Hi @Vocal Voyage
habe mir jetzt Deinen Text nach den eingegangenen Feedbacks noch mal intensiver angeschaut & hÀtte was zu zwei Stellen:
Direkt am Anfang die zweimalige Verwendung von Horizont. EinwĂ€nde treffen schon, sieht manâs aber poetischer bzw. aus einer Innensicht heraus, passt es imho. Das erste Horizont sehe ich als Zielpunkt einer Bewegung. Man weiĂ, dass man den Horizont per Definition nicht erreichen kann - somit ist er als ideelle Orientierung gemeint.
Das kann man schon aufgreifen - bei der zweiten Verwendung wÀre Horizont wieder kein bestimmter Ort und sicher kann dort keine Bank stehen - also ist auch hier ein imaginierter Ort gemeint.
War in beiden FĂ€llen als echter, geografischer (wenn auch unspezifischer) Ort gemeint. Horizont als die optische Linie, der den Himmel von der Erde abgrenzt. Da steht die Bank. Eigentlich ein schönes Bild. Wenn Du dort angekommen bist, ist der Horizont natĂŒrlich wieder woanders. Der ist ja immer in der Ferne. Aber: Der Protagonist beschreibt seine EIndrĂŒcke auf dem Weg zum Horizont. Ich stelle mir das so vor, dass er den Weg an den Feldern vorbei bis zum Horizont geht, der auch das Ziel darstellt, weil dort die "geschichtstĂ€chtige" Bank der beiden steht (komme gleich nĂ€her drauf zu sprechen).
Von dieser Perspektive wĂ€re das stimmig, gĂ€be aber eine Richtung vor, die ich so lese, dass alles, was an SinneseindrĂŒcken im weiteren (Geruch âŠ) geschildert wird, ebenfalls zum Reich der Imagination gehört. Das Lyrische Ich besucht also nicht wirklich die gemeinsame Bank, nimmt nicht wirklich Platz etc. Ich weiĂ nicht, ob Du das wirklich willst.
Manchmal mag man ja auch Wortwiederholungen nicht, das wĂ€re fĂŒr mich ein zweiter Grund hier ranzugehen.
Ah ok. Also, wie gesagt, es war immer als reale Bank gemeint und gedacht! "Sie trĂ€gt unsere Namen" (= weil ins Holz geritzt). Haben sich dort also verewigt. Waren oft da, Hand in hand, haben bis in die DĂ€mmerung getrĂ€umt. Subtext: Die Bank verbindet damit starke positive Erinnerungen/GefĂŒhle, die auf die beiden geprĂ€gt sind (=emotionale BindungskrĂ€fte). Soweit meine ganz konkrete Intention. Also alles REAL.
Ich wollte, wie man es so macht, das Thema erstmal szenisch etablieren und dann auf die Bedeutungsebene gehen mit Allegorien.
Szene = KlĂ€rung: Was, wann, wer, wo? Das Ganze mit SinneseindrĂŒcken verknĂŒpft =>hookt besser & schneller! Ist ein must have, wenn man danach poetisch wird, weil die Szene die BezĂŒge von den Andeutungen zur RealitĂ€t/dem eigentlich Gemeinten herstellt. Vielleicht fehlt hier wirklich noch ein Detail, wie bspw. der Fliederbaum o.Ă€.. (am Horizont). Es gbt allerdings keinen Ort. Oder ich mĂŒsste dafĂŒr das duftende Heu, das sich mit Erinnerungen mischt, weglassen. Das ist allerdings ein Highlight, und es wĂ€re nichts gewonnen
Du schreibst, du hast konkrete Orte (fĂŒr das zweite Horizont) ausprobiert und hĂ€ttest nichts gefunden, was genau gepasst hĂ€tte ⊠Sollen es drei Silben sein, eher helle Vokale? Mir ist spontan âAm Fliederbuschâ eingefallen, es könnte auch sowas wie âAm Auerbach seinâ - tatsĂ€chlich gibt es nahezu unendlich viele Möglichkeiten, so dass ich denke, falls Du Horizont durch einen konkreten Ort (oder einen poetischen) ersetzen willst, dass man da bei einigem Suchen fĂŒndig wĂŒrde.
Der Fliederbusch ist wirklich schön! Ich hatte vorab die Kandidaten: Lindenbaum, alter Baum, Lichtung, am Wegweiser u.Ă€. Es gibt genug Möglichkeiten, nur ist dafĂŒr kein Platz im Text. Derst bewussts ehr knapp gehalten und mit langen Pausen zwischen den Satzfragmenten versehen (zum Nachdenken und -spĂŒren). Ich habe das nicht lösen können.
Die zweite Stelle ist die mit dem Geruch und den letzten beiden Zeilen und dem Reim auf âfehlstâ. Aus dem Bauch raus und sehr weit weg vom Original fiel mir dies ein (ist noch nicht silbengetreu, geht mir eher um die Idee als solche)
âund ich suche Dich wieder, höre wie Du von 100 abwĂ€rts/runter zĂ€hlstâ oder als Variante âund ich will (immer noch), dass Du mich findest, wenn Du von 100 abwĂ€rts/runter zĂ€hlstâ. Das wĂŒrde eine RĂŒckerinnerung in eine gemeinsame Kindheit bedeuten und dann auch einschlieĂen (so lange das nicht durch andere Formulierungen ausgeschlossen wird), dass es auch beispielsweise der Tod eines geliebten Bruders oder einer geliebten Schwester bedeuten könnte, in jedem Fall aber, dass die beiden Personen eine Kindheit geteilt haben.
Schöne Idee, ich habe da schon seeeehr viel ausprobiert! Das mit dem Geruchssinn / Riechen ging noch am ehesten. Habe ich irgendwann als Kompromiss innerlich duchgewunken.
Dass es eine Sandkastenliebe ist, wÀre allerdings ein neuer, auch irrelevanter Aspekt.
Herzlichen Dank!