Hat er Zaster

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Hat er Zaster

Mit 14 noch „der Kleene“
beim Pokerspiel um Geld.
Mit 16 in der Szene,
dem Mittelpunkt der Welt.
Mit 18 leere Hände;
oft zockt er tagelang.
Mit 20 längst am Ende;
drei Jobs und trotzdem blank.

Hat er Zaster, muss er zocken.
Das Casino macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Mit verschwitzten Fingern schmeißt er
letzte Münzen in den Schlitz.
Auf das böse Ende scheißt er.
Träfe ihn doch nur der Blitz!

Kaum hört er Münzen klingen,
ist es um ihn geschehn.
Oft wollte er schon springen,
dem Alptraum zu entgehn.
Dann starrt er auf das Wasser
und klagt die Sterne an.
Sogar der Mond wird blasser,
weil er nur zusehn kann.

Hat er Zaster, muss er zocken.
Das Casino macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Mit verschwitzten Fingern schmeißt er
letzte Münzen in den Schlitz.
Auf das böse Ende scheißt er.
Träfe ihn doch nur der Blitz!

Nach außen die Fassade
ist immer noch intakt,
obwohl die Maskerade
sein Herz wie Krallen packt.
Er möchte sich befreien
vom Spielen ohne Sinn,
will es am liebsten schreien:
Wo ist mein Leben hin?

Hat er Zaster, muss er zocken.
Das Casino macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Mit verschwitzten Fingern schmeißt er
letzte Münzen in den Schlitz.
Auf das böse Ende scheißt er.
Träfe ihn doch nur der Blitz!
 
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glombi
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Toller, griffiger und treffender Text :great:
Nach außen die Fassade
ist immer noch intakt,
Ich kenne zwar keine Spieler, aber Menschen die sich in anderer Sicht etwas vorgemacht haben, daher mein Vorschlag:
„Nach außen die Fassade, glaubt er noch intakt“, denn die Mitwelt erkennt solche Probleme oft früher, als es sich der Betroffene zugestehen will…

Gruß,
glombi
 
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Also gut: Nach außen, die Fassade, er glaubt sie noch intakt - passt metrisch besser. :)
Danke für den Tipp.
 
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"Oft wollte er schon springen,
um dem Alptraum zu entgehn"
oder?
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Man könnte auch mit dem Refrain noch ein bisschen herumspielen und variieren,
z.B. "mit verkrampften Fingern" oder "zitternden Fingern" statt "verschwitzen Fingern"
 
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(...)
Hat er Zaster, muss er zocken.
Das Casino macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Mit verschwitzten Fingern schmeißt er
letzte Münzen in den Schlitz.
Auf das böse Ende scheißt er.
Träfe ihn doch nur der Blitz!

Die von meinen Vorrednern genannten Punkte würden mich nicht stören und würde ich nicht ändern.
Ich hab "nur" für den Refrain ein paar Ideen zum drüber Nachdenken.

"Das Casino":
Dumm wird er durch die Sucht, sein Verlangen, seine Gier, das, was in ihm passiert, wenn er im Casino ist oder irgendwo anders spielt.
Mit irgend so einer Formulierung wär es für mich treffender und ehrlicher und "offener", weil es die Fantasie der Hörer nicht auf einen Ort lenkt und einschränkt (vielleicht zockt er auch in seiner Kneipe).

Die zwei Schlusszeilen gefallen mir nicht.
"scheißt er" find ich zu derb im Vergleich zum sonstigen Sprachstil.
"träfe ihn doch nur der Blitz" find ich als Schlusszeile nicht treffend. Für mich klingt das mehr so Wilhelm-Busch-humoristisch und nicht zum Thema passend.
 
