Probleme mit dem Wechselstrom

von Zanter, 02.05.05.

  1. Zanter

    Zanter Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.05.05   #1
    Hi Leute,

    wollte mal wegen ner sache fragen die mich schon länger wurmt. hab diesbwezüglich auch gegoogelt und das board dursucht aber nix gefunden.

    Problem 1. : in die PUs wird ja wechselstrom induziert...soweit so gut. doch
    wieso werden dann alle metallteile an masse gelegt? wenn wechselstrom fliesst so wird die masse ja dann auch mal zum pluspol und das ganze geht in den amp...:screwy: ..wär nett wenn mir das einer erklären könnte. problem 2 könnte sich damit evtl. auch direkt klären

    Problem 2. : Ja ich gebs zu... ich hab nur nen billigen fame pl60 transistor-verstärtker. und wie wird jetzt das gitarren signal in die boxen gebracht? auf www.griffbrett.de gabs ja den guten vergleich dass das eingangssignal quasi als ventil den gesamten stromfluss steuert der dann eben auf die boxen losgelassen wird. aber wie soll dieser schwache wechselstrom der gitarre das ventil, also den transistor, steuern? die arbeiten bekanntlich erst ab einer mindestspannung von ca. 0,6 v (die eine gitarre ja nicht aufbringen kann). und mit wechselstrom gehen die doch eh nicht (oder?).

    hoffe ich lasst euch herab mir das ganze zu erklären :D

    danke im vorraus
     
  2. Ray

    Ray Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 02.05.05   #2
    Wo ist das problem? Es dreht sich eben alles um. Die Masse der Gitarre ist ja keine echte Masse wie im Stromnetz. Die is neutral und ist nur Ersatzweg im Unglücksfall. Die Gitarrenmasse dagegen ändert ihre Polarität mit.

    Dafür wird aber dann doch der heisse Leiter zum kalten.

    Die Abschirmung hat ja afaik nur den Zweck, ein gegenläufiges Signal zu bilden. Wir haben also den inneren Kabelweg und die äußere Abschirmung (Alufolie, Lack, Abschrimungslitze, whatever). Und diese Gegenläufigkeit bleibt erhalten.
     
  3. Zanter

    Zanter Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.05.05   #3
    jaja... ich verstehe dass das keine richtige masse ist..
    aber.... irgendwie

    wenn nun also eine positivive spannung induziert wird dann fliesst der strom vom spulenende 1 zu spulenende 2. auf seinem weg geht er in den amp und ist verantwortlich für den ton. wenn nun hinter dem amp (ich meine das jetzt im schaltkreis, also kurz vor spulenende 2) die störsignale aus dem faraddayschen käfig in richtung spulenende 2 fliessen gibt es ja kein problem.

    doch wenn nun aber einen negative spannung indziert wird und der strom von ende 2 zu ende 1 fliesst so gehen ja am ende auch die störsignale in den amp rein da sie ihn auf ihrem weg zu ende 1 passieren.

    oder soll ich das mit heisser/kalter leiter verstehen dass strom positiv und negativ ist?! :screwy: :D
     
  4. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 02.05.05   #4
    Zuerst sollten wir die signalführenden Leitungen und die sogenannte Abschirmung (zumindest in Gedanken) trennen.

    In der Spule eines elektromagnetischen Tonabnehmers wird aufgrund einer Magnetfeldänderung eine Wechselspannung erzeugt. Man kann das PU also als Wechselspannungsquelle auffassen (auch wenn damit längst noch nicht alles gesagt ist). Bei solchen Quellen gibt es keinen Plus- oder Minuspol (höchsten zeitweilig).
    Als "heißes Ende" wird immer der Anschluß bezeichnet, der nicht auf Bezugspotential (Masse) liegt.

    Der durch die Spannung erzeugte (Wechsel-) Strom fließt von dem einen Anschluß (der zur Zeit gerade positives Potential haben möge) durch die angeschlossene Last (Gitarrenelektronik, Kabel, Verstärkereingang) zum anderen Spulenanschluß.

    Der Stromfluß erzeugt am Eingangswiderstand des nächsten Verstärkers einen (Wechsel-) Spannungsabfall, der weiter verstärkt wird. Damit ist der Stromkreis geschlossen. Weiter fließt dieser Strom keinesfalls, denn ein Verstärker (aktive Stufe) trennt immer die einzelnen passive Stufen.

    Daß man alle Metallteile auf Masse legt, hat Abschirmungsgründe. Diese Teile wirken für die elektrostatischen Störungen wie eine Antenne und führen das Störsignal niederohmig Richtung Erde, das ja auch das Bezugspotential für die Störquelle ist. Der Störstrom fließt dann also über die Masseleitungen und nicht über unsere Signalleitung.

    Der Stromkreis für die Störgröße ist etwas schwieriger vorzustellen. Es geht wie folgt:

    Von der Störquelle wird das Signal über eine "Antenne" abgestrahlt. Eine weitere "Antenne" in der Gitarre empfängt das Störsignal dann. Die beiden Antennen kann man sich als Kondensator vorstellen. Jetzt hängt es davon ab, wo dieser (unsichtbare) Kondensator das Störsignal in die Schaltung einkoppelt.

    Geschieht das am "heißen" Ende, so fließt der Störstrom über den Eingangswiderstand des Verstärkers nach Masse und von dort über Erde zum anderen Anschluß der Störquelle. Damit haben wir die Störung im System und können beruhigt ein langes Gesicht machen, denn Abhilfe ist jetzt schwierig.

    Wird die Störung allerdings an der Masse eingekoppelt, so ist ein direkter Weg nach Erde verfügbar und unser Verstärkereingangswiderstand bleibt unbehelligt. Das freut Gitarrist und Mischer!

    In diesem Fall wird die Masseleitung sowohl von Strömen des Nutzsignals als auch von Störströmen überlagert. Aus diesem Grund ist es wünschenswert, die Abschirmung und die Signalmasse auch getrennt zu halten, was aber in den wenigsten Systemen aus Gründen des Aufwandes realisiert wird. Solange die Masse aureichend niederohmig ist, ist dieser Mix nicht zwingen ein Problem.

    Für die Wirkung der Signalquelle ist die Masse eigentlich ganz egal. Interessant ist nur, wie ihr Strom fließt und wo er eine Wirkung entfaltet (im Eingangswiderstand des Verstärkers).

    Tja, das ist das große Geheimnis der Elektrotechnik. Tatsächlich ist die Gitarre in der Regel nicht stark genug, um einen Verstärker ausreichend auszusteuern. Wenn es hoch kommt, wird nur eine Halbwelle verstärkt, was sich in einem absolut verzerrten Signal bemerkbar machen würde.

    Aus diesem Grunde wird die Basis eines Transistors auf 0,6V vorgespannt und die Wechselspannung überlagert. Ein Wechselsignal von 100mV würde an der Basis dann eine Spanung zwischen 0,5 und 0,7Volt entstehen, die verstärkt wird. That's it Babe!

    Ulf

    EDIT: Spannungswerte in blau korrigiert. Sorry für den Fehler
     
  5. am_i_jesus?

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    Erstellt: 02.05.05   #5
    0.5 und 0.7V ;)
     
  6. Zanter

    Zanter Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.05.05   #6
    Danke, danke!!!

    und danke auch für deine aufsätze!!! echt spitze! :great:
     
  7. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 03.05.05   #7
    Oh Man, Pisa-Schaden! Und was für einer.
    Danke für die Klarstellung! :great:

    Ulf
     
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