[Review] Steinberg UR816C

von Abendspaziergang, 11.01.20.

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  1. Abendspaziergang

    Abendspaziergang Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.01.20   #1
    Ich besitze seit einigen Wochen ein UR816C und wollte euch mal meine Eindrücke schildern.

    20200111_183546.jpg

    Pro:

    - 4 Mic-/Line Eingänge an der Front, 2 davon als Hi-Z. Je Eingang ein Gain-Regler und ein Pad-Schalter. Alles was ich nur bedarfsweise anstöpseln möchte, kann ich dort flexibel unterbringen.
    - 4 Mic-/Line Eingänge hinten
    - 1 x Stereo-Main-Out + 4 x Stereo-Line-Out. Damit lassen sich auch umfangreichere Abhörsituationen realisieren. Die Umschaltung erfolgt allerdings ausschließlich per Software.
    - 2 Kopfhörerbuchsen mit je eigener Lautstärkeregelung an der Front
    - Hochwertiger Drehregler für die Lautstärke (Main-Out). Lautstärke ist unabhängig von den Kopfhörern.
    - Dim- und Mute-Schalter: wenn das Telefon klingelt reicht ein Knopfdruck für Ruhe.
    - Guter On-/Off-Switch an der Front. Wenn sich das System doch mal irgendwie verhaspelt kann man das Gerät ganz einfach vorne aus- und wieder einschalten. Richtig ausschalten tue ich das Interface wegen externem Netzteil damit nicht, sondern mit einer vorgelagerten Schaltleiste, die auch Computer und anderes bedient.
    - Für mich das Killerfeature sind die FX über den eingebauten DSP. Damit kann ich beim Recorden von Vocals die Stimme mit etwas Reverb versehen, aber trocken aufnehmen (kann man aber auch mit Reverb aufnehmen, wenn man mag). Das geht völlig latenzfrei und unabhängig von dem, was die DAW gerade so tut. Neben dem für alle Kanäle verfügbaren Reverb kann man auf jeden Kanal einen oder zwei Channel Strip oder Gitarreneffekt legen (Clean / Crunch / Lead / Drive). Die DSP Resourcen sind aber nicht beliebig. Wenn man zuviel aktiviert, kriegt man irgendwann eine Fehlermeldung, dass der DSP nicht mehr kann. Für meinen Anwendungsfall reicht es aber aus.
    - MIDI Ein- und Ausgang (DIN)

    Neutral:
    - kein internes Netzteil: stört mich nicht wirklich, ist aber halt wieder so ein Kasten der irgendwo hinten herumliegt. Der Netzschalter wäre aber natürlich sinnvoller, wenn er auch das Netzteil mit abschalten würde.
    - Phantomspannung +48V kann man nur für für die Front- und/oder Rear-Eingänge gemeinsam schalten. Stört mich persönlich nicht, weil ich keine Mikros oder andere Geräte habe, die mit +48V nicht zurechtkommen.
    - 32 Bit Auflösung: Brauch ich ebensowenig wie 192 kHz. Schön das es da ist, interessiert mich aber überhaupt nicht und ist deaktiviert.
    - Kleinere Nöckeligkeiten bzgl. Tonqualität sind in meiner Wahrnehmung USB bedingt und hängen von den Latenzeinstellungen und dem USB Port ab, an dem das Interface hängt. Bislang habe ich derartige Empfindlichkeiten aber bei jedem USB Interface gesehen. Vielleicht sind Thunderbolt Interfaces das problemloser, da habe ich aber keine Erfahrung mit und preislich ist das ja sowieso eine andere Nummer.

    Contra:
    - Je Eingang nur eine Peak-LED (grün/orange/rot), keine Segmentanzeige.
    - Installation der Software: Die Installation ist eine Orgie aus irgendwelche Keys irgendwo einrichten und in irgendwelchen Programmen aktivieren. Stellenweise unübersichtlich und nervtötend. Warum man die Software für ein Hardwaredevice nicht ohne dieses ganze Usergängelungsprogramm machen kann, verstehe ich nicht. Andere Geräte steckt man ein und die machen den Rest selber, ganz ohne Aktivierungszwang von irgendwas. Wenn man es aber einmal hinter sich hat, läuft alles problemlos.
    - Die Mixersoftware hat kein Trayicon, wie ich es erwartet hätte und es eigentlich üblich ist. Ist ein ganz normales Programm.


    Fazit: Bin ganz zufrieden. 4 Front-Eingänge, Dim-/Mute Tasten, Ein-/Aus-Schalter machen mir das Gerät sympathisch, im Grunde hebt es sich mit Ausnahme des DSPs aber überhaupt nicht von der direkten Konkurrenz ab. Das schlichte Design kann einen ansprechen oder auch nicht. Ich find es ok. Für mich sind die eingebauten FX das wesentliche Pfund, mit dem das UR816C wuchern kann.
     
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  2. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.01.20   #2
    Hallo,
    das UR816C ist ja noch ganz "frisch" auf dem Markt, schön, dass Du Dir ein solches Upgrade besorgt hast :)
    Kannst Du vielleicht noch ein wenig zu Deiner Motivation für genau dieses Interface was schreiben?
    Und welche DSP-basierten Effekte sind beim UR816C dabei.
    Und was genau meinst Du mit "Orgie aus irgendwelchen Keys"?
    Wie ist die Range der Gainregler? Ab welcher Position etwa fängt es an, stark zu Rauschen?
    Wie bist Du denn mit den Preamps zufrieden und machen sich die neuen Wandler bemerkbar?
    Und nicht zuletzt: Bist Du zufrieden mit dem Output der KH-Ausgänge (mit welchem KH)?
    Danke ! :hat:
     
  3. Abendspaziergang

    Abendspaziergang Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.01.20   #3
    Gerne. Komme von einem UMC204HD und wollte mehr Anschlüsse und Flexibilität (mindestens 5 Input gleichzeitig 2 x Stereomik. f. Gitarre, 1 Pickup Gitarre, 2x Vocals). Ich habe mein Vocal-Kondenser als Deckenmikro fest installiert und wollte das Kabel gerne von hinten zuführen.

    Ich habe sogar kurz noch über das Behringer UMC1820 nachgedacht, aber in Frage gekommen wären von Focusrite das Scarlett 18i20 oder das Clarett 8 Pre sowie das Presonus Studio 1824c. Das Arturia AudioFuse 8Pre war zum Kaufzeitpunkt noch nicht verfügbar.

    Ausschlaggebend für den Kauf waren letzlich (in absteigender Reihenfolge)

    • die vier gegenüber den zwei Frontanschlüssen der Konkurrenz
      So kann ich Gitarre promblemlos mit Stereomik. + Pickup einstöpseln und hinterher im Mix sehen, was ich wie gewichte.

    • sowie der Hardware DSP. Ich habe festgestellt, dass ein wenig Hall auf dem Kopfhörer beim singen ganz hilfreich ist und bei meinem alten Interface schon mal Latenzprobleme bekommen, wenn ich mir den per VST draufgepackt habe. Ich habe mir von dem DSP versprochen, dass das unkomplizierter geht und das tut es auch.

    • 2 x Kopfhörer war mir wichtig, da ich zum abhören einen AKG K271 habe, aber zum normalen hören auch einfach einen leichtgewichtigen Sennheiser PMX95 (für Youtube gucken).

    • Frontschalter: da ich das Gerät fest verbaue und erfahrungsgemäß bei USB Audio-Geräten immer mal was hängen kann, wollte ich nicht unter den Tisch an den PC oder hinter das Gerät kriechen müssen, um einen Reset machen zu können.
    Zu den DSPs:

    Habe mal die Software Console angefügt:

    dspMix.jpg

    Die Kanäle können paarweise stereo geschaltet werden, jeder hat einen HPF und einen Phase-Schalter. In der Effektabteilung jedes Kanals kann man mit "FX REC" festlegen, ob die Effekt mit aufgezeichnet werden sollen oder nicht. Darunter gibt es dann zwei Effekte, die man je Kanal zuschalten kann. Das ist entweder ein Channel Strip bestehend aus Compressor und Equalizer.

    channelstrip.jpg

    Oder eben ein Clean/Crunch/Lead/Drive Amp-Simulator. Inwieweit die was taugen oder nicht, kann ich (noch) nicht sagen. Hier mal der Clean Amp:

    AmpClean.jpg

    Über einen Send kann jeder Kanal an das Reverb Modul übergeben werden. Dort hat man die Wahl zwischen Hall, Room und Plate. Exemplarisch hier mal der Hall Reverb:

    Rev-X.jpg

    Sieht etwas altbacken aus, lässt einen aber ganz anschaulich an den Parameter drehen.

    Die Hardware-Effekte werden auch als Software VST Effekte mitgeliefert, inweit die wirklich identisch sind oder klingen, weiß ich nicht.

    Zu der Orgie mit den Keys: Steinberg möchte da einen eLicenser installieren, der die Installation überwacht. Mit dem Interface werden Lizenzkeys für Cubase AI 10 sowie die VST Effekte mitgeliefert. Meine waren interessanterweise schon an irgendein Account gebunden und das obwohl das Gerät lt. Händler direkt von Steinberg kam. Ich habe erst mal doof geguckt, als mir gesagt wurde, die Lizenzen wären alle schon registriert. Ich konnte die dann aber deaktivieren und auf meinen Account aktivieren. Aber was denken sich die Hersteller eigentlich dabei, sowas ihren Hardware Kunden zuzumuten. Cubase könnte ja einfach auf die Existenz der Hardware prüfen und was die Effekte angeht, so dürfte jeder in seiner DAW mehr und bessere finden und der einzige Sinn diese zu nutzen, besteht vermutlich darin, dass sie identisch zur Hardware versprechen zu sein. Ich finde das einfach nervtötend und unnötig.

    Zu den Gainreglern: Alle Gainregler runter, KH auf maximal und dann Gain 1 aufdrehen nehme ich ab ca. 2 Uhr ganz leichtes Rauschen wahr, ab 3 Uhr ist es deutlich und bei 5 Uhr (maximal) hat es dann eine Lautstärke wie leise Musik sie hat.

    Zu den Kopfhörerausgängen: Ja, bin zufrieden. Bin da vermutlich nicht der Experte, die AKG 271 werden jedenfalls lauter als mir lieb ist und der Klang bleibt dabei sauber. Da habe ich nichts auszusetzen.
     
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