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"Oft wollte er schon springen,
um dem Alptraum zu entgehn"
oder?
Das passt nicht. Da ist eine Silbe zu viel. Aber danke trotzdem. :)

Dumm wird er durch die Sucht, sein Verlangen, seine Gier, das, was in ihm passiert, wenn er im Casino ist oder irgendwo anders spielt.
Seine Spielsucht macht ihn dumm - geht das? :)

Seine letzten Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn.
Und mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.
Was meinste? :)
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Hier mal die Änderungen hintereinander:

Hat er Zaster

Mit 14 noch „der Kleene“
beim Pokerspiel um Geld.
Mit 16 in der Szene,
dem Mittelpunkt der Welt.
Mit 18 leere Hände;
oft zockt er tagelang.
Mit 20 längst am Ende;
drei Jobs und trotzdem blank.

Hat er Zaster, muss er zocken.
Seine Spielsucht macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Seine letzten Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn.
Und mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.


Kaum hört er Münzen klingen,
ist es um ihn geschehn.
Oft wollte er schon springen,
dem Alptraum zu entgehn.
Dann starrt er auf das Wasser
und klagt die Sterne an.
Sogar der Mond wird blasser,
weil er nur zusehn kann.

Hat er Zaster, muss er zocken.
Seine Spielsucht macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Seine letzten Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn.
Und mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.


Nach außen die Fassade,
er glaubt sie noch intakt.
obwohl die Maskerade
sein Herz mit Krallen packt.
Er möchte sich befreien
vom Spielen ohne Sinn,
will es am liebsten schreien:
Wo ist mein Leben hin?

Hat er Zaster, muss er zocken.
Seine Spielsucht macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Seine letzten Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn.
Und mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.
 
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Der neue Refrain gefällt mir ganz gut :)
 
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Statt "Seine letzten Münzen..." vielleicht lieber "Immer neue Münzen wirft er...". Das ist logischer.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

So. Hier nun die finale Fassung. Der Text ist schon an einen interessierten Komponisten vergeben. Danke für eure Hinweise und Ratschläge. :)

Hat er Zaster


Mit 14 noch „der Kleene“
beim Pokerspiel um Geld.
Mit 16 in der Szene,
dem Mittelpunkt der Welt.
Mit 18 leere Hände;
oft zockt er tagelang.
Mit 20 längst am Ende;
drei Jobs und trotzdem blank.

Hat er Zaster, muss er zocken.
Seine Spielsucht macht ihn dumm.
Bunte Automaten locken
ihn in ihr Imperium.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn.
Und mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.

Kaum hört er Münzen klingen,
ist es um ihn geschehn.
Oft wollte er schon springen,
dem Alptraum zu entgehn.
Dann starrt er auf das Wasser
und klagt die Sterne an.
Sogar der Mond wird blasser,
weil er nur zusehn kann.

Hat er Zaster, muss er zocken.
Seine Spielsucht macht ihn dumm.
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Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn.
Und mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.

Nach außen die Fassade,
er glaubt sie noch intakt.
obwohl die Maskerade
sein Herz mit Krallen packt.
Er möchte sich befreien
vom Spielen ohne Sinn,
will es am liebsten schreien:
Wo ist mein Leben hin?

Hat er Zaster, muss er zocken.
Seine Spielsucht macht ihn dumm.
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in den Schlitz und kann nicht fliehn.
Und mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.
 
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Hi Teestunde und in die Runde!
Mir geht es mit diesem Text anders als mit deinen anderen Texten und ich frage mich, warum.

Ich glaube, es liegt daran, dass für mich bei deinen anderen Texten unter der geschilderten Oberfläche etwas brodelt, dass ihre Brüchigkeit und Fragilität erkennbar wird. Die einzige Stelle, an der das in diesem Text für mich erkennbar wird, wird das thematisch direkt angesprochen: die Fassade, die - aus der Sicht des Spielers - noch hält.

