Hanon für (Wieder-)Anfänger

Die Bücher und YT Video von Jeremy Siskind finde ich auch gut, den Einstieg in Band 1 fand ich ein wenig langatmig. Hanon macht Null und Czerny weniger Sinn, wenn Du die Ausführung (Unterarmrotation, Handgelenkskreis, Armgewicht und Sitzposition) nicht drauf hast.
Der Link zur Video-Reihe Hanon Reborn war nicht zufällig gewählt, damit lässt sich das sehr gut üben und ein paar Monaten sieht man weiter.

Im Gegensatz zu Vielen hier mag ich (die einfacheren) Czerny Übungen eigentlich, habe es als reichlich älteres Semester aber wieder dran gegeben. Lieber beschäftige ich mich damit, vom Lead Sheet zum eigenen Arrangement zu kommen und mit allem, was für die Improvisation nützlich erscheint
Meine Quellen sind allesamt englisch bzw. amerkanisch, daher benutze ich oft auch die Termini wie dort gelesen. Auf Deutsch kenne ich die Begriffe nur teilweise, ich versuche es 'mal. Es geht um Achtel & Triolen gemischt gespielt und dazu die "Mikro-Elemente" der improvisatorischen Ornamentik, die zum guten Teil seit Jahrhunderten gebräuchlich sind: An- und Umspielen von Akkordtönen (Approaches, Enclosures), Slides (kurzer Vorschlag), Double Slides, Harmonized Slides, Turn (Pralltriller & Mordent), Rolls.

Starten würde ich die Anwendung mit der "langen" IIm7 - V7 - Imaj7 - I6 Verbindung über vier Takte und alternativ zu Akkordskalen (plus HTGT-Tonleiter für die sich auflösende Dominante) auch die Allzweckwaffe Major Blues Scale "über alles" nehmen.
So gerüstet lässt sich gut über die Akkordfolgen einfacher Standards oder deren Abschnitte improvisieren (Fly Me To The Moon, Autumn Leaves usw.).
Die einfache Begleitung mit Guide Tone Voicings und Charleston Rhythm oder Bossa Nova kennnst Du vermutlich schon aus Siskind.
Auch verschiedene Inhalte der YT-Kanäle mDecks und Open Studio können das ergänzen.
mDecks hat eine beeindruckende iOS App zur Jazz Harmony mit dem Namen "Tessitura", die als Analyse, Arrangier- und Übebegleitung taugt - @opa_albin kennt sie aber möglicherweise besser als ich.

Gruß Claus
 
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Tessitura", die als Analyse, Arrangier- und Übebegleitung taugt - @opa_albin kennt sie aber möglicherweise besser als ich.
Nein, da muss ich passen - ich habe die mal in einem Video gesehen und es schien mir überkompliziert. Aber das war nur mein erster Eindruck, und ich hatte jetzt selbst keinen Anlass, mich näher damit zu beschäftigen.
Jeder erarbeitet sich ja so eine Art innerer Repräsentation von harmonischen Relationen wie Quintenzirkel, VI-II-V-I, Quintfallsequenz und ähnlichem. Meine ist glaube ich nicht so grafisch, ich bin nicht so ein visueller Typ vielleicht.
 
Welche Grundlagenübungen zu Jazz empfiehlst du?
Als Allererstes?
Dur- und Molltonleitern in allen Tonarten, denn ohne die geht auf Dauer gar nichts und außerdem kannnst Du eine effiziente wie auch schonende Spieltechnik damit am einfachsten erlernen.
Angenommen Du fängst mit C-Dur an, das wird ausgeführt wie in Palmer, The Complete Book of Scales, Chords, Arpeggios & Cadences beschrieben.

Was nicht drin steht, das können wir in deinem jüngsten Klavierspiel-Thread vertiefen, hier nur ein paar Gedankenanregungen:
Beginnend auf den Skalenstufenkkannst auch die Major Modes üben. Denkbar wäre die Begieltung mit Bud Powell Voicings in der linken Hand, bei Swing-Ausführung der Charleston-Rhythm und bei binärer Spielweise ein einfacher Latin, das wird alles bei Siskind beschrieben.
Kommt man da voran, wäre die geschmeidige Verbindung der Akkordskalen ein wichtiges Thema.
Abschließend könnte man sich noch ein paar besonders übliche Akkordfolgen gönnen, für den Anfang würde ich die "lange" II-V-I Verbindung, eine Variante des Turnaround und dann ggf. noch die ersten 8 Takten von Autumn Leaves nehmen.
Hier driften wir damit aber zu weit ins Off Topic, weiteres von mir dazu deshalb wie schon gesagt lieber in deinem Klavierspiel-Thread.

Gruß Claus
 

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