Neues Griffbrett und Bundierung eines Basshalses

H78
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Hallo miteinander.
Vor einiger Zeit habe ich einen HarleyBenton Precision Bausatz zusammengeschraubt und bearbeitet, weil mich Bassbau und Basteln am Bass schon immer interessiert hat.
Als er fertig war, was ja relativ unspektakulär ist, habe ich mich dazu entschlossen, ihn zu einem Fretless umzubauen. Als das erledigt war und das Ergebnis nicht so ganz meinen Erwartungen entsprochen hat bzw. weil ich einfach weiterbasteln wollte, hab ich mich dazu entschlossen, dem Hals ein neues Griffbrett aus Ahorn zu verpassen und ihn selbst zu bundieren.

Weil das Neuaufleimen eines Griffbretts und das Neubundieren nicht ganz so trivial ist, habe ich mir einen fertig bundierten Hals aus der Bucht bestellt um den Precision in der Zwischenzeit spielen zu können, denn ein Basskorpus ohne Hals, falls das Bundieren schief gehen würde, ist nicht ganz so sinnvoll ;)
Ich muß gleich dazusagen, dass die Methode, mit der ich letztendlich den Hals mit einem neuen Griffbrett versehen habe und neu bundiert habe weder Anspruch auf Richtigkeit,Eleganz noch handwerklicher Qualität hat. Es ist mein Erstversuch und ich habe eigentlich mit einem Totalausfall gerechnet – wozu es,um es vorwegzunehmen, nicht gekommen ist, wenn auch ich bei einem nochmaligen Bundieren einiges anders anpacken würde. Zudem war es diffiziler und letztendlich auch frustrierender, als anfangs angenommen. Deswegen hat sich der Prozeß bis zum Abschluss über mehrere Wochen erstreckt und sogar letztes Wochenende hab ich noch ein bisserl daran gefeilt.
Mein Fazit schon am Anfang: Es war sehr interessant, hab eine Menge (vorallem aus meinen Fehlern) gelernt.Aber sollte ich es künftig vermeiden können, werd ich das auch ;)


WERKZEUG UND TEILE
Die wichtigsten Werkzeuge, mit denen ich mich eingedeckt habe, habe ich bei bassparts.de, rockinger.com,dem Online-Shop von Rall bestellt bzw. bei meinem schlecht sortierten Baumarkt gekauft. Die Investition in gutes Werkzeug ist nicht ohne,aber eingedenk der Haltbarkeit ist es ein Kauf, den man im Normalfall nur einmal im Bastlerleben macht.
Das Ahorngriffbrett hab ich bei bassparts.de gekauft und mir gleich einen Graphtechsattel einpassen lassen, weil das ohne Oberfräse kaum möglich war. Zu einem moderaten Preis und perfekter Ausführung :) Den Bunddraht habe ich schon länger daheim gehabt und über Ebay bezogen.
Die Liste meiner Werkzeubestellung war lang, die wichtigsten Werkzeuge, die ich verwendet habe waren Ziehklingen, Radienschleifblöcke und für die Bundierung selbst eine Bundsäge, einen Plastikhammer, einen Abrichtfeilenblock, eine Bundfeile, Schraubzwingen und natürlich Tonnen an Schleifpapier.


ERSTE SCHRITTE – Entfernung des Palisander Griffbretts
Die erste Herausforderung war das Entfernen des Palisander Griffbretts vom Hals des Precision Bausatzes. Nach längerem Suchen im Web hab ich mich für die Methode Dampfbügeleisen und div. Klingen entschieden.
Leider war das Entfernen eine unglaubliche Frickelei und das Zeug, von dem ich mir nicht mal sicher bin, ob das Leim war, ist teilweise nur mit roher Gewalt abgegangen und viele Bruchstücke, wenn auch flache, sind nach wie vor auf dem Hals verblieben. Genau das hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, für das Verkleben des neuen Griffbretts ausschließlich Hautleim (in Form des fertigen Titebond Hautleims) zu verwenden. Die Verklebung läßt sich im Bedarfsfall mühelos entfernen - angeblich ;)

Besagte Bruchstücke habe ich dann mit Ziehklingen plangeschliffen.
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* die dunklen Flecken sind Reste des Palisandergriffbretts, sind aber so plan, dass sie nicht mehr stören.*

Unten der Ersatzhals, oben der Bass mit dem noch jungfräulichen Ahorngriffbrett:
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DIE MENSUR

Genau hier beginnt die Tätigkeit, die Fingerspitzengefühl und Genauigkeit bedarf. Zuallererst die Mensur von 34“ (also 864 mm) genau einzuhalten. Dafür haben mir Schraubzwingen und ein langes Metalllineal gute Dienste erwiesen. Die Position des Griffbretts bzw. des Sattels habe ich dann mit mehreren Bleistiftlinien auf den Hals übertragen, um beim Verleimen die exakte Position wiederherstellen zu können.
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Hier nochmal der Hals samt Trussrod,bei dem ich mit Erschrecken feststellen mußte, dass er nicht verankert war, d.h. ohne Druck von oben des angeleimten Halsbrettes bzw. von Klebestreifen! hätte man ihn leicht verschieben können, wobei sich der Trussrod vielleicht für immer in den Tiefen des Halses verabschiedet hätte. Deswegen hab ich am Ende des Trussrods im gefrästen Kanal ein kleines Holzstück eingeleimt, um dies künftig zu verhindern.
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DAS EINGEMACHTE
aka die Bundierung beginnt
Nun geht es mit echter Frickelei weiter, das genaue Setzen der Bundpositionen, das Einsägen mit der Bundsäge. Gleich vorweg: Purer Horror.
Das Griffbrett habe ich mit Zwingen an meinen Tisch befestigt, um dann mit Lineal, einem Skalpell und der genauen Bundpositionen anhand von Martin Koch´s Buch, einem weitern Ausdruck der Zollpositionen und zusätzlich dem Abstand eines Bundes zum nächsten, bzw. von beliebigen anderen bewerkstelligt.
Hier ein Bild, um sich das ungefähr vorstellen zu können:
IMG_20140301_135621.jpg


Nachdem ich alle Bundpositionen mit dem Skalpell markiert habe, habe ich anschließend eine Linie in der Mitte des Griffbretts entlang gezogen, um eine möglichst rechtwinkelige Bundierung von der Mittellinie aus zu ermöglichen.
Theoretisch war das ja ganz schön, nur leider war das Sägen ein Graus. Hier habe ich wohl den gröbsten Fehler begangen, nämlich dass ich keinen Anschlag verwendet habe, um genau 90 Grad zur Oberfläche in das Griffbrett hineinzusägen – ich hab somit freihändig gesägt um dann genau den ersten groben Schnitzer zu produzieren. Schief gesägte Bundschlitze können nur mehr sehr schwer begradigt werden, weil die Säge dann anfängt zu haken Zudem habe ich beim Sägen erst mühevoll feststellen müssen,dass Ahorn verdammt hart ist und eine Handsäge und eine Portion Ungeduld nicht die beste Kombination dafür sind. Ich bin öfters abgerutscht und hab ein paar häßliche Dongs ins Holz gekerbt – zudem sind manche Bundschlitze nicht 100% rechtwinkelig zur Mittellinie gelungen.
Da spielt eben das Fehlen von handwerklichem Geschick oder Erfahrung bei der Holzverarbeitung eine große Rolle.
Das nächste Problem war wohl, dass ich nicht gleich von Anfang an überlegt habe, was sinnvoller wäre.Nämlich zuerst den Griffbrettradius zu schleifen und dann zu sägen,oder umgekehrt. Ich gehe davon aus, dass ich es falsch angepackt habe. Nämlich zuerst sägen und dann das fertig aufgeleimte Griffbrett zu schleifen.
Damit paßt nämlich die Tiefe der Schlitze vorallem an den Rändern überhaupt nicht mehr, wobei ich mich um die Tiefe eher weniger gekümmert habe, das wollte ich alles später beim Schleifen des Radius machen. Besser wäre es wohl gewesen, das gleich ordentlich in einem Arbeitsschritt zu machen.
Hier die nicht wirklich elegant ausgeführte Sägung:
IMG_20140301_171937.jpg


DIE VEREINIGUNG

Das Griffbrett war etwas zu lang, bißchen gekürzt, anhand der vorher gemachten Positionen am Hals und Grffbrett nochmal ausgerichtet und die Mensur nochmal überprüft – paßt.
Jetzt gings ans Verleimen.
Dazu hab ich den Hals nochmals versucht, so gerade wie möglich zu stellen, damit das Griffbrett auch schön plan aufliegt.
Titebond Hautleim riecht etwas eigen, wirkt sehr zähflüssig und klebt scheinbar alles, nicht nur Holz ^^
Es läßt sich aber relativ gut verschieben, nicht so leicht wie Weißleim aber immerhin. Mit Schraubzwingen an einzelnen Punkten habe ich mich langsam an das genaue Positionieren herangetastet. Hier der nächste Fauxpas: Keine Unterlage für die Rückseite des Halses verwendet, kein Brett zwischen Griffbrett und Zwingen verwendet, um gleichmäßigeren Druck auszuüben. Das hab ich wohl wett gemacht mit der Menge an Zwingen, nichtsdestotrotz war das nicht gerade elegant und das kommt in meine Liste, was ich das nächste Mal sicher anders machen würde.
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Ein paar Zwingen hatte ich noch, die hab ich dann zusätzlich noch angebracht. Und dann 24 Stunden+ warten.

DAS SCHLEIFEN
Da das Griffbrett natürlich nicht der Breite meines Halses entspricht, hab ich das überstehende Griffbrett mithilfe von Ziehklingen, Schleifpapier und einer gehörigen Portion Zeit an die Breite des Halses angepaßt.
Hier sieht man den Überstand des Griffbretts während der fortgeschrittenen Bearbeitung und den Hals:
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Ich bin mir nicht sicher, ob da schon der Radius geschliffen war, jedenfalls war das mitunter das Anstrengendste am ganzen Prozeß. Entweder das Schleifpapier hat nichts getaugt, oder ich. Es hat Tage gedauert,wobei ich immer nur rund eine Stunde dafür investiert habe, bis ich den gewünschten Radius (12“ ) hatte.
Alles freihändig,mit Führung des Schleifblocks wäre es wohl viel exakter und wohl auch viel schneller gegangen. Nichtsdestotrotz war das Ergebnis okay.


DAS BUNDIEREN
Ich war eher nur mehr angepißt vom Bundieren und hab mir geschworen, das nie wieder zu machen und hab auch zu dieser Zeit Pläne verworfen, darüber überhaupt einen Thread zu eröffnen.
Jetzt, nach längerer Abkühlphase, hab ich es doch gemacht.
Zuallererst: Ich werde künftig (falls ich nochmal so blöd bin, das zu machen) die Bünde vorher fertig bearbeiten, und sie erst dann ins Griffbretthämmern. Es war dermaßen mühevoll und ich hab das Griffbrett nicht nur einmal mit der Feile verletzt, als ich die Bundenden angepaßt habe.
Zudem habe ich oft nachsägen müssen, weil die Tiefe einfach nicht gepaßt hat.
Der Prozeß des Bundierens ist schnell zusammengefaßt:
Bunddraht ins Griffbrett hämmern, an beiden Enden plan zum Griffbrettrand abzwicken, Bünde an den Rändern abschrägen. Zudem habe ich noch etwas Superkleber seitwärts in die Bünde fließen lassen, damit sie auch bombenfest halten.
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DAS ABRICHTEN

Hals abermals versucht exakt gerade zu stellen und einzelne Bünde mit einem !!!leider wasserfesten!!! Stift angemalt. Das Leider deswegen, weilich damit mein Griffbrett angeferkelt habe und es mühevoll mit Nagellackentferner wieder entfernen mußte. Nun mit der Fret Levelling File so geschliffen, dass alle Bünde möglichst die gleiche Höhe hatten, was man anhand des Verschwindens der Farbe an den Bünden gut erkennen kann und zudem auch noch Areale, die besonders ungleich hoch waren, verstärkt bearbeiten zu können.
Man sieht anhand des Bildes, wie schlimm die vielen Dings und Dongs am Griffbrett sind. Man möchte es nicht für möglich halten, wieviel Metall man da wirklich runterfeilt. Das ist nicht unerheblich und ich denke diese Arbeit bedarf am meisten Erfahrung, weil man dabei soviel ander Bespielbarkeit erreichen, wie auch versauen kann. Mein Respekt gilt den Bassbauern, die das öfters machen und sicher viel genauer als ich. Das ist echt schwierig.
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FERTIG FEILEN DER BÜNDE

Wiederum einen dünnen Strich mit dem Stift in der Mitte der Bünde und langsam mit der Fretfile die Bünde möglichst schön abrunden.
Soweit so gut,leider war die Bespielbarkeit mit montierten Saiten nicht überall gut, manche Areale der Bünde haben geschnarrt, dass es eine Freude war. Also wieder runter mit den Saiten, nochmals nachgeschliffen. Das hat sich leider mehrmals wiederholt, bis das Ergebnis in Ordnung war. Ich verwende bewußt „in Ordnung“ - perfekt war und ist es leider nicht.
Abschließend noch den Sattel gefeilt, um eine möglichst niedrige Saitenlage zu erhalten. Das Anbringen der Sidedots war die einfachste Tätigkeit, das hat ganz gut geklappt. Ich könnte natürlich noch die Bundschlitzenden mit Leim und Schleifstaub verschließen, irgendwann mach ich das bestimmt.


DAS ERGEBNIS UND ABSCHLIEßENDES FAZIT
Wie erwähnt geht das Ergebnis für einen Erstversuch wohl in Ordnung. Fehlende Präzision und manchmal auch Unlust haben das Ihre getan. Für einen handwerklich versierten Menschen bzw. einen Bassbauer ist diese Tätigkeit wohl in einem Tag erledigt, wenn überhaupt.
Ich hab mich gequält, aber viel gelernt. Und das war meine Grundintention, denn ich hab ja damit gerechnet, dass das Ergebnis ein Totalausfall werden würde, was ja Gott sei Dank nicht der Fall war.
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