Was wird geschildert?
Keine Person mit individuellen Eigenschaften, einem Körper, einer Innenwelt - es wird ein Typus skizziert, mit einer eingangs knapp benannten Karriere im Zocken: Klein fängt halt jeder an.
Sicher wahr - aber ist es das, was die Entwicklung ausmacht, was die Dynamik entfacht und am Laufen hält? Hier geht für mich die Oberfläche auf Tuchfühlung mit dem Klieschee, das behauptet, zu wissen, was es zu wissen gibt.

Welche Situation wird geschildert?
Keine konkrete, denn auch die Daddelhalle bleibt ein unkonkreter Ort, gleichsam das, was man in den Innenstädten aus den Augenwinkeln wahrnimmt und sich angesichts deren häufig anzutreffenden Unbelebtheit fragt, wie die eigentlich über die Runden kommen und ob es stimmt, dass Geldwäsche eine ihrer Haupeinnahmequellen ist.

Aber immerhin ist der Bereich, in dem sich der Protagonist aufhält, gekennzeichnet: Es ist nicht das Spielcasino, der vom Nymbus her glamouröse Ort, wo noch der große Gewinn gelingen mag, mit dessen Hilfe das Leben die entscheidende Wende nimmt, mit dem man aus diesem Leben entfliehen kann.
Es ist nicht das Pferderennen, wo noch Mensch und Tier agieren und vielleicht der Durchblick oder der richtige Tipp oder die Ahnung sich in Geldscheine verwandelnt.
Und es ist nicht die Hinterhofpokerrunde, wo einem nach verzockter Nacht die Geldeintreiber aus dem Mafiamilieu auflauern.

In der Automatenhalle sind Gewinnmargen so exakt bestimmt wie die Höhe der Wetteinsätze und die Mindestzeit eines Spiels: reglementierte Sucht, aus der Betreiber und Staat gleichermaßen Gewinn ziehen.
Hier ist der große Cou obsolet, hier bleibt noch, sich durch Tricks, Schläue, Aufmerksamkeit und Energie (paralleles Spielen an mehreren Automaten, Beobachten, welcher Automat gut gefüllt und demnächst fällig ist, Annahme von Risikospielen und Auslosungsschleifen, individuelle Ticks der Automaten), einen Vorteil zu ergattern, um oberhalb der durchschnittlichen Gewinn- bzw. Verlustmarge zu bleiben und dem System ein Schnippchen zu schlagen.

Aber mit welchem Ziel?
Mit dem Ziel, mit dem vorhandenen Geld, das abzüglich Miete, notwendigstem Lebensbedarf und vielleicht Alimenten, vom Lohn oder Ersatzleistungen bleibt, so lange wie möglich spielen zu können.
Um nicht in ein Leben, das außerhalb des Spiels nichts zu bieten scheint, eintauchen zu müssen. Um im abgegrenzten Karree mit leichtem Kitzel und ausreichend beanspruchter Aufmerksamkeit seine täglichen Runden zu drehen.

Es gäbe vermutlich, ja wahrscheinlich noch einige Aspekte, die von unten oder von Innen an die Oberfläche der Welt des Zastereinschmeissers drücken und ihr den ein oder anderen Riss, die ein oder andere Durchscheinbarkeit aufnötigen könnte.

Mir bleibt zu viel unaufgeriebene, undurchscheinende Oberfläche an diesem Text.

Herzliche Grüße

x-Riff
P.S.: Das ist die Zweitausgabe dieses posts, der frühere, noch etwas ausführlichere, verkam im Orkus eines unsteten WLAN, den zweiten erstellte ich quasi parallel zum Schlusspost von Teestunde, beide eher mühsam am smartphone getippt.
Wie auch immer - ich poste ihn, und sei es eher in Hinblick auf künftige Texte oder eine Diskussion um Obergläche und Wirkung in songtexten.
 
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...der frühere, noch etwas ausführlichere, verkam im Orkus eines unsteten WLAN, den zweiten erstellte ich quasi parallel zum Schlusspost von Teestunde, beide eher mühsam am smartphone getippt.
Wie auch immer - ich poste ihn, und sei es eher in Hinblick auf künftige Texte oder eine Diskussion um Obergläche und Wirkung in songtexten.

