[Review] Allen & Heath AB168: Digitale Stagebox für Qu und GLD

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Einleitung

Zu einem Digitalpult gehört auch eine digitale Stagebox, die man im Gegensatz zu den schweren und sperrigen analogen Multicores mit einem einfachen Netzwerkkabel ansteuern kann. Speziell für die Qu-Serie (Qu-16, Qu-24, Qu-32 und Qu-Pac) bietet der britische Mischpult-Spezialist Allen & Heath mit der AB168 ein handliches und eher ungewöhnliches Modell an:

Allen & Heath AB168

Als begeisterter Qu-16-User stand diese Stagebox schon einige Zeit auf meiner Will-haben-Liste, und kurz vor Weihnachten habe ich mich selbst damit beschenkt. Meine Eindrücke von der AB168 teile ich selbstverständlich gerne mit dem Rest des Musiker-Boards (und der Welt ;)).

Konzept, technische Daten, Zubehör

Wie der Produktname bereits suggeriert, besitzt die AB168 16 Ein- und 8 Ausgänge, die sich an einer der großen Seitenflächen der Stagebox befinden und als Neutrik-Buchsen mit Verriegelungen ausgeführt sind.

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Je eine rote LED neben jeder Eingangsbuchse signalisiert aktivierte Phantomspeisung für diesen Kanal. Zwischen den Blöcken mit den Ein- und Ausgängen befinden sich zwei gelbe LEDs, die den Betriebszustand anzeigen: Power = vorhandene Netzspannung und Ready = AudioRack ist betriebsbereit. Oberhalb der oberen und unterhalb der unteren Reihe der XLR-Anschlüsse sind Rahmen in der üblichen Breite von Beschriftungsbändern aufgedruckt.

Die zweite interessante Seite des quaderförmigen Geräts ist eine der Stirnseiten: Hier findet man einen stabilen Tragegriff aus Metall und die obligatorischen Kaltgerätebuchse mit Sicherungsschacht und benachbarter Öse zur Zugentlastung (es liegt neben einem Kaltgerätekabel mit Schukostecker auch eines für englische Steckdosen bei).

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Die Firma Allen & Heath verwendet zur Ansteuerung der Zubehörpalette (neben der AB168 gibt es noch die 19"-Stageboxen AR84 und AR2412 sowie das Personal Mixing System ME) für ihre digitalen Mischpulte das proprietäre dSnake-Protokoll. Außer der Qu-Serie sind auch die Modelle der höherklassigen GLD-Serie dSnake-fähig. Die AB168 besitzt je einen Ein- und Ausgang für Cat-Kabel im Ethercon-Format nebst zugehörigen Link/Error-LEDs. An erstgenannte und mit dSnake bezeichnete Buchse wird logischerweise das Mischpult angeschlossen, der "Expander"-Ausgang dient zum Anschluss einer weiteren Stagebox oder des o. g. Personal Mixers (mehr dazu bei "Praxiseinsatz, Fazit").

Das Gehäuse der AB168 besteht aus robustem und mattschwarz beschichtetem Metall teilweise mit Lüftungsschlitzen versehen, und ist an einer Längsseite dezent mit dem Hersteller-Schriftzug versehen. Bei fast jedem Anfassen hinterlässt man darauf Fingerabdrücke ;).

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An den Kanten der Stirnseiten befinden sich rutschhemmende Gummipuffer, die unterschiedliche Positionierungen der Stagebox ermöglichen.
Die Maße der Box betragen 412 mm x 182 mm x 189 mm bei einem Gewicht von 4,8 kg.
Für Aufbewahrung und Transport bietet Allen & Heath ein Rackmount Kit im Standard-19"-Maß an:


Ich habe mir jedoch die passende Tragetasche dazugekauft (mangels Verfügbarkeit bei Thomann führt der Links zum zurzeit anscheinend einzigen deutschsprachigen Anbieter):
Sie besteht aus gepolstertem wasserabweisenden Material. Der Deckel ist fester Bestandteil der Hülle.

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Er besitzt eine Aussparung, um den Tragegriff der AB168 hindurchzuführen, und wird mit gut haftenden Klettverschlüssen an den restlichen drei Seiten sicher verschlossen.

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Die Unterseite der Tasche ist innen mit einer zusätzlichen Lage Material versehen, außen zusätzlich mit schwarzem Kunststoff verstärkt und überzogen sowie an zwei Seiten mit dem Markenschriftzug versehen.

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Leider fehlt eine Möglichkeit, das Netzkabel unterzubringen, ansonsten macht die Tasche eine wirklich hervorragenden und langlebigen Eindruck :great:.

Praxiseinsatz, Fazit

Die Inbetriebnahme der AB168 ist problemlos und schnell erledigt. Hierbei spielt es keine Rolle, ob Mischpult oder Stagebox zuerst eingeschaltet werden, ob das Netzwerkkabel schon eingesteckt ist oder erst später eingestöpselt wird. Nachdem Pult und Box komplett verkabelt sind, dauert es ca. 2 Sekunden, bis die Ready-LED Betriebsbereitschaft signalisiert. Unterstrichen wird dies durch ein leises Klicken der Relais, die die Ein- und Ausgänge freischalten, d. h. es ist kein Ein- oder Ausschaltknacks zu hören :great:. Die Lnk/Err-LED auf der Stirnseite neben der dSnake-Buchse fängt dann wie die entsprechende Buchse auf der Rückseite des Mischpults an, gelb/orange zu blinken (bei Fehlern leuchtet sie dauerhaft rot), und auf dem Touch Screen des Mischpults erscheint in der Statusleiste am unteren Rand das dS-Symbol.

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Im Gegensatz zum Mitbewerber Behringer X32 ist die maximale Zahl der Multicore-Kanäle durch die Kanalzahl des ansteuernden Mischpults vorgegeben, d. h. die Stagebox dient nicht zur Erweiterung der Eingänge, sondern lediglich zur Abbildung der am Mischpult vorhandenen physikalischen Eingänge, beim Qu-16 sind das die 16 Mono-Eingänge (siehe Setup > I/O Patch > dSNAKE In):

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Im Gegensatz dazu können die 8 Ausgänge, die über die AB168 ausgespielt werden, frei konfiguriert werden: Mix1 bis Mix4 (jew. Mono), Mix5-6, Mix7-8, Mix9-10 (jew. Stereo), LR Pre L, LR Pre R, LR L, LR R, PAFL L und PAFL R (linkes und rechtes Summensignal jew. getrennt), L+R Pre, L+R (linkes und rechtes Summensignal jew. zu Mono summiert).

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Um nun konkret einzustellen, ob bei einem Eingangskanal der Mischpulteingang oder der zugehörige Stageboxanschluss verwendet werden soll, selektiert man auf der Bedienoberfläche den entsprechenden Kanal und ruft "Processing" auf. Bei Verwendung des internen Eingangs zeigt der Touch Screen folgendes Bild:

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Über "Source" (Taster "Fn") lässt sich nun dSnake als Quellsignal bestimmen. Das Kanalsymbol wird dann gelb hinterlegt. Über den Patch-Button gelangt man direkt zum bereits oben genannten Menüpunkt "Setup > I/O Patch > dSNAKE In":

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Nach einem Klick auf "Close" sieht man das veränderte Bild des Channel-Processings - der Gain-Regler ist ebenfalls gelb (statt rot) hinterlegt, und ein Pad-Button zum Absenken des Kanalpegels wird sichtbar:

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Abgesehen vom Pad-Button und der anderen Farbgebung macht es qualitativ keinen Unterschied, ob man einen internen Eingang oder den Eingang an der AB168 verwendet. Bei meinen Tests über eine Verbindungslänge von 50 Metern waren weder Qualitätseinbußen noch merkliche Latenzen festzustellen.
Eine besondere Stärke der Stagebox im Vergleich zu konventionellen 19"-Boxen ist die bereits oben erwähnte bauartbedingte Flexibilität der Aufstellung: Sowohl liegend (entweder XLR-Buchsen zur Seite oder XLR-Buchsen nach oben) als auch stehend (Tragegriff/Netzkabel nach oben) lässt sich die AB168 sicher und stabil unter Berücksichtigung der räumlichen Verhältnisse auf einer Bühne platzieren.

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Auch wenn die Gummipuffer recht hart erscheinen, sind sie doch ausreichend rutschhemmend und sollten auch normale Erschütterungsübertragung durch den Bühnenboden abfangen. Die Qualitätsanmutung des Gehäuses ist wirklich hervorragend, und auch ein Blick durch die Lüftungsschlitze offenbart eine saubere Verarbeitung der elektronischen Innereien.
Sofern die Zahl der Inputs/Outputs der AB168 nicht für das zugehörige Pult ausreichend sein sollten (schon beim kleinsten Modell Qu-16 werden die drei Stereoeingänge nicht auf der Stagebox "abgebildet") ist es jederzeit möglich, diesen Engpass durch Anschluss eines weiteren identischen Geräts oder einer der anderen o. g. Stageboxen am Expander-Ausgang zu beheben. Da ich i. d. R. einige Inputs direkt am FOH benötige, werde ich diesbezüglich jedoch nicht in die Bredouille kommen ;). Eine interessante Möglichkeit des Expanders ist jedoch auch, auf einer (großen) Bühne zwei Stageboxen zu platzieren und die Kanäle entsprechend zu verteilen, oder eben das Personal Mixing System einzusetzen, mit dessen Hilfe sich jeder Musiker seinen eigenen Monitor-Mix selbst von der Bühne aus zusammenstellen kann.
Insgesamt gesehen bin ich mit der Anschaffung der nicht ganz billigen AB168 für mich persönlich wirklich überaus zufrieden, schon alleine aufgrund der Tatsache, dass ein digitales Multicore-System wesentlich leichter und handlicher im Transport sowie unproblematischer und schneller in Aufbau und Konfiguration ist als ein vergleichbares analoges System.
 
Eigenschaft
 
Grund: Bilder aus Album verlinkt
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Informativer Test, danke! :great:

Allerdings wundere ich mich über die Preispolitik bei A&H.
Das man für eine robuste und gut polsternde (?) Tasche, in der man nicht mal das benötigte Netzkabel unterbringen kann, 99 € aufruft, mag man als Käufer ggf. noch verkraften.
2 abgekantete und gelochte Bleche und eine Hand voll einfacher Normteile (Schrauben und Scheiben) für 84 € auf den Markt zu werfen, ... :gruebel:
Sorry, aber dafür kann ich kein Verständnis aufbringen.
 
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Wil_Riker
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Hallo mHs,

Dein Einwand ist IMHO berechtigt, zumal man sich mit dem Rackmount Kit ja gerade die Vorteile der cleveren Bauart der AB168 nimmt - ansonsten könnte man ja gleich zu einer der beiden o. g. 19"-Stageboxen greifen.
 
Koksi01
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Hallo Will Riker,
danke für dieses Rewiew. Das AB168 steht auf meiner "Willhaben-Liste" ganz weit oben.
..., sondern lediglich zur Abbildung der am Mischpult vorhandenen physikalischen Eingänge, beim Qu-16 sind das die 16 Mono-Eingänge (siehe Setup > I/O Patch > dSNAKE In)
Wenn ich auf meinem Qu-16 ins Setup schaue, kann ich dort die Eingänge frei belegen. Also auch z.B. ST1 auf (dSNAKE) Kanal 1/2 legen. Funktioniert das nicht mit der AB168?
lg
Thomas
 
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Hallo Thomas,

Also auch z.B. ST1 auf (dSNAKE) Kanal 1/2 legen. Funktioniert das nicht mit der AB168?

doch, das geht, ist allerdings etwas umständlich zu bewerkstelligen: Es können nur direkt benachbarte Kanäle der AB168 als Stereokanäle verwendet werden, und zwar mit ungerader Kanalzahl zuerst, z. B. 1/2, 3/4 etc. Dazu musst Du zuerst in Setup > I/O Patch > dSNAKE zwei Monokanäle auf dSnake-Kanäle jenseits der 16 verfügbaren AB168-Kanäle konfigurieren (wird dann z. B. signalisiert mit N/C 17 und N/C 18), damit diese Kanäle frei werden. Erst danach kannst Du einen der Stereokanäle auf das freigewordene Kanal-Pärchen einstellen.

Wobei ich gerade gesehen habe, dass man theoretisch auch den selben dSnake-Input auf den mehrere Qu-16-Kanäle abbilden kann - falls das funktionieren sollte, würden sich einige interessante Möglichkeiten eröffnen (Split) :gruebel:...
 
Koksi01
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... falls das funktionieren sollte, würden sich einige interessante Möglichkeiten eröffnen (Split) :gruebel:...
Das ist das größte "Problem" mit diesem Pult. kaum sieht man wo genauer nach, schon ergeben sich wieder neue Möglichkeiten. Und falls sie mal ausgehen sollten liefert Allen&Heath mit der nächsten Firmware wieder welche nach :)
lg Thomas
 
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