Textinterpretationen

von Fafner, 05.02.07.

  1. Fafner

    Fafner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.07   #1
    Tach liebe Community,

    habe vor kurzem zufällig im Netz ne Diskussion über das Ramones Lied "poison heart"
    gelesen. Da meinte doch tatsächlich eine Dame, das sie glaubt, das das Lied von einer Tochter über Ihre Mutter geschrieben wurde. ( War hier wohl im Zusammenhang über die Coverversion von HIM ). :confused:
    Mir ist es schon mal passiert, das unser Basser einen Text ( Es war ein Lied mit Textteilen aus einem alten Landknechtslied, Titel Die Fahne ) völlig falsch verstanden hat. Wir wollten auf einem Rock gegen Rechtsfestival spielen und waren die Lieder am zusammenstellen. Er hat auf Grund des Begriffs Fahne sofort auf den bekannten Klassiker "Die Fahne hoch.." geschlossen. Ich war baff... :eek:

    Kommen wir zu meiner Frage: Ist es euch auch schonmal passiert, das ein Text von euch total verkannt wurde oder ein Text eines anderen? Bzw. Stört es euch sehr, wenn eure Texte falsch verstanden werden?

    Also ich persönlich finde es furchtbar ( besonders in der Muttersprache ) wenn meine Texte fehlinterpretiert werden. Ich meine deswegen mache ich ja Musik, um ne Mitteilung loszuwerden. und Ihr?
     
  2. desgraca

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    Erstellt: 05.02.07   #2
    ich verbuddel meine message meistens so tief, dass es echt arbeit macht, die wieder freizuschaufeln, von daher hab ich wohl nicht so sehr ein problem damit, wenn mal einer nicht versteht, was ich sagen will...

    andererseits würde es mich schon auch empfindlich stören, wenn einer rechte sachen in texte von mir reininterpretieren würde....

    allerdings hatte ich bisher eh nicht so den eindruck, dass es von den paar leuten, die es interessiert, was wir spielen, viele interessiert, was ich singe ;)

    dass ich lieder falsch interpretiert habe, ist mir auch schon ein paar mal so gegangen, allerdings meistens weil ich noch ziemlich klein war und irgendeine ironie nicht geschnallt habe....
    ....heute eher selten. manchmal nuschelt einer und ich verstehe ein wort falsch und das ändert den sinn eines satzes, aber das ist ja was anderes.

    und dann gibts natürlich noch die texte, die jeder anders interpretieren kann, und die man auch selbst immer wieder neu interpretiert, die sich quasi immer verändern, weil der sinn nicht fest an die wand genagelt ist.........und die finde ich eigentlich am koolsten.

    zu den ramones,,,,,ich hab mal in blitzkrieg bop ne ebene reininterpretiert, die da angeblich nie drin war, aber da war ich sicher nicht der einzige,,,wenn man sich nicht klar ausdrückt muss man halt damit leben, dass es ab und an falsch verstanden wird, schätze ich...
     
  3. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.02.07   #3
    Na ja - also zum einen mache ich nicht musik, um irgendeine Botschaft zu transportieren.

    Aber ich mache schon auch Texte, von denen ich möchte, dass sie verstanden werden. Muss bei Tanzmucke nicht unbedingt sein und jeder zweite blues handelt von nicht viel mehr, als dass man gerade down und out ist und auch das finde ich vollkommen okay.

    Aber bei den Texten, wo ich was mitteilen möchte, möchte ich dann auch, dass es ankommt. Da ist es dann meine Sache als Autor mich klar auszudrücken - und mit klar meine ich verständlich aber nicht platt. Das klappt dann auch meistens.

    Dann gibt es so ne Art psychodelische Texte oder persönliche Erlebnisse oder so, die ich halt verpacke. Ob jemand die dann auspacken will, ist seine Sache, nicht meine. So Texte sind dann halt auch eher ambivalent, also bewußt mehrdeutig bzw. vielschichtig, was ich bei solcher Art von Texten ein Zeichen von Qualität finde. Bei Dylan-Texten kann ich noch nach Jahren immer neue Sachen entdecken. Ob das was dann entdeckt wird "richtig" oder "falsch" ist, ist für mich dabei nicht das entscheidende Kriterium. Sondern eher, ob mir der Text was sagt und ob er was zum Entdecken hat. Damit meine ich natürlich keine groben Fehldeutungen, die allerdings in der Regel eher selten sind und eher was mit Sprach- bzw. Verständnisschwierigkeiten zu tun haben - also zumeist bei englischen Texten.

    Dann gibt´s Texte, wo mir eigentlich nur eine Zeile wichtig ist. Die allerdings knallt dann volle Möhre rein.

    Und wenn ich gar keinen Bock mehr habe, höre ich instrumental-Musik.

    x-Riff
     
  4. Scorpiosa

    Scorpiosa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.02.07   #4
    Ich denke, wenn man es drauf anlegt, kann man in jedem Text irgendwas finden, was ursprünglich niemals so gedacht war. Als Beispiel: "Sascha" von den Hosen und "Schrei nach Liebe" von den Ärzten sollen von rechten Jugendlichen mit Begeisterung fehlinterpretiert und gegrölt worden sein...

    Bei meinen Texten finde ich es immer sehr spannend, was daraus interpretiert wird, wobei ich meistens versuche, mich deutlich auszudrücken (besonders dann, wenn mir das Thema sehr am Herzen liegt). Aber ich habe auch einen Text, in dem ich sehr bewusst "um den heißen Brei" rumrede/singe und mich dann immer über die Reaktionen amüsiere, wenn ich das Geheimnis lüfte.

    Letztlich bleibt doch die Frage, ob man einen Text wirklich "richtig" interpretieren muss (also was der Autor uns damit sagen wollte) oder es nicht grade interessant ist, wenn man seine "eigene" Interpretation findet. Vielleicht wirkt ein Text gerade erst dann, wenn er eigene Assoziationen und Interpretationen auslöst. ;)
     
  5. Fafner

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    Erstellt: 07.02.07   #5
    Gebe ich Dir recht, jeder versteht einen Text anders und verschieden Interpretationen sind auch in Ordnung, aber ne 180° Drehung...Da bekomme ich doch schon Depressionen und versteh die Welt nicht mehr. :D
    Vielleicht sollte ich mehr englisch texten...
     
  6. Makkus

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    Erstellt: 07.02.07   #6
     
  7. desgraca

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    Erstellt: 07.02.07   #7
    du hast nieee gelernt dich artizukulieeeren,,.,,

    :D
    ich stell mir grade nen besoffenen glatzkopfenrechten vor, der mitgröhlt "yeah ich hab nie gelernt mich artizukulieeeren,,,und meine eltern hatten niemals für mich zeit"...

    janee,,es gibt die klassische fehlinterpretation, wo die schuld eindeutig bei dem zu finden ist, der es missversteht, und es gibt die fehlinterpretation aufgrund einer fehlformulierung. macht sicher sinn, mal jemand anderen über die eigenen texte drüberkucken zu lassen, und wenn der das komplett falsch versteht, kann man sich ja immernoch überlegen, ob nun derjenige doof ist oder der text :D
     
  8. Fafner

    Fafner Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.02.07   #8
    Werde das beim nächsten event in Erwägung ziehen. Ich gehe natürlich weiterhin davon aus, das der Fehler nicht bei mir liegt... :D
     
  9. Scorpiosa

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    Erstellt: 08.02.07   #9
    Und dann gibt es noch eine Sache, die zu Fehlinterpretationen führen kann: wenn nämlich nur eine Zeile oder der Refrain aus dem Kontext gerissen und/oder eine Metapher zu wörtlich genommen wird. Das passiert mir auch häufiger und ich kriege dann aufgrund einer Zeile (!) zu hören: "ey, wie bist du denn drauf?" :screwy:

    Ich glaube nicht, dass man beim Texten unbedingt den Anspruch verfolgen sollte, alle möglichen Fehlinterpretationen auszuschließen, denn wie schon erwähnt, wenn jemand es falsch verstehen oder sich nicht mit dem gesamten Text auseinandersetzen will, dann ist das eben so. Aber nates Tipp, jemand anderen den Text gegenlesen zu lassen, kann ich nur zustimmen, zumal man bei eigenen Texten eh nicht mehr objektiv ist.

    Ach ja, das mit "Sascha" und "Schrei nach Liebe" habe ich in einem Interview mit Bela B. auf der Hosen-Homepage gelesen, da äußert er sich dann auch zum Thema Songtexte, die er bereut und so. Sehr interessant :great:
     
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