Parkhaus meiner Gefühle

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Hallo

Ich würde gern von euch wissen was ihr von meinem Text haltet. Vielen Dank im Voraus. Gruss aus der Schweiz

Mikrotie



Parkhaus meiner Gefühle





(strophe 1-2)

Mein Kreis lässt mich nicht los,

ich habe ihn so oft beschrieben.

Er führt mich immer rund herum

und lässt die Schwächen in mir siegen.



Ich sehe den Weg doch komme wieder,

viel zu nah an meinen Rand.

Die Fliehkraft presst mich nur nach aussen,

der Ausgang da, doch unerkannt.



(Refrain)

Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.

Gut geschützt, vor Sturm und Angst.

Bewegte ich mich kreiselartig,

durch mein Leben, mit Distanz.



(strophe 3-5)

Ich sehe immer gleiche Bilder,

spüre so oft denselben Schmerz.

Mein Gedächtnis scheint betäubt,

und ich glaube auch mein Herz.



Die Rundung des Kreises spürte ich kaum,

ich sah den Weg, doch nie die Richtung.

Im Kreisverkehr verlor ich mich,

gefangen — ohne jede Schlichtung.



Die Dauerkarte war erloschen,

sie zu verlängern war gefährlich.

Ein Stellplatz in der echten Welt,

wurde endlich — unentbehrlich.



(Bridge: )

Im Parkhaus der Gefühle,

sieht jede Ebene gleich aus.

Ich fuhr den Kreis, doch auch nach oben,

und kam dann doch beim Licht heraus.



(finaler Refrain)

Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.

Gut geschützt, vor Sturm und Angst.

Nahm der Kreis mir jedes Gefühl,

erzeugte Angst und auch Distanz.
 
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Hi @Mikrotie
Willkommen auf dem Musiker-Board und im Songtexter-Forum!

Dein Text gefällt mir gut! Ein Bild - das des Parkhauses - beleuchtet ein Leben, eine Lebenssituation, eine Lebensphase. Ich sehe jemanden in diesem Parkhaus der Gefühle kreisen - das erschließt mir die beschreibenden Worte, die mir sonst zu abstrakt wären. Die Form ist so gewählt, dass sie sich gut vertonen und musikalisch umsetzen läßt - ein wesentliches Kriterium für Songtexte.

By the way die Frage: Bist Du selbst auch musikalisch unterwegs?

Wenn jemand im Forum neu ist und einen oder mehrere Texte vorstellt, stelle ich gerne die Frage, ob ein spezifisches Feedback erwünscht ist oder erwartet wird und ob der Text abgeschlossen ist oder ob es eine Offenheit zu Änderungen gibt. Was ich vom Text halte, habe ich ja kurz beschrieben.

Wo ich noch mal genauer hinschauen würde, wären die Zeitformen: In den beiden Eröffnungsstrophen sind wir in der Gegenwart des Lyrischen Ich (dem Akteur im Songtext - oder der Akteurin? - das bleibt offen), im Refrain ist es die Vergangenheit, in der Strophe 3 wieder die Gegenwart, in den Strophen 4 und 5 wieder die Vergangenheit, in der Bridge sind die beiden ersten Strophen in der Gegenwart, die beiden folgenden in der Vergangenheit; die auch im Schlußrefrain beibehalten wird.
Ich meine schon zu verstehen, dass hier insgesamt ein Wandel stattfindet im Lyrischen Ich: Er/Sie befreit sich aus dem Parkhaus der Gefühle, dem Kreiseln, dem Auf und Ab und Hin und Her - und kann sich selbst - so lese ich die story selbst befreien und blickt aus der Situation des Befreit-Seins zurück. Das ist alles folgerichtig und auch die Gegenwartsform für eine Zeit, die eigentlich in der Vergangenheit spielt, ist schlüssig: die Zuhörenden befinden sich in der Situation zusammen mit dem LI, das seine Gegenwart beschreibt, die ihm gleichzeitig als Ewigkeit erscheint, aufgrund der Unausweichlichkeit. Zudem schafft das Präsenz eine Nähe zum LI und ist dadurch psychologisch gerechtfertigt. Dennoch erscheinen mir die Wechsel zwischen Vergangenheit und Zukunft von Außen betrachtet insgesamt mehr eine Setzung als einer inneren Folgerichtigkeit geschuldet. Dass der Refrain die vergangene Zeit beschreibt und die Strophen in der Gegenwart spielen, finde ich schlüssig - und wenn man die Bridge als "turning point" ansieht, dann wäre auch dort der Wechseln von der Gegenwarts- zur Vergangenheitsform plausibel. Aber als turning point kommt die Bridge sehr spät und schon vorher fand ein Zeitenwechseln in den Strophen statt.

Das korreliert mit einer anderen Beobachtung: Gibt es überhaupt einen "turning point"? Also irgendein Ereignis, eine Erkenntnis, eine Situation, aus denen heraus verständlich wird, wie es kommt, dass sich das LI befreien kann? Ich habe keinen erkannt. Man muss das auch nicht machen - die Folge ist jedoch, dass dem Zuhörenden der Wechsel unverständlich bleibt. Auch das kann man so machen. Aber ist das gewollt oder gibt es aus Deiner Sicht ein Motiv, ein Erlebnis, das Du im Text beschrieben hast und den ich nur nicht wahrnehme? Das könnte darauf hinweisen, dass eventuell dieser Punkt noch etwas deutlicher herausgearbeitet werden könnte. Wenn ich genauer lese, finde ich in dieser Strophe eine Beschreibung des Wandels:
Die Dauerkarte war erloschen,
sie zu verlängern war gefährlich.
Ein Stellplatz in der echten Welt,
wurde endlich — unentbehrlich.
Die Dauerkarte war erloschen - doch wodurch? Was war die Gefahr, sie zu verlängern? Endlich war sie unentbehrlich - doch was zeigte dem LI diese Unentbehrlichkeit.

Was ich hier beschreiben sind meine Fragen zu einem Text, den ich insgesamt als stark empfinde. Die Fragen betreffen sozusagen die letzten 5 bis 10% eines Textes in Bezug auf die Wirkung, die er auf mich hat. Andere können durchaus anders empfinden.

Ach so - noch eine ganz formale Sache: Ich nehme an, Du hast den Text aus einer Textdatei hier eingefügt. Dann entstehen diese doppelten Abstände, die eigentlich unnötig sind. Das kannst Du vermeiden, indem Du beim Einfügen des Textes in Deinen post die Option wählst "Einfügen ohne Formatierung".

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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  • #3
Hey, eine Menge Text – danke, dass du dir so viel Zeit für meinen Song genommen hast.

Zu deiner Frage: Ich wurde tatsächlich acht Jahre als klassischer Posaunist ausgebildet, beruflich bin ich aber Psychiatriepfleger. Musik begleitet mich trotzdem schon mein ganzes Leben.

Die Sache mit den Zeitformen war ehrlich gesagt keine bewusste Entscheidung bis ins Detail. Ich habe eher aus dem Gefühl heraus geschrieben. Beim Schreiben stand für mich die emotionale Wirkung im Vordergrund und weniger die grammatikalische Konsequenz. Dass dir das aufgefallen ist, finde ich aber spannend. Jetzt, wo du es beschreibst, sehe ich die Wechsel auch deutlicher.

Den “Turning Point” hast du ebenfalls gut getroffen. Ich habe ihn absichtlich nicht klar benannt. Für mich ist das weniger ein einzelnes Ereignis als ein innerer Prozess. Im echten Leben gibt es oft keinen einen Moment, in dem plötzlich alles anders ist. Man merkt manchmal erst rückblickend, dass man sich aus einem Kreislauf gelöst hat. Genau dieses Gefühl wollte ich transportieren.

Ob ich an den Zeitformen noch etwas ändere, weiß ich noch nicht. Ich lasse dein Feedback auf jeden Fall erst einmal sacken und lese den Text mit etwas Abstand noch einmal. Vielen Dank dafür!
 
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  • Ersteller
  • #4
Ich bin für jedes Feedback dankbar. Ich hoffe ich kann mich durch diese stetig verbessern. Vielleicht fühle ich mich irgendwann startklar und würde mal die Rubrik: „Suche Musiker“ näher erkunden.
 
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Ein vielschichtiges Thema bravourös umgesetzt. Gefällt mir sehr gut.

Aber die letzten beiden Zeilen. Mit denen ist irgendwas. Die letzten beiden Zeilen wirken auf mich wie ein sachliche Erkenntnis, die aber im übrigen Text schon sehr gut und bildhaft dargestellt wird. Praktisch wie eine Erklärung des Problems.

---
 
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Stilistisch erinnert es mich an neuere Texte von Kunze.

Gut gemacht, virtuos.

Die Zeitformen würde ich so lassen.

Das gibt dem ganzen eine "film noir-Atmosphäre" - man weiß nicht mehr, was ist Erinnerung, was ist aktuelles erleben - wegen scheinbar willkürlicher Tempuswahl. :)

Als inhaltlichen Impuls hör gern noch:

A house of many rooms
von Mike & the Mechanics
 
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  • #7
Danke für den Hinweis. Jetzt bin ich neugierig geworden. Was genau hat dich inhaltlich an “A House of Many Rooms” erinnert? Sind es die verschiedenen Räume als Bild für unterschiedliche innere Anteile – ähnlich wie bei meinen verschiedenen Parkdecks im “Parkhaus der Gefühle” – oder hast du etwas ganz anderes darin wiedergefunden?
 
House of many rooms war meine sofortige Assoziation als ich nur die Überschrift deines Textes gelesen habe.

Bei house of many rooms gibt es im Vamp am Ende eine krasse sich steigernde Rekapitulation - daher Tipp zur Inspiration.
 
  • Ersteller
  • #9
Was die Zeitformen betrifft: Für mich ist das Parkhaus keine starre Kulisse, sondern eine Zeitspanne, eine Entwicklungsphase. Je nachdem, aus welcher Perspektive ich auf diese Phase schaue, wechseln für mich auch die Zeitformen.
 
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  • #10
Eine schöne neue Farbe hier im Texteforum. Willkommen @Mikrotie

Ich mag das Bild von den verschiedenen Ebenen eines Parkhauses... und mit den Zeitsprüngen zwischen Vergangenheit und Gegenwart bekommt es für mich einen philosophischen Zug: Die verschiedenen Ebenen eines Lebens, die aber auch gleichzeitig existieren.

Ich bleibe ebenso wie @antipasti an den letzten beiden Zeilen hängen. Die bringen das ganze Ding mE plötzlich zum Stillstand.
Ansonsten: Chapeau!
 
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  • #11
Hallo da draussen

Ich habe mir Gedanken gemacht zu den beiden letzten Zeilen. Ich spüre, dass diese zwei neuen Zeilen besser funktionieren.

„fordert Tribut, zerrt mich aus,
ganz ohne jegliche Kulanz“.
 
  • #12
Ich spüre, dass diese zwei neuen Zeilen besser funktionieren.

Für mich leider nicht, denn das Problem, das ich mit den letzten Zeilen hatte, besteht auch mit den neuen Zeilen noch.

Du lieferst dem Leser/Hörer am Ende eine Erklärung für alles, was du bereits sehr treffend geschildert hat: "Das Parkhaus war schlecht für mich, weil...". Das ist meiner Meinung nach unnötg.

Ich sehe eigentlich keinen triftigen Grund, den letzten Refrain abzuwandeln, zumal es ja nur zwei davon gibt. Da die "kreiselartige Bewegung auf Distanz" aus dem ersten Refrain ja in der Vergangenheit liegt, passt sie auch im Nachgang noch gut.

Ansonsten wäre ein alternativer Ansatz vielleicht, sich am Ende auf das neue Leben "da draußen auf dem Highway" zu fokussieren, statt ein Resümee über das Vergangene dranzukleben.

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  • Ersteller
  • #13
Ich glaube ich sollte es vielleicht so formulieren:

„Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.
Gut geschützt, vor Sturm und Schmerzen.
Nahm der Kreis mir jedes Gefühl,
jedoch je höher ich gelangte,
Sah ich das Licht, ganz tief im Herzen“.
 
  • #14
„fordert Tribut, zerrt mich aus,
ganz ohne jegliche Kulanz“.
Das klingt mir unvermittelt viel zu mittelaterlich und bürokratisch.

Wir hatten einen Lateiner in der Schule der so geredet hat, das hat mich immer genervt.
 
  • #15
„Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.
Gut geschützt, vor Sturm und Schmerzen.
Nahm der Kreis mir jedes Gefühl,
jedoch je höher ich gelangte,
Sah ich das Licht, ganz tief im Herzen“.

Das gefällt mir besser. Bis auf "Nahm der Kreis mir jedes Gefühl", da stolpere ich immer noch. Geht das nicht bildhafter?

„Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.
Gut geschützt, vor Sturm und Schmerzen.
Eingefror'n in Zeit und Raum,
jedoch je höher ich gelangte,
Sah ich das Licht, ganz tief im Herzen“.

Oder:
„Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.
Gut geschützt, vor Sturm und Schmerzen.
Abgestellt, nie abgeholt,
jedoch je höher ich gelangte,
Sah ich das Licht, ganz tief im Herzen“.

BTW: Die letzten zwei Zeilen würde ich wieder in die Gegenwart verlegen, da sie bereits einen Blick in die Zukunft gewähren:

jedoch je höher ich gelange,
Seh' ich mehr Licht, ganz tief im Herzen“

EDIT:
Das doppelte "je" in "jedoch je höher ich gelange" ließe sich auch noch einsparen:

doch je höher ich gelange,

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  • #16
(finaler Refrain)
Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.
Gut geschützt, vor Sturm und Angst.
Nahm der Kreis mir jedes Gefühl,
erzeugte Angst und auch Distanz.
..mir gefällt der Reim "Angst" - "Distanz"..vielleicht wirkt es schlüssiger, wenn die "geschützt"-Zeile ans Ende kommt

Im Parkhaus meiner Gefühle, war ich ein Dauermieter.
Extravaganz und auch Konstanz
Varianz, ein Hauch Distanz.
Gut geschützt, vor Sturm und Angst.

..ok, die "-anz" Reime (es gibt reichlich) sind Spielereien..wichtig ist mir der Vorschlag mit "Angst" als letztem Wort.
 
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