Ich muss mir deinen Beitrag noch mal in Ruhe durchlesen, vorab aber schon mal Respekt für deinen Schreibfleiß und dein Durchhaltevermögen :)
 
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@x-Riff Wow! Ich bedanke mich! Mit deinen Gedanken im Hinterkopf werde ich irgendwann mal einen weiteren Text zu diesem Thema schreiben. Dieser hier ist mir wohl doch zu allgemein geraten. Eher in Richtung Schlager, als in Richtung Chanson. Aber dazu muss ich das, was du schreibst, erst mal richtig wirken lassen. :) Dass du dir diese Gedanken gemacht hast, beeindruckt mich sehr. :)
 
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... also - ich seh das anders als @x-Riff

Vorab: Der Text ist durch die Schleifen noch ein gutes Stück besser geworden. Zum Beispiel die Zeile "Seine Spielsucht macht ihn dumm" trifft es viel besser als in der ersten Fassung.

Für mich ist es genau das: Ein Zocker in der Spielhalle hat keine Konturen mehr, der ist - nur noch Zocker. Hat er Zaster, rennt er in die Spielhalle und hat er keinen oft auch. Casino, Rennbahn, Pokertisch: Überall ist eher mal ein Gewinn möglich (Beim Roulette sind die Quoten besser, Pokern ist nicht nur Glücksspiel, sondern auch viel Taktik, Rennbahn kann etwas Wissen helfen) am Daddelautomaten kann man nur verlieren, schnell und viel und jeder am Automaten weiß das (und mit mehreren Automaten gleichzeitig geht das nur schneller, die "Risiko"-Tasten sind reine Illusion.) Der Spieler verliert. Daher ist Spielsucht genau richtig beschrieben, wie es hier beschrieben ist. Miete, Schulden, Arbeit - tritt alles in den Hintergrund, wird unwichtig also für den Liedtext irrelevant. Das, was bleibt, ist auch im Text, Selbsthass und Selbstverachtung.
Ich finde also gerade richtig, dass die Figur nicht mit weiteren Facetten ausgeschmückt wird. Ein Zocker wird sich hier immer erkennen können. Wenn es genauer wird, gibt es nur einen Ausweg, das für sich als nicht gültig zu sehen.
Einen weiteren Text zum Thema werde ich gern lesen, aber dieser hier ist sicher gut zum Thema!
 
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Der Text in der letzten Fassung kann gut für sich stehen und funktioniert - als Widerspiegelung der Oberfläche, die man auch wie @Frank_de_Blijen als passend zur Hohlheit des Spiels und als "Form entspricht Inhalt" - und das zu Recht -auffassen kann.

Es wäre mir auch gar nicht um konkrete Änderungen an einzelnen textlichen Stellen gegangen.

Es ging mir eher darum, das - oder besser mein - generelle Verhältnis von Oberfläche und darunter Liegenden zu thematisieren, wie es sich für mich an diesem Text im Vergleich von anderen Teestunde-Texten dargestellt hat. Da ist die Skala Schlager - Chanson ein für mich gerade passendes Bild, wobei ich das auch noch mal sacken lassen muss ...

Finde die Reaktionen darauf sehr erfrischend und weiterbringend - auch mich weiterbringend.

x-Riff
 
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Hier mal die II. Fassung:

Hat er Zaster

Mit 14 noch „der Kleene“
beim Pokerspiel um Geld.
Mit 16 in der Szene,
dem Mittelpunkt der Welt.
Mit 18 Außenstände,
fast eine Zentnerlast.
Mit 20 längst am Ende;
ein Fuß schon halb im Knast.

Hat er Zaster, muss er zocken,
meistens tagelang am Stück.
Bunte Automaten locken
und verheißen schnelles Glück.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn,
denn mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.

