omnimusicus
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- 17.04.26
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- Ulm
Nach vielen Jahren des Musizierens sammeln sich ja gerne Dinge in irgendwelchen Grabbelkisten an.
Ich bin beim Durchschauen auf drei alte Mikrophone gestoßen, die alle so ihre mechanischen oder elektrischen Wehwehchen haben und darum nie den Weg auf die Bühne gefunden haben. Nun hatte ich mal etwas Zeit, mich genauer um diese Mikros zu kümmern.

Das 545S Unidyne III kann als Vorläufer des SM57 angesehen werden, wird aber auch heute noch gebaut. Interessant fand ich, daß hier ein Übertrager mit 2 Sekundärwicklungen verbaut ist.
Es geht ein vieradriges Kabel ab, mit einem eigenen 4-Pol-Stecker, den ich sonst noch nie gesehen habe. Am Ende des Kabels kann durch verschiedene Belegungen entschieden werden, ob ein niederohmiges symmetrisches, oder ein hochohmiges asymmetrisches Signal verwendet wird.
Als ich das Mikro vor vielen Jahren bekam, war es mit einem Klinkenstecker versehen und hochohmig beschaltet. Das war mir damals nicht klar und kam prompt auch nicht wirklich damit zurecht. Zusätzlich hat es noch einen mechanischen Schaden, der die Membran teils leicht verklemmt. Dann klingt es völlig dünn, hohl und leise. Für Bühneneinsatz so jedenfalls nicht geeignet. Sieht aber irgendwie cool aus mit dem Griff.
Ich habe es nun symmetrisch verlötet und mit einem XLR-Stecker versehen. Und - siehe da - wenn man nun darauf achtet, daß der Korb mechanisch frei ist, dann kommt ein Mikro zum Vorschein, das dem SM57 ähnelt, aber noch etwas heller ist.

Das 588SA muß wohl ein günstiges Einsteigermodell gewesen sein, nach dem, was ich dazu finden konnte. Es gab das Mikro in zwei Varianten. einmal hochohmig (Modell SA), mit eingebautem Übertrager, einmal (Modell SB) niederohmig und symmetrisch.
Die hochohmigen Varianten konnte man direkt an einen Gitarrenverstärker anschließen und waren eine Zeitlang bei Harpspielern beliebt.
Ich selbst habe im Laufe der Jahre mehrfach auch über Bassverstärker gesungen. Das geht schon auch mal, wenn nix anderes da ist 😉
Mit diesem Mikro kam ich nie so recht klar, weil ich das mit der hohen Impedanz nicht wußte. Der ursprüngliche Eigentümer aber auch nicht, daher wurde es mal irgendwo "übrig geblieben lassen". Nun ja, mit besserem Verständnis konnte ich es besser einsetzen, aber es klingt immer verhangen und indirekt. Eine Zeitlang war es für backing vocals im Proberaum im Einsatz, jetzt zickt aber irgendein Kabel im Inneren und ich habe kurzerhand den Übertrager übergangen und ein Kabel direkt an die Kapsel gelötet. Jetzt habe ich also ein Modell SB draus gemacht, solange ich den Wackler nicht gefunden habe. Sieht so etwas blöd aus, aber es tut und ich kann testen.
Das Mikro ist nun wohl schon knappe 60 Jahre alt und da ist nun tatsächlich der Schaumstoff im inneren des Korbes zerbröselt. Das passiert bei anderen Herstellern schon deutlich früher, also Hut ab. Ich bestelle mal neuen Schaumstoff für ein SM58, das paßt hier auch.

Das Revox 3377 war für Tonbandaufnahmen konzipiert, nicht als Live-Mikrophon, aber man kann es auf einen normalen Mikrophonständer drauf machen.
Es war übrig bei einer Firmenauflösung und hatte offensichtlich leider keine schönen Stunden dort erlebt. Das Mikro hat einen regelbaren Hochpass, ähnlich wie auch ein Sennheiser MD421, aber da war ein hartnäckiger Wackler. Den Hochpass habe ich nun einfach deaktiviert und die Drähte von der Kapsel direkt verlötet.
Es ist wohl eine Beyerdynamic-Kapsel drin, mit einem anderen Gehäuse.
Wie klingen die Dinger denn nun
... wollte ich wissen. Dazu habe ich einen Vintage-Rundumschlag gemacht und mit den drei Mikros ein 60er-Jahre Sonor-Schlagzeug aufgenommen. Geschlossene Bassdrum, stilecht mit Pseudo-Naturfellen bestückt, was sich für Jazziges gut eignet.
Ich habe einfach ein wenig vor mich hin gespielt, etwas planlos.
Hier ein Bild des Aufbaus. Ein akustisch unbehandelter Theater-Proberaum in einem Gewölbe. Laut durfte ich nicht, dann halt leise 😉
Neben den Vintage-Mikros habe ich zum Vergleich "moderne" Mikros hingebaut. Shure Beta 52, Heil PR20 an der Snare und ein Lewitt Kondensator als Overhead.

Zuerst hatte ich das Revox als Overhead und das 545 an der Bassdrum, weil das laut Frequenzdaten den meisten Tiefgang versprach.
Das etwas topfige 588 an der Snare. Das Revox noch auf einem alten König&Maier-Ständer mit Schraubfüßen, noch vintagigerer geht's ja nicht, oder ?
Hier eine Aufnahme, nur mit diesen drei Mikros, ohne EQ oder Kompression. Nur der Snare habe ich etwas Raumhall spendiert, sonst wird's unangenehm trocken. Die Bassdrum klingt wirklich so, das soll auch so sein.
Das Revox sollte laut Datenblatt bis gut über 10 kHz ziemlich linear sein, klingt aber immer etwas zugedeckt und vergilbt. Da muß ich annehmen, daß die Kapsel nicht mehr so richtig original klingt. Bei lauten Signalen summt auch irgend etwas mit, da muß mechanisch etwas nicht in Ordnung sein. An die Bassdrum wollte ich es so nicht stellen.
Dann habe ich umgestellt: den 545-Revolver als Overhead, das 588 an die Bassdrum, und das Revox an die Snare.
Die Bassdrum war mir vorher etwas zu sehr als "Pauke" gestimmt, die habe ich etwas kürzer gestimmt.
Auch hier wieder das Signal der drei Mikros ohne EQ und Kompression zusammengemischt.
Das Revolvermikro hat laut Datenblatt einen Peak bei 6 kHz, dem täte im vorliegenden Falle ein leichter EQ gut. Als Overhead war es aber ja auch nie geplant ...
Das 588 fängt zwar laut Datenblatt unterhalb 200 Hz schon mit einem Hochpass an (100 Hz sind schon 10dB leiser), aber für diese Art von Bassdrum geht es sogar.
Zum Vergleich das Signal mit den "modernen" Mikros. Beim Beta 52 mußte ich etwas die Bässe rausnehmen, sonst war es nicht nutzbar. Der Rest auch wieder ohne Bearbeitung, nur Hall auf der Snare.
Ich habe zur zweiten Aufnahme noch schnell einen Bass und eine Gitarre dazu improvisiert (Gretsch aus den 70ern, auch mit dem 545 aufgenommen). Auch alles ohne EQ mit etwas Raumhall.
Am Ende mit Ozone8 leicht in der Summe komprimiert und da mit dessen EQ etwas die Höhen und Bässe angehoben.
Wer hätte vermutet, daß da diese alten Mikros beteiligt waren ?
Für mich kamen interessante Ergebnisse raus.
Dem Revox ging es vermutlich in der Vergangenheit schon einmal besser, das wandert wieder in die Grabbelkiste.
Das Revolvermikro ist eine positive Überraschung und in einer ruhigen Stunde werde ich es wohl mal aufmachen um zu prüfen, ob ich den mechanischen Schaden beheben kann, der die Membran manchmal einklemmen kann. Aber das ist etwas fieselig, da brauche ich die richtige Zeit dazu.
Und das 588 war halt noch nie richtig gut. Vielleicht kriege ich es aber wieder so hin, daß es als Talkback oder Proberaummikro geht.
Ich habe interessehalber bei Kleinanzeigen etc. nach diesen Mikros geschaut. Da werden teilweise hohe Preise aufgerufen, die entspringen aber meines Erachtens eher der Phantasie.
Ich bin beim Durchschauen auf drei alte Mikrophone gestoßen, die alle so ihre mechanischen oder elektrischen Wehwehchen haben und darum nie den Weg auf die Bühne gefunden haben. Nun hatte ich mal etwas Zeit, mich genauer um diese Mikros zu kümmern.
- Shure 545S Unidyne III, mit "Revolvergriff". Muß aus den frühen 60ern sein, soweit ich sehe.
- Shure 588SA Unisphere B, hochohmig, aus den späteren 60ern?
- Revox 3377, wurde für die Tonbandmaschinen A77 gebaut, wohl aus den 70ern

Das 545S Unidyne III kann als Vorläufer des SM57 angesehen werden, wird aber auch heute noch gebaut. Interessant fand ich, daß hier ein Übertrager mit 2 Sekundärwicklungen verbaut ist.
Es geht ein vieradriges Kabel ab, mit einem eigenen 4-Pol-Stecker, den ich sonst noch nie gesehen habe. Am Ende des Kabels kann durch verschiedene Belegungen entschieden werden, ob ein niederohmiges symmetrisches, oder ein hochohmiges asymmetrisches Signal verwendet wird.
Als ich das Mikro vor vielen Jahren bekam, war es mit einem Klinkenstecker versehen und hochohmig beschaltet. Das war mir damals nicht klar und kam prompt auch nicht wirklich damit zurecht. Zusätzlich hat es noch einen mechanischen Schaden, der die Membran teils leicht verklemmt. Dann klingt es völlig dünn, hohl und leise. Für Bühneneinsatz so jedenfalls nicht geeignet. Sieht aber irgendwie cool aus mit dem Griff.
Ich habe es nun symmetrisch verlötet und mit einem XLR-Stecker versehen. Und - siehe da - wenn man nun darauf achtet, daß der Korb mechanisch frei ist, dann kommt ein Mikro zum Vorschein, das dem SM57 ähnelt, aber noch etwas heller ist.

Das 588SA muß wohl ein günstiges Einsteigermodell gewesen sein, nach dem, was ich dazu finden konnte. Es gab das Mikro in zwei Varianten. einmal hochohmig (Modell SA), mit eingebautem Übertrager, einmal (Modell SB) niederohmig und symmetrisch.
Die hochohmigen Varianten konnte man direkt an einen Gitarrenverstärker anschließen und waren eine Zeitlang bei Harpspielern beliebt.
Ich selbst habe im Laufe der Jahre mehrfach auch über Bassverstärker gesungen. Das geht schon auch mal, wenn nix anderes da ist 😉
Mit diesem Mikro kam ich nie so recht klar, weil ich das mit der hohen Impedanz nicht wußte. Der ursprüngliche Eigentümer aber auch nicht, daher wurde es mal irgendwo "übrig geblieben lassen". Nun ja, mit besserem Verständnis konnte ich es besser einsetzen, aber es klingt immer verhangen und indirekt. Eine Zeitlang war es für backing vocals im Proberaum im Einsatz, jetzt zickt aber irgendein Kabel im Inneren und ich habe kurzerhand den Übertrager übergangen und ein Kabel direkt an die Kapsel gelötet. Jetzt habe ich also ein Modell SB draus gemacht, solange ich den Wackler nicht gefunden habe. Sieht so etwas blöd aus, aber es tut und ich kann testen.
Das Mikro ist nun wohl schon knappe 60 Jahre alt und da ist nun tatsächlich der Schaumstoff im inneren des Korbes zerbröselt. Das passiert bei anderen Herstellern schon deutlich früher, also Hut ab. Ich bestelle mal neuen Schaumstoff für ein SM58, das paßt hier auch.

Das Revox 3377 war für Tonbandaufnahmen konzipiert, nicht als Live-Mikrophon, aber man kann es auf einen normalen Mikrophonständer drauf machen.
Es war übrig bei einer Firmenauflösung und hatte offensichtlich leider keine schönen Stunden dort erlebt. Das Mikro hat einen regelbaren Hochpass, ähnlich wie auch ein Sennheiser MD421, aber da war ein hartnäckiger Wackler. Den Hochpass habe ich nun einfach deaktiviert und die Drähte von der Kapsel direkt verlötet.
Es ist wohl eine Beyerdynamic-Kapsel drin, mit einem anderen Gehäuse.
Wie klingen die Dinger denn nun
... wollte ich wissen. Dazu habe ich einen Vintage-Rundumschlag gemacht und mit den drei Mikros ein 60er-Jahre Sonor-Schlagzeug aufgenommen. Geschlossene Bassdrum, stilecht mit Pseudo-Naturfellen bestückt, was sich für Jazziges gut eignet.
Ich habe einfach ein wenig vor mich hin gespielt, etwas planlos.
Hier ein Bild des Aufbaus. Ein akustisch unbehandelter Theater-Proberaum in einem Gewölbe. Laut durfte ich nicht, dann halt leise 😉
Neben den Vintage-Mikros habe ich zum Vergleich "moderne" Mikros hingebaut. Shure Beta 52, Heil PR20 an der Snare und ein Lewitt Kondensator als Overhead.

Zuerst hatte ich das Revox als Overhead und das 545 an der Bassdrum, weil das laut Frequenzdaten den meisten Tiefgang versprach.
Das etwas topfige 588 an der Snare. Das Revox noch auf einem alten König&Maier-Ständer mit Schraubfüßen, noch vintagigerer geht's ja nicht, oder ?
Hier eine Aufnahme, nur mit diesen drei Mikros, ohne EQ oder Kompression. Nur der Snare habe ich etwas Raumhall spendiert, sonst wird's unangenehm trocken. Die Bassdrum klingt wirklich so, das soll auch so sein.
Das Revox sollte laut Datenblatt bis gut über 10 kHz ziemlich linear sein, klingt aber immer etwas zugedeckt und vergilbt. Da muß ich annehmen, daß die Kapsel nicht mehr so richtig original klingt. Bei lauten Signalen summt auch irgend etwas mit, da muß mechanisch etwas nicht in Ordnung sein. An die Bassdrum wollte ich es so nicht stellen.
Dann habe ich umgestellt: den 545-Revolver als Overhead, das 588 an die Bassdrum, und das Revox an die Snare.
Die Bassdrum war mir vorher etwas zu sehr als "Pauke" gestimmt, die habe ich etwas kürzer gestimmt.
Auch hier wieder das Signal der drei Mikros ohne EQ und Kompression zusammengemischt.
Das Revolvermikro hat laut Datenblatt einen Peak bei 6 kHz, dem täte im vorliegenden Falle ein leichter EQ gut. Als Overhead war es aber ja auch nie geplant ...
Das 588 fängt zwar laut Datenblatt unterhalb 200 Hz schon mit einem Hochpass an (100 Hz sind schon 10dB leiser), aber für diese Art von Bassdrum geht es sogar.
Zum Vergleich das Signal mit den "modernen" Mikros. Beim Beta 52 mußte ich etwas die Bässe rausnehmen, sonst war es nicht nutzbar. Der Rest auch wieder ohne Bearbeitung, nur Hall auf der Snare.
Ich habe zur zweiten Aufnahme noch schnell einen Bass und eine Gitarre dazu improvisiert (Gretsch aus den 70ern, auch mit dem 545 aufgenommen). Auch alles ohne EQ mit etwas Raumhall.
Am Ende mit Ozone8 leicht in der Summe komprimiert und da mit dessen EQ etwas die Höhen und Bässe angehoben.
Wer hätte vermutet, daß da diese alten Mikros beteiligt waren ?
Für mich kamen interessante Ergebnisse raus.
Dem Revox ging es vermutlich in der Vergangenheit schon einmal besser, das wandert wieder in die Grabbelkiste.
Das Revolvermikro ist eine positive Überraschung und in einer ruhigen Stunde werde ich es wohl mal aufmachen um zu prüfen, ob ich den mechanischen Schaden beheben kann, der die Membran manchmal einklemmen kann. Aber das ist etwas fieselig, da brauche ich die richtige Zeit dazu.
Und das 588 war halt noch nie richtig gut. Vielleicht kriege ich es aber wieder so hin, daß es als Talkback oder Proberaummikro geht.
Ich habe interessehalber bei Kleinanzeigen etc. nach diesen Mikros geschaut. Da werden teilweise hohe Preise aufgerufen, die entspringen aber meines Erachtens eher der Phantasie.