Jazz???

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Ahoihoi allerseits

Seit einiger Zeit versuche ich mich nun daran, mich mit der Musikrichtung "Jazz" außeinanderzusetzen. Bedeutet genauer: habe mich einer 3 Mann starken Besetzung als Bassist angeschlossen, mit der nun nach einigen wenigen Proben die Lieder "Blue Bossa", "Cantaloupe Island", "Chameleon" und zum Aufwärmen meist eine Blues-Impro a-la "Scratch My Back" gespielt werden.
Die Lieder an sich laufen recht flüssig ab und ich denke wir schaffen es auch ein wenig Groove in die Sache zu bringen, jedoch stellt sich mir spätestens während einem auf gut Glück gespielten Solopart während den Stücken immer die Frage: "wie muss ich hier jetzt spielen, so dass es immernoch nach Jazz klingt??"
Kurz gesagt sind mir, als unerfahrenem Bassisten (2 Jahre auf eigene Faust^^), die "besonderen Merkmale" dieser Musikrichtung schlicht und einfach nicht klar.
Darum habe ich diesen Thread erstellt. Es wäre klasse wenn ihr lieben Leute im Forum mir etwas näher bringen könntet was Jazz ausmacht, auf was man achten muss u.s.w.

Vielen Dank schonmal im Voraus
MfG
Bassista
 
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Jay
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Jazz ist immer die Summe aus dem, was alle Mitspieler gerade spontan zum Song beitragen, also sowohl Solist als auch Begleiter. Mit zwei Jahren Spielerfahrung solltest du dich zunächst drauf konzentrieren, den Song solide durchzuspielen und dabei immer zu wissen, wo du gerade bist, also Formgefühl zu entwickeln. Wenn das schon gut klappt, kannst du versuchen, dein Spiel an den Schlagzeuger anzupassen. Wenn du im Laufe Zeit auf Sessions oder zu Jams mal mit verschiedenen Schlagzeugern spielst, wirst du merken, dass die alle Blue Bossa unterschiedlich spielen. Damit es aber immer richtig gut klingt, müsst ihr "zusammenkommen", also Feinheiten im Groove gewissermaßen unterbewusst abstimmen, Akzente gemeinsam setzen, stilistisch aufeinander eingehen, usw.

Als Rhythmusgruppe, zu der im Jazz auch Piano und Gitarre zählen, müsst ihr nicht nur gegenseitig aufeinander hören, sondern natürlich in erster Linie den Solisten unterstützen, z.B. im Laufe eines Solos den dynamischen Verlauf mitgehen, harmonische Feinheiten "erhören" (spielt der Saxer b9, musst du auch b9 spielen, egal, was auf dem Blatt steht ...). Dazu ist aber ungeheure Sicherheit im Stück und dem, "was man eigentlich spielt", unabdingbar. Außerdem braucht man ein sehr gutes Gehör und einen im Idealfall unendlichen Fundus an spielerischen Möglichen.

Das alles zu erarbeiten dauert Jahre, womöglich wird man nie wirklich fertig. Aber der Weg ist das Ziel und diese kurzen Momente, in denen alles eben beschriebene auf der Bühne mal klappt, entschädigen für alle Mühen. :)

Joa, das ist Jazz. Der ultimative Tipp zum Schluss: Such dir einen Lehrer. Es gibt wirklich viele Dinge im Jazz, auf die man von selbst einfach nicht kommt oder wo man unnötig viel Zeit verschwendet.
 
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Hören, hören, hören. Und dann spielen, spielen, spielen. Man kann zwar versuchen, sich Jazz erklären zu lassen aber davon lernt man ihn nicht. Such Dir bei Youtube Jazz-Aufnahmen raus und versuch dann genau zu erkennen, was genau daran für Dich jazzig klingt.