Kaum hört er Münzen klingen,
ist es um ihn geschehn.
Um Kohle aufzubringen,
muss er als Stricher gehn.
Wie oft er von der Brücke
nachts auf die Elbe guckt
und schließlich durch die Lücke
ins dunkle Wasser spuckt!

Hat er Zaster, muss er zocken,
meistens tagelang am Stück.
Bunte Automaten locken
und verheißen schnelles Glück.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn,
denn mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.

Das Suchtberatungsmädchen,
grad mal so alt wie er,
dreht ratlos an den Rädchen;
ihr Job ist viel zu schwer.
Sie kann ihn nicht befreien
vom Dasein ohne Sinn.
Im Wald hört er sich schreien:
Wo ist mein Leben hin?

Hat er Zaster, muss er zocken,
meistens tagelang am Stück.
Bunte Automaten locken
und verheißen schnelles Glück.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn,
denn mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.
 
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Hi Teestunde und in die Runde,
ein anderer Text um das gleiche Thema: präziser, konturierter, mit beschriebenen Sollbruchstellen und Abrisskanten und einem - wie stets bei @Teestunde - gutem sprachlichen Fluss und empathischer Mittellage.

Als ich den Text das erste Mal las, hatte ich zwei innere Stimmen: a) zu viel des Konkreten, b) ist es so?
Beim zweiten und dritten Mal lesen, denke ich: wenn man es als Schilderung einer Möglichkeit liest, geht es - wenn man es als "typisches Beispiel DES Automatendaddelers", quasi als Sozialportrait liest, hätte ich meine Fragen.

Beispielsweise die, ob der Jungmännerstrich tatsächlich häufig oder typisch für Automatendaddeler bzw. überschuldete Männer ist. Oder die, wie typisch es ist, dass in Beratungsstellen sehr junge Frauen sitzen.
Je konkreter ein Text ist desto mehr Aussagen macht er über die reale Welt - und da sollten sie bei einem Text von Gewicht schon (das wäre mein Anspruch) belastbar sein.
Ich schreibe deshalb von Fragen, weil ich es selbst nicht weiß - eine gute Bekannte, die ich gerade fragte, hält die Altersangabe der Suchtberaterin für durchaus möglich.

Ich glaube, der Punkt, den ich hier machen wollte, ist deutlich geworden: konkreter Text = Aussagen über die Welt = realitycheck.
Es geht mir dabei mehr um Plausibilität und Stimmigkeit und nicht so sehr darum, ob DER typische XYZ getroffen ist: einzelne Menschen, einzelne Schicksale weichen zum einem immer vom einem typischen Verlauf etc ab und das Leben bietet zum anderen immer eine Bandbreite und Mannigfaltigkeit: hier trifft der realitycheck der gesellschaftlichen Stimmigkeit auf die Gabe der guten Beobachtung und sprachlichen Genauigkeit.

Zumal: ein songtext ist kein Essay, keine wissenschaftliche Abhandlung und keine Sozialstudie.

Spachlich-inhaltlich sind mir zwei, drei Sachen aufgefallen:
Hier mal die II. Fassung:

Kaum hört er Münzen klingen,
ist es um ihn geschehn.
Um Kohle aufzubringen,
muss er als Stricher gehn
Vielleicht den Zwang zur Geldbeschaffung allgemeiner formulieren, in Richtung "damit die Räder/Chancen schwingen, muss er Geld beschaffen gehn."
Hat er Zaster, muss er zocken,
meistens tagelang am Stück.
Bunte Automaten locken
und verheißen schnelles Glück.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn,
denn mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.
Hier vielleicht mal eine Variante für die letzten beiden Zeilen, in Richtung
denn mit jeder Runde prüft er
neue / seine Chancen für / auf Gewinn.
Das Suchtberatungsmädchen,
grad mal so alt wie er,
dreht ratlos an den Rädchen;
ihr Job ist viel zu schwer.
Hier könnte ich mir eine konturiertere Kennzeichnung der Situation / der Möglichkeiten derBeraterin vorstellen ...
Sie kann ihn nicht befreien
vom Dasein ohne Sinn.
Im Wald hört er sich schreien:
Wo ist mein Leben hin?
Mag subjektiv sein, aber der Wald geht mir für den Ort Hamburg nicht so runter.

Meine Vorschläge sollen eher eine Richtung andeuten bzw. die Stellen, wo noch mehr drin liegen könnte bzw. herauszuholen oder zu zeigen wäre.

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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Oh, wow! Ich bin beeindruckt von deinem Fleiß. Das muss ich mir erst mal alles zu Gemüte führen. Ja, die Stellen, wo noch mehr herauszuholen wäre, will ich noch mal angehen. Aber erst später, wenn ich genügend Abstand dazu habe. Im Moment schreibe ich Lyrik. :)
Danke, dass du dir so viel Arbeit gemacht hast. Ich weiß das zu schätzen, auch wenn nicht immer sofort eine Reaktion erfolgt. :)
Herzliche Grüße zurück
Teestunde
 
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Vielleicht den Zwang zur Geldbeschaffung allgemeiner formulieren, in Richtung "damit die Räder/Chancen schwingen, muss er Geld beschaffen gehn."
Vielleicht: Um Kohle aufzubringen, muss er auch Dinger drehn.
Hier vielleicht mal eine Variante für die letzten beiden Zeilen, in Richtung
denn mit jeder Runde prüft er
neue / seine Chancen für / auf Gewinn.
Nee, da finde ich meinen Text besser. :)
Hier könnte ich mir eine konturiertere Kennzeichnung der Situation / der Möglichkeiten derBeraterin vorstellen ...
Die Suchtberatungsdame
tut hilflos ihre Pflicht.
Für sie ist er ein Name
von zahllosen pro Schicht.
Mag subjektiv sein, aber der Wald geht mir für den Ort Hamburg nicht so runter.
Vielleicht: Im Traum hört er sich schreien, wo ist mein Leben hin
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Hier mal mit den Änderungen:

Hat er Zaster

Mit 14 noch „der Kleene“
beim Pokerspiel um Geld.
Mit 16 in der Szene,
dem Mittelpunkt der Welt.
Mit 18 Außenstände,
fast eine Zentnerlast.
Mit 20 längst am Ende;
ein Fuß schon halb im Knast.

Hat er Zaster, muss er zocken,
meistens tagelang am Stück.
Bunte Automaten locken
und verheißen schnelles Glück.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn,
denn mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.

Kaum hört er Münzen klingen,
ist es um ihn geschehn.
Um Kohle aufzubringen,
muss er auch Dinger drehn.
Wie oft er von der Brücke
nachts auf die Elbe guckt
und schließlich durch die Lücke
ins dunkle Wasser spuckt!

Hat er Zaster, muss er zocken,
meistens tagelang am Stück.
Bunte Automaten locken
und verheißen schnelles Glück.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn,
denn mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.

Die Suchtberatungsdame
tut hilflos ihre Pflicht.
Für sie ist er ein Name
von zahllosen pro Schicht.

Sie kann ihn nicht befreien
vom Dasein ohne Sinn.
Im Traum hört er sich schreien:
Wo ist mein Leben hin?

Hat er Zaster, muss er zocken,
meistens tagelang am Stück.
Bunte Automaten locken
und verheißen schnelles Glück.
Immer neue Münzen wirft er
in den Schlitz und kann nicht fliehn,
denn mit jeder Runde schlürft er
neues Gift wie Medizin.
 
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Wird immer besser, also mir gefällts.
Wie seid ihr eigentlich auf Hamburg als Ort des Geschehens gekommen? Gibt's da so viele Spielsüchtige?
 
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Also mein LI befindet sich in Dresden. Da fliesst die Elbe auch durch. :)
 
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