[Review] TDR SlickEQ M

von Laguna, 08.01.17.

  1. Laguna

    Laguna Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 08.01.17   #1
    Hallo an die Freunde der digitalen Klangbearbeitung!
    Vielen hier werden die Plugins von Tokyo Dawn Records bereits ein Begriff sein. Zu dem Nova "dynamic equalizer" gibt es hier bereits ein Review.
    An deren Equalizer SlickEQ hatte ich mich bis jetzt noch nicht gewagt, da ich schon mehr als genug EQs habe. 2016 gab es aber eine Mastering Edition (SlickEQ M), die mich mit ihren Features und durch die Demo zu einem Kauf überzeugen konnte.
    Preislich liegt das Plugin bei 50€, es gibt zusätzlich noch das Angebot, für insgesamt 60€ SlickEQ Mastering, sowie die Gentleman's Edition des VOS SlickEQ (der ursprüngliche EQ) zu bekommen.


    Generelles

    Bei dem SlickEQ M handelt es sich um einen minimum phase Mastering EQ mit 6 parametrischen Bändern, Low- und HighCut, optionalen Frequenzplot, Analyzer, subtiler Saturation, einem "Meta-Filter" und etlichen sehr schlauen Features. Wie immer bei TDR hat da jemand bei diesem prall gefüllten EQ sehr gut mit gedacht. Ein Blick ins 23 Seiten starke, gut geschriebene Handbuch lohnt sich auf jeden Fall, da hier neben der Beschreibung der Parameter (immer mit Bild) auch einige Tipps zur Benutzung gegeben werden.

    Der SlickEQ M kommt als VST, AAX, AU für Mac und Win in 64 und 32 bit. Damit sind alle wichtigen Plugin Formate abgedeckt. Bei VST gibt es kein VST3, was bei einem EQ für die tägliche Benutzung aber keinen Unterschied macht (Stichwort Sidechain bei Kompressoren). Das Plugin detektiert automatisch ob es auf einem mono oder stereo Kanal verwendet wird.


    Benutzeroberfläche und Features

    slickEQ-M-4.jpg

    Die Benutzeroberfläche ist sehr durchdacht designed und das im typischen Schwarz/Weiß mit Farbe TDR Stil. Den kann man mögen oder nicht, übersichtlich ist es auf jeden Fall.
    Läd man den SlickEQ M, bekommt man zunächst die (anpassbare) Standardeinstellung ohne Frequenz Plot und ohne Anlayzer. Beide können mit zwei Klicks eingefügt werden.

    Das wichtigste sind die 6 Bänder. Diese sind in drei low und high aufgeteilt. Für jedes Band kann zwischen Peak und Shelf gewählt werden und jedes Band kann einzeln an/aus geschaltet werden. Der Q-Faktor der Bänder ist nicht kontinuierlich anpassbar, es lässt sich stattdessen aus 5 Einstellungen (Steep I/II über Normal bis ShallowI/II) wählen. Interessanterweise werden die Bänder mit steigender Frequenz kontinuierlich breiter. Besonders schmalbandig wird es aber auch in der Steep II Einstellung nicht. Hier merkt man den angedachten Zweck Mastering, wo selten extrem klinische Eingriffe nötig sind.
    Der Gain kann im Bereich von +/-8dB eingestellt werden. Auch das spiegelt den Verwendungszweck wieder. Sehr praktisch ist beim Thema Gain auch der Equal Loudness Modus, mit dem sich ein Vorher/Nachher Vergleich fair und schnell durchführen lässt (Stichwort "Lauter ist besser").

    Hinzu kommen noch Hoch- und Tiefpass mit frei einstellbaren Frequenzen und wählbarer Flankensteilheit (6dB/oct bis 24dB/oct).
    Am oberen Rand des Fensters gibt es noch die obligatorischen Presets, die sich aber dankbarer Weise auf zwei Hand voll sinnvoll ausgewählte Beispiele beschränken. Lustigerweise gibt es im Handbuch auch ein von analoger Hardware bekanntes recall sheet. :D
    A/B Switches, Reset ("Flat"), und einige Einstellungen können hier gefunden werden. Als sehr nützlich ist hier auch der help mode zu nennen, mit dem man interaktiv im plugin toltips eingeblendet bekommt. Um das Plugin zu lernen, bzw um die Funktion einzelner Buttons zu ergründen ist das super, da es im normalen Gebrauch nicht stört.


    Soweit könnte man auch den hauseigenen EQ der DAW nutzen. Was den SlickEQ M jedoch speziell macht sind einige weitere sehr praktische Features:
    Zum einen gibt es einen LF Mono Filter, der alle Frequenzanteile die unter der angegebenen Grenzfrequenz nur in Mono wiedergibt.

    Ebenfalls gibt es einen Regler EQ Scale, mit dem sich alle Änderungen zwischen 0% und 200% skalieren lassen. Falls man es im Eifer des Gefechts ein wenig übertrieben hat, kann man so einfach global alle Änderungen mit einem Regler zurückfahren.

    Zum anderen gibt es einen sogenannten Meta Filter. Dieser kann in drei Modi betrieben werden. Der erste ist ein TiltEQ, mit dem sich das Verhältnis von tiefen zu hohen Frequenzen verschieben lässt. Mir ist sonst nur eine kleine Anzahl Plugins bekannt, die dieses Verhalten emulieren können und die sind oftmals bei deutlich weniger Features gleich teuer. Vor allem dieser Tilt EQ hat es mir angetan.
    Im zweiten Modus "EL Curve" wird das Frequenzverhalten des menschlichen Ohres bei verschiedenen Lautstärken emuliert. Man kann so einen Song lauter oder leiser wirken lassen, bzw Vergleiche zwischen "auf laut" und "auf leise" gemischten Songs fairer gestalten.
    Der Dritte Modus "Hardness" kann den Sound aggressiver/softer gestalten.

    Wenn man über Mastering und EQ redet, kommt man ziemlich schnell auf das Thema MS Bearbeitung, also die getrennte Bearbeitung von Mitten- und Seitensignal. Der SlickEQ M geht hier sogar noch einen Schritt weiter und erlaubt es, jedes Band (oder alle global) in der Stereobreite anzupassen. Also quasi ein Multiband Stereo Widener mit sehr präzisen Einstellungsmöglichkeiten. :great:
    Für jedes Band gibt es ganz unten zwei Stereo Regler. Der obere Wert beeinflusst, wie breit das Signal ist (Stereo Width). Man kann über den Gain Regler des Bandes einen Wert einstellen und bei dem wide Regler den gleichen Wert mit anderem Vorzeichen. Dadurch kann dann gezielt nur das Mitten- oder Seiten Signal bearbeitet werden, bzw genauer noch: Das Verhältnis dieser Frequenzbereiche zwischen M und S.
    Zusätzlich kann der Pan (Stereo Balance) in jedem Band angepasst werden, wobei auf die Phase geachtet wird.

    Als weiteres Feature möchte ich noch die ("inductor style"-)Saturation nennen. Diese kann für die drei low oder high Bänder getrennt geregelt werden.


    Benutzung

    Die Benutzung der üblichen EQ Features geht dank der aufgeräumten GUI sehr schnell von der Hand. Leider kann man nur die Regler der GUI benutzen; der Frequenzplot dient lediglich als Visualisierung, aber nicht als interaktives Element. Schade. :(
    Möchte man den SlickEQ M als gewöhnlichen EQ benutzen, kann man trotz der Limitierung auf +/-8 dB mit Hilfe des range Reglers starkes soundshaping durchführen. Die vordefinierten Q Werte sind sinnvoll gewählt. Ich persönlich hätte mir aber noch einen besonders steilen dip/peak gewünscht.
    Die Verwendung der Stereo Regler ist zunächst etwas Neues, sehr schnell findet man sich jedoch zurecht. Die graphische Anzeige hilft. Und jetzt möchte ich das Feature eigentlich gar nicht mehr missen. Genau gar nicht habe ich den Stereo Balance Regler eines jeden Bandes benutzt. Mit dem könnte man aber für (evtl. automatisiert) Effekt Sounds sicherlich viel Spass haben. :D
    Insgesamt wirkt das ganze Konzept total durchdacht und aufgeräumt. Gerne mehr davon!


    Sound

    Ja, das wichtigste ist natürlich, wie der SlickEQ M jetzt klingt!
    In guter TDR Tradition wurde hier ein sehr neutrales Plugin entwickelt. Es handelt sich keinesfalls um eine Characktersau. EQ Eingriffe meistert er problemlos. Mit dem Tilt und EL Curve Metafilter lassen sich auch ungewöhnliche Einstellungen realisieren. Das Equal loudness Feature möchte ich seit dem ich den Nova GE benutze, nicht mehr missen.
    Die Inductor Saturation klingt in meinen Ohren sehr zahm. Gerade im Vergleich beispielsweise zum SDRR, den man richtig hart anzerren kann, sind hier nur subtile Effekte möglich.

    Die Stereo Width Option ist neben dem Meta Filter DER Grund, den SlickEQ M zu benutzen und klingt bei allen Einstellungen sehr musikalisch. Selbst wenn man alle Bänder auf komplette Breite einstellt und danach auf Mono abhört, ist das Ergebnis halbwegs hörbar (und deutlich besser, als beispielsweise mit dem Cubase internen Stereo Widener). Im Vergleich bspw. zu dem Nugen Stereorizer fehlen natürlich die ausgeklügelten Algorithmen, der SlickEQ M hat aber natürlich seinen Fokus bei ganz andern Aufgaben.

    Ich möchte hier keine Soundbeispiele posten, da ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, die Demo auszuprobieren. Einzige Einschränkung der Demo ist, dass die Plugin Parameter nicht gespeichert werden, wenn man die DAW Session schliesst. (Im Handbuch wird sarkastisch auf das recall sheet verwiesen ;p )

    Noch ein Wort zur Performance: Der SlickEQ M ist mittelmäßig bis hoch Performance fressend. Je nach gewählter Präzision und Analyzer Optionen kann das Plugin auch schon mal gut CPU Leistung fordern. Das alles bewegt sich aber im Rahmen. Wenn man sich angewöhnt, den Analyzer gar nicht zu verwenden, oder wieder auszuschalten, wenn man auf der jeweiligen Spur fertig ist, lassen sich problemlos etliche Instanzen des Plugins benutzen.


    Fazit:

    Der SlickEQ M ist ein sehr vielseitiger EQ mit schlauem Bedienkonzept und etlichen Extra Features. Ich möchte ihn nicht mehr missen. Ein paar Kritikpunkte gibt es aber trotzdem. Diese möchte ich hier noch mal kurz auflisten, wobei das Kritik auf hohem Niveau ist:

    • Ich hätte mir noch einen steileren Q Wert gewünscht.
    • Kein VST3. Das ist sicherlich eine technische Restriktion, die im täglichen Gebrauch keinen Unterschied macht.
    • Frequenzplot nicht interaktiv: Ich hätte mir gewünscht auch im Plot meine Bänder manipulieren zu können.
    • Stereo Width zunächst ungewohnt. Sehr schnell stellt man dann jedoch fest, dass dieser sehr nützlich ist. Ich habe das gleiche bei dem Equal Loudness des Nova gesagt und möchte das Feature jetzt nicht mehr missen.
    • Die Saturation ist sehr handzahm und dürfte für meine Ohren auch mal kräftiger zupacken.


    Ich hoffe, ich konnte einen guten Einblick in den SlickEQ M geben. Ich freue mich auf viele schöne Stunden mit den tollen Features des SlickEQ M. Die Demo lohnt sich auf jeden Fall und ich möchte hier noch mal ermutigen, diese auszuprobieren.


    So Far...

    Laguna
     
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