Sustain, Attack, Resonanz usw. in Relation zu Konstruktion und Material - was bedingt was?

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neuronic

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just some eye candy

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Vorweg: ich befürchte zwar, ich trete hiermit eine bloße Meinungsdiskussion los, wo eine Faktendiskussion hilfreicher wäre, aber wer weiß, vielleicht entwickelt es sich ja ausnahmsweise mal anders... ich möchte es zumindest mal versuchen, weil ich Dingen immer so gerne auf den Grund gehe :embarrassed:


Es gibt die unterschiedlichsten Aussagen, welche konstruktionsbedingten Eigenheiten eines "solid body"-Saiteninstruments (hier: der E-Bass) die jeweiligen Schwingungseigenschaften beeinflussen. Beispielsweise wird allgemein angenommen, dass "neck through"-Konstruktionen das Sustain, d.h. das lange Ausschwingen der Saite, eher fördern als "bolt on"-Konstruktionen, denen man wiederum mehr "Attack", also die schnellere Ansprache, nachsagt (letzteres zum Beispiel will mir rein physikalisch betrachtet schon mal nicht einleuchten..).

Auch gibt es unterschiedlichste Fakten & Mythen hinsichtlich z.B. der Wirkung der Saitenführung per Hülse oder Bridge oder der Verwendung unterschiedlich harter Hölzer für den Hals und das Griffbrett, single cut vs. double cut etc.pp..


Ich würde mich freuen, wenn wir in diesem Themenkomplex mal Erfahrungen zusammentragen und mögliche physikalische Erklärungen sachlich und ohne Polemik erörtern könnten. Kann man allgemeingültige Aussagen treffen oder sind die Beobachtungen im Grunde nie pauschalisierbar?
Und um es zu betonen: es geht dabei nicht um den "Klang", den erzeugt zu 99% der Tonabnehmer und der Amp, sondern ausschließlich um die Schwingung, die Übertragung und Erhaltung derselben, und das Entstehen von Resonanzen und Obertönen. Danke.

Also. Wer mag? :)
 
Bholenath

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--> Manfred Zollner Physik der Elektrogitarre. Kennst Du das?
Das gilt sicher auch für Bässe.

Kapitel 7 und folgende beschäftigt sich genau damit.
Ich fand es nicht schlecht. Fast schon zu detailiert.
 
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neuronic

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--> Manfred Zollner Physik der Elektrogitarre. Kennst Du das?
Das gilt sicher auch für Bässe.

Kapitel 7 und folgende beschäftigt sich genau damit.
Ich fand es nicht schlecht. Fast schon zu detailiert.


...ich kenn's nur aus "Klang"-Diskussionen, aus denen ich mich wegen hartnäckig verkannter Subjektivität immer gerne schnell ausklinke ;)

Falls du es zu Hand hast, kannst du gerne mal Passagen daraus hinsichtlich der Eingangsfrage zusammenfassen.
 
Bholenath

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Falls du es zu Hand hast, kannst du gerne mal Passagen daraus hinsichtlich der Eingangsfrage zusammenfassen.

Das Problem ist das er sehr ausführlich darauf eingeht.
Kapitel 7.9 befasst sich mit dem Holz und das sind 2 Seiten.
Daraus Absätze zu zitieren scheint mir nicht sinnvoll, man muss das durchlesen damit der Kontext gewahrt bleibt.

Eigentlich muss man das ganze Kapitel 7 beachten dann wird klar was es da alles vom Mechanischen her zu beachten gäbe/gibt.
Man findet das Dokument online.
 
neuronic

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...hab ich mit meinem vorwegnehmendem Skeptizismus nun jede begründbare Meinungsäußerung bereits im Keim der Mutlosigkeit erstickt? :engel:

Wie ist denn das nun mit dem "Attack" bei Schraubhälsen im Vergleich zu neckthru-Modellen? Ist die "Schnelligkeit" der Ansprache überhaupt eine Kategorie, die etwas über den Bass sagt, oder nicht vielleicht eher doch ausschließlich etwas über Spieltechnik und evtl. noch Saitenunterschiede?
 
elkulk

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Hi,

Dein Anliegen, unvoreingenommen und faktenbasiert zu diskutieren kann ich nur absolut gutheißen.

Wenn ich auch glaube, dass es schwierig ist, diesen Anspruch zu erfüllen, da meines Wissens nur ganz wenig wirklich wissenschaftlich/methodisch sauber erforscht ist.

Zu folgender Behauptung von Dir ...
...
Und um es zu betonen: es geht dabei nicht um den "Klang", den erzeugt zu 99% der Tonabnehmer und der Amp, sondern ausschließlich um die Schwingung, die Übertragung und Erhaltung derselben, und das Entstehen von Resonanzen und Obertönen. ...
... frage ich mich:
Wie gelingt es Dir, Klang und Resonanzen und Obertöne voneinander so scharf abzugrenzen? Für mein Verständnis ist im Begriff Klang ganz vieles enthalten, u.a. Obertöne, Resonanzen und damit Schwingungsverhalten, Ansprechverhalten, Sustain etc.
Womit ist die Behauptung belegt, dass der Klang "zu 99%" von den Tonabnehmern und dem Amp stammen? - Ich kenne die Diskussion bzgl. der E-Gitarre und die Aussagen und Belege von Manfred Zollner, denke aber, dass diese nur begrenzt auf den E-Bass übertragbar sind, da ein Basshals- und -korpus viel stärker mitschwingen als bei einer E-Gitarre (auf eigener Erfahrung - Fühlen beim Spielen - aufbauende Behauptung) und damit das Schwingungsverhalten der Saiten und die Schwingungen der PUs im/mit dem Korpus stärker beeinflusst werden und damit einen wahrnehmbaren Einfluss auf den "Klang" des Instruments haben können.

Die Behauptung, dass ein geschraubter Hals tendenziell schneller ansprechen soll, als ein durchgehender, leuchtet mir auch nicht so richtig ein. In beiden Fällen muss beim Saitenanschlag vergleichbar viel Masse (Saiten und damit in Wechselwirkung: Basshals und -korpus) in Bewegung/Schwingung versetzt werden bzw.: diese Masseträgheit bedämpft die Schwingung der Saite. Welcher Faktor beim geschraubten Hals zu einem schnelleren Ansprechen führen soll, ist mir nicht klar. Eher hätte ich gesagt, dass die stabilere Hals-Korpus-Verbindung beim durchgehenden Hals weniger Energie schluckt (nicht nur beim Ausschwingen > längeres Sustain, sondern auch beim Einschwingen nach dem Anschlag > schnelleres Ansprechen?).

Aber das sind alles nur theoretische Überlegungen gepaart mit ein wenig subjektiver Erfahrung - nichts objektives , wissenschaftlich-empirisch Belegtes.

Gruß Ulrich
 
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neuronic

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Hi Ulrich, schön, dass du mitmachst... vielleicht animiert es den ein oder anderen ja auch noch.

Mir geht's ja auch nicht um tatsächliche wissenschaftliche Validität und saubere Methodik auf dem Weg dahin. Mir geht's eher darum mit basaler Physik schwer begründbare Aussagen zu hinterfragen, die sich in den Köpfen so vieler festgesetzt zu haben scheinen ;)

Deshalb erwähnte ich ja auch direkt beispielhaft, dass es mir (und dir offenbar auch nicht) nicht einleuchten will, wenn gesagt wird ein Schraubhalsinstrument hätte eine direktere, schnellere Ansprache als ein set-neck- oder neck-through-Instrument... und ich bin mir sicher, dass es da keinerlei prinzipielle Unterschiede zwischen Bass und Gitarre gibt, denn die Konstruktion und die physikalischen Eigenschaften sind jeweils die gleichen.

Der "Klang" ist bei einem elektrisch verstärkten Instrument für die meisten das, was aus dem Lautsprecher kommt, also das, was der Amp mit dem elektrischen Signal des PUs macht. Wenn du in dieser Signalkette die Konstruktion, die die schwingende Saite hält (also hier den eigentlichen Bass/Gitarre minus Elektrik und allem nachgeschalteten), austauschst und den Rest beibehälst (also Saite, Elektrik, PU, Amp), wird der "Klang" in einer Blindprobe praktisch nicht unterscheidbar sein - deshalb die rein veranschaulichenden "99%".

Aber darum geht's mir nicht und deshalb wollte ich zumindest diesen Anteil des "Klang" ja eben auch bei Betrachtung raushalten...
Mir geht es um die Auswirkungen unterschiedlicher Konstruktionsmerkmale auf die Schwingung der Saite, aus der der akustisch (in Abgrenzung zum verstärkten) wirksame Anteil der Obertöne, Resonanzen und eben Sustain und Ansprache etc. entstehen, also schlussendlich, wie das Instrument unverstärkt "klingt" und schwingt.


Hätte ich die gleiche Diskussion im Gitarrenbereich (ich spiele deutlich länger Gitarre als Bass) angestoßen, hätte ich mit Sicherheit jetzt schon diverse empörte Beteuerungen, dass eine Strat eben doch direkter anspricht als eine LP ;)
 
Bholenath

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im Gitarrenbereich

Oder im Geigenbereich.
Oder sonst in irgendeinem akustikinstrumentorientierten Diskussionsbereich. :engel:


Natürlich spielt auch im elektrisch verstärkten Instrument die mechanische Grundkonsistenz des Instruments eine Rolle.
Wie groß die ist und vor allem wie sich was genau auswirkt, ist allerdings sicherlich nicht so leicht festzumachen wie bei einem akustischen Instrument.

Deswegen die endlosen Diskussionen in diversen Foren zu diversen Komponenten der (elektrisch) verstärkten Instrumente.

Ich bin selbst ein Advokat der Haltung das man aus einem "normalen" Instrument das mechanisch korrekt ist mit hinzufügen guter elektrischer Komponenten sehr viel herausholen kann weil de 90% des Klangs ausmachen. Die mechanische Stabilität sollte aber schon gegeben sein.

Das die Art der Montage des Halses (geschraubt/geleimt) aber zu einem bestimmten Ansprechverhalten führt das mit anderen Mitteln nicht zu erreichen wäre kann ich mir nicht vorstellen. Wie schon gesagt, stabil muss es natürlich sein.
 
neuronic

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Oder im Geigenbereich.
Oder sonst in irgendeinem akustikinstrumentorientierten Diskussionsbereich. :engel:


Natürlich spielt auch im elektrisch verstärkten Instrument die mechanische Grundkonsistenz des Instruments eine Rolle.
Wie groß die ist und vor allem wie sich was genau auswirkt, ist allerdings sicherlich nicht so leicht festzumachen wie bei einem akustischen Instrument.

Deswegen die endlosen Diskussionen in diversen Foren zu diversen Komponenten der (elektrisch) verstärkten Instrumente.

Ich bin selbst ein Advokat der Haltung das man aus einem "normalen" Instrument das mechanisch korrekt ist mit hinzufügen guter elektrischer Komponenten sehr viel herausholen kann weil de 90% des Klangs ausmachen. Die mechanische Stabilität sollte aber schon gegeben sein.

Das die Art der Montage des Halses (geschraubt/geleimt) aber zu einem bestimmten Ansprechverhalten führt das mit anderen Mitteln nicht zu erreichen wäre kann ich mir nicht vorstellen. Wie schon gesagt, stabil muss es natürlich sein.


Es gibt Geigen mit angeschraubtem Hals...? :D


Gut, dann sind zumindest wir drei uns ja schon mal dahingehend einig, dass es für die "Ansprache" im Grunde egal ist, ob ein Hals angeschraubt, eingesetzt oder durchgehend ist (und vermutlich traut sich auch schon niemand mehr etwas anderes zu behaupten^^).
Wie sieht's mit dem Sustain in der Beziehung aus? Gefühlsmäßig würden die meisten sagen "neckthrough > setneck >bolton", aber gibt es dafür haltbare und nachvollziehbare Erklärungen oder ist es eben doch nur das bloße, psychoakustische Baugefühl und die Neigung alles kategorisieren zu wollen?

Und was ist mit der Saitenführung durch den Korpus?
 
Bass_Zicke

Bass_Zicke

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aber gibt es dafür haltbare und nachvollziehbare Erklärungen

jaein ........ aber einen punkt sollte man dabei mit überlegen .

die saitenführung und wie dadurch die reiter beeinflusst werden .

wenn die saite nur flach über die reiter geführt wird , wird es schwer einen guten druck , reiter auf body , auszuüben ...... geht die saite aber hinter dem reiter nach unten ( was ja zwangsläufig dann durch den body geht ) sieht die sache anders aus .

dennoch muß es aber tricks geben , die auch bei " non draht durch body " den druck der reiter ausreichend zu machen .

.... aber was schreib ich da , bei meinem samick gehen die saiten nicht durch den body und das ding hat sustain ohne ende :confused:
 
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mk1967

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Ich bin selbst ein Advokat der Haltung das man aus einem "normalen" Instrument das mechanisch korrekt ist mit hinzufügen guter elektrischer Komponenten sehr viel herausholen kann weil de 90% des Klangs ausmachen.
:great: Kommt mir aus meiner subjektiven (Spieler-)Sicht auch so vor. Die Unterschiede zwischen den Konstruktionsprinzipien allein scheinen mir nicht soooo groß zu sein. Ob hingegen ein Jazz- oder ein Precision-PU in der Halsposition sitzt, macht schon einiges aus.

Beispiel: das von Bass_Zicke erwähnte Ansprechverhalten.Aus meinem Warwick Thumb mit durchgehendem Hals kann man ähnlich brettharte Funk-Klänge rausholen wie aus meinem 1976er Fender Jazz mit Schraubhals und betonschwerem Eschekorpus.

Oder: die Frage, ob die Saiten durch den Korpus oder über einen simplen Fender-Bleckwinkel laufen, in dem Falle beim Fretless. Beim Vigier Arpège III mit durchgehendem Hals laufen sie durch den Korpus, beim Squier Jazz mit Schraubhals nicht. Ich habe keine großen Unterschiede gemerkt - da werden unterschiedliche Griffbrettmaterialien (DeltaMetal / Palisander) weit mehr ausmachen, und wenn man dann noch (wie ich) ganz verschiedene Saiten draufzieht, wirkt sich das wohl stärker aus als die Holzkonstruktion.

Lediglich die Saitenlage meiner Fretless-Bässe macht sich enorm im Klang bemerkbar: je flacher, desto weicher, singender (fabelhaft beim Warwick FNA Jazzman - und das trotz Schraubhals), aber bei einigen Modellen (dem genannten Vigier zum Beispiel) auch etwas saftloser.

Zu der Frage mit den Konstruktionsprinzipien müßte sich eigentlich im Online-Artikelarchiv von Gitarre&Bass bzw. Musiker noch einiges finden: der Autor Dirk Groll hat über die Jahre immer wieder Artikel zu dem Thema gemacht, die mir durchaus kompetent vorkamen.

Michael
 
Bholenath

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die saitenführung und wie dadurch die reiter beeinflusst werden .

Die beiden Endpunkte (Sattel und Brücke,Bünde) der Saitenaufhängung könnten durchaus eine stärkere Rolle spielen genauso wie die dazwischenliegende Substanz (von der Stabilität her). Ob das klangmässig ist weiss ich nicht aber die Konstanz des Tons und die Länge der Schwingungsdauer könnten davon selbstverständlich beeinflusst werden.

Wie stark und ob man das als Charakteristikum so hört, so wie das oft kolportiert wird, scheint mir schon schwieriger zu beurteilen sein.

Wie klingt das oder das Holz oder sonst eine Materialkomponente wenn der "Ton" dann am Ende doch nur aus dem Pickup kommt?
Hört man den Unterschied?

z.B.
Ahorn ist heller, Mahagoni ist dunkler im Klang?

Bei einer akustischen Gitarre ist die Frage leicht und schnell mit ja zu beantworten.
Bei einem elektromechanischen Instrument ist das wahrscheinlich auch vorhanden aber nicht so ausgeprägt denke ich.
 
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elkulk

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Hi,

das "Wieviel" des Klangs beim E-Bass die hölzerne Basis und die restliche Mechanik ausmachen, ist meines Erachtens vermutlich sehr schwierig zu bestimmen.

Dass es weniger ist, als bei akustischen Instrumenten, bei denen der hohle Klangkörper gerade darauf ausgelegt ist, von den Saiten angeregt und mit ihnen zusammen, die Luft in Bewegung zu setzen und daraus Schallwellen und "Klang" zu erzeugen, erscheint mir eindeutig.

Dass es mehr ist als bei der E-Gitarre, bei der die Saitenbewegung und -masse geringer ist und damit die Schwingungsenergie der Saite die sonstige mechanisch relevante Konstruktion weniger zum Mitschwingen bringt, erscheint mir zwar logisch, aber keineswegs in der Stärke der Auswirkungen auf den Klang noch so eindeutig.

Deshalb habe ich den Hinweis auf Manfred Zoller aufgenommen, der es sich für die E-Gitarre zur Aufgabe gemacht hat, wissenschaftlich exakt zu erforschen, ob und wieviel die mechanische Konstruktion ausmacht. Aber lässt sich aus seinen Erkenntnissen ableiten, ob diese auf den E-Bass sicher zu übertragen sind?
Oder hat er oder jemand Anderes versucht nachzuweisen, dass diese Erkenntnisse für den E-Bass auch zutreffen - oder nicht?

Also: Hat die Halsdicke/Halsmasse und damit auch die Holzart und die Halskonstruktion / der Halsaufbau einen Einfluss auf den Klang; einen wir großen Einfluss? Und wenn das eine Einfluss hat: Hat auch das Korpusmaterial / die Korpuskonstruktion / der Korpusaufbau / ... auch noch einen Einfluss; und einen wie großen?

Ohne experimentelle wissenschaftliche Forschung, die eben genau wie weiter oben von jemandem kurz angedeutet versucht, über ein Konstanthalten der Bedingungen bis auf ein einziges Merkmal, dass gezielt manipuliert wird (z.B. alles, aber auch alles wirklich identisch bis auf die Halsdicke; oder das Griffbrettmaterial; oder das Korpusholz; oder die Brückenkonstruktion; oder das Sattelmaterial; oder ... oder ... oder ...), bleibt hier eben vieles mehr oder wenig plausibel erscheinende Spekulation.

Gruß Ulrich
 
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GothicLars

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Es gibt ja Leute die da andere Meinung sind, aber dass der Body und der Hals einen Einfluss auf den Klang haben steht für mich außer Frage und kann man auch recht leicht erklären.

Schwingt die Saite, kann man deutlich spüren, dass dann auch der Body schwingt.
Klopfe ich auf den Body, kann ich zwei Beobachtungen machen. Das Klopfen klingt bei unterschiedlichen Hölzern auch unterschiedlich, die Hölzer schwingen also anders. Außerdem fangen dann auch die Saiten an zu schwingen, die Schwingung des Bodies überträgt sich also auch auf die Saiten.

Für mich ist es daher vollkommen klar, dass das Holz einen Einfluss auf den Sound hat.

Ansonsten ist das Instrument immer die Summe seiner Teile. Wie erwähnt, soll ein durchgehender Hals das Sustain verbessern. Das erschließt sich vielleicht nicht so eindeutig. Aber was ist, wenn ich den Korpus sehr dünn baue, wie bei einem Akustik Bass der seine Energie ja recht schnell an die Luft abgibt. Das ist dann ja wieder ganz klar. Die Konstruktion hat also auch ganz sicher Einfluss auf den Klang. Oft sicher nur minimal. Ich habe mal eine Bridge gewechselt und bin mir nicht sicher, ob sich wirklich was verändert hat. Aber ich denke, es ist ein Minimum hier und ein Minimum da und alles zusammen macht dann das Instrument.

Ich bin mir auch sicher, dass die Erkenntnisse aus der Physik der E-Gitarre auf den Bass übertragbar sind.
 
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SuizidKorken

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Meine Erfahrung als Musikalienfachhändler, wo ich sowohl im Kundenauftrag als auch bei eigenen Instrumenten häufig Mechaniken, Brücken und Pickups getauscht hab:

Ein Instrument besteht im Groben aus zwei (drei) Komponenten: Saite, Korpus mit Hardware (und Elektronik) (auf Letztere gehe ich mal nicht ein).

Die Saite als Impulsgeber muss in erster Linie eines sein: Gleichmäßig und hart aufgehängt, dadurch ermöglichen wir den größt mögliche Energie-Erhaltung. Optimalerweise ist eine Saite maximal schwer, und maximal gespannt. Ist das gegeben, haben wir hier unser möglichstes getan.

Der zweite Teil ist der Korpus. Hier gilt: Je weniger Energie der Korpus aufnimmt, desto besser. Der Korpus und alle seine Teile sollen wenig Energie aufgeben,und maximal viel Energie zurück an die Saite geben. Klangformend ist jedoch dieser "Verlust" in Hardware und Holz. Wir wollen ja, dass ein Mahagoni nach Mahagoni, eine Zeder nach Zeder klingt. So gilt das am Ende für jedes Material. So klingt aber auch eine weiche Brücke weniger differenziert, ja sogar "oberton-arm" im Vergleich zu einer ordentlichen Brücke.
Also ja, meiner Meinung nach hat Alles einen Einfluss auf den Klang, das Holz (meines Erachtens nach) jedoch am wenigsten (außer es ist natürlich absolut weiche Erle, die man mit dem Fingernagel eindrücken kann - ich schaue finster in Richtung der sub-100e Ebass Bausätze -)

Im E-Bereich ist das in Teilen zu vernachlässigen, denn im besten Fall findet hier keine Übertragung der Energie statt.
Wir möchten nämlich, dass die Brücke und Sattel keine Energie absorbieren bzw ans Holz abgeben, sondern direkt reflektieren. Das funktioniert z.B. mit Glockenmessing sehr gut (hartes Material, wenig Lufteinschlüsse, sehr "schwer und träge", kaum Energieverlust). Wer einmal eine billige Bridge gegen eine hochwertige, massivere Bridge ausgetauscht hat, kann den Unterschied bestätigen.
Dann kommt da nochmal die Brückenkonstruktion selbst (Einzelbrücken mit Einzelreitern, oder große Ganze, sorgt z.B. für klarere Saitentrennung, weniger Zwischenresonanzen und und und).
Optimal ist ein möglichst dichter, massiver, träger und schwerer Korpus, den die Saite in Schwingung bringt, der diese Schwingung jedoch kaum verliert. Klingt ein wenig paradox, wäre aber das Optimum. Das wäre eine Balance aus Impuls (Saite, Frequenz, Amplitude) und Masse des Korpus.

Aber das ist auch nur eine Beobachtung, die mir aus der Bearbeitung von existierenden Instrumenten begegnet ist. Hier konnte man die besten Ergebnisse mit einer neuen, hochwertigen Bridge erzielen, und daran sparen (leider) immer noch die meisten Hersteller.

Meinem Schecter Stiletto 5 Extreme hat's jedenfalls nicht geschadet, nun knurrt die H-Saite bei 35" Mensur wie bei den Konkurrenten im Hochpreis-Segment.
 
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neuronic

neuronic

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Danke... ziemlich genau so sehe ich das auch ;)
 
Salty

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Ich kann nur Erfahrungen bei alternativem Material anbieten.

Ich spiele eine Kramer 450G
Diese besitzt einen Hals aus Aluminium mit eingesetzten Holzteilen wegen der Haptik. Der Hals ist mittels zwei Schrauben an einem massiven Wallnusskorpus verschraubt. Das Griffbrett ist aus Ebonol ( Bowlingkugel )
Weiter ist um Fundus ein Kramer 250b Bass ( selbes Konstruktionsprinzip) sowie eine Eigenbau 'Lumi auf Basis eines Kramer DMZ Necks welchen ich vor ein Paar Jahren ergattern konnte.

Grundsätzlich haben alle eine sehr schnelle, Dynamisch Sensible Ansprache/Attack und ein unglaubliches Sustain. Nahezu alle Töne klingen gleichermaßen Präsent. Vorallem die Gitarren sind enorm durchsetzungsstark.
Vergleiche das gerne mit nem Konzertflügel, immer und überall gut wahrnehmbar.

Den o.g. DMZ Hals habe ich zu Beginn aus experimentelem Interesse auf verschiedene "Brettern" verbaut, Sperrholz, Spanplatte, Fichte etc.
Dies hatte erstaunlicher Weise, rein subjektiv, keine merkbare Auswirkung auf Ansprache oder Sustain.
Verwendet wurde hier immer eine alte Telebrücke Toplader.!
Auch der Unterschied zur 450g war nur marginal.
Heute hat die DIY nen lackierten Korpus aus Tischlerplatte und ein Altes Framus Tailpiece mit Rollerbridge. Insgesamt klingt sie hiermit im Vergleich drahtiger als die 450g ,mit etwas weniger sustain(ist immer noch mächtig) aber einem ähnlichen Ansprache Verhalten.

Fazit:
Ich mutmaße seither:
Das, zumindest im Fall von Aluminium Necks, der Hals den maßgeblich höchsten Anteil an der Klangentfaltung(attack,sustain,gleichmäßigkeit) hat.
Das Korpusmaterial hingegen,im Verhältnis zum Hals, eher gering wirkt.
Wie gesagt Aluneck, wie es sich bei Holz verhält kann ich nicht sagen.
 
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neuronic

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Ich spiele eine Kramer 450G
Diese besitzt einen Hals aus Aluminium mit eingesetzten Holzteilen wegen der Haptik. Der Hals ist mittels zwei Schrauben an einem massiven Wallnusskorpus verschraubt. Das Griffbrett ist aus Ebonol ( Bowlingkugel )
Weiter ist um Fundus ein Kramer 250b Bass ( selbes Konstruktionsprinzip) sowie eine Eigenbau 'Lumi auf Basis eines Kramer DMZ Necks welchen ich vor ein Paar Jahren ergattern konnte.

....

Interessant... diese Kramer-Modelle waren mir bisher nicht bekannt. Würde ich aber tatsächlich mal gerne ausprobieren.

Prinzipiell ist es sicher so, dass der Hals das größte Dämpfungspotential für die schwingende Saite in der Gesamtkonstruktion E-Bass/E-Gitarre haben dürfte, zumindest wenn alle anderen Anteile nicht an irgendeiner Stelle fehlerhaft zusammengesetzt sind. Ein Hals aus Metall wirkt dem natürlicherweise eher entgegen als einer aus Holz.
 
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Salty

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Prinzipiell ist es sicher so, dass der Hals das größte Dämpfungspotential für die schwingende Saite in der Gesamtkonstruktion E-Bass/E-Gitarre haben dürfte, zumindest wenn alle anderen Anteile nicht an irgendeiner Stelle fehlerhaft zusammengesetzt sind. Ein Hals aus Metall wirkt dem natürlicherweise eher entgegen als einer aus Holz.
Da ist schon was dran.
Es gibt inzwischen wieder ein Paar Aluneck Gitarren/Bass Hersteller .
Pioniere waren sicherlich
-Travis Bean ( Achtung nicht zu verwechseln mit der neuen Firma gleichen Namens)
- Kramer
- Veleno
- Vaccaro
Sicherlich die Frühsten waren
- Rickenbacker ( Frying Pan )
- Wandre ( Davoli .. )
Aktuelle Vertreter der letzten 10 Jahre wären:
- EGC
- Baguley ( nur Alu Necks )
- Bastin ( ruht aktuell )
 
S

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Hallo "neuronic",

ich glaube nicht, dass Leute die dieses Wissen haben, dieses einfach so mit jedem teilen. (die Leute leben davon oder versuchen es zumindest!)
Gute Bassbauer in Deutschland gibt es einige, ich nenne mal 3 die ich kenne "Human Base", "LeFay", "Marleaux".
Schau dir mal deren Instrumente an, die Instrumente unterscheiden sich teilweise recht deutlich, nicht nur beim Material, den Maßen oder der Konstruktion.

Alle haben m.M.n. eines gemein, eine sehr gute Verarbeitung.

Gruß
SlapBummPop

 

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