[Pickups] Seymour Duncan Alnico II Pro Slash (APH-2)

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Was macht denn der Benny schon wieder hier? Antwort: Diesmal habe ich mich an Tonabnehmern probiert ;-)

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1. Prolog

Ich habe in meinem Review über die PRS SE Singlecut ja bereits geschrieben, dass ich die PRS Standard 1985 PUs recht gut finde, aber sie haben ihre Schwächen. Unter anderem wären das ihr hoher Output und ihre Klarheit. Alle PRS-PUs, die ich bisher gespielt habe, klangen unheimlich differenziert und fast schon analytisch genau. Bei diesen Pickups ist das aber so stark ausgeprägt, dass der Sound oft einfach kalt und steril wirkt. PRS sagt selbst, man soll diese Pickups verwenden, „if you want to add a little ‚zing‘ to you current guitar“. Das war mir etwas zu viel "Zing", also dachte ich, dass ich da etwas ändern muss… hier geht es um meinen ersten Versuch.

Ziel: Ein warmer, fetter, aber gleichzeitig definierter und klarer Sound.


2. Warum die Slash-Pickups?

Ich bin ein großer Slash-Fan, ich liebe seinen aktuellen Live-Sound und ich finde das, was er spielt, einfach nur abartig genial. Das war aber nicht so ganz der Grund, warum ich mir diese Tonabnehmer gekauft habe. Ganz einfach, weil ich selbst weiß, dass man den Sound eines anderen nicht einfach auf sich selbst übertragen kann, zumal meine Gitarre doch etwas andere Specs hat als eine Gibson Les Paul.

Ich habe lange im Internet recherchiert, welche Tonabnehmer für mich geeignet sein könnten, aber vor allem beschaffbar und bezahlbar sind. PRS 57/08 hätte ich gerne probiert, die sind aber nicht einfach so erhältlich. Ich bin irgendwann bei Seymour Duncan hängen geblieben und habe mir dort vieles angeschaut: `59 (SH-1), Custom, Custom Custom, Jeff Beck (SH-4), Jazz (SH-2), Custom V, Alnico II Pro… ich konnte mich nicht entscheiden, von den Specs, Beschreibungen, persönlichen Erfahrungen und Aufnahmen her tendierte ich zu PAF-ähnlichen Typen und insbesondere zu den Alnico II Pro. Die waren im örtlichen Handel nicht verfügbar, dort riet man mir aber zu den Slashs, weil die ja quasi baugleich wären, aber doch etwas fetter und das wäre ja schließlich genau das, was ich suche.


3. Specs & Verarbeitung

Ich mache es kurz: Beide PUs haben einen Alnico II-Magneten – hätte jetzt keiner vermutet, oder? :D

8,5 kOhm am Steg, 7,9 kOhm am Hals. Single-Conductor-Cable, daher nicht splitbar!

Den Slash-Sound brauche ich keinem zu beschreiben, wer mehr erfahren will:

http://www.seymourduncan.com/comparetones/view/204

http://www.seymourduncan.com/products/electric/humbucker/vintage-output/alnico_ii_pro_s_1/

Die Pickups sind denen nachempfunden, die in der Les Paul-Kopie (ja, Kopie^^) verbaut wurden, die Slash für das Guns N‘ Roses-Album „Appetite for Destruction“ und aller Nachfolger verwendet hat. Die APH-2 wurden vor ein paar Jahren von Seymour Duncan entwickelt, damit alle aktuellen Les Pauls von Slash genau den Sound dieser einen Gitarre haben.

Ich habe die PUs nicht selbst eingebaut, aber nach dem, was ich so gesehen habe, sind sie ordentlich verarbeitet. Es gab auch keinerlei Probleme, Aussetzer o.ä. Da ich so oder so kein Fachmann bin, kann ich wenig dazu sagen, ich gehe aber davon aus, dass die Jungs und Mädels bei Duncan wissen, was sie tun.


4. Ran an den Speck – Sound

4.1 Steg

Ich fange mal anders an: Ich habe mal gelesen, dass Slash angeblich einer der ersten gewesen wäre, der die Mitten an seinem Amp stark rausgedreht hätte. Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt – ich habe mich über diesen Bericht aber immer gewundert, weil er ja nicht gerade einen Scooped-Sound am Start hat. Nachdem ich jetzt aber seine Tonabnehmer kenne, kann ich sagen: Ich halte es durchaus für denkbar, dass dem so sein könnte ;)

Ich nehme es vorweg, der Steg-PU kommt brachial durch die Mitte. Klar, Slash-PUs muss man zuerst verzerrt spielen – also los, Marshall JVM, Crunch-Kanal, roter Modus. Wenn der nächste Saw-Film einen Hauptdarsteller sucht, bitte melden! Hier wird richtig Säge geboten, es rockt ordentlich. Der Unterschied zu den relativ ausgeglichenen PRS-PUs war echt gewaltig, auch die Bass-Ansprache war eine ganz andere – etwas weicher, weniger straff, eine Nuance weniger definiert – was nicht negativ gemeint ist.

Clean macht das übrigens eine super Figur, der Steg-PU klingt da echt nicht unangenehm. Einfach mal das Intro von „Paradise City“ anhören, genau das kam auch aus meinem Amp.


4.2 Mittelstellung

Ok, die hab ich praktisch gar nicht verzerrt, sondern eher clean getestet… zugegeben, eigentlich habe ich in erster Linie dieses dämliche Intro von „Knockin‘ on Heavens Door“ rauf und runter gedudelt :)
Nein, im Ernst, mit der Mittelstellung lässt sich super arbeiten. Beide PUs sind gut aufeinander abgestimmt, man bekommt schöne warme, aber trotzdem konturierte und knackige Sounds.

4.3 Hals

Hier wird es richtig, richtig interessiert. Der PRS-PU klang fast etwas zu wummerig und „synthetisch“ – mit etwas Verzerrung klang das, wie wenn man einfach auf eine Keyboard-Taste mit einem Synthie-Sound drückt. Steht ewig, aber klingt leblos.
Der Slash ist da ein anderes Kaliber. Für dieses Review brauche ich gar nichts selbst aufnehmen, einfach mal Intro + Soli von „Sweet Child O‘ Mine“ anhören und das Intro-Solo von „Paradise City“. Ungelogen: Meine Gitarre klang genauso, nur dass Slash halt auch richtig geil spielen kann :redface:

Der Sound ist sehr speziell: Ich würde ihn als kehlig und luftig beschreiben – je nach Sound fast wie Hals + Mitte-Stellung einer Strat. Er singt, aber auf eine andere Art und Weise als man es von einer „normalen“ Les Paul kennt. Was ich bisher von wenigen bis keinen Humbuckern kannte: Man kann sogar verzerrte Rhythmus-Sounds damit spielen, die nicht matschen, das breite Mittenspektrum macht es möglich.

Der PU verändert aber seinen Charakter stark, wenn man den Tonregler runterdreht. Da kommt man dann doch in die etwas fetteren, dunkleren Charakteristika, die ich persönlich eher mit dem Hals-PU verbinde. Natürlich zu Lasten der Höhen, die ein guter Hals-PU einer Les Paul haben sollte.


5. Fazit


Man muss diese Pickups mögen. Sie haben einen sehr eigenen Charakter, mit dem man vieles machen kann, die aber doch ihre ganz eigene Sprache sprechen. Mein Problem: Meine Gitarre klingt natura schon etwas mittenlastig, ich spiele einen Marshall über eine Box mit V30-Speakern. Mit diesen PUs war es einfach zu viel des Guten. Ich habe keinen fetten Sound bekommen, sondern einen Sound, der mich persönlich ziemlich genervt hat, weil ich ihn nicht so abstimmen konnte, wie ich wollte. Außerdem habe ich festgestellt, dass meine Spielweise eine klare, definierte Bassansprache braucht und nicht die „spongy response“, wie sie diese PUs nach Herstellerangabe einfach haben.

Wem würde ich also diese Tonabnehmer empfehlen?

Natürlich in erster Linie jedem Slash-Fan – wer den Sound will, wie man ihn vor allem von der legendären „Appetite for Destruction“-Platte her kennt, der sollte sich diese PUs ihn seine Les Paul bauen. Sie bilden definitiv einen nicht unwesentlichen Teil dieses Sounds.

Aber grundsätzlich ist jeder, der einen klassischen Rock-Sound sucht, mit diesen PUs gut beraten, falls seine Gitarre, Amp und/oder Box ein bisschen zu wenig natürliche Mitten liefern. Den Hals-PU würde ich ganz besonders empfehlen, einfach, weil er einen sehr interessanten, aber mehr als nur brauchbaren Klang liefert.

Den hätte ich sogar behalten, aber der Steg-PU gefällt mir einfach nicht… es ist nicht meine Art von Sound und ich bekomme ihn schlicht und ergreifend nicht so zum Arbeiten, wie ich es mir vorstelle.

In aller Kürze:

Vorteile:

+ grundsätzliche Qualität des Sounds
+ Abstimmung des Sets
+ Interaktion mit Volume und Tone an der Gitarre
+ Preis-Leistung (ja, das Slash-Set ist teurer als andere Seymour Duncans, aber trotzdem mehr als nur akzeptabel im Vergleich zu anderen Marken, z.B. Gibson, PRS)
+ Sound des Hals-PU


Nachteile:

- Sound des Steg-PU (subjektive Meinung, war einfach nicht meine Welt)


6. Ende

Tja, ich liste mehr Vor- als Nachteile auf, aber trotzdem mussten sie wieder raus. So subjektiv ist das mit dem Sound… wenn es nicht passt, passt es nicht, aber trotzdem würde ich sie empfehlen. Tipp: Wer sie haben möchte, darf sich mal im Flohmarkt umschauen. Ich habe so ein Gefühl, als würde da ein quasi neues, ungebrauchtes Set deutlich unter Marktpreis angeboten werden ;)

Ihr müsst jetzt alle stark sein, von mir gibt es nämlich bald wieder ein Review – ich muss ja schließlich loswerden, was jetzt stattdessen sein Unwesen in meiner SE treibt. Danke fürs Lesen an alle, die bis hierhin durchgehalten haben! Und sorry, dass ich keine Samples aufgenommen habe… jetzt ist es dafür leider zu spät, aber wie gesagt: Wer sich mal Aufnahmen von Slash anhört, der weiß, wie diese Tonabnehmer klingen. Auf den oben verlinkten Seymour Duncan-Seiten finden sich außerdem ein paar gute Videos. Wie immer geht aber nichts über den persönlichen Test mit dem eigenen Equipment, die Lektion habe ich selbst (mal wieder) gelernt...

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Hi,

endlich mal jemand, der sich auch dann die Mühe für ein solch ausführliches Review macht, wenn das Fazit aus eigener Sicht eher negativ ausfällt !

Mit meiner Ausrüstung & meinem Geschmack harmonieren diese Pickups ziemlich gut: Les Paul Faded und Marshall Sl 5 (ja, das ist der "kleine" Slash- Signature- Amp...... obwohl ich jetzt kein übermäßig großer Slash- Apostel bin ;))

Ich stehe generell auf warme & mittige Sounds- "Badewanne- EQ" (=scooped Midrange) kann ich überhaupt nicht ab !

Den Sl 5 betreibe ich über eine Orange PPC 212 mit V30er, und das kommt dem, was ich als "fett" empfinde, sehr sehr nahe....
(den JVM hab ich mal getestet- der ist für mich durchgefallen, weil er mir bei erträglicher Lautstärke im Heimgebrauch zu dünn & höhenreich wirkte)

Ich hab in der Les Paul schon etliche Sets unterschiedlichster Hersteller getestet, doch zum ersten Mal überwiegt das Gefühl, dass es für mich hier klanglich nicht mehr "besser", sondern allenfalls nur noch "anders" geht...... kann sich aber auch irgendwann wieder ändern, weil ja auch der eigene Geschmack nicht in Stein gemeißelt bleibt. :rolleyes:

Der Hals- PU könnte für meinen Geschmack sogar eine kleine Idee schlanker ausfallen, was aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich den Amp so einstelle, dass der Steg- PU alleine nicht schon zu höhenreich ausfällt.

Übrigens finde ich auch im Zerr- Bereich die Mittelstellung sehr reizvoll- da lassen sich noch einige Facetten mehr herausholen (vor allem, wenn jeder PU an der Gitarre über einen eigenen Volume- Regler verfügt !).

