tägliches stimmtraining

von laja, 10.07.05.

  1. laja

    laja Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.07.05   #1
    hallo,

    ich versuche gerade, mich wieder etwas ans Singen zu wagen, da ich schon seit etwa 6 wochen NICHTS mehr gemacht habe (rachenschleimhautgeschichte..). gesangsunterricht hatte ich bislang immer nur sporadisch, wobei es hauptsächlich glissandoübungen waren, vokalübungen wie bspw. du-ah-uh (1-5-1). atemübungen, stütze usw. haben wir eigentlich nie gemacht. wenn ich bei einigen songs irgendein singproblem hatte, hab ich es dort dann auch mal angesprochen.

    ich möchte jetzt ein wenig zuhause nachholen, übe vor dem spiegel, hab mir ein paar bücher besort, was "richtig sprechen" angeht (ist ganz hilfreich zur orientierung, z.b. "atem und stimme" von coblenzer und muhar), aber ich bin mir trotzdem ein wenig unsicher, was die belastbarkeit der stimme angeht. ich neige nämlich dazu, zuviel kraft aufzwenden, und zu pressen.

    habt ihr tipps, was die reihenfolge eines guten stimmtrainings angeht? also ohne sich zu überfordern? ich kann nämlich meine grenzen noch nicht so gut einschätzen. könnt ihr was empfehlen? zuerst atemübungen (welche)? wie lange? mit kopfstimme beginnen? all solche sachen...sollte man täglich übungen machen? wie lange am besten? und vorher vielleicht bauchkräftigungsübungen?

    würde mich sehr freuen, von euch zu hören :)

    alles liebe

    laja

    ps: meine musik geht in richtung jazz und pop, also nix mit klassischem gesang.. :D
     
  2. sunflower

    sunflower Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.07.05   #2
    hm, schwere frage, wie man anfängt...

    da gibts wohl kein geheimrezept, das auf jeden anwendbar ist.

    ich persönlich kann solche sachen wie "du-ah-uh" überhaupt nicht ausstehen...
    und wichtig: du musst auch eine übung mögen! sonst machst du sie nämlich nie ;)

    ich hatte am anfang auch probleme, mit welcher stimme ich denn singen soll: kopfstimme? bruststimme? und wie verdammt nochmal finde ich die mischstimme?
    fragen über fragen haben sich in meinem kopf gehäuft.
    und die antwort: singe einfach mit deiner stimme!
    was das heißen soll? das sind ja alles facetten deiner stimme, die du kennenlernen solltest.

    wichtig: gerade am anfang die stimme nicht irgendwo hinzwingen wo sie nicht ist.
    nimm deine stimme jetzt mal so, wie sie ist.
    fang an - vom sprechen zum singen.
    ich hab einen bekannten, der ist sänger, und der hat mir - weil ich ganz verzweifelt war und nicht wusste mit welcher stimme ich nun singen soll und wie es denn nun "richtig" funktioniert - eine übung gemacht, die bei mir schon auch viel verändert hat. er hat mir den ganzen druck und die ganze kraft (die ich zu viel und falsch aufgewendet hatte)weggenommen. er sagte mir: die sprechstimme ist die natürlichste stimme, die wir haben. deswegen ist es klug, von ihr auszugehen. und sprechen können wir ja auch schon :)
    deswegen hat er mir einen satz gegeben wie z.b. "yeah, mir gehts gut." diesen satz hab ich einfach nur mal ganz normal gesagt. als ob ich das jemandem einfach erzähle. mit meiner normalen sprechstimme. und dann hab ich zuerst ein bisschen mehr sprechmelodie dazugetan, bis ich dann ganz langsam eine kleine melodie in den satz hineingebracht habe. ganz wichtig: bleib, wenn du zum "singen" dieses satzes anfängt, in demselben gefühl wie beim sprechen. es soll nicht lauter sein - lautstärke spielt bei dieser übung gar keine rolle! wichtig ist, dass du entspannt bist. dass es alles leicht geht. es soll nicht mehr als normale sprechlautstärke sein.
    und dann hat er mit mir bei einem neutralen ton (z.b. c ) angefangen und ist zuerst vom c die tonleiter abwärts gegangen. aber immer nur einen halbtonschritt. und ich musste dann z.b. singen: c-h. dann neu ansetzten: h-b. wieder neu ansetzten: b-a. also immer nur von einem halbtonschritt zum nächsten singen. genauso entspannt wie bei der vorigen übung!!! mach das mit deiner sprechstimme, ganz natürlich. ohne jetzt zu denken "so, jetzt singe ich.". nein, einfach die töne im sprechmodus nehmen. und dann schaust du, wie tief du kommst. und dasselbe spielchen machst du dann auch aufwärts. erzwinge nichts. schau einfach, wie weit du mit deiner sprechstimme kommst. und dann presse nicht, wenn es dir zu hoch wird, sondern dann lass die stimme einfach ganz leicht und leise und ohne druck und besondere lautstärke von selbst in die kopfstimme kippen.
    lass jetzt am anfang mal deine stimme das alles machen, was sie natürlicherweise macht.

    wichtiger punkt ist jetzt am anfang nämlich: wenn du einen "fehler" und eine verkrampfung bemerkst: sofort drüber bewusst werden und darauf achten, den fehler gar nicht zur regel werden zu lassen. eingelernte muster kriegt man schwer wieder los.
    also wenn wo was weh tut: bewusst zur kenntnis nehmen! und herausfinden, woran es liegen könnte.
    nichts machen, was dir schmerzen bereitet - dann machst du irgendwas falsch bzw. bist noch nicht so weit.
    schraub jetzt mal selber deine ansprüche an dich selbst und deine stimme am anfang ein stück runter. lass deine stimme wachsen. gib ihr zeit. mach alles schritt für schritt.
    und du sagst du kannst deine grenzen nicht gut einschätzen? das kann hier keiner für dich. aber weißt du was? lerne deine grenzen doch einfach kennen! du kannst sie erst einschätzen lernen, wenn du mit ihnen in berührung kommst. es ist etwas ganz wichtiges, beim singen auch mal zu spüren: das geht jetzt nicht, und das tut weh, und so kann ich es nicht machen, so komm ich nicht weiter, ... an seine grenzen zu stoßen ist also nicht schlecht sondern sogar auch notwendig, sie kennenzulernen. am anfang vom singen steht viel mut zum probieren und mut zum fehler machen. und mut zum weitermachen. zum immer weiter neue wege probieren.
    mein rat ist auch: nicht nur die ratschläge aus einem buch zu befolgen. ich würde erstens mehrere bücher lesen, und zweitens ist auch dein eigenes gefühl ein ganz guter ratschlaggeber. wenn was weh tut - dann machst du es nicht richtig, egal ob nun in einem buch steht dass das richtig ist oder nicht.

    singen muss am anfang vor allem spaß machen. du musst spaß am experimentieren und üben haben. keine angst vor "fehlern" und falschen tönen und misserfolgen. singen lernen ist geprägt von höhen und tiefen.

    übe, sooft du willst, sooft du kannst. aber wenn deine stimme müde ist, ist sie müde.
    schau am anfang nicht auf die uhr, ob du jetzt genau eine stunde geübt hast. und wenn du nur lust und energie für 10 minuten hast, dann ist das gut. dann wird es auch tage geben, wo du zwei stunden nicht aufhören kannst. aber gönne deiner stimme ihren eigenen rhythmus. zwinge dich da nicht in ein schema.

    atemübungen findest du hier schon einige im forum, auch zum thema stütze... am besten blätterst du die ersten seiten von den unterforen "allgemein" und "gesangstechnik" durch, da sollte sofort am titel erkennbar sein, wo du was finden kannst zu dem thema.

    und wenn du bei der technik mal anstehst: das ist ganz normal. man übt und übt, und es will einfach nicht klappen. macht nichts. dann hilft es, mal die ganze blöde technik zu vergessen und einfach so wieder locker und entspannt zum singen anzufangen, ohne zu überlegen "mach ich das jetzt alles richtig?"... die technik muss nämlich verinnerlicht werden und funktioniert nur, wenn du nicht daran denken musst ;)
    aber da brauchst zu zeit, bis das alles funktionieren kann. du musst nicht jede übung jeden tag machen. es gibt tage, da machst du nur übungen zur stütze. und dann machst du wieder nur atmung. dann machst du resonanzübungen und dann beginnst du wieder, dinge zu vermischen.

    stück für stück.
    ich wünsch dir viel spaß und auch viel mut und ausdauer!
     
  3. laja

    laja Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.07.05   #3
    hallo sunflower,

    vielen dank für deine antwort :)

    "nichts machen, was dir schmerzen bereitet - dann machst du irgendwas falsch bzw. bist noch nicht so weit."

    schmerzen hab ich dabei nicht wirklich. manchmal allerdings (gerade in letzter zeit, wo meine rachenschleimhaut so gereizt ist und diese reizung komischwerweise nicht wirklich abklingt) fühlt es sich im hals so an, als würde " es ziehen" (so bescheuert das klingt! als wäre ein fenster offen, und man hat das gefühl, es wird etwas zu kühl..) denkst du, das liegt noch an der schleimhautreizung? denn die stimme an sich scheint in ordnung.

    lg

    laja
     
  4. Elisa Day

    Elisa Day Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 10.07.05   #4
    @ laja: ja, das kann sein. Das Gefühl kenne ich, wenn nach einer Erkältung der Hals noch gereizt ist (nach starkem Husten zum Beispiel). Dürfte aber nicht weiter schlimm oder schädlich sein, wenn es "zieht". ;)

    @ sunflower: ich bin immer wieder begeistert von deinen ausführlichen Erklärungen!!! WOW.

    Zum Thema Reihenfolge der Übungen:
    Wenn Du wirklich täglich üben willst, dann solltest Du eine feste Struktur haben. Damit es damit nicht langweilig wird wäre es gut, zu jedem "Thema" verschiedene Übungen parat zu haben, die man dann abwechseln kann.
    Es ist gar nicht so schlecht, eine solche Struktur schriftlich fest zu halten und sich dann verschiedene Übungs-Alternativen zu jedem Punkt aufzuschreiben. Die Liste kann man dann ja immer erweitern, wenn einem neue nette Übungen über den Weg laufen.
    Wie Sunflower schon schrieb: es ist wichtig, daß du die Übungen magst. Du mußt das Gefühl haben, daß sie dir gut tun. Natürlich dürfen sie trotzdem anstrengend sein. :D Aber man sollte nie zu viele Herausforderungen mit einander kombinieren.
    Die feste Struktur sollte man an einem Punkt "aufweichen": Nicht Tage lang hinereinander an dem selben Problem arbeiten! Setz unterschiedliche Schwerpunkte, damit die Stimme eine Chance der Regeneration hat. Wenn Du sie jeden Tag in der Höhe "stresst", kann das Probleme geben. Also konzentrier dich mal auf Stütze, mal auf Stimmumfang, mal aufs Mischen, oder so.....

    Vorschlag zur Reihenfolge:
    feste Struktur für die Aufwärmung mit unterschiedlichen Übungen:
    - Lockerungsübungen für Rücken, Schultergürtel, Kopf - einfach entspannen
    - Lockerungsübungen für Kiefer, Zunge, Mundraum (solche Sachen: den Unterkiefer fallen lassen und dabei bla bla bla sagen - wie ein Fisch. Oder einen Ton auf "m" summen und ihn kauen.)
    - Übungen, um das Zwerchfell zu aktivieren (Explosivlaute, Hecheln...)
    - Atemübung (als Aufwärmung. Z.B. mit langsamer, bewußter Bauchatmung beginnen, dann Luft einfallen lassen und langsam mit Zischlaut abgeben, kurz innehalten, wieder einfallen lassen .... Ziel: sich Atmung, Stütze bewußt machen, den Körper dahingehende aktivieren.)
    - Tonsitz / Aktivierung der Resonanzräume (Übungen zu Vokalbildung und Vokalausgleich)
    - von der "Lieblinstonlage" aus in kleinen Schritten hoch und später runter wandern (Übungen zum Lagenausgleich; z.B. auf "ma" Grundton, Terz, Quinte, Terz, Grundton, dann einen Ton höher/tiefer ansetzen)

    Das sollte IMO eine gute Grundlage bieten, um mit speziellen Übungen anzufangen.

    Buchtipp damit es nie langweilig wird:
    Klaus Heizmann: 200 Einsing-Übungen für Chöre und Solisten, Schott Verlag (kostet 12,xx Euro)

    Liebe Grüße
    Elisa
     
  5. laja

    laja Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.07.05   #5
    hallo elisa,

    danke für die anregungen! auch das buch werde ich mir mal besorgen.

    lg

    laja
     
  6. --destroyer--

    --destroyer-- Registrierter Benutzer

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  7. Elisa Day

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