Review: Yamaha Mixer MG06 X

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Mahlzeit!

Den Yamaha Mixer habe ich bei einem Testspiel gewonnen. Nochmal vielen Dank dafür an das Musiker-Board! Ich hatte mich deshalb bei dem Testspiel "beworben", weil ich zwar einen
Kleinmixer besitze (Behringer Xenyx 1002 FX), aber dieser zum einen schon etwas in die Jahre gekommen ist, zum anderen man diesen Geräten nachsagt, dass sie die eine oder andere
Schwäche haben (sollen). "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch 'was bess'res findet!" Zum Vergleich der beiden Geräte gibts weiter unten noch ein paar Sätze.
Disclaimer:
Wie bei User-Reviews üblich: Das hier Dargestellte gibt nicht die Meinung der Board-Betreiber wieder, sondern meine eigene. Aber jetzt mal los....

Auspacken
Mein erster Eindruck ist positiv. Ein stabiler Karton. Nach dem Öffnen liegt zu oberst die Bedienungsanleitung in Plastikfolie verpackt auf einem Pappdeckel, der noch einmal von der
Oberseite das Innenleben schützt. Nach dessen Entfernung kommt mir ein Zitat aus einem Loriot-Film in den Sinn: "Das sieht recht übersichtlich aus." Zentral der Mixer in dieser
"samtweichen" Kunststofffolie (wie heißt dieses Material eigentlich?), seitlich eine kleine Pappschachtel mit dem in Plastikfolie verpackten Netzteil. Sonst nichts, aber was sollte auch noch
mehr im Karton drin sein. Durch diverse Einlagen und Verstrebungen aus Karton (kein Styropor!) ist der Inhalt gut geschützt. Nebeneinander gelegt schauts so aus (s. Bild "Auspacken").
Ausgepackt.JPG

Das Netzteil kommt für mich fast wie ein Handy-Ladegerät daher. Ein dünnes Kabelchen (150 cm Länge), ein kleines Steckerlein, aber mehr brauchts wohl auch nicht für den Strom. In
manchen Testberichten und Userbewertungen wird bemängelt, dass Gerätestecker und -buchse recht filigran sind, keine Zugentlastung vorhanden ist, und das ganze für eine heftig rustikale
Bühnenperformance (frei nach Reinhard Mey:" Wenn der große, wilde Rock‘n Roller rockt und rollt, mit der Wahnsinnslasershow über die Bühne tollt...", man beachte auch diesen Thread
--> https://www.musiker-board.de/threads/live-pannen.126263/) eher ungeeignet erscheint. Dafür, wie ich es nutze, reicht es mir vollkommen so, wie es ist.
Inhaltlich etwas dünn finde ich die Bedienungsanleitung. Ich selber habe mittlerweile vielleicht schon etwas Erfahrung mit derlei Gerät, weswegen ich mir nicht mehr jedes Detail haarklein
erklären lassen muss, aber wenn ich mir so manchen Thread im Bereich "Recording-Starter" anschaue, könnte es für meine Begriffe vor allem etwas geordneter sein. Vielleicht stört mich
aber auch einfach nur das Format der Anleitung. Ein mehrfach gefaltetes Blatt, bedruckt auf Vorder- und Rückseite. Abgesehen davon, dass im "gängigen" Home-Studio nicht immer Platz
ist, ein DIN-A2 Blatt auf dem Kartentisch zu entrollen, wirkt die Anleitung durch das hin- und herdrehen für mich unstrukturiert und unpraktisch. Ich hab halt lieber etwas zum Blättern. Aber
zumindest gibt es in der englischsprachigen Anleitung für Interessierte noch zusätzlich ein Blockschaltbild und ein Datenblatt (s. Bild Datenblatt).
Datenblatt.jpg


Optik, Haptik und Funktionen
Und so schaut das Teil aus (s. Bild Mixer_Übersicht).
Mixer_Übersicht.JPG

Mit den Ausmaßen eines DIN-A5 Zettels bringt der Mixer fast ein Kilogramm auf die Waage. Alles wirkt für mich sehr sauber und stabil
verarbeitet, Schalter und Drehregler gehen nicht zu leicht und nicht zu schwer, Stecker sitzen stramm in den Buchsen, ohne übel verklemmt zu sein oder am Milchzahn-Syndrom zu leiden.
Auf der Rückseite befinden sich 4 genügend dimensionierte Gummifüßchen, die ein Verrutschen in Maßen verhindern (s. Bild Rückseite).
Rückseite.JPG

Zusätzlich zwei Schraubenlöcher 5mm. Im gut sortierten Zubehörhandel kann man ein Zusatzteil erwerben (nach Angaben einer Kundenrezension auf einer anderen Website zum Preis von 31,90 EUR) und anschrauben, welches
wiederum mittels eines daran befindlichen Gelenkstücks mit passendem Gewinde die Montage auf einem Mikrofon-Stativ ermöglicht. Allerdings erscheint mir schon gedanklich diese
Konstruktion / Konstellation etwas fragil, weshalb auch in der Bedienungsanleitung wörtlich gewarnt wird: "Falls das Stativ umfällt, kann das Mischpult beschädigt werden:"

Nachdem das Gerät im Prinzip "wie eigentlich die meisten Mixer" aufgebaut und strukturiert ist, gehe ich jetzt mal auf die Dinge ein, die mir positiv oder auch negativ aufgefallen sind, die
zusätzlich vorhanden oder auch weggelassen sind bzw die für andere vielleicht interessant sein könnten. Hier kommen dann auch immer mal wieder Vergleiche zum oben erwähnten etwas
größeren Behringer Mixer vor.

Als erstes fällt mir positiv auf, dass der Mixer im Gegensatz zur gerade in Frage stehenden "Konkurrenz" einen Ein- Aus-Schalter besitzt. Gefällt mir jedenfalls besser, als Stecker rein oder
raus. Zwar habe ich meine ganzen Spielsachen - und damit auch den Behringer - an einer schaltbaren Steckerleiste hängen, aber ich mag es eben, wenn ich mittels Schalter direkt am
Gerät noch selber entscheiden kann, ob ja oder nein.

Als Ausgänge fungieren entweder XLR- oder Klinkenbuchsen. Ich habe keinen wirklichen Unterschied gehört, egal ob die Signalkette nun Mixer Klinke --> Interface --> Abhörlautsprecher,
oder Mixer XLR --> Abhörlautsprecher war.

Die MIC/Line Eingänge können mit 48V Phantomspannung versorgt werden, und haben einen Pad (26 db)- sowie Low-Cut-Schalter (hier HPF = Hochpassfilter genannt, Filter bei 80 hz, 12
db/Oktave). Praktisch finde ich an diesen - und den anderen - Druckschaltern, dass sie zweifarbig gestaltet sind und man somit auf einen Blick erkennt, ob gedrückt oder nicht (s. Bild
Druckschalter).
Druckschalter.JPG

Gain-Regler und Peak-LED für die Kanäle 1+2 sind ebenfalls vorhanden.
Offensichtlich haben die Yamaha-Entwickler im Musiker-Board vorbeigeschaut (s. den Sticky im Brett Recording-Starter "Mono/Stereo, oder warum kommt die Aufnahme nur von links"),
denn es gibt für diese Kanäle (1 + 2) einen entsprechenden Schalter inklusive Erläuterung in der Bedienungsanleitung. In der Position "Mono" wird das Signal auf beide Lautsprecher verteilt,
auch wenn nur ein Eingangskanal belegt ist.
Zwei EQ-Regler (Low 100Hz shelving und High 10kHz shelving) gibts nur bei den MIC/Line-Eingängen, einen PAN-Regler gibts weder hier noch sonst nirgendwo, die Inputs 3/4 und 5/6 haben
außer dem Level-Regler keine Einstellungsmöglichkeiten. Da gibts nur laut oder leise.

Eine kleine Effektsektion ist auch vorhanden, wo man entweder 3 verschiedene Reverb- oder 3 verschiedene Delay-Einstellungen auswählen kann. Die Auswahl der Einstellungen könnte für
eher grobmotorisch veranlagte Menschen zur Herausforderung werden, da der Schiebeschalter ungefähr so groß wie ein Streichholzkopf ist (s. Bild Effektschalter).
Effektschalter.JPG

Bei den Kanälen 1 und 2 kann der Effekt mittels Schalter aktiviert (Effekt ja oder nein) und durch den entsprechenden FX-Drehregler des Effekt-Summensignals mehr oder weniger hörbar
gemacht werden. Die Effekte klingen für mich brauchbar und nicht übertrieben. Natürlich gibt es Hard- und Software Reverbs und Delays, die qualitativ weit darüber stehen, aber deswegen
ist das Gerät auch im unteren dreistelligen Preisbereich angesiedelt.
Was für meine Begriffe fehlt, ist die Möglichkeit, - so wie z.B. beim Behringer - pro Kanal den Effektanteil zu regeln, und gerne hätte ich noch einen Chorus-Effekt gehabt. Beim Recording
kann man das zwar nachher in der DAW noch alles managen, aber bei einem Live-Gig ein wenig Reverb und dezent Chorus auf die Akustik-Gitarre könnte das Instrument noch einen Hauch
feiner singen lassen...

Erfreulich finde ich das getrennt regelbare Kopfhörersignal, das unabhängig vom Ausgangssignal eingepegelt werden kann. Aus vermutlich Platzgründen gibts für das Ausgangssignal
keinen Fader, sondern "nur" einen recht ordentlich arbeitenden Drehregler. Aber ob drehen oder schieben, die Pegelanzeige ist nach meinem Empfinden relativ exakt und gut ablesbar.

Der Klang
Wie sagte schon Wilhelm Busch: "Musik wird störend oft empfunden, derweil sie mit Geräusch verbunden". Ob das Dargebotene nun voll, warm, weich, blechern, dumpf, crunchy, schrill,
kratzig, cremig oder sonstwie empfunden wird, ist in bestimmten tolerablen Grenzen halt immer subjektiv. Bei mir zur Zeit sogar sehr, sehr subjektiv, da ich seit kurzem ein Hörgerät besitze,
und nun Dinge höre, von denen ich lange Zeit schon gar nicht mehr wußte, dass es sie überhaupt gibt. Gerade höhere Frequenzen (und deren Zusammenspiel) sind für mich nun ganz neu,
teilweise sogar "krass", weshalb ich mich in meiner klanglichen Beurteilung des Folgenden eher zurück halte und einfach ein paar Tonbeispiele (zum Teil im Vergleich zwischen Behringer =
Beh und Yamaha = Yam) der geneigten Zuhörerschaft zum eigenen Urteil zur Verfügung stelle.

Ein Stück Beethoven (3. Satz Mondscheinsonate, nicht von mir, sondern einer MIDI-Datei gespielt)
Signalkette: MIDI-Datei --> Keyboard Audio out --> Mixer --> DAW--> Wave-Datei. So eingepegelt, dass bei beiden Einspielungen das Eingangssignal in der DAW maximal
-1,5 db beträgt. Auffällig dabei, dass - um diesen Pegel zu erreichen - beim Yamaha deutlich weniger Eingangssignal seitens des Keyboards notwendig war.
https://soundcloud.com/ivarniklas/yam-beeth-midi
https://soundcloud.com/ivarniklas/beh-beeth-midi

Etwas Akustik Picking
Signalkette: Akustik-Gitarre --> 2 Mikros --> Mixer --> DAW--> Wave-Datei. Einstellungen bei beiden Mixern so weit wie möglich gleich, aber auch hier musste beim Behringer Level und
Gain etwas höher gedreht werden. In der DAW noch die Spuren etwas auseinander gelegt (panning rechts/links 50) und auf -1,01 db normalisiert.
https://soundcloud.com/ivarniklas/beh-acc-git-mik
https://soundcloud.com/ivarniklas/yam-acc-git-mik

Gesang hab ich nicht getestet, da ich kein geeignetes Gesangspersonal zur Verfügung hatte. Aber z.B. auch mit nur einem Mikrofon (AT 2020) an Input 1 vor der Akustik-Gitarre mit
gleichzeitiger Aufnahme des Pick-up-Signals (bei mir ein älterer Barcus-Berry Piezo) an Input 2 kann man einen ganz annehmbaren Sound erzielen. Das habe ich aber nur so ausprobiert
und nicht aufgenommen.

Zum Schluß noch eine Aufnahme mit bewußt einfachen Mitteln:
Signalkette: Keyboard Audio out --> Mixer --> Laptop Miniklinke --> Audacity. Auch hier - natürlich abermals subjektiv - kann für meine Begriffe ein doch ordentliches Klangergebnis erzielt
werden.
https://soundcloud.com/ivarniklas/yam-lt-audacity

Persönliches Fazit

Ein kompaktes handliches Gerät, das genau das tut, was es soll. Gravierend Negatives habe ich nicht erkennen können. Natürlich gibt es immer Dinge, die man vielleicht als nützlich
erachtet und noch dazu haben könnte, wie z.B. mehr Effekte + deren Kombinationsmöglichkeiten (der Behringer hat ca 90 dieser Art), Kompressor, EQ und PAN-Regler auf allen
Eingangskanälen, AUX-Out und Return, evtl ein paar Eingänge mehr, aber dann gäbe es entweder mächtig Gedrängel mit winzigen Reglern auf der Oberfläche, oder das Teil wäre irgendwann
doppelt so groß, doppelt so schwer und doppelt so teuer, was es eben gerade nicht sein soll.

Für den kleineren Kneipen- oder Club-Gig gut geeignet, allerdings sollten dahinter dann schon noch entweder eine kleine PA (vielleicht so etwas
==> http://www.musiker-board.de/threads/3x-ld-systems-maui-5-zu-gewinnen.626880/)
oder ein paar kräftige Aktiv-Boxen auftauchen, da im Inneren halt "nur" relativ milde Preamps werkeln.
Für ambitioniertes (Home)-Recoding nicht die erste Wahl, da halt nur ein Stereo Ausgang (oder 2 Mono-Ausgänge) vorhanden ist, und da ist die Kombination Interface --> DAW natürlich
weit besser geeignet, aber das ist ja auch nicht das Hauptmetier des Gerätes. Es ist eben ein Mixer und kein Recording-Interface.

Bei mir wird der Mixer stationär verwendet und da ist es halt sehr angenehm, für beispielsweise eine Spontan-Session eine oder 2 Gitarren mehr einzustöpseln, über eine externe Quelle
Backing Tracks einzuspielen, eine schnelle Aufnahme zum Festhalten von musikalischen Geitesblitzen zu realisieren oder z.B. - wie ich es schon mit dem bisherigen Mixer gemacht habe
- von meiner Musikanlage über den Mixer in der DAW meine Vinyl-Schätze zu digitalisieren.

Alles in Allem für mich im wahrsten Sinne des Wortes ein Gewinn. Herzlichen Dank an das Musiker-Board und Yamaha!
Und zu guter letzt gilt (wie immer): Bei Fragen, fragen!

Gruß
Ivar
 
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Gibt es auch schon Erfahrungen von irgendjemandem zu den großen Brüdern?
Und würdet ihr einen der großen Brüder kaufen? Wann ja, mit oder ohne Effektprozessor?
 
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Wenn man sich diese Frage am Beispiel dieser beiden Mischpulte stellt...



... dann liegen 70€ dazwischen. Wenn man ausschließen kann, dass man jemals die durchaus brauchbaren SPX-Effekte und einen USB Anschluss verwenden wird reicht die günstigere Variante. Ich finde allerdings 70€ für diese beiden Features mehr als angemessen!
 
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Zu den größeren Brüdern: ivarniklas hatte ja ein paar Einschränkungen des kleinsten Modells genannt. Die größeren Modelle unterscheiden sich nicht nur in der Anzahl der Eingangskanäle, sondern auch in diversen Ausstattungsfeatures:
- ab dem 10XU gibt's zusätzlich Cinch-Eingänge, je Kanal 3-Band-EQ, einen Pan-/Balance-Regler und einen FX-Regler; es gibt auf der Ausgangsseite Monitor-Anschlüsse, einen USB-Anschluß und einen Aux-Weg; bei den Effekten kommen mehr Reverbs, für einen Teil der Mic-Kanäle je einen one-knob-Kompressor, Chorus und Flanger dazu;
- ab dem 12XU gibt es Fader statt Drehknöpfe, einen ON-Schalter je Kanal sowie zwei Gruppen;
- ab dem 16XU gibt's parametrische Mitten, 3 Auxe und vier Gruppen.
(wenn ich noch was vergessen haben sollte, bitte ergänzen)
Allein diese Unterschiede können die Entscheidung für/gegen ein Modell ausmachen, aber da stehen natürlich noch Fragen wie Einsatzzweck, nötige Anzahl der Kanäle und Budget ebenfalls im Raum.
A propos Budget: die Preisgestaltung der Serie ist imho sehr unübersichtlich. (Ich hab mal im Controlling gearbeitet, da fällt mir sowas fast automatisch auf). Z.B. die Aufpreise für FX und USB, also der Unterschied zwischen "MGxx" und "MGxxXU":
06 vs. 06X: 34 EUR
10 vs. 10XU: 51 EUR
12 vs. 12XU: 80 EUR
16 vs. 16XU: 70 EUR
20 vs. 20XU: 140 EUR
So gesehen ist das 16XU derzeit geradezu ein Schnäppchen.

Bässte Grüße

MrC
 
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