Aber jeder Jeck ist bekanntlich anders ;)

Danke nach "Lumpenhafen" für das gelungene Review !! :great:
 
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Danke für das Feedback!

Lumpenhafen, pfff... so kann doch eigentlich nur ein Monnemer, Badenser oder ähnliches sprechen :D

Ich geb dir (fast) komplett recht, diese PUs sind nicht schlecht, ganz im Gegenteil. In Sachen Sound geht es nur darum, wie gut einem persönlich etwas gefällt und wie es mit dem eigenen Equipment harmoniert. Ich kann mir echt gut vorstellen, dass eine "richtige" Les Paul mit den Slashs an dem Slash-Signature-Amp eine ziemlich gute Figur macht. Man kann aber letzten Endes immer nur von dem ausgehen, was man selbst probieren kann - die Demo-Videos im Netz und natürlich Slash selbst gefallen mir ja auch richtig gut, aber es passt einfach nicht zu dem, was ich mache, wie ich es mache und womit ich es mache.

Das Review hab ich gerne geschrieben. Ich habe ja selbst erfahren, wie verzweifelt man immer nach Referenzen und Bewertungen sucht, bevor man etwas neues ausprobieren will, von daher teile ich meine Erfahrungen gerne. Auch wenn ich Sounds nicht so präzise wie manch ein anderer beschreiben kann :redface:
Aber vielleicht hilft ja so etwas manchmal doch weiter als die blumige Gitarre & Bass-Sprache und die Angaben des Herstellers... ich habe erst nach dem eigenen Test herausbekommen, was genau mit "spongy bass response", "rude crunch" und "sweet sustain" gemeint ist und wie das alles zusammenpasst.

Dazu übrigens ein Nachtrag: Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass die etwas schwächeren Alnico II-Magneten im Vergleich zu den vorher verbauten PUs mit Alnico V das Sustain etwas verlängern, weil die Saite etwas ungestörter schwingen kann. Ich habe keinen objektiv-wissenschaftlichen Vorher-Nachher-Vergleich gemacht, aber mir ist das wirklich sehr stark aufgefallen. Die PUs, die ich jetzt drin habe, haben ebenfalls Alnico II-Magneten und auch da fällt mir das extrem auf, schließlich habe ich die alten PRS-PUs über Jahre hinweg gespielt.

Na ja, das eigentlich doofe an der ganzen Geschichte mit der Soundsuche liegt ja wo ganz anders: Ich habe den Umbau bezahlt und muss jetzt das Set mit ordentlich Verlust weiterverkaufen - zumindest versuche ich das. Tja so, kann man sich auch die Taschen leer machen :rolleyes:
 
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Super Review!
Mit PUs ist das immer so eine Sache. Wie sie wirklich klingen erfährt man erst, wenn man sie selber spielt. Die ganzen blumigen Begriffe aus den Beschreibungen versteht man dann m.M.n. auch erst dann, wenn man etwas Erfahrung mit unterschiedlichen PUs gemacht hat. Nicht jeder PU passt in jede Gitarre (können sogar Gitarren des gleichen Typs sein!) und zu jedem Gitarristen.

Die Slash-PUs finde ich schon sehr interessant, vor allen den Neck-PU, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Alnico II nicht unbedingt meine erste Wahl ist, besonders nicht an der Bridge. Solche PUs klingen zwar oft sehr "warm" mit einem schönen Mittenspektrum, allerdings sind die Bässe doch schon sehr "lose". Das macht sich dann besonders bei viel Gain bemerkbar, dafür punkten sie bei Vintagesounds. Alnico V ist im Gegensatz dazu "klarer" und "straffer" dafür sind die Mitten nicht so präsent. Du scheinst ja auch etwas "straffere" PUs zu suchen.
 
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Ich hatte die Slash-PUs von SD auch schon und kann das Ergebnis des Reviews hier nur bestätigen. Wer einen extrem mittigen Ton sucht, der ist hier bestens bedient. Die PUs sind im Gegensatz zu Burstbucker oder ähnlichen "heissen" PAF wie mit einem Low- und High-Cut versehen. Bässe und Höhen werden teils gekappt und die Mitten geboostet.
Im Vergleich zu beispielsweise Gibson 57er Classics sind sie heisser und eindimensionaler. Wer einen offenen, breiten Ton sucht oder auf seine Tiefmitten Wert legt, der sollte andere PUs kaufen.
 
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Ich bin ja schon mal beruhigt, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben :)

Am Anfang dachte ich wirklich, ich hätte einen an der Klatsche... ich hätte nie gedacht, dass die Tonabnehmer den Klang einer Gitarre so fundamental ändern können. In Nuancen und Details, klar, das wollte ich ja auch erreichen, aber das hier war ein komplett anderer Sound als alles, was vorher aus der Gitarre gekommen ist.

Aber es hat mir auch geholfen zu verstehen, was ich wirklich will und auf was ich Wert lege. Diese starke Mittenbetonung ist definitiv nicht meine Sache. Ich habe aber auch die Gibson Classic 57 in einer Les Paul angespielt, die haben mir im Gesamten recht gut gefallen, aber ich fand die Bassansprache für mich nicht passend... zu unkonkret, fast schon ein bisschen schwammig. Wobei das sicher auch an der recht dicken LP gelegen hat und wahrscheinlich auch so gewollt war, weil da einfach kein kerniger Hard Rock-Sound rauskommen soll.

Nur noch ein Wort zu Alnico II: Ich habe jetzt Lollar Imperial High Winds drin (Review folgt!) und auch die haben an der Bridge einen Alnico II-Magneten. Klar, die Straffheit meiner alten PRS-PUs kriege ich damit nicht hin, aber die Bassansprache ist um unendlich viele Welten tighter und definierter als alles, was ich mit den Slashs und den Gibson 57 zustande bringen konnte. Die Lollars haben genau den Sound, den ich gesucht habe - keine Ahnung, ob das an den Magneten, dem Draht, der Wicklungszahl oder -dichte oder an sonst etwas liegt... höchstwahrscheinlich ist es ein Mix aus alledem.

Fazit: Wenn man das Geld und die Zeit investieren will, kann es nicht schaden, mal verschiedene Tonabnehmer zu testen. Man versteht diese teils subtilen, teils gravierenden Unterschiede erst dann, wenn man mit dem eigenen Material einen direkten Vergleich anstellen konnte und sieht, wie sich gewisse Specs auf den Sound auswirken.
 
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Pah, bau mal in eine Gitarre erst einen PAF wie Burstbucker 2 oder Seymour Duncan Antiquity ein und dann ein Monster wie Bare Knuckles Aftermath. Du wirst dich wundern :D

Mal im Ernst. Der PU ist neben dem Amp der wichtigste Baustein in der Tonkette. Allein die Unterschiede zwischen den verschiedenen Magneten sind eine Wissenschaft für sich.
 
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Ich merk schon, ich habe hier nur an der Oberfläche eines Mysteriums gekratzt, das ich bisher etwas unterschätzt habe. Aber macht natürlich Sinn, dass bei einer elektrischen Gitarre die elektrischen Komponenten auch die wichtigsten Bestandteile sind. Wobei das ja auch fast schon ein Glaubenskrieg ist... wo sich normale Menschen fragen "Henne oder Ei", da fragen sich viele Gitarristen "was ist wichtiger, Holz oder Elektrik?" :D
 
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Nö das ist komplett unstrittig.
Es wird nur darüber gestritten ob das Holz überhaupt Einfluss hat und wenn ja wieviel.
 
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Das mag sogar sein, ich bin mittlerweile wie gesagt auch eher auf dem Stand, dass die Pickups einen gewaltigen Einfluss haben und über den Amp braucht man gar nicht diskutieren. Zwischen zwei Amps gibt es himmelweite Unterschiede, selbst wenn sie mit ein und derselben Gitarre gespielt werden. Allein mein JVM kann sich ziemlich verbiegen, wenn man ein bisschen mit den Kanälen und den EQ-Settings spielt.

Aber während meiner Pickup-Suche habe ich in verschiedenen Läden bei der Suche nach Rat und Meinungen auch folgende Dinge zu hören bekommen:
"Bei der Gitarre ist es egal, welche Pickups du nimmst, die hat ihren Klang. Pickups machen vielleicht 10% vom Sound aus, das sind nur Feinheiten."
"Der Tonabnehmer ist das Mikrofon der Gitarre, so wie bei einem Sänger. Der PU gibt nur eine Farbe, mehr aber nicht, alles andere ist schon da."
"Es gibt so viele Pickups, ich glaube gar nicht, dass die alle sooo unterschiedlich sind. Humbucker ist Humbucker und Singlecoil ist Singlecoil."

Wohlgemerkt: Das sind alles Zitate verschiedener Leute und nichts, was ich mir ausgedacht habe. Was übrigens ziemlich enttäuschend war, weil so eine richtige Beratung habe ich lange Zeit nicht bekommen - aber ich hatte auch keine Lust, mir 30 verschiedene PUs zu kaufen und die der Reihe nach einbauen zu lassen, bis ich den richtigen für mich gefunden habe. Grundaussage von vielen war: "Du brauchst gar keine andere Gitarre mit irgendwelchen PUs testen, daraus kannst du eh nicht schließen, was für Soundeigenschaften die einzelnen PUs haben und wie sie dann in deiner Gitarre klingen."

Was ich persönlich auch Quatsch finde, weil wenn ich drei Les Pauls spiele - eine mit Classic 57, eine mit Burstbuckern #2 und #1, eine mit Burstbuckern #3 und #2 - dann kann ich meiner Meinung nach sehr wohl bis zu einem gewissen Grad erkennen, welche Unterschiede zwischen den Tonabnehmern bestehen und wie sie sich verhalten. Wobei mich bei der Gelegenheit echt mal die andere Variable interessiert: Wie unterschiedlich klingen drei völlig verschiedene Gitarren, wenn in allen genau die gleichen PUs verbaut sind?

Weil nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, verhält es sich so, dass die Gitarre einen gewissen Grundklang hat und ihr eigenes Frequenzspektrum. Der Pickup kann dieses aber völlig verändern - er kann die dominanten Frequenzen noch verstärken und sozusagen den Grundklang noch zusätzlich pushen. Oder er kann die schwächeren Frequenzen ausgleichen und die Gitarre ausgewogener gestalten. Oder die eigentlich schwache Frequenz zur starken machen. Wobei mir von jemand wirklich kompetentem gesagt wurde, dass es "echte" Klanghölzer gibt, die von sich aus einen starken Charakter haben und wiederum andere, die eigentlich gar keinen Klang haben und Gitarren aus diesem Material im Prinzip dafür gemacht sind, neutral zu klingen und den PUs die Arbeit zu überlassen.

Oh Mann, ich sehe schon, da hab ich jetzt ein echtes Fass aufgemacht - sorry, ich bin mir sicher, das wurde und wird an vielen anderen Stellen schon bis zum Erbrechen diskutiert :redface:
 
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Wer so einen Quatsch von sich gibt, hat entweder keine Ahnung oder andere Interessen (Verkäufer halt....).

Man braucht nur die ganzen Erfahrungsberichte auf Youtube zum Thema PU-Tausch sich anzuhören (vorher/nachher Vergleich) oder selbst ein paar PUs tauschen um zum Ergebis zu kommen, dass die PUs einen gewaltigen Einfluss auf den Ton haben. Wie alles was direkt mit der Saite zu tun hat. Reiter, Sattel, PUs oder sogar das Plektrum können den Ton durchaus massiv beeinflussen.
Klar hat die Gitarre selbst einen gewissen Charakter, der immer da ist, egal welche PUs man einsetzt.
Aber tausche einfach mal einen TV Jones Filtertron an der Bridge gegen einen Seymour Duncan SH-6. Wer da immer noch nur von Nuancen spricht, hat was an den Ohren.
 
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Ein Pickup ist (für mich) ein Filter, der Frequenzen in unterschiedlicher Signal- bzw. Lautstärke an den Amp weitergibt....

Was mich persönlich in dem Zusammenhang skeptisch macht ist nicht die fehlende "Auswirkung" auf den Sound, sondern eher die fehlende Voraussagbarkeit in Bezug auf PU- Wechsel.....
Und natürlich die ganzen "Voodoo- Päpste" unter den PU- Machern sowie (fast noch schlimmer !) ihre "Follower", die eine geradezu mythologische Überhöhung mancher Produkte betreiben....

Daher ist es gut, dass man auch mal kritische bzw. "nüchterne" Reviews findet.
 
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bennylu
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Tja, Voodoo wird doch um so ziemlich alles betrieben, was mit der Gitarre zu tun hat... wobei ich denke, dass es schon einige Pickups gibt, die eine außerordentliche Qualität haben und teurer sind als andere. Aber kritisch sollte man so oder so alles sehen. Letztendlich geht es ja um das Endergebnis, also den Sound. Solange ich nicht nackt bei Vollmond um die Gitarre tanzen muss, damit sie besser klingt... :D

Solange man übrigens beim Kern der Sache bleibt, verstehe ich auch die Leute, die richtig Geld für Tonabnehmer ausgeben. Beispiel: Das Seymour Duncan Joe Bonamassa-Set. Keine Ahnung, wie das klingt, habe es nie gespielt. Ist es wirklich 550 € wert? Weiß ich auch nicht, werde ich in dem Leben vielleicht auch nie erfahren. Aber wenn es tatsächlich jemandem den Sound bringt, der er/sie haben möchte, dann nur zu! Ich persönlich kann das voll und ganz nachvollziehen, wenn jemand auch tatsächlich einen Effekt damit erzielt.

Für mich hört es da auf, wo jemand etwas haben will, nur weil ein bestimmter Name drauf steht. Nach dem Motto: Egal, wie es klingt, XYZ spielt das ja auch so, also muss es gut sein. Das wollte ich mit dem Review zum Ausdruck bringen: Ich stehe auf Slash und auf seinen aktuellen Live-Sound, aber ganz offensichtlich ist es nicht der Sound, mit ich persönlich arbeiten will und kann.
 
bennylu
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Sooo... ich liefere noch ein paar Bilder nach, falls es interessant sein sollte:

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DieterWelzel
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Danke für den informativen Review!

Weiß nicht warum, aber ich bin erst jetzt auf diesen Review aufmerksam geworden. Für mich als Fan der mittenbetonten Rockbretter könnten diese Pickups genau das Richtige sein und werde ich wohl noch in meiner PRS SE Tremonti Custom GBK ausprobieren.

Beste Grüße
Dita
 
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Gratulation zu den neuen Pickups! Ich find's immer aufregend wenn ein neues Pickup Projekt auf dem Plan steht. Besser dann noch, wenn das Ergebnis so ist wie ich es mir vorgestellt oder sogar noch besser ist.

Ein Link zum Thema Magneten in Guitar Pickups von Gibson. com
http://www2.gibson.com/News-Lifestyle/Features/en-us/Pickup-Joint-Magnets-Decoded.aspx

Selbst bevorzuge ich Single Coil Pickups über Humbucker Pups, das macht aber nichts.
Als Resultat jahrelanger Experimente & Versuche ergibt sich, das nur die folgenden beiden Magnet Typen sich in den Pickups meiner Gitarren befinden: Alnico II ist mein Favorit bei der Wahl der Magnet Bestückung. Direkt gefolgt von Alnico V.

Alnico II werden tonale Eigenschaften wie mehr Mittenbetonung zugesagt, während Betonung von Alnico V mehr im Bass & Höhen Bereich zu finden ist.
Bemerkenswert ist auch die klangliche Klarheit und weichere Reaktion auf "String Attack", besonders in Verbindung mit niedrigerem Output (Ohm Wiederstand) des Pickups. D.h. weniger Wicklungen, geringere Induktion. Mit zunehmenden Wicklungen, aka höherem Ohm Wiederstand verlieren Alnico II Pickups schnell an Definition & Klarheit. Pickups mit Alnico V Magneten lassen sich in der Regel "Hotter" wickeln, ohne dabei ihre Definition rasch zu verlieren. Man kann das im Tone Chart von Seymour Duncan auch vergleichen. Natürlich gibt es Ausnahmen, die aber dann meist mit speziellen Konstruktions Merkmalen in Verbindung stehen. http://www.seymourduncan.com/comparetones

Eine meiner Lieblings-, weil fein klingende Gitarre(n), ist eine Stratocaster mit Custom gewickelten Alnico II Pickups. Custom deshalb, weil das Set von einer Einzelperson in Tennessee auf Bestellung gefertigt wurde.
 

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