Gerade unter den Erwachsenen mit Job und Familie gibt es etliche, für die der GU eher eine Art "Insel" ist. Ein Auszeit für sich selbst. Den meisten davon dürfte klar sein, dass sie keine großen Sprünge machen werden – ihre Entscheidung. Auch das zu akzeptieren, kann einen guten Lehrer ausmachen. Es ist subjektiv und indivduell.
Darin unterscheidet sich GU von Instrumentalunterricht. Da es nicht wirklich Sinn ergibt, einem 6-jährigen Gesangstechnik beizubringen (jaja, es gibt auch andere Meinungen, aber das gehört nicht hierher...), sind die meisten Gesangsschüler tatsächlich Erwachsene. Und Erwachsene - das wissen wir alle - haben wenig Zeit. Darüber hinaus haben sie i.d.R. nicht die Absicht, singen zum Beruf zu machen, sondern singen nur für sich oder evtl. in einer Hobbyband.
Jetzt herzugehen und irgendwelche Maßstäbe für Mindestübezeiten und Fortschritte anlegen zu wollen, funktioniert einfach nicht. Das hat nichts mit 'durchschleppen' zu tun. Der eigene Anspruch des Schülers bestimmt. Wenn es der Anspruch des Schülers ist, mit jemandem allgemein über Musik zu philosophieren, dann ist das vollkommen in Ordnung. Ich habe Schüler, die mir im Unterricht von den Querelen innerhalb ihrer Bands erzählen und meine Ansicht dazu hören wollen. Auch das ist bezahlte Unterrichtszeit, und das wissen die Schüler genauso.
Wenn jemand null Motivation bzw. keinen Bock auf's Instrument hat und somit durchgeschleppt werden müsste, warum sollte der überhaupt kommen? Das kenne ich nur von Instrumentalkids, die von den Eltern geschickt werden (nach dem Motto "mir egal, ob du Schlagzeug nicht mehr magst; wir haben jetzt 2 Jahre bezahlt, also gehst du weiter hin. Basta"). Sowas ist zum Kotzen - sowohl für Schüler als auch mich - aber das merkt man recht schnell und dann spricht man mit dem Schüler ... und dann mit den Eltern. In all den Jahren habe ich es erst einmal erlebt, dass die Eltern völlig uneinsichtig waren. Also haben wir uns im Unterricht einfach gegenseitig Musik vorgespielt, die wir gut finden.