Mandriola - für welchen Musikstil?

von MartRokX, 23.05.16.

  1. MartRokX

    MartRokX Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.05.16   #1
    Habe die Mandriola meines Uropas geerbt, eigentlich ganz guter Zustand, braucht nur mal neue Saiten. Möchte mich nun ein bisschen damit beschäftigen; da die Stimmung ja der der Mandoline ähnelt, kann ich damit ganz normal Tabs und Instrumentenschulen (Bücher) nutzen, die für Mandoline gedacht sind? Ich würde zum Beispiel gerne ein paar Bluegrass Sachen lernen.
     
  2. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 23.05.16   #2
    Hallo, kannst du vielleicht ein Bildchen posten, das ist bei solche seltene Instrumenten immer interessant.
    Ich nehme an, die Besaitung ist wie bei Wiki angegeben.

    Grundsätzlich lassen sich in der Quintenstimmung mit dem "Geigenfingersatz" die Melodien recht flott spielen.
    Die 3 Saiten bei der Mandriola dürften allerdings eine Tempobremse sein.
    Gerade die flotten Melodien aus dem Bereiche Bluegrass und Irish-Folk erfordern bereits auf doppelchörigen Mandoline viel Zeit, die auf Fiddletempo zu bekommen.
    Mit 3 Saiten wird das ziemlich schwer und sicher auch eine Frage der Begabung.

    Akkorde kannst du probieren, aber die (vermutlich) italienische Bauform gibt nicht den nötigen Ton für Bluegrass Chop-Chords, wie das amerkikanische Mandolinen tun, her.

    Puh, nein, ich möchte dich auf jeden Fall ermutigen das Instrument zu erlernen.
    Und Instrument auf bestimmte Stile festzulegen, tu ich sehr ungern, ich spiele mit Mandoline auch fast alles.
    Aber speziell für Bluegrass ist die Mandriola doch eher nichts, auch nicht jede Mandoline.
    Naja - probieren geht über studieren ... ;)
     
  3. MartRokX

    MartRokX Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.05.16   #3
    Hier ein Bild. Ist derzeit 8 saitig bespannt, vielleicht hat mein Uropa sie ja wie ne normale Mandoline gespielt.
    Der Korpus ist relativ flach und etwa 6-7cm tief.
    Auf dem Saitenhalter steht Marcelli.
     

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  4. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 23.05.16   #4
    Das kann gut sein. ;)

    Schon bei Mandolinen kommen nicht alle mit den straffen Doppelsaiten klar, bei 3-saitig ist das noch heftiger ...
    Guck einfach wie die Halsneigung und Saitenlage ist. Was hast du denn für einen Saitenabstand im 12. Bund?
    Wenn der Uropa das Instrument schon darauf angepasst hat, kannst du es ja auch als Mandoline spielen.
    Wobei ich persönlich auch neugiereig wäre, wie sich so eine Mandriola spielt ...
     
  5. saitentsauber

    saitentsauber Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 24.05.16   #5
    Auf youtube gibt's ein paar clips, die möglicherwise als Anregung taugen. Suchwort ganz einfach "mandriola".
     
  6. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.05.16   #6
    Hallo, MartRokX,

    Nach dem Foto handelt es sich um ein kosmetisch sehr gut erhaltenes Instrument! Wichtiger für die Bespielbarkeit ist jedoch die Saitenlage. Bei meiner ersteigerten (und längst nicht so gut erhaltenen) Mandriola liegen die Saiten gerade 2 mm über dem 12. Bund, und sie lässt sich mühelos spielen. Auch mit der vollen Besaitung!

    Zur Besaitung: die verschiedenen Videos, die man unter "Mandriola" bei YouTube findet, belegen die Tatsache, dass es hier verschiedene Möglichkeiten gibt. Zunächst hat man einen Satz normale Mandolinensaiten: gg, dd, aa, ee. Die dritte Saite an jeder Position kann jeweils eine Oktave tiefer gestimmt werden, oder eine Oktave höher, oder unisono. Es gibt Saitensätze sowohl mit tiefen als auch mit hohen Oktavsaiten zu kaufen.

    Meine Mandriola habe ich mit tiefen Oktavsaiten bespannt: Ggg, Ddd, Aaa, Eee. Andere Stimmungen kamen nicht in Frage, weil der Steg für 2 dünne und eine dicke Saite an jeder Position ausgelegt ist. Ich möchte es aber auch nicht anders haben, denn die tiefe Oktave gibt dem kleinen Instrument einen unheimlichen "Umpf!" Man staunt, dass ein kleiner, deutscher Mandolinenkorpus (denn den hat die Mandriola genau) so tiefe Töne hervorbringen kann.

    Zur Spielweise: man kann alles auf der Mandiola spielen, was man auf der (deutschen oder italienmischen) Mandoline spielen kann. Das heißt: schnelle, melodische stücke mit "rauf-runter"-Plektrumschlag, bzw. langsame melodien mit Tremolo. Oder auch gemischt.
    Eine Mandolinenschule wäre also ein guter Anfang.

    Ich bin wie GEH der Meinung, dass eine Mandriola für die typische Bluegrass-Spielweise eher ungeeignet wäre. Sie ist im Grunde eine deutsche Mandoline und bedient als solche das Klangideal der neapolitanischen Mandoline, sprich: klare, laute Einzeltöne mit viel Sustain, d.h. in erster Linie melodisch angelegt. Die amerikanischen Archtop-Mandolinen klingen hölziger, mit weniger Sustain, und man muss sie Akkordweise schrubben, um Ihnen neben Banjo und Gitarre Verhör zu verschafffen. Dafür klingen die Akkorde nicht so wild, wie bei den "Deutschen" oder "Italienern".

    Ubrigens ersteigerte ich meine Mandriola, weil ich eine günstige aber gute Mandoline suchte. Ich wollte (wie anscheinend dein Uropa auch) einfach die Oktavsaiten weglassen. Allerdings übermannte mich die Neigier; ich bestellte einen vollen Satz Saiten - und habe anderweitig nach der neuen Mandoline gesucht!

    Was die Mandriola (in tiefer Oktavstimmung) viel besser kann, als die Mandoline, ist einfach eine Melodie ohne Begleitung vorzuspielen. Dabei klingt die Mandoline sehr dünn, aber die Mandriola belegt auch die tiefen Frequenzen, die z.B. eine Gitarre sonst beitragen würde, und das Klangbild wirkt "abgerundet". Ein bisschen analog dem Bandoneon mit seiner "trockenen-Oktav"-Stimmung.

    Wünsche die viel Spaß, ob mit Mandolinen- oder echter Mandriola-Besaitung!

    Cheers,
    Jed
     
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