Ist Pentatonik für Pop-orientierten Rock wirklich sinnvoll?

Yaerg
Yaerg
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
12.04.24
Registriert
29.03.20
Beiträge
42
Kekse
0
Ort
OG
Hallo zusammen,

Spiele eigentlich schon eine ganze Weile Gitarre (bestimmt schon über 10 Jahre) und frage mich dennoch wie ich mich (für mich sinnvoll) weiterentwickeln kann.
Was ich gerne können bzw. besser können möchte ist:
* Die richtigen/gut klingenden Akkorde zu einem Gitarrenriff oder Basslinie finden. Und das möglichst schnell.
* Ev. mal eine Melodie auf eine Begleitung spielen. Vielleicht auch zusätzlich zur Gesangsmelodie. Und natürlich dann so das die sich nicht beißen etc.
* Und vielleicht kommt ja auch mal der Sänger mit einer Melodie daher auf die ich dann die Akkorde oder eben ein Riff schustern soll.

Und das wars im Grunde schon. Ich habe irgendwie immer das Gefühl das einem alle diese Pentatonik aufdrücken wollen, aber macht das in meinem Falle Sinn?
Weder will ich ein Sologitarrist werden noch bin ich begeistert von diesem bluesmäßigem Stil welche die Pentatonik meines Erachtens irgendwie immer mitbringt.
Der Rock den ich mag liegt wesentlich näher an Pop als an Blues. Um Bands zu nennen: Nirvana, Weezer, Ramones u.ä.
Außerdem habe ich immer so ein bisschen das Gefühl das man so vorgefertigte Sachen wie aus einem Baukasten nimmt und die dann
in ein Solo einsetzt.

Meine Frage wären jetzt zusammengefasst: Was kann ich tuen/üben um in den 3 oben genannten Punkten fitter zu werden
und macht irgendeine Tonleiterübung/Pentatonik o.ä. Sinn für mich?

freue mich auf eure Antworten, Grüße Yaerg
 
Eigenschaft
 
Hi

a) lerne die Durtonleiter und die parallele Molltonleiter in verschiedenen Positionen und allen Tonarten
b) lerne wir man eine Durtonleiter harmonisiert (Diatonik) also welche Akkorde daraus entstehen
c) lerne wie man die Diatonik sinnvoll erweitern kann
d) lerne Dutzende von Songs. Das hilft bei den ersten 3 Punkten

Viel Erfolg dabei

PS Ich hab schon jahrelang mit der Dur-Molltonleiter gespielt, bevor ich mich überhaupt mit der Pentatonik beschäftigt habe.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 4 Benutzer
[...] noch bin ich begeistert von diesem bluesmäßigem Stil welche die Pentatonik meines Erachtens irgendwie immer mitbringt.

Das kann man so nicht sagen.
Die Pentatonik ist viel älter und ursprünglicher als die "normalen" siebenstufigen Tonleitern.

Schon das älteste Instrument der Welt, eine Knochenflöte, die in einer Höhler auf der Schwäbischen Alb gefunden wurde, war pentatonisch.
Die indianischen "Native Flutes" sind pentatonisch.
Traditionelle chinesische Musik ist oft pentatonisch.
Und so weiter...

Alles bereits sehr lange, bevor man an Blues und Rock gedacht hat.

Auch viele Kinderlieder sind pentatonisch (weil's einfach ist).

Bei Gitarristen ist die Pentatonik deshalb so beliebt, weil sie einen einfachen Einstieg ins Improvisieren bietet, da man praktisch nie Gefahr läuft, wirklich "falsch" klingende Töne zu spielen.
Aber das darf nicht bedeuten, dass man sein Leben lang in diesem Stadium hängen bleibt.

Viele Grüße
Torsten
 
  • Gefällt mir
  • Interessant
Reaktionen: 2 Benutzer
Bei Gitarristen ist die Pentatonik deshalb so beliebt, weil sie einen einfachen Einstieg ins Improvisieren bietet, da man praktisch nie Gefahr läuft, wirklich "falsch".
Genau das ist der Grund warum man damit schnell suboptimal klingt. Kann ja nicht falsch klingen aber sehr schnell sehr "beliebig" ......
 
Kann ja nicht falsch klingen aber sehr schnell sehr "beliebig"
Kann man aber auch auf das blindwütige Hoch- und Runterdudeln von Skalen (egal, welchen) erweitern.

Eigentlich sollte das Ziel sein, musikalische Ideen im Kopf zu haben und diese auf dem Instrument direkt umsetzen zu können.
Natürlich hilft "Skalentraining" als spieltechnische Geläufigkeitsübung, aber Musik wird noch keine draus.

Ich würde mich deshalb auf mein melodisches Gespür verlassen und weniger auf irgendwelche Baukästen.
Oder Singen! Wer sein Solo auch singen kann (also weiß, welche Töne er spielen will) und nicht überrascht ist, was herauskommt, wenn man auf einer Pentatonik herumgniedelt, ohne wirklich zu wissen, was man tut.

So gesehen: volle Zustimmung zu @Dr Dulle :)

Viele Grüße
Torsten
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Ich würde mich deshalb auf mein melodisches Gespür verlassen und weniger auf irgendwelche Baukästen.
Genau so sehe ich das auch. Aber wie kann man das "melodische Gespür" trainieren, erweitern etc.? (Stichwort Gehörbildung).
Über die von Dr Dulle oben angegebenen Tonleitern? Gibt's da sonst noch bewährte Übungen?
 
... Wuerde für solche Sachen einen Gitarrenlehrer empfehlen...
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Melodisches bzw musikalisches Gespür entwickelt man indem man Musik macht.
Im besten Fall spielt man mit besseren Musikern zusammen und lernt von ihnen dazu !!

Das können ein Lehrer, ein Duopartner oder auch Bandmitglieder sein .....
Das mit den dutzenden Songs lernen war erst gemeint. Abkürzungen gibt es da nicht wirklich.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Meine Frage wären jetzt zusammengefasst: Was kann ich tuen/üben um in den 3 oben genannten Punkten fitter zu werden
und macht irgendeine Tonleiterübung/Pentatonik o.ä. Sinn für mich?
Wenn du die Tonleiter eines Riffs oder einer Basslinie kennst ist es nicht sonderlich schwer passende Akkorde zu finden.

Spielt der Basser zB eine Linie in C-Dur, dann passen auf jeden Fall schon mal die Stufenakkorde der C-Dur-Tonleiter. Manche mehr, manche weniger.
I-ii-iii-IV-V-vi-Die großgeschriebenen sind die Durakkorde, die kleinen Moll. Die vii wäre vermindert, kannste jetzt erstmal als "unpassend" außer acht lassen. Für eine passende Kadenz nimmst du dir zB. drei dieser Akkorde. Könnte also so aussehen:
I-ii-V-I (also C-Dur, d-Moll, G-Dur, C-Moll)

Ehe ich hier noch irgenwelchen Quatsch schreibe... Dies Video ist vlt eher hilfreich, weil mit Grafiken und Hörbeispielen:
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 3 Benutzer
a) lerne die Durtonleiter und die parallele Molltonleiter in verschiedenen Positionen und allen Tonarten
b) lerne wir man eine Durtonleiter harmonisiert (Diatonik) also welche Akkorde daraus entstehen
Würde sagen das sind die beiden wichtigsten Dinge, aber immer schön vom Grundton aus.
Am schnellsten geht einfach sich ein bissl Theorie draufschaffen. Das ist kein Böser Voodoo der dich deiner Kreativität beraubt. Gegenteil.
Wie entsteht eine Tonleiter, wie ein Akkord, wie wird er erweitert ... Kadenzen, Modal Change, die paar simpelsten Substitutionen ... das ist gar nicht so schwer und dauert auch nicht so lange.
Wenn du dir das ansiehst, checkst du warum manche Progressionen so schön ineinander laufen und andere eben nicht ... warum klingt der eine Modal Change, der andere nicht, wie harmonisiere ich.
Das klingt alles so kompliziert, ist aber gar nicht mal so schwer.

Der Signalsmusicstudio den @abolesco verlinkt hat find ich da auch echt gut. Der ist noch nicht sooo komplex wie andere (Adam Neely, George + Jacob Collier, 12Tone, ...)
 
* Die richtigen/gut klingenden Akkorde zu einem Gitarrenriff oder Basslinie finden. Und das möglichst schnell.
* Ev. mal eine Melodie auf eine Begleitung spielen. Vielleicht auch zusätzlich zur Gesangsmelodie. Und natürlich dann so das die sich nicht beißen etc.
* Und vielleicht kommt ja auch mal der Sänger mit einer Melodie daher auf die ich dann die Akkorde oder eben ein Riff schustern soll.
Viele Wege führen nach Rom ... hier ein zügiger. Basslinien sind eine andere Baustelle.

Im Grunde drehen sich alle 3 Punkte um das Verhältnis zwischen Melodie und Akkorden. EIN Weg, dass die sich nicht "beißen", ist es, sie derselben Skala zu entnehmen.

Nehmen wir an, das Riff oder der Gesang folgen in ihrer Melodie C-Dorian: https://chord.rocks/guitar/scales/c-dorian . Dann zeigt die Akkordtabelle an, welche nur diese Melodietöne verwenden. Unter Berücksichtigen von Stufen (es gibt viele Alternativen, mit jeweils eigenem Charakter), findest Du hier Passendes (Draufklicken).

Kennst Du die Begleitakkorde und willst eine Melodie dazu spielen, nutze "Identify Scale". Dort trägst Du alle Töne aller Akkorde ein. Je nach (Über-) Vollständigkeit gibt es wenigstens eine Melodieskala, die nur aus diesen Tönen besteht. Notfalls taktisch ergänzen oder strategisch Töne weglassen.

(Mit diesem pragmatischen Vorgehen hat man schnell musische Erfolge ... die kann und sollte man dann im Nachgang gerne musiktheoretisch betrachten, untermauern, draus lernen ...)

Populäre Akkord-Folgen findest Du hier, nebst Beispielen: https://www.hooktheory.com/theorytab/common-chord-progressions .

Nach Tonhöhen hat sich folgende Schichtung bewährt, von tief nach hoch:
  • Basslinien
  • Akkorde (können sowohl Bass als auch Melodie enthalten - so gesehen sind alles Akkordabfolgen)
  • Melodie (ist die zu tief, fällt sie weniger auf ...)
Das hat zur Folge, dass Basslinien zumindest an bestimmten Punkten den Grundton des gerade wichtigen Akkords bringen, UND, wie beim Lupfen des Vorhangs, durch eine geeignete Tonfolge auf den nächsten Akkord hinweisen bzw. hinführen. In Grundzügen wird das hier recht gut behandelt, und ist sicher auch in anderen Genres hilfreich: https://www.thomann.de/de/hal_leonard_how_to_play_from_a_real_book.htm .

Viel Erfolg
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Und das wars im Grunde schon. Ich habe irgendwie immer das Gefühl das einem alle diese Pentatonik aufdrücken wollen, aber macht das in meinem Falle Sinn?
Weder will ich ein Sologitarrist werden noch bin ich begeistert von diesem bluesmäßigem Stil welche die Pentatonik meines Erachtens irgendwie immer mitbringt.
Der Rock den ich mag liegt wesentlich näher an Pop als an Blues. Um Bands zu nennen: Nirvana, Weezer, Ramones u.ä.
Außerdem habe ich immer so ein bisschen das Gefühl das man so vorgefertigte Sachen wie aus einem Baukasten nimmt und die dann
in ein Solo einsetzt.
hallo Yaerg- das sieht ein wenig nach dem 0815- Scale- Auswendiglern-Verlauf aus. :redface:

Weißt du denn, wenn du eine Am-Penta spielst, welche Töne du jeweils spielst oder nudelst du einfach auf auswendig gelernten Griffbrettpositionen herum?
"Wissen" bedeutet übrigens, verinnerlicht haben, im Sinne von, du könntest auch e-g-h-d-... dazu mitsingen, kein Nachdenken, kein Herleiten.
(Was btw eine geniale Übung zum Griffbrett verinnerlichen UND zum bilden einer konkreteren Klangvorstellung ist ;) )

Warum?
Nimm mal eine einfache Kadenz, z.B. |: C | G | F | G :|
Das ist mal soviel C-Dur, wie überhaupt geht. (Gut fast, speziell aus dem zweitem G könnte man noch ein G7 machen, aber das führt jetzt zu weit).
Jedenfalls, da müsste man ja super mit der C-Dur Penta drüber kommen oder?

Es gibt ja tonnenweise Backingtracks auf YT, auch zu dieser Kadenz: (Z.B., musst prinzipiell selbst suchen)
Und nun mach mal folgendes Experiment: Schlag mal über alle Akkorde total stumpf nur dauernd ein C an.

Überm C? Easy, passt.
Überm G? Hmmmmmmm, drückt doch irgendwie oder?
Überm F? Bisschen eigenständiger, aber fügt sich herrlich passend ein
Überm nächsten G? Tut schon wieder so, als wollte es diesen Akkord einfach nicht.

Warum? Der Akkord C-Dur enthält selbstredend ein C. Da kann ein C eigentlich nicht falsch klingen.
Im F-Dur steckt auch ein C, nämlich als Quinte. Das ist nach der Oktave das konsonanteste Intervall, noch immer so konsonant (wem das Wort in dem Kontext nichts sagt, es ist das Gegenteil des wohl wesentlich geläufigeren dissonant), dass die Töne quasi miteinander "verschmelzen".
Überm G ist es eine Quarte, oder auch: Eine sog. Avoid Note. "Stapelt" man überm G die Töne der C-Dur-Tonleiter in Terzen (so "baut" man Akkorde) kommt zuerst das G, dann das B, dann das D (die ersten 3 sind das harmonische Grundgerüst, Grundton, Terz, Quinte, damit ist es ein vollständiger Durakkord), dann das F - der Ton singt schon ein bisschen eigenständiger zu dem Akkord, und er "färbt ihn mixolydisch", wir sind ja in C-Dur (als Tonart), da ist ein F drinnen, G-Dur als Tonart hätte ein F#- und ein F über einem G-Dur-Akkord (oder anders: Ein Durakkord mit kleiner Septime, in diesem Fall : G7) hat eben die signifikanten Intervalle der mixolydischen Skala: Grundton, große Terz, kleine Septime.

Im Jazz ist dieser 4. Ton auch noch elementarer, harmonischer Grundbestandteil. Die nächsten Töne sind dann sog. "Tensions", also Zusatz/Optionstöne. Da kommt -noch immer auf das Grundgerüst eines G-Dur-Akkords bezogen - als nächstes das A und dann erst das C.

Also: Während in den Akkorden C und F der Ton C ein grundlegender Bestandteil eben jenes Akkordes ist (und somit unmöglich wirklich "falsch" klingen kann), ist er überm G eine Option mit etwas speziellem Charakter. Praktisch bedeutet das, diese Avoid Notes klingen idR. nicht gut, wenn sie an der Stelle, wo sie eben Avoid Notes sind eine dominante Rolle einnehmen. Heißt: Eher länger klingen, eher auf betonte, schwere Zählzeiten kommen. Bei etwa einem Achtel/Sechzehntellauf ist es ziemlich egal.


Deswegen muss ich mal wieder proklamieren:
Wenn du bis jetzt diesem Mythos auch nur ansatzweise aufgesessen sein solltest, dass man über was in C eh einfach die C-Penta spielen kann, ohne irgendwas drüber nachzudenken und fertig: NEIN.
Sogar der Grundton C hört sich in der richtigen (oder besser: falschen) Stelle nicht unbedingt gut an. Ich habs mal so beschrieben: Man läuft dann planlos auf ner Skala herum und wartet, dass ein Wunder passiert. Musikalischen Instinkt kann man so nicht entwickeln. Und lernen eigentlich auch nicht - wie denn, es macht ja eben einen Unterschied, zu welchem Akkord ich gerade was spiele und genau das ist mir ja piepegal, wenn ich nur Griffbrettpositionen willkürlich ausprobiere.


Weil, natürlich kann die Pentatonik in dem von dir angerissenen Rahmen durchaus sinnvoll sein.
Sie hat einen eigenen (mangels Leittönen sehr offenen) Klangcharakter und dadurch, dass 2 Töne "fehlen" sind an ein paar Stellen "Hüpfer" drinnen, dass kann dem Ergebnis eben speziell in Dur "Spritzige/Coole/"Springende" Eigenschaften geben. Aber es ist eben auch ein Werkzeug, dessen Einsatz man lernen und üben muss.

So, und wie @OliverT mit der Empfehlung eines Lehrers schon richtig liegt: Das umfassend zu vermitteln und vor allem anwenden zu können sprengt auf jeden Fall den Rahmen eines Forums. Es geht natürlich auch ohne, und ob du (wie etwa meiner einer) eher der "Nerdtyp", der krampfhaft analysieren und verstehen will oder mehr der "Bauchtyp" bist, musst du wissen. Erfahrungsgemäß aber: Zumindest ein bisschen braucht man beides!
Wenn man es nur abstrakt betreibt, dann ist man vielleicht sogar Musikwissenschaftler (aber auch dann kein sonderlich ernst zu nehmender) aber kein Musiker. Macht man es ganz ohne Theoriekenntnisse (die in richtigen Maßen auf die Praxis angewandt vor allem eine herrlich kategorisierende und sortierende Wirkung haben) kommt schnell sowas raus, wie ich Eingangs aus deinem Startpost zitiert habe.

Grüße
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 4 Benutzer
Hey, Vielen Dank euch. Da hab ich jetzt mal einiges mit dem ich mich befassen kann.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
Genau das ist der Grund warum man damit schnell suboptimal klingt. Kann ja nicht falsch klingen aber sehr schnell sehr "beliebig" ......
Nachtrag noch diesbezüglich:

Ich glaube, dass es sogar ein "spezifizierbareres Beliebig" ist.

Die "Zutaten":
- Wie in meinem vorherigen Beitrag ausgeführt halte ich Aussagen wie "Über Akkordfolge XY funktioniert Penta YZ" eher für irreführend denn helfend - nichts desto trotz ist das wohl eine sehr häufige Herangehensweise. Und, was man nicht vergessen darf: Pragmatisch. Es ist nunmal naheliegender, etwas mit dem Instrument auszuprobieren als sich zuerst mal einzulesen.
- Das die Pentatonik aber die Möglichkeiten signifikant erhöht, zumindest etwas halbwegs Passendes zu treffen sind sich wohl alle einig. Das hat gleich 2 Gründe: Einmal fallen ein Haufen dissonanter Intervalle weg (etwa die b9, man lasse mal ein F prägnant über einen Em Akkord klingen) -also einmal harmonisch deutlich unkomplizierter- und dadurch, dass die Pentatonik eben so offen ist und ohnehin 2 "Sprünge" hat (da, wo die Noten zur "ganzen" diatonischen Tonleiter fehlen) verzeiht sie mMn "planloses irgendwohin hüpfen" deutlich besser, weil das sowieso Teil ihres Charakters ist (also nicht das planlos, aber das "offene hüpfen"). Also auch melodisch deutlich "fehlersicherer".

Das Ergebnis:
Auch rein intuitiv, man bekommt wohl schnell mit, dass Avoid Notes und sonstige harmonische Beißerchen ihre Wirkung gar nicht entfalten können, wenn man schnell genug zum nächsten Ton geht. Und da hat die Pentatonik schon wieder den Vorteil: Sollte das auf einen Ton zutreffen, die Chance, dass es mit einem x-beliebigen der anderen 4 Töne deutlich besser oder gar herrlich konsonant wird, ist überaus hoch- und melodisch wird's idR. zumindest "OK" sein, wie gesagt, da zehrt man von der Offenheit in alle Richtungen, die die Pentatonik mit sich bringt. Also lernt man vorerst: Merkst du, es passt was nicht schnell irgendwo anders hin (aber auch nicht mehr).

Es gibt sicher einige entsprechend talentierte Menschen, die trotzdem rein intuitiv es auf dieser Basis schaffen, weiter fortzuschreiten. Aber bei den aller- allermeisten, wenn man an dem Punkt nicht beginnt, sich nach dem "warum" und "was mach ich da eigentlich genau" zu fragen, dann stagniert man zwangsläufig darauf, halt nicht ganz falsch zu klingen.
Ist halt ein wenig wie der klischeehafte 4er- Matheschüler, der sein ganzes Schuldasein lieber vor jedem Test Beispiele paukt bis die Ohren rauchen, weil ers nunmal nicht so ganz hat mit dem Verstehen, was er da eigentlich macht. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Kriegt dieser Schüler seine 4 ist er glücklich und sagt "durch ist durch". Den Musiker, der Musik machen will, die er selbst mit einer 4 benoten würde zeige man mir mal.

Grüße
 
Aber bei den aller- allermeisten, wenn man an dem Punkt nicht beginnt, sich nach dem "warum" und "was mach ich da eigentlich genau" zu fragen, dann stagniert man zwangsläufig darauf, halt nicht ganz falsch zu klingen.

Eben. Und die typische Einsteiger-Frage lautet: "Woher weiß ich denn, welche Töne ich spielen muss?".
Da sind natürlich Rezepte gefragt.
Man darf aber nie vergessen, dass es vor allem auf Schöpfungsgeist und musikalische Ideen/Vorstellungen ankommt.
Wenn das nicht gegeben ist, helfen alle Rezepte der Welt nichts.

Viele Grüße
Torsten
 
  • Gefällt mir
  • Interessant
Reaktionen: 2 Benutzer
Wenn man z.B. anfängt auf JamSessions zu gehen, ist es vielleicht erstmal eine sichere Nummer, wenn man sich auf seine Pentatoniken verlassen kann und die ersten Male einfach ohne unangenehm aufzufallen durch die Songs durchkommt. Mit der Zeit wird man denk ich ohnehin anspruchsvoller und wenn man anfängt sich selbst was auszudenken, dann wird's, wenn man rein bei den Pentatoniken bleibt, halt möglcherweise schnell langweilig. Da ergibt sich's dann von selbst, dass man darüber hinaus gehen möchte und hier kann man natürlich auch unterschiedlich drangehen.
Die Beschäftigung mit mehr Musiktheorie kann da ein Weg sein, dann fällt einem die "Konstruktion" von Stückln leichter, von der anderen Seite kann man auch versuchen, seine musikalischen Vorstellungen festzuhalten. Hier wäre am wichtigsten zu lernen, wie das Instrument wo klingt, damit ich auch finde was ich spielen muss, wenn ich was bestimmtes hören will. Meist wird man nach und nach aus beiden Richtungen sicherer werden.
 
Bevor wir uns verzetteln: Ich glaube, das Problem ist nicht die Tonleiter.
Ich habe irgendwie immer das Gefühl das einem alle diese Pentatonik aufdrücken wollen, aber macht das in meinem Falle Sinn?
...
Der Rock den ich mag liegt wesentlich näher an Pop als an Blues. Um Bands zu nennen: Nirvana, Weezer, Ramones u.ä.
Ramones spielen Pentatonik, Nirvana 99% Pentatonik plus ein bisschen atonales, Weezer zusätzlich etwas Dur Pentatonik.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
@dubbel Da bin ich völlig bei Dir!

Wahrscheinlich reichen für 95% Dur und Moll Pentatonik. Ein wenig Harmonielehre um zu wissen welche Pentatonik man über die konkreten Changes spielen kann würde nicht schaden. Auch die Töne der Chords zu kennen um entsprechende Zieltöne für Melodien zu haben hilft.

Z.B bei einem Song in Am mit der Folg Am / D /G /Am würde sich anbieten zwischen Am Pentatonik und Em Pentatonik zu wechseln. Oder in der Am Pentatonik die Moll Terz ( C) und die Neun (H) abwechselnd zu spielen, was das gleiche ist. C über Am und H über G dur, über D geht beides. C erzeugt ein Dominant Seven Vibe während H dem D-dur ein leichtes Minor Feeling gibt. H über D-dur wäre Hm7.

Aber ich will das nicht verkomplizieren. Am besten mit einem Looper die Changes loopen und dann ausprobieren, welche Penta wie über die Chords klingt.

Was empfehlen kann, ist der Channel von Rick Beato auf Youtube. Da gibt es Tonnen an Material zur Theorie und sehr nett erklärt. Ich glaube er hat da auch einige Nirvana Songs analysiert.
 
Zuletzt bearbeitet:
Z.B bei einem Song in Am mit der Folg Am / D /G /Am würde sich anbieten zwischen Am Pentatonik und Em Pentatonik zu wechseln. Oder in .......

Genau das ist ein Beispiel warum das reine Rumhantieren mit der Pentatonik, ohne zu fühlen was da abgeht, suboptimal ist.

Die Akkordfolge ist zwar in Amoll, aber sie enthält das F#. Große Terz von D und große Sext von Amoll.
Man kann die ganze Zeit also A dorisch spielen, statt mit Pentatoniken rum zu experimentieren.

Mein Rat lernt die Dur und die Molltonleiter. Wenn die sitzen lernt die Durtonleiter mit kleiner 7 und die Moll mit großer 6.
Wenn man die zum klingen bringt, kommt die Pentatonik dann zusätzlich ziemlich geil.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 4 Benutzer
@Dr Dulle (y)

Klar, solange man sich von Halbtonschritten fern hält kann man über jedem Akkord die Töne zählen und wird wohl irgendeine passende Pentatonikskala finden.
Nur wo ist der Mehrwert davon? Nebst dem Umstand, dass ich mich massiv an harmonischen und melodischen Optionen beraube wenn ich als Ausführender so denke ist ja auch der analytische Erkenntniswert, wenn ich mir etwas abstrakt bewusst mache ziemlich für die Fische.

Man kann über die Akkordfolge z.B. ja auch einfach in Am denken und muss sich des harmonischen Scharmützels, welches sich das F mit dem F# des D-Dur liefern wird schlicht bewusst sein - und den Ton dort entweder schlicht vermeiden oder eben auch erhöhen, dass muss man dem Ohr aber vor allem melodisch schlüssig verkaufen. Aber dann klingt das ganze wohl eben auch melodisch gleich zusammenhängender (bzw. wird zumindest begünstigt) als man hängt gedanklich Pentatoniken aneinander.....

Man kann z.B. ja auch folgendes probieren: "Chromatisch raufklettern" : Primär den Ton E und in zweiter Takthälfte F zum Am, F# zu D-Dur und speziell dieses F# lässt sich dann sehr willig in ein überaus konsonantes G überm G-Dur weiter führen, ergibt eine schön aufsteigende Linie.
Was wäre das dann nach der Logik? Ich spiele überm Am zwei verschiedene Pentas, überm D die dritte und überm G die vierte oder wieder eine der vorherigen?
(Das sollte vor allem Aufzeigen, dass man die Pentatonik doch nicht als allgemeines Beschreibungstool überhöhen kann. Sollte jemand wirklich in der Tiefe so denken empfehle ich ihm einen Selbsthilfethread mit dem Titel "Die anonymen Pentatoniker" zu eröffnen :engel: :rofl: )
 
Zuletzt bearbeitet:

Ähnliche Themen


Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben