlagsart läuft unter dem Begriff "Pompe", hat gewisse Ähnlichkeiten mit der Country-Rhythmusgitarre (die Welt ist klein) und dafür spuckt Google und YouTube schon einiges aus, und daran kann man dann schon ein Weilchen knappern.
     
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