Inwiefern muss eine E-Gitarre live anders klingen als beim Recording?

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Mir ist schon häufiger tendenziell folgendes aufgefallen (Achtung, überspitzte Verallgemeinerung):
Ein E-Gitarren Sound, der live geil klingt und sich gut durchsetzt, klingt im Studio zu dumpf. Genauso klingt ein Sound der im Studio gut passt und gut im Mix sitzt, häufig live zu spitz und sticht im Ohr.

-Wie sind eure Erfahrungen dazu?
-Liegt es an den unterschiedlichen Frequenz/Lautstärkewahrnehmung des Gehörs?
 

Interessant. Wir hatten eigentlich immer die nahezu gleichen Einstellungen. Es erfolgte eine generelle Anpassung an den jeweiligen Raum, weil der Übungsraum ja eine andere Akustik hat, als der Eventraum, aber sonderlich viel nachgeregelt haben wir da eigentlich nicht.
Das echte Studio kann ich nicht beurteilen, dahin haben wir es mit der Band nur einmal geschafft.
 
es könnte an der Lautstärke liegen: Studioproduktionen werden für Zimmerlautstärke produziert. Bei dieser Lautstärke sind viele Obertöne unter der Hörgrenze, man muss diese anheben für ein transparenteres/vollständigeres Klangbild. Dettwiler erklärt es hier ab 6:30:


View: https://www.youtube.com/watch?v=AlRkidUyp9M
 
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Ich hab das schon so oder so erlebt. Meist sind die angebotenen Sounds ziemlich ok, manchmal zu schrill, manchmal zu dumpf. Speziell bei Profiler Sounds kann es schon ganz schön daneben liegen. Ich glaube das liegt oft daran, dass die Sounds solo, ohne Playback, nur mit der Gitarre, erstellt werden. Und da können sie auch schön weit daneben liegen.

Es gibt da noch etwas, das zu beachten ist. Anscheinend herrscht die Verfahrensweise vor, den Gitarren Amp so aufzustellen, dass er von der Bühne aus genau in Richtung FOH spielt. Das kann dazu führen, dass der Tonmensch genau im Beam des Amps steht, also deren Hochtonstrahl genau auf dessen Ohren geht. auch wird hin und wieder das Mikro genau vor dem Zentrum des Speakers, also im Beam, positioniert, also auch extrem schrill, zumal der Speaker ja meist auf die Füße des Gitarristen ausgerichtet ist, und so halt am Amp die Höhen mehr aufgerissen werden. Dann ist das halt auch wieder für den Tonmenschen viel zu schrill, also wird versucht, dem durch Absenken der Höhen entgegen zu wirken-

Und dann kann es sein dass bei Amps, also wenn da Half oder Full Stacks benutzt werden, ich dann oft eher das Problem haben kann, dass die auf der Bühne zu bassig eingestellt sind, weil ja die Gitarre alleine "echt fett" klingen soll. Da arbeite ich im Zweifelsfall dagegen, dass sie eben nicht zu dumpf wird.

Alles Dinge, die man im Studio meist so nicht erlebt, zumal da ja mehr Zeit ist, den Sweet Spot zu finden.

Ich bin da oft auch bereit, in den Sound so einzugreifen, damit das Gesamt-Ergebnis stimmt, einfach weil ich der Meinung bin, dass ich nicht nur die Gitarre mische, sondern eine Band. Mir ist klar, dass so etwas bei dem einen oder anderen Gitarristen nicht gut ankommt, hat er sich doch soooo sorgfältig seine Sounds zusammen gestellt (ich will jetzt nicht gebastelt sagen ;) ). aber wenn es nicht funktioniert, dann eben nicht.Ich richte mich da auch gerne an möglichen Aufnahmen der Nummern, damit ich deren Spirit dann auch live umsetze. Und wie schon gesagt wurde, kaum einer hört im Studio oder daheim Aufnahmen mit 100-110 dB ab.Ok, ich kenne da so zwei, drei Leute die das tun, aber das sind definitiv Ausnahmen.
 
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Studioaufnahmen sind auch oft auf winzige Ohrhörer optimiert.
 
Das ist dann eventuell heute so.

Normalerweise werden Produktionen auf guten Studiomonitoren abgehört, die ein relatives lineares Frequenzspektrum aufweisen. Anschließend wird die Produktion auf verschiedenen Systemen Probe gehört. Weniger um sie auf ein bestimmtes System zu optimieren, sondern um zB negatives (zu viel Wummerm) zu vermeiden.

Zumindest kenne ich das eher so.
 
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Das Ohr hört anders bei kleinen und größeren Lautstärken. Laut bedeutet, ihr hört Bässe/Höhen lauter im Verhältnis. Leiser heißt, das selbe klingt mittiger.

Für komplett falsches Aufstellen der Lautsprecher live (am Boden, Richtung Waden der Person die Gitarre spielt) kann der Sound nix, das ist dann Bedienfehler, vor allem weil ein Mikrofon dann so gut wie immer direkt vor der Box steht, was komplett anders klingt. (post#4 hat da völlig recht) Ich finde schon, daß Gitarristen auch live sich selber deutlich und detailliert hören können sollten... und allein falsch aufstellen, um dann das Mikrofonsignal auf den Bodenmonitor oder die InEars zu legen ist keine Hilfe.

Ein paar Bands die bei mir zum aufnehmen waren, haben sich die Einstellungen und die Position des Mikrofons markiert, damit sie das live genauso haben - scheint für sie zu funktionieren, weil noch keine gegenteiligen Rückmeldungen kamen.
Ich möchte den Infos in den Posts oben noch hinzufügen, daß man live mit mehr "Ungenauigkeiten" davonkommt und beim aufnehmen auch kleine Abweichungen von einer sauberen Stimmung (Bundreinheit, etc.etc.) je nach Sound deutlich mehr auffallen und stören.
 
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Du hast zwischen Aufnahmen und dem Livespielen bei einer Rockband mindestens drei Unterschiede:

Kontrollierte Umgebung vs. ungewisser Umgebung - im Studio wird oft viel Zeit, Energie und auch Geld aufgewendet, um eine kontrollierte oder zumindest kontrollierbare Raumakustik zu erzeugen. Und wenn ein Amp, der an einer Stelle des Raums aufgestellt wurde, dort nicht gut klingt, kann man ihn woanders aufbauen. Live geht es eher nicht, und der Musiker und der Tech müssen irgendwie damit klarkommen. Als schnelle Lösung wird dann der Sound angepasst, entweder am Amp oder am Pult oder beides.

Andere Band/anderes Arrangement - es spielt live natürlich dieselbe Band, aber statt siebzehn Gitarrenspuren hast Du dann eben nur einen Gitarristen (zwei vielleicht) und pro Person maximal eine Stereospur (wet/dry/wet habe ich im gehobenen Amateursektor noch nie gesehen, bei den Profis gibt es das ja durchaus mal). Das ist ein massive Unterschied, und live musst Du irgendwie die Fülle anders erzeugen als durch Aufhäufen vieler Spuren.

Das Live-Erlebnis und Adrenalin - im Studio will man i.allgem. den Sound so detailliert, klar und transparent aufs Band nageln wie möglich. Live soll es rocken, schieben, drücken! Ausserdem hast Du Musiker, die voll auf Adrenalin sind und möglicherweise ganz anders spielen als im Studio. Am Bass z.B. gehe ich auf der Bühne auch mehr "nach vorne" als in der Studioatmosphäre. Als Tech mische ich eine Rockband live oft mit einer zusätzlichen Kelle Schmutz im Sound. Im Studio ist das oft unerwünscht.
 

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