Ohne Dich (Hörprobe oder Lyric-Talk?)

Gern geschehen, auch sehr interessant zu lesen, wie viel Gedanken ĂŒber deinen Text du dir selber schon gemacht hast.
oh ja. Ich sitze oft viele Monate ĂŒber eneinem Text. Klar, dann legst ihn auch mal 8 Wochen weg, wenn er in der Sackgasse steckt.
Aber ich ĂŒberlasse kein Wort dem Zufall. Manchmal fehlt es mir an irgend'ner Stelle an zĂŒndenden Ideen, passenden Bildern oder Begriffen, das wird aber immer besser. Übung macht den Meister.
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 3 Benutzer
Hi @Vocal Voyage
habe mir jetzt Deinen Text nach den eingegangenen Feedbacks noch mal intensiver angeschaut & hÀtte was zu zwei Stellen:
Direkt am Anfang die zweimalige Verwendung von Horizont. EinwĂ€nde treffen schon, sieht man‘s aber poetischer bzw. aus einer Innensicht heraus, passt es imho. Das erste Horizont sehe ich als Zielpunkt einer Bewegung. Man weiß, dass man den Horizont per Definition nicht erreichen kann - somit ist er als ideelle Orientierung gemeint.
Das kann man schon aufgreifen - bei der zweiten Verwendung wÀre Horizont wieder kein bestimmter Ort und sicher kann dort keine Bank stehen - also ist auch hier ein imaginierter Ort gemeint.
War in beiden FĂ€llen als echter, geografischer (wenn auch unspezifischer) Ort gemeint. Horizont als die optische Linie, der den Himmel von der Erde abgrenzt. Da steht die Bank. Eigentlich ein schönes Bild. Wenn Du dort angekommen bist, ist der Horizont natĂŒrlich wieder woanders. Der ist ja immer in der Ferne. Aber: Der Protagonist beschreibt seine EIndrĂŒcke auf dem Weg zum Horizont. Ich stelle mir das so vor, dass er den Weg an den Feldern vorbei bis zum Horizont geht, der auch das Ziel darstellt, weil dort die "geschichtstĂ€chtige" Bank der beiden steht (komme gleich nĂ€her drauf zu sprechen).
Von dieser Perspektive wĂ€re das stimmig, gĂ€be aber eine Richtung vor, die ich so lese, dass alles, was an SinneseindrĂŒcken im weiteren (Geruch 
) geschildert wird, ebenfalls zum Reich der Imagination gehört. Das Lyrische Ich besucht also nicht wirklich die gemeinsame Bank, nimmt nicht wirklich Platz etc. Ich weiß nicht, ob Du das wirklich willst.
Manchmal mag man ja auch Wortwiederholungen nicht, das wĂ€re fĂŒr mich ein zweiter Grund hier ranzugehen.
Ah ok. Also, wie gesagt, es war immer als reale Bank gemeint und gedacht! "Sie trĂ€gt unsere Namen" (= weil ins Holz geritzt). Haben sich dort also verewigt. Waren oft da, Hand in hand, haben bis in die DĂ€mmerung getrĂ€umt. Subtext: Die Bank verbindet damit starke positive Erinnerungen/GefĂŒhle, die auf die beiden geprĂ€gt sind (=emotionale BindungskrĂ€fte). Soweit meine ganz konkrete Intention. Also alles REAL.
Ich wollte, wie man es so macht, das Thema erstmal szenisch etablieren und dann auf die Bedeutungsebene gehen mit Allegorien.
Szene = KlĂ€rung: Was, wann, wer, wo? Das Ganze mit SinneseindrĂŒcken verknĂŒpft =>hookt besser & schneller! Ist ein must have, wenn man danach poetisch wird, weil die Szene die BezĂŒge von den Andeutungen zur RealitĂ€t/dem eigentlich Gemeinten herstellt. Vielleicht fehlt hier wirklich noch ein Detail, wie bspw. der Fliederbaum o.Ă€.. (am Horizont). Es gbt allerdings keinen Ort. Oder ich mĂŒsste dafĂŒr das duftende Heu, das sich mit Erinnerungen mischt, weglassen. Das ist allerdings ein Highlight, und es wĂ€re nichts gewonnen
Du schreibst, du hast konkrete Orte (fĂŒr das zweite Horizont) ausprobiert und hĂ€ttest nichts gefunden, was genau gepasst hĂ€tte 
 Sollen es drei Silben sein, eher helle Vokale? Mir ist spontan „Am Fliederbusch“ eingefallen, es könnte auch sowas wie „Am Auerbach sein“ - tatsĂ€chlich gibt es nahezu unendlich viele Möglichkeiten, so dass ich denke, falls Du Horizont durch einen konkreten Ort (oder einen poetischen) ersetzen willst, dass man da bei einigem Suchen fĂŒndig wĂŒrde.
Der Fliederbusch ist wirklich schön! Ich hatte vorab die Kandidaten: Lindenbaum, alter Baum, Lichtung, am Wegweiser u.Ă€. Es gibt genug Möglichkeiten, nur ist dafĂŒr kein Platz im Text. Derst bewussts ehr knapp gehalten und mit langen Pausen zwischen den Satzfragmenten versehen (zum Nachdenken und -spĂŒren). Ich habe das nicht lösen können.
Die zweite Stelle ist die mit dem Geruch und den letzten beiden Zeilen und dem Reim auf „fehlst“. Aus dem Bauch raus und sehr weit weg vom Original fiel mir dies ein (ist noch nicht silbengetreu, geht mir eher um die Idee als solche)
„und ich suche Dich wieder, höre wie Du von 100 abwĂ€rts/runter zĂ€hlst“ oder als Variante „und ich will (immer noch), dass Du mich findest, wenn Du von 100 abwĂ€rts/runter zĂ€hlst“. Das wĂŒrde eine RĂŒckerinnerung in eine gemeinsame Kindheit bedeuten und dann auch einschließen (so lange das nicht durch andere Formulierungen ausgeschlossen wird), dass es auch beispielsweise der Tod eines geliebten Bruders oder einer geliebten Schwester bedeuten könnte, in jedem Fall aber, dass die beiden Personen eine Kindheit geteilt haben.
Schöne Idee, ich habe da schon seeeehr viel ausprobiert! Das mit dem Geruchssinn / Riechen ging noch am ehesten. Habe ich irgendwann als Kompromiss innerlich duchgewunken.
Dass es eine Sandkastenliebe ist, wÀre allerdings ein neuer, auch irrelevanter Aspekt.
Herzlichen Dank!
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
So, ich habe alle Anregungen aufgenommen und verbaut (rot markiert), mit diesem Ergebnis:

[verse 1]
An Feldern vorbei zieh ich
bis zum Horizont
ein schwerer Duft von Heu mischt sich
mit Erinnerung

[prechorus]
am Fliederbaum steht eine Bank
wir trÀumten oft dort Hand in Hand
bis in die DĂ€mmerung

heut' geh ich den stillen Weg allein
Dein Name steht in kaltem Stein

das Leben ist nicht fair.

[chorus]
Wie soll das geh'n
Wie soll das geh'n
Wie soll das geh'n
ohne Dich

Wie soll das geh'n
Wie soll das geh'n
Wie soll das geh'n
ohne Dich (ad libs ... oooooh)

[vers 2]
schon seltsam wie nah du mir bist
jetzt wo Du fehlst
ich hör' dich noch oft an der TĂŒr
doch das ist nur der Wind
(naja, kann man besser formulieren)

[prechorus]
Und manchmal verlier ich den Verstand
besuche Dich an uns'rer Bank
wo uns're Namen steh'n

dann schließ' ich die Augen, leg' die Hand
genau aufs Herz, wo Liebe stand
und bin ein StĂŒck bei Dir

[chorus]
Wie soll das geh'n
Wie soll das geh'n
Es muss doch geh'n
ohne Dich

Das wird schon geh'n
Wirst schon seh'n
wird irgendwann geh'n
ohne Dich (ad libs ... oooooh)


Vorteil:
Klarheit ĂŒber: Tod, nicht Trennung, (Name in kaltem Stein)
Nachteil:
kleinere ProjektionsflÀche. Spricht evtl. nur Witwer/n an

Irgendwie gefiel es mir vorher besser, als der Punkt getrennt oder verwitwert offen war.

Gaaaanz am Anfang im ersten Fred schireb ich was vom "Hin und Her beim Texten". In etwa so wie jetzt Ă€ußerst sich das. Morgen frĂŒh, kann ich locker ne 180°-Wendung machen. :cool:
 
Zuletzt bearbeitet:
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 3 Benutzer
Das wirft die Frage auf: Wie viel Unvollkommenheit in einem Text ist eigentlich akzeptabel – wenn am Ende jeder Hörer ohnehin seine eigene Geschichte hineinliest?
Wie du meinst. - Ich schreibe nur, was mir gefĂ€llt. Oder besser gesagt, bis es mir gefĂ€llt. Das macht mir immer große Freude. Ich schreibe verdammt individuell. Immer im GesprĂ€ch mit mir. Meistens mit einer BegrĂŒndung... manchmal auch ohne. :unsure:
 
Zuletzt bearbeitet:
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 3 Benutzer
"schon seltsam wie nah du mir bist
jetzt wo Du fehlst
ich hör' dich noch oft an der TĂŒr
doch es ist wieder nur der Wind"

Ich will mich nicht einmischen, aber wie findest du den letzten Satz? Das klingt so wehleidig, wiederholend, Hoffnung da - Hoffnung weg und das immer und immer wieder. Ist nur eine Idee.
LG

P.S
Dieser Song ist schon herzzerreißend und sehnsuchtsvoll und er erweckt MitgefĂŒhl in mir. Die Schlichtheit die Dein Text hat, macht es fĂŒr mich so glaubwĂŒrdig und nahbar. Diese kleinen Dinge in Deinem Text wie "ich höre dich oft noch an der TĂŒr" - als Beispiel - ich kann hier meine eigenen Erfahrungen und Erinnerungen hineininterpretieren

"wir trÀumten oft dort Hand in Hand" - Vergangenheit - um dann wieder in die Gegenwart zu springen, die weh tut.

LG
 
"schon seltsam wie nah du mir bist
jetzt wo Du fehlst
ich hör' dich noch oft an der TĂŒr
doch es ist wieder nur der Wind"

Ich will mich nicht einmischen, aber wie findest du den letzten Satz? Das klingt so wehleidig, wiederholend, Hoffnung da - Hoffnung weg und das immer und immer wieder. Ist nur eine Idee.
LG

P.S
Dieser Song ist schon herzzerreißend und sehnsuchtsvoll und er erweckt MitgefĂŒhl in mir. Die Schlichtheit die Dein Text hat, macht es fĂŒr mich so glaubwĂŒrdig und nahbar. Diese kleinen Dinge in Deinem Text wie "ich höre dich oft noch an der TĂŒr" - als Beispiel - ich kann hier meine eigenen Erfahrungen und Erinnerungen hineininterpretieren

"wir trÀumten oft dort Hand in Hand" - Vergangenheit - um dann wieder in die Gegenwart zu springen, die weh tut.

LG
Ja, ich schrieb ja direkt dabei dass die letzte Zeile Luft nach oben hat. War erstmal nur eine inhaltliche Skizze
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
schon seltsam wie nah du mir bist
jetzt wo Du fehlst
ich hör' dich noch oft an der TĂŒr
doch es ist wieder nur der Wind"
Falls deine Frage an mich gerichtet ist- das gefĂ€llt mir! Nicht zuletzt deshalb, weil es die Gegenwart betont! 😉

Dieser Vierzeiler ersetzt fĂŒr mich einen ganzen Text. Den Rest gestalte ich gern allein! So ging es mir frĂŒher, als mein Englisch noch schlechter war als heute:, wenn ich einen Vers toll fand, malte ich mir begeistert den Rest selber aus! Das geht sicher Anderen auch so

 
Zuletzt bearbeitet:
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Ja war an Dich - ich habe es nur vergessen zu erwĂ€hnen. Nicht unwichtig, oder? :) Sorry - bin einfach nur mĂŒde.
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
Mich holt diese Strophe noch nicht wirklich ab, vielleicht auch wegen des fehlenden Reimes, das hat etwas „unrundes“, das sehr stark die Aufmerksamkeit erhöht und die Erwartung besonderer Bedeutung weckt, die sich fĂŒr mich nicht einlöst.

Man könnte die geringen Reimmöglichkeiten von „fehlst“ umgehen, z.B.
Schon seltsam, jetzt wo Du fehlst
bist Du mir so nah,
ein Rascheln im Wind, die offene TĂŒr
und Du bist unvollkommen da

Dieses Beispiel ist selbst noch unrund - es soll nur weitere Optionen aufzeigen.

Der Text insgesamt hat gewonnen, finde ich!

x-Riff
 
Man könnte die geringen Reimmöglichkeiten von „fehlst“ umgehen, z.B.
Schon seltsam, jetzt wo Du fehlst
bist Du mir so nah,
ein Rascheln im Wind, die offene TĂŒr
und Du bist unvollkommen da

Lieber x-Riff
Könnte man. Ohne Zweifel!

Aber die andere Variante des Texters ĂŒberrascht mit einem einmaligen Geniestreich
"schon seltsam wie nah du mir bist
jetzt wo Du fehlst
ich hör' dich noch oft an der TĂŒr
doch es ist wieder nur der Wind

Diese trockene Schluss-Pointe wird mE zeitgleich kein zweites Inneres auf dieser Welt erfinden! Obwohl gerade der Wind zugleich fĂŒr ein billiges Nichts steht und somit doppelt wirksam zu sein scheint
👍

Wer im Reimen drin steckt , steigt selten vor dem Ziel aus dem Fluss!
 
Zuletzt bearbeitet:
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
Ihr lieben Schreiber :)
Spannend und toll, was Texte mit jedem Einzelnen machen!
Bishin zum Wachkoma đŸ€Ÿ (mĂŒde-wach) :cool:

Manchmal hilt es, Texte ein paar Tage liegen zu lassen.
Ich mache das jetzt mal.

Die Nummer mit den Halluzinationen an der TĂŒre in Vers 2 finde ich aktuell zunehmend unattraktiv.

DafĂŒr gefĂ€llt mir zunehmend im ersten Chorus (Teil 2):
...
heut' geh ich den stillen Weg allein
Dein Name steht auf einem Stein (
oder doch, "wo Du jetzt bist, kann ich nicht sein". Dann wĂŒrde bleibt der Hintergrund offen)
das Leben ist nicht fair.

Aber wie gesagt, ich lass es jetzt mal 'ne Weile ruhen.
Am Ende entscheidet ohnehin die Regierung hier zuhause ;-)

Vielen Dank bis hierhin schonmal fĂŒr eure tollen Anregungen und konkreten Hilfestellungen!
 
  • GefĂ€llt mir
Reaktionen: 1 Benutzer

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
ZurĂŒck
Oben