Verschiedene Drumsounds auf einem Album

von Strato Incendus, 05.10.20.

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  1. Strato Incendus

    Strato Incendus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.10.20   #1
    Bei musikalischen Großprojekten wie Avantasia waren ja nun schon verschiedene Drummer auf ein und demselben Album zu hören (z.B. auf "Angel of Babylon"). Da ist davon auszuugehen, dass diese Leute auch auf verschiedenen Drumsets und ggf. in verschiedenen Studios ihre Parts eingespielt haben. Nicht immer haben ja alle Zeit, sich am selben Ort zu treffen. Von Gastsängern habe ich auch schon gehört, dass die ihre Parts teilweise am anderen Ende der Welt eingesungen haben. Trotzdem soll das Endergebnis, also das gesamte Album am Stück, ja irgendwie aus einem Guss klingen.

    In meinem Fall sind vor allem die unterschiedlichen Drumsounds relevant: Einen Song auf meinem Album, den ersten, den ich aufgenommen habe, habe ich noch mit Superior Dummer 2 (Metal Machinery) aufgenommen, die anderen mit Superior Drummer 3 (Metal Organic Preset). Außerdem habe ich besagten ersten Song noch mit einem anderen Mikro aufgenommen (AKG Kondensator statt Shure SM 7B) und mit mehr Raumklang.

    Für sich gesehen klingt der Song mit Superior Drummer 2 gut, aber man merkt den klanglichen Unterschied zu den anderen Songs natürlich. Jetzt ist also die Frage, ob ich den Sound auf Superior Drummer 3 Metal Organic umschalten soll - das ist ja erstmal das leichteste. Allerdings ist das Dynamikverhalten oft anders von Preset zu Preset - was mit einem bestimmten Preset völlig natürlich und authentisch klingt, wird erfahrungsgemäß durch einen Wechsel der Sounds schnell aus dem Verhältnis gebracht, sodass man am Ende die Drums dann doch neu einspielt. Habe ich zumindest bei einem anderen Song schon gemacht, wo ich von Superior Drummer 2 auf 3 gewechselt habe.

    Das Mikro nachträglich wechseln geht - zumindest beim Gesang - natürlich nicht so einfach. Bei Gitarren kann man ja noch reampen. Gesang hingegen müsste man wirklich neu aufnehmen. Wobei mich das andere Mikro und der Raumhall vergleichsweise wenig stören. Aber den Unterschied im Drumsound merkt man eben schon.

    Heutzutage werden ja auch immer mehr Songs erst einmal einzeln veröffentlicht - und wenn der Künstler dann Jahre später ein Album rausbringt, ist man überrascht, was für "olle Kamellen" da noch mit drauf sind. Da ist es dann natürlich noch schwieriger, die Songs des Albums vom Sound her aufeinander abzustimmen.

    Gerade das Schlagzeug ist aber doch oft "Bindeglied" einer CD und klingt auf den meisten Songs eines Albums vergleichbar. Vermutlich, weil die meisten die Drums am Anfang aufbauen und dann alle Drumtracks hintereinander aufnehmen?

    Bei Gitarren, Keyboardsounds, Mikros etc. wird mEn viel eher mal gesagt "dieser Song hier braucht das, dieser braucht das", und es wird beliebig kombiniert und gewechselt. Aber bei den Drums? Wie viel Abwechslung kann ein Album da vertragen?

    Innerhalb derselben Musikrichtung, versteht sich ;) . Dass z.B. der eine Jazz-Song "Slow Love Slow" auf der Nightwish-CD "Imaginaerum" natürlich von den Drums her (mit Besen etc.) anders klingt als der Rest einer Symphonic Metal-Scheibe, ist klar.
     
  2. Ralphgue

    Ralphgue Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.10.20   #2
    Meine Meinung als (Ex) Drummer...

    Genauso, wie Gitarristen bei bestimmten Alben ihre Gitarre/Amp/Sound wechseln, teilweise radikal, dem Song folgend, kann dies auf einem Album auch ein Drummer, Song dienlich.
    Mich würde es nicht stören, im Gegenteil, wenns passt (die Unterschiede) sogar erfreuen.
    Gerade die virtuellen Drumsounds, die gefühlt fast Jeder einsetzt, oft die gleiche VSTi bzw. deren "angesagten" Sound, gehen mir als Drummer, der da auch hinhört, mittlerweile so richtig auf den Seier.
    Ich höre es (fast immer) sofort (Sound und Spielweise) und es nimmt mir den manchmal den Spass am Song, besonders, wenn ein Nicht Drummer das Zeug eingehackt hat.
    Insoweit wäre ein, wenngleich auch aus anderen Gründen, die ich aber normalerweise nicht kenne, wechselnder Sound durchaus eine Bereicherung (könnte ja künstlerisch so gewollt sein...)
     
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  3. hans_mayer

    hans_mayer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.10.20   #3
    Ich finde, es gehört zu nem Album dazu, dass nicht jeder Song gleich tönt und eben auch nicht für jeden Song das gleiche Drumset benutzt wird. Das ist einfach Geschmacksache. Man nutzt als Gitarrist ja auch verschiedene Amps für die Rythmusgitarren auf einem Album. Okay, das gleiche Gesangsmikro würde ich schon nehmen für alle Tracks wenn möglich. Dann ist es für den Mischer einfacher. Aber wenn der Song für sich passt, warum sollte man dann nicht auch mal ein anderes Mikro nutzen.

    Bei manchen QOTSA-Alben gibts auch den ein oder anderen Song, der plötzlich ziemlich anders tönt als die anderen. Das sorgt halt für Abwechslung. Ich nehm für praktisch jeden Song ein anderes Drumset. Wichtiger ist, denke ich, dass es der gleiche Mischer im ähnlichen Stil mischt.
     
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  4. Zelo01

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    Erstellt: 06.10.20   #4
    Ich finde auch: Es kommt halt drauf an.

    Als Beispiel, Phil Collins. Da klingen die Drums zwar grossartig, aber bei jeden einzelnen Song komplett unterschiedlich. Hat mich da noch nie gestört.

    Vielleicht geht der Wiedererkennungswert der Band dadurch etwas verloren, aber da stellt sich dann die Frage: Muss denn ALLES immer gleich klingen? Um auf Phil Collins zurück zu kommen: Seine Stimme ist immer die selbe, und darum ist der Wiedererkennungswert trotzdem da. Um den Wiedererkennungswert zu haben, reicht es mMn wenn wenige, sehr markante Elemente immer gleich klingen, alles Andere darf aber ruhig unterschiedlich sein.

    Als Drummer achtest du vermutlich mehr auf die Drums, als ein Anderer das tun würde. Es ist dir wichtiger. Was ich auch versteh. Geht mir als Gitarrist bei den Gitarren genau so. Um ein Mix zu beurteilen, muss ich mich immer mal wieder dazu zwingen ein Schritt zurücktreten, um den Mix als Ganzes wahrzunemen, anstatt die Gitarre auf den Seziertisch zu haben. Als Gitarrist passiert mir das sonst automatisch, wenn ich mir das nicht immer wieder in Erinnerung rufe, dass das Gesamtbild am Ende passen muss, nicht (nur) meine Gitarre:D
     
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  5. Navar

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    Erstellt: 06.10.20   #5
    Homogenität verstehe ich viel im Sinne der Qualität. Eine rumpelige Demoaufnahme mit Highclass zu kombinieren mag ich persönlich gar nicht. Aber ich hab selber schon für Alben Songs recorded und gemixed wo dann auch Aufnahmen aus anderen Studios mit dabei waren und das hat gut funktioniert weil die Band an sich auch überall eine gleichbleibend gute Qualität abgeliefert hat.
    Man kann sehr gut mit dem Sound auf den Song eingehen, aber je enger das Genre den Sound eingrenzt desto weniger Spielraum gibt es hier, zwischen Death Metal und Phil Collins liegen halt Welten. Balladen vertragen z.B. oft deutlich mehr Raum als durchgekloppte Uptempo Nummern oder auch eine größere Bassdrum usw... Wir haben selber 4 Snares aus denen wir je nach Situation die passende versuchen auszuwählen und ich hätte gerne noch viel mehr
    Im Idealfall ist das eine bewusste Entscheidung für einen Sound, organisatorische Gründe können das aber auch nötig machen und das muss nicht seltsam klingen.
    Für Vocals wechsle ich auch innerhalb eines Songs mal das Mikrofon, gerade wenn Gesangsstilistiken und Dynamik wechseln ist das manchmal ein richtig gutes Mittel. Dann hab ich zum Beispiel ein SM7 und ein Großmembran aufgebaut. Natürlich ist der Raum jetzt bei mir nicht so prägnant, dass man da auf einmal komplett andere Welten aufmacht.
    Ich find Abwechslung toll wo es möglich ist. Wenn es aber irgendwie merkwürdig klingt dann stimmt halt was nicht. Dann muss man sich vielleicht mal genauer die Räume anhören ob man die vielleicht etwas homogener bekommt. Die Velocities individuell nochmal angleichen damit es mehr danach klingt als hätte es der gleiche Drummer gespielt usw. Vielleicht klingt bei der einen Lib der Snare Hit ja schon früher in Richtung Rim Shot.
    Selbst in unterschiedlichen Studios bleibt der Drummer ja oft der selbe und selbst bei unterschiedlichen Shells benutzt er in der Regel den gleichen Aufbau, das alles hat einen Einfluss darauf wie das in sich klingt. Bei virtuellen Drums ist das erstmal so nicht gegeben, dafür kann man oft im Detail sehr viel kurbeln. :)
     
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  6. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.10.20   #6
    Vielen Dank für eure Antworten! :)

    Wenn der Mischer ein Profi ist und bei jedem Schritt genau weiß, was er tut, dann ja. =D In dem Fall ist der Mischer zwar immer derselbe (=ich), aber ich arbeite eben oft auch mit Presets, bzw. bastel mir welche selbst und verwende sie dann auf anderen Aufnahmen ebenfalls. Ein und dasselbe Preset für z.B. die Snare macht aber natürlich etwas Unterschiedliches, je nachdem, ob ich es auf die Metal-Machinery Snare (Superior Drummer 2) oder die Metal-Organic Snare (Superior Drummer 3) anwende. Meist habe ich so meine 3-4 Lieblingspresets für einen bestimmten Teil des Schlagzeugs und vergleiche die dann untereinander, