Nach langer Zeit mal wieder Trompete spielen; welches Mundstück?

von unifaun, 25.06.18.

  1. unifaun

    unifaun Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.06.18   #1
    Hallo, ich hoffe, ihr könnt mir ein wenig helfen.

    Ich habe früher in einem Musikverein Trompete gespielt, meistens 2. Trompete oder Flügelhorn. Das Mündstück war das sehr verbreitete Vincent Bach 7C.

    Da ich nicht das beste Instrument besaß und auch immer Probleme mit den tiefen Tönen (unterhalb von C) hatte, bin ich irgendwann auf Bariton umgesattelt.

    Das größere Mundstück kam mir da sehr entgegen.

    Jetzt habe ich mir nach 20 Jahren Pause für einen Spontanauftritt mit einer kurzfristig zusammengestellten Bläsertruppe eine ganz ordentliche Trompete mit einem Vincent Bach 7C geliehen.
    Dabei stelle ich fest, dass mir dieses Mundstück im Vergleich zu einem Bariton sehr klein vorkommt. Auch hier sind die Töne unter C ganz unmöglich, unterhalb von g ist es schwierig. Hohe Töne haue ich ganz ordentlich raus.

    Könnte mir ein anderes Mundstück evtl. weiterhelfen, den Tonumfang in Richtung tiefere Töne zu verbessern?

    Evtl. plane ich, hin und wieder mal Flügelhorn in unserer Band zu spielen, daher die Frage.
     
  2. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 25.06.18   #2
    Meine Antwort ist zweiteilig, erst ein Vorschlag in deinem Sinn und dann meine Meinung dazu.

    Natürlich gibt es größere Mundstücke, in guter Qualität und sehr preisgünstig z.B. Bach-Klone wie die nach Trompetermaßstab ziemlich großen Mundstücke 1 1/2 C, das auch von (trainierten) Amateuren ohne besondere Anforderung an die Höhe gespielt wird:
    https://www.thomann.de/de/stoelzel_112c_trompetenmundstueck.htm

    Noch größer ist das 1 1/4 C, das eigentlich nur von (klassischen) Berufstrompetern gut gespielt wird, z.B. Alison Balsom:
    https://www.thomann.de/de/stoelzel_582005_trompetenmundstueck.htm

    Schließlich noch eine Schippe drauf gibt es beim 1C:
    https://www.thomann.de/de/as_stoelzel_1c_trompetenmundstueck.htm
    Ein Unterschied der aS zu den Original-Bach Mundstücken ist kaum auszumachen, was seinen Grund im früher über Jahre gemeinsamen Hersteller hat.

    Bei Schilke gibt es noch größere Innendurchmesser vom Schilke 17 bis 24, aber ob dir das wirklich weiterhilft?
    Eine recht gut passende Größen-Vergleichstabelle: http://www.bestbrass.com/mouthpiece/pdf/trumpet.pdf

    Flügelhornmundstücke sind eine komplizierte Angelegeneheit, weil es auf das passende Schaftmaß und die Kesselformung je nach Stil ankommt. Vergleichbar zur Trompete große Flügelhornmundstücke sind mir gänzlich unbekannt.

    Gruß Claus
     
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  3. unifaun

    unifaun Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.06.18   #3
    Erst einmal vielen Dank für deine ausführliche Betrachtung. Mit dieser ganzen Problematik habe ich mich seinerzeit wenig befasst, in unserem Musikverein hieß es nur: "Joo, Bach 7C ist gut."

    Dass es bei Mundstücken so viel mehr an Bauarten/Kesselrand/Kesselart gibt, war mir damals nicht bekannt, und so langsam lichtet sich der Dschungel.

    Das bedeutet aber für mich, dass der evtl. Kauf eines Flügelhorns mit eingehendem Mundstücktest verbunden sein wird.

    Ist ein Test - aus hygienischen Gründen - überhaupt möglich?
     
  4. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 26.06.18   #4
    Die mir bekannten Blechbläser und ich selbst sind eher robust, was das angeht - kurz am Ärmel abgewischt und fertig. :D

    Hygiene ist kein Problem, von Sonderfällen mal abgesehen. Im Laden werden die ausprobierten Mundstücke vor einer weiteren Verwendung natürlich gereinigt. Deshalb muss man eventuell eine Gebühr bezahlen, wenn man nur probiert und nichts kauft.

    Mundstücke kann man nehmen, wie sie kommen oder eine Wissenschaft daraus machen, beides ist ok und eine persönliche Sache.
    https://www.breslmair.com/mehr/trompetenmundstuecke/
    https://www.bachbrass.com/application/files/4614/8521/7763/AV2BA901_Original_1889_web.pdf
    http://www.grmouthpieces.com/gr-parameters.html
    http://josefklier.de/mundstuecke/
    Sehr beliebt sind im deutschen professionellen Bereich neben Breslmair (besonders deren Modelle für Drehventile) auch individuelle Mundstücke von Bruno Tilz, wozu man am besten einen Termin ausmacht.
    https://www.mundstueckbau-tilz.de/beratungstermin.html


    Zurück zum Allgemeinen: auf dem Metall können Bakterien nicht gut gedeihen. Bei den Mundstücken genügt normalerweise das Abspülen mit fließend Wasser und genau wie beim Instrument der gelegentliche Einsatz der passenden Bürsten für die Innenreinigung.
    https://www.thomann.de/de/thomann_mouthpiece_brush_brass_uni.htm
    https://www.thomann.de/de/koelbl_spiralreiniger_trompete.htm

    Desinfektionsmittel sind m.E. überflüssig, ich habe in 30 Jahren noch nie etwas anderes durch fremde Mundstücke bekommen
    als eine eigene Meinung.


    Flügelhörner sind ganz andere Instrumente als Trompeten, das gilt in jeder Hinsicht.
    Reine Flügelhornspieler kommen meist nicht gut auf der Trompete zurecht, umgekehrt gibt es kaum ein Problem.

    Bei Flügelhornmundstücken müssen die Mundstückaufnahme (Mundrohr) des Instruments und das Mundstück im Schaftdurchmesser und Konus aufeinander abgestimmt sein.
    Man unterscheidet hauptsächlich deutsch (10 mm konisch, eher Drehventilinstrumente), Standard (amerikanisch, large morse taper), Bach (small morse taper) und, selten geworden, französisch (10 mm gerader Schaft, [alte] Couesnon).
    Ein Kessel statt Trichter gehört bei Flügelhornmundstücken eigentlich nur bei mährischer Polka zum Klangideal, manche Blasmusiker kennen es aber gar nicht anders.


    Der Mundstückrand ist wiederum ein Thema für sich. Ich selbst habe über etliche Jahre immer wieder mal andere ausprobiert und bin zunächst auf ein Bach 3C gekommen und vor etlichen Jahren schließlich zu einem Monette B3F S7, das ist in der Größe ähnlich dem Bach 1 1/2C. Ich spiele aber auschließlich Perinetinstrumente und fast nur Jazz.

    Auf dem Flügelhorn spiele ich das Mundstück, das vor über 20 Jahren beim Kauf dabei war. Instrument und Mundstück sind von Kanstul, einem sehr guten amerikanischen Hersteller. Es hat den seltenen französischen Schaft und ein Vergleich mit dem früher noch erhältlichen Schilke mit diesem Schaft ergab, dass das Kanstul Mundstück ideal zum Instrument passt.

    Das Bach 7C Trompetenmundstück ist dann gut, wenn man ein ziemlich tiefes Mundstück mit kleinem Innendurchmesser mag und der schmale Rand mit seiner harten Innenkante nicht stört.
    Ich habe es wie fast jeder Trompeter anfangs gespielt, aber nie so richtig gemocht.
    Das Bach 3C liegt den meisten Trompetern vom Rand und der Größe her besser, hat aufgrund des etwas größeren Innendurchmessers ein gutes Kesselvolumen bei etwas weniger Tiefe. Das tut der Brillianz gut und erleichtert die Höhe.

    Die anderen gestern genannten Mundstücke sind noch größer, was bei vielen Trompetern an die Kondition geht.
    Bei dir ist wahrscheinlich nicht so, aber "reine" Trompeter" haben als Laienmusiker manchmal auch keine ausreichende Atmung, um mit den großen Trompetenmundstücken zurecht zu kommen.
    Der Ton klingt dann leblos und muffig, weil der metallische Glanz der entsprechenden Formanten fehlt.

    Gruß Claus
     
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  5. unifaun

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    Erstellt: 26.06.18   #5
    Vielen Dank für eine weitere sehr ausführliche Abhandlung zum Thema.

    Da muss ich erst mal sehen, wie es überhaupt weitergeht. Ich bin ja als Trompeter von der reinen Blasmusik weg, spiele jetzt nur bei ner Spaßmucke mit. Ich war nämlich damals als Trompeter/Tenorhornist nicht so die Leuchte, hab mich dahe rum manchses auch nicht so gekümmert.

    Zukünftig will aber der Blues-Harp-Spieler unserer Band mit 65 in den musikalischen Ruhestand gehen, da habe ich mir überlegt, evtl. einen Teil seiner Parts mit Flügelhorn zu spielen, der weiche Ton passt besser zu Unplugged-Musik als Trompete.

    Ich werde ggf. mal weiter berichten.
     
  6. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 26.06.18   #6
    Wie gesagt, allein Flügelhorn ist etwas anderes, es spielt sich m.E. eigentlich leichter als die Trompete.

    Du müsstest dich dann nur an die meist eher kleinen Mundstückdurchmesser gewöhnen. Das geht m.E. recht schnell und einfach, wenn man einfach nur auf dem Mundstück übt, ganz ohne Instrument, die Methode nennt sich (Mouthpiece) Buzzing.



    Gruß Claus
     
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  7. unifaun

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    Erstellt: 26.06.18   #7
    Das sollte doch möglich sein!
     
  8. Primut

    Primut Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.06.18   #8
    Weil es in der Ausgangsfrage ja um die eher tiefe Lage ging, wie ich verstanden habe:
    Ich würde da schon differenzieren wollen zwischen Kesseldurchmesser und Kesseltiefe (gibt natürlich auch noch Rand und Bohrung etc.)

    Ganz pauschal formuliert gibt ein größerer Kesseldurchmesser eigentlich einen volleren Ton (und wird deshalb eher von Klassikern verwendet, wie Claus ja schon andeutete), erfordert aber auch mehr Übung.
    Ein tieferer Kessel unterstützt die tiefe Lage bzw. klingt auch etwas weicher, ein flacher Kessel unterstützt die hohe Lage. Das C-Kessel sind tendenziell so die Mitte dazwischen und damit eigentlich sehr universal, wie sich auch aus der Übersicht ablesen lässt.

    Bei der Posaune merke ich die Unterschiede zwischen Kesseltiefe sehr stark und nutze sie auch, je nachdem ob ich Bass oder Tenor spiele, wechsel ich tendenziell auch die Munststücke. Ob das bei Trompete auch so stark ist, kann ich allerdings nicht sagen.

    Das ist aber eben nur die pauschale Tendenz, ausprobieren musst du dass schon selbst, da spielen einfach zu viele Faktoren zusammen.
    Aber es könnte eben auch durchaus interessant sein, mal etwas tiefere Kessel auszuprobieren.
     
  9. unifaun

    unifaun Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.07.18   #9
    Ein kurzes Update:

    gestern Abend war dieser Spaßauftritt und ich muss sagen, es war nach ca. 2 Wochen leichtem Ansatztraining und Üben besser als erwartet. Bei einem extra für den Anlass komponierten Stück hatte ich Bb-Notation vorliegen und ich konnte die 2. Stimme erstaunlich gut mitspielen.

    Bei weiteren Stücken in C-Notation (die anderen Musiker kamen aus dem Posaunenchorbereich) hatte ich in der Kürze doch Schwierigkeiten, zu transponieren.

    Ich werde aber auch nie verstehen, warum der überweigende Teil der Bläser (in Bb, Es, F etc.) zuvor chiffrierte Noten vor sich liegen hat, die er jedesmal wieder dechiffrieren muss. Warum spielen nicht alle Instrumente in C-Notation, so dass der notierte Ton auch der gespielte ist?
     
  10. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 01.07.18   #10
    Eine transponierte Notation hat den Grund, dass die Notation optimal zum Tonumfang des Instrument passt, indem sie möglichst wenige Hilfslinien braucht.
    Bei der Trompete in B (bzw. Bb) ist es nur eine Ganztontransposition und der Unterschied nicht so auffallend, bei einer Trompete in Es oder F sähe eine klingende Notation aber schon merkwürdig aus.

    Kleine Randbemerkung:
    Für die auf verschiedene Stimmtöne gebauten Instrumente (C, Es, F, A...) und eine entsprechend transponierte Notation bleiben die Naturtonverhältnisse sofort ersichtlich.
    Das notierte eingestrichene c markiert dann immer den zweiten Naturton und damit den Anfang der Naturtonreihe auf der Trompete.

    Die Töne unter dem eingestrichenen C werden bekanntlich durch gedrückte Ventile erreicht, die einen längeren Luftweg in der Trompete ermöglichen und dadurch Naturtonreihen auf tieferen Grundtönen.
    Spielt man also z.B. den tiefsten "normalen" Ton unter dem eingestrichenen c mit den drei gedückten Ventilen, so spielt man den zweiten Naturton der Naturtonreihe auf fis (klingend e).
    Der physikalische Grundton ist auf der Trompete nur mit viel Übung und einer erzwungenen Schwingung erzeugbar.

    Gruß Claus
     
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