EDIT: Vielleicht ist es ja sinnvoll, doch ein bißchen mehr zu schreiben ;) Das eine Jazz-Merkmal gibt es natürlich nicht. An Charlie Parker ist das Virtuose und wild rauf und runter Modulierende jazzig, Miles Davis hat (zumindest in seinen wichtigen Aufnahmen) absolut nichts davon und klingt trotzdem mega-jazzig. Zunächst mal: Der Jazz kommt musikalisch einerseits aus Blues und Gospel, andererseits aus der Film- und Musical-Komposition. Dementsprechend hat er von ersteren die Lockerheit und den Ausdruck, von letzteren die kompositorische Rafinesse. Jazzig ist immer auf irgendeine Weise der Rhythmus. Der muss auf eine gewisse Weise locker sein und besonderen Wert auf Auslassungen legen. Achtel- oder Sechzehntelketten, die auf der Eins beginnen und am Taktende aufhören, klingen zumeist nicht jazzig. Jazzig werden sie z. B. dann, wenn sie z. B. auf der "vier und" oder der "eins und" beginnen. Auf der anderen Seite ist es meist charakteristisch für den Jazz, dass die Harmonien und die Melodieführung komplexer ist als bei der heute radiotauglichen Musik. "Outside-Spiel", bei dem der Improvisierende für kurze Abschnitte bewusst aus dem eigentlich "passenden" Tonmaterial ausbricht, ist bei modernen Interpreten häufig anzutreffen. In den sieben Stufenakkorden einer einzigen Tonart bleiben Jazz-Kompositionen eher selten.

Ok, Du merkst sicher, was ich eingangs meinte ;) Ich denke, einen wirklich treffenden Eindruck von Jazz konnte ich jetzt nicht vermitteln. Das geht nur durchs Hören.
 
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Ersteinmal vielen Dank für Eure schnellen Antworten!:)

Puh ich habe "befürchtet" , dass mich jetzt ein Haufen von Fachbegriffen erschlägt :D
Leider muss ich gestehen dass ich einer dieser Menschen bin, die sich um die Theorie gerne mal drücken. Zwar kann ich recht gut mit den Skalen von Ionisch bis Lokrisch umgehen, jedoch sind viele Dinge die andere als Vorraussetzung ansehen für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
Aus diesem Grund habe ich tatsächlich auch schon dran gedacht Unterricht zu nehmen.

@Jay: Es ist beruhigend zu hören, dass die von Dir gepostete Herangehensweise so ca meiner entspricht. Zwar war ich am Anfang recht verkrampft damit beschäftigt die Stücke zu begleiten, aber ich hab mich so lange an meine simplen Lines gehalten bis das Gefühl da war das Lied zu "beherrschen". Die Zusammenarbeit mit dem Drummer ist natürlich ein extrem wichtiger Punkt. Bei unseren jazzigen Liedern hab ich da zugegebenermaßen teilweise noch ein paar Schwierigkeiten. Auch wenn sich sogar mal ein gewisser Groove einstellt, so gibt es dann auch Momente in denen ich den Rhythmus vergeig.
Außerdem braucht man ein sehr gutes Gehör und einen im Idealfall unendlichen Fundus an spielerischen Möglichen.
Ich arbeite dran :p
Hab ich zwar mit der Theorie vergleichsweise wenig am Hut, leg ich doch großen Wert darauf Basslines selbst zu erhören, bzw zumindest die Tonart und dann selbst etwas dazu zu spielen. Es ist zwar oft ärgerlich wenn man die Leichtigkeit sieht mit denen andere Musiker das drauf haben, aber das kommt wohl wie Du gesagt hast mit der Zeit.

@Iron Net: Ja, ich denke dass ich Dir folgen kann. Was ich - wie eingangs schon erwähnt - erwartet hatte, war eine Reihe von sozusagen "jazz-typischen" Intervallen o.ä.
Dass man Jazz erhören und dann erfühlen muss, was Deinen Aussagen nach noch wichtiger als der theoretische Teil zu sein scheint, klingt imo plausibel. Sicherlich werden mir zwar viele für meine Flucht vor der Theorie auf die Finger hauen, aber wie oben erwähnt suche ich ja nach nem Lehrer ;)
In der Zwischenzeit werd ich wohl trotzdem schon etwas mehr Zeit mit Gehörbildung verbringen. Gibt ja im Forum hier schöne Links dazu.
 
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Klar ist die Theorie im Jazz auch wichtig aber sie ist eben nicht zwangsläufig maßgeblich für das Jazzige. Hör Dir mal z. B. Miles Davis' "So What" an. Da wird 16 Takte hintereinander mit den gleichen sieben Tönen über die gleiche Harmonie improvisiert und es klingt mega-jazzig. Um eine eindeutige Aussage zur Theorie machen zu können, sind die unterschiedlichen Jazz-Stile einfach zu unterschiedlich. Hier ist mal eine Aufnahme mit Charlie Parker: "Ornithology". Die hat nun wirklich nicht viel mit der Miles-Davis-Aufnahme zu tun aber ist trotzdem jazzig. Zur Musiktheorie kann man so allgemein also nichts sagen, dafür müsstest Du genauer spezifizieren, um welche Art von Musik es Dir geht.
 
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Hallo Bassista,

die anderen haben recht: Hören ist das wichtigste. :great:
Teilweise kannst Du auch im Radio fündig werden - allen Unkenrufen über den Niedergang des Mediums zum Trotz ;).

Schmachtenberg liegt irgendwo in Hessen/Ba-Wü? Dann müßtest Du auf UKW 91,8 den SWR 2 kriegen:
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/jazz/-/id=659242/1snziau/index.html

Oder HR2, wo es zu etwas zivileren Zeiten abläuft:
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=5978&key=standard_document_1074378
Müßte bei Euch auf UKW 97,4 oder 95,3 zu kriegen sein.

Außerdem auch noch das hier:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/jazz-dlf/

Bei den Sendern arbeiten kompetente Leutchen :cool:, und die bohren folglich nicht in dünnen Brettern rum. Die Programme gibt's auch im Internet als Livestream.

Michael
 
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Oder HR2, wo es zu etwas zivileren Zeiten abläuft:
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=5978&key=standard_document_1074378
Müßte bei Euch auf UKW 97,4 oder 95,3 zu kriegen sein.

Ich wohne bei Frankfurt und dafür, dass wir hier in der ehemaligen "Jazz-Hauptstadt" des deutschen Sprachraums sind, ist das Radio-Angebot mies. Was da sehr gelegentlich mal auf hr2 läuft, ist eine gute Sendung aber quantitativ ein Tropfen auf den heißen Stein. Es ist unmöglich, einfach das Radio anhören und Jazz zu hören, wirklich arm. In anderen Ländern ist das noch ganz anders. Da hilft nur Internet-Radio, da gibt es viele gute Jazz-Sender.
 
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Japp, Schmachtenberg ist eine 400 Seelen Metropole am bayrischen Untermain.
ca 15 Autominuten sinds bis nach Hessen, also werden die Frequenzen wohl hinkommen, danke^^

@Iron Net: ich kann dir nicht speziell sagen in welche Richtung ich mich bewegen werde/möchte, da ich
1. dafür zu wenig Überblick habe
2. von meiner Grundeinstellung her für alles offen bin

Eigentlich habich ja mit dem Bassspielen angefangen um Teil einer Metalband zu werden, aber es hat kaum ein halbes Jahr gedauert bis ich mich vom kleinen Musikfaschisten zu einem Bassisten entwickelt habe der sich für viel mehr interessiert. Das soll jetzt in dem Thread kein Lebenslauf werden, sondern nur ein wenig meine Offenheit unterstreichen :D

Btw, eure Tips bisher waren sehr nützlich :)
Außerdem hab ich heute Mittag mal meine Nummer im MusikCenter Miltenberg gelassen und werde bald von nem Lehrer kontaktiert (ist wohl noch in Urlaub^^). Bis dahin werd ich mich jetzt gut über Wasser halten können.

MfG
Bassista
 

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