[Review] Martinez Cello; Modell 4/4 Cla-2; Oder kurz: Emily

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Review Emily


Wie sich unsere Wege kreuzten:

Nun wo ich seit einiger Zeit garkeine Instrument mehr hatte und dadurch etwas betrübt durchs Leben ging, passierte das unfassbare. Bei einem kleinen unverfänglichen Stadtbummel mit meiner Freundin durch die Innenstadt entdeckten wir bei dem örtlichen Musikriesen ein Cello im Schaufenster. Darunter stand ein Schild mit der Aufschrift das die Streicherabteilung entgültig aufgelöst werde und es auf die verbleibenden Einzelstücke 50% Nachlass gäbe... Also musste wurde ich am Ohr gepackt und in den Laden geschliffen wo ich die verbleibenden Instrumente antesten musste, nach kurzem hin und her Diskutieren zückte sie Ihre Geldkarte und hat das Cello gekauft... Sie meinte wohl ich müsste endlich wieder anfangen zu muszieren :nix:. Die meisten Cellis dort waren zu klein so das sich meine gesammtauswahl auf 3 verbleibende Modelle beschränkt wobei mir das gekauft ward, welches mir am besten gefiel.

Nun habe ich das Cello in einem Musikfachhandel und nicht bei einem Geigenbauer gekauft, naja sie in dem sinne, das hat nichts damit zutun das ich nicht an einen Geigenbauer gedacht hätte oder dessen kompetente Beratung zu schätzen gewusst hätte bei dem Erwerb, es geschah einfach aus einer Laune von meiner Freundin heraus und da schaut man nem geschenktem Gaul halt nicht ins Maul, oder ? Ich hatte schliesslich die Wahl zwischen jetzt eins aussuchen oder überhaupt nichts bekommen. O:)

Verarbeitung:

Das Holz:

Als Hölzer wurde mir versichert das es sich um die üblichen Verdächtigen handele, Fichte für die Decke und Stimme, Ahorn für den Boden und die Zargen. Ebenholz für Saitenhalter, Wirbel und Griffbrett.
Schon auf den ersten Blick fällt auf das die Zargen und der Rücken schön gemasert sind, schaut man jedoch näher hin sieht man sofort das sie vorallem eines sind: Wild! Größtenteils bedecken schöne Streifen die Zargen, an einigen Stellen jedoch werden sie von längsstreifen oder Fleckenmustern abgelöst, anders kann man es nicht beschreiben. Alles in allem würde ich mal auf B Ware tippen, es hat trotzalledem seinen ganz eigenen Scharm, gerade weils nicht durchgehend einheitlich ist.

Die Decke ist ebenfalls nicht ganz gleichmäßig, stellenweise schon, aber immer wieder brechen zwischendurch Stellen durch an denen es aussieht als hätte man einen leichten Bogen in den Faserverlauf gemach, unregelmäßig eben. Alles in allem jedoch ziemlich Ok.

Am meisten jedoch bin ich von dem Ebenholz beeindruckt, denn durch die Wirbel, sowie den Saitenhalter ziehen sich braune Maserungen welche ich nur als schön bezeichnen kann, hat so ein bisschen was getiegertes an sich, aber auch hier ist das kein Zeichen von Qualität, da es andernfalls tief schwarz wäre, wenn ich richtig informiert bin. Das Griffbrett ist weitestgehent mattschwarz bis auf kleine braune Stellen, ähnlich denen am Saitenhalter nur wesentlich kleiner und sehr selten.

Der Hals und die Schnecke sind ebenfalls gut gemasert, das gefällt.

Verarbeitung/Verleimung/Einstellung:
So, nun gehts ans Eingemachte. Die grobe abtastung und durchsicht der verleimten Stellen ist schonmal sehr positiv ausgefallen, keine Leimnasen oder ähnliches, auch wenn man in den Korpus hineinlinst ist ausser ein paar Farbkleksen im inneren nichts zu erkennen.

Die einzigen Stellen welche ich auf den ersten Blick hin bemängeln kann ist das die übergang zwischen Hals und Griffbrett auf Höhe der Stelle wo der Hals in den Korpus eingefasst ist. Weiter oben jedoch ist auf der rechten Seite alles plangeschliffen und man erkennt keinerlei Unebenheiten. Eine ganz leichte Kante ist an der linken Seite des Halses zu spüren antlang der Verbindungslinie zwischen Hals und Griffbrett, ich denke mit ganz feinem Schleifpapier könnte das binnen Sekunden behoben sein.

Die Schnecke sieht an und für sich ganz ok aus, nichts weltbewegendes, eine Schnecke eben. Der Wirbelkasten ist ganz gut gearbeitet, die Rückwand geschwärzt Innenseiten lackiert, wobei ich sagen muss das an den Wirbellöchern ganz kleine Lackstücke abstehen, denke das ist normal und passiert als die Wirbel durchgeschoben wurden, diese Laufen ebenfalls gut.

Stachel sitzt ebenfalls wo er soll, wobei dieser an der untersten Stelle kurz über dem Endpin etwas Flugrost angesetzt zu haben scheint, da ich aber eh lieber einen Holzstachel habenwill wird dieser sowieso über kurz oder lang ausgetauscht.

Saitenabstand zum Brett am untersten Rand des Griffbrettes liegt bei 6-7mm, es gibt kein Schnarren, alle Töne klingen und werden nicht durch eine aufliegende Saite gedämpft. Läuft !

Gesammteindruck:

Mein erster eindruck ist das dieses Instrument bis auf den kleinen Mangel am Hals ziemlich gut Verarbeitet ist. Lackiert ist es ebenfalls ordentlich und der Steg sitzt perfekt auf der Decke. Bei diesem musste ich jedoch die Führungsrillen für die Saiten etwas mit einem Bleistift bearbeiten da sonst der Seitenzug den Steg minimalst nach hinten gezogen hat, aber das hat ja nichts mit der Verarbeitung zutun.

Saitenabstand am untersten Rand des Griffbrettes liegt bei 6-7mm, es gibt kein Schnarren, alle Töne klingen und werden nicht durch eine aufliegende Saite gedämpft.

Etwaiges Zubehör:

-Bogen

-Saiten

Gesammteindruck:

Ich denke der Bogen ist eine nette dreingabe, welche ich jedoch in absehbarer Zeit mal gegen einen Ordentlichen Bogen austauschen sollte, wobei ich sagen muss das dieser bei den ersten Versuchen ziemlich gut in der Hand lag und auch sehr schnell und ordentlich ansprach, jemand mit mehr Ahnung als ich könnte da natürlich ganz anderer Meinung sein.

Bei den Saiten weiß ich nicht ob die was taugen. FarbCode ist Schwarz C, Grün G, Blau D, Lila A, oben wie auch unten. Wenn jemand das erkennt und mir bescheidgeben könnte ob das was taugt wäres wirklich super. Fürs erste jedoch müssen sie reichen...

Sound:
Nun ich bin leider kein dermaßen erfahrener Streicher das ich die wirkliche Soundqualität und das volle Potential dieses Instruments einschätzen kann.Ich versuche dennoch mein bestes, euch zu erklären wie ich finde das es sich anhört.

Gezupft:

Schauderhaft ! Ups nein, man muss die Töne auch treffen, ah nun gehts.Joa, wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen es klingt ganz passabel, nicht zu leise, die C Saite lässt mich kurz vergessen das ich ein Cello vor mir habe, schön warm und bassig, die G Saite klingt ebenfalss sehr warm und gezupft erinnert es schon irgendwie an einen Bass, aber so ganz kommt es dennoch nicht hin.

Ab der D Saite bis zur A saite wird die Luft dann wieder etwas dünner, zum einen weil ich es nicht gewohn bin so dünne, hart gespannte Saiten zu greifen zum anderen weil mir schlichtweg die richtige intonation fehlt um den Klang objektiv betrachten zu können. Die D saite klingt nicht so sehr hell, dafür schön mittenlastig mit einem hauch Bass, wohingegen die A saite mit schon fast zu hoch erscheint, vielleicht auch einfach etwas Stumpf im Klang, vielleicht liegt das aber auch nur an den Saiten, das mittige scheint fast ganz zu fehlen.

Gestrichen:

Das streichen war der Punkt wieso ich mich für dieses Modell entschieden habe, der Ton, wenn die Saite erstmal schwingt ist auf allen Saiten gleichermaßen kräftig, laut und eindrucksvoll für mein Empfinden. Ich habe zuhause zwar Töne markiert und diese auch gestrichen, allerdings muss ich sagen das es noch relativ schwer ist einen gleichmäßigen und klaren Ton zu fabrizieren und den auch zu halten für eine objektive beeurteilung. In den ersten ein bis zwei Lagen klingt es eigentlich, sofern erkennbar, ziemlich gut und rund, es könnte vielleicht die A und D Saite ein paar mehr mitten vertragen damit es sich noch etwas wärmer und runder anhört, aber ich denke das kommt mit der Zeit. Es muss sich ja erstmal alles einschwingen, die Technik muss erlernt werden und es muss neues Kolophonium her, der Bogen war zwar bestrichen damit, aber die Geizkrägen wollten mir keines mitgeben.

Gesammteindruck:

Der Gesammteindruck vom Sound ist durchaus positiv, da man auf jedenfall etwas potential in dem Instrument erkennen kann, wenn man versehentlich mal richtig streicht. Ich für meinen teil hoffe das dieses versehentliche in Zukunft noch öfter vorkommt und ich es bald mal richtig singen hören kann. Momentan ist es mehr so ein heiseres krächtzen :D

Fazit:


Alles in allem denke ich das ich für die knapp 800€ die das Instrument nach Preisnachlass noch gekostet hat, habe ich ein sehr ordentliches Instrument gefunden welches mir hoffentlich noch sehr lange freude bereiten wird. Aussehen ist einzigartig, die bespielbarkeit ist meines erachtens nach Top, da die Saitenhöhe nicht so hoch ist, was das greifen grade für mich Anfänger deutlich erleichtert.

Bleibt zu hoffen das es so Outdoortauglich ist wie ich es von meinen anderen Instrumenten gewohnt bin, wenn es das ist werdet ihr in Zukunft noch öfter von uns beiden hören, von mir und meiner Emily.



Ich hoffe es ist, obwohl es mein erstes Review ist, halbwegs brauchbar. Schönen Tag noch !


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Samples folgen!
 
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kort
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"Emily" hatte ich bei meiner Cellosuche vor ein paar Wochen auch mal im dem Laden angespielt :ugly: Wie klein die Welt doch ist ...

vielleicht liegt das aber auch nur an den Saiten, das mittige scheint fast ganz zu fehlen.

Das war mir auch aufgefallen, es klang irgendwie etwas angestrengt, finde ich. Unter anderem deshalb hatte ich das gute Stück auch nicht weiter in Betracht gezogen. Die Saiten dürften es vermutlich hinter sich haben.

Hatten die das Cello eigentlich mittlerweile ein bisschen abgestaubt? Das sah bei mir aus, als hätte das 5 Jahre im Laden gehangen ...

Aber Glückwunsch zum Kauf und viel Spaß damit.
 
Baltimore
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Heyho Kort,

Ach schau ma einer guck, das ist ja mal wirklich ein Zufall. :weird: Da hab ich ja nochmal Glück gehabt das du es nicht wolltest.
Ich denke mit nen paar neuen Saiten wird sie garantiert nochmal etwas aus sich herauskommen, und wenn das nit hilft frag ich n Geigenbauer, der wird den rest dann schon fixen.

Abgestaubt hat es der Typ kurz nachdem ers aus der Reihe der Ausstellungsstücke geholt hat :D ganz ganz fix, dat waren wohl alles die verbleibenden Ladenhüter.

Vielen Dank, den hab ich jetzt schon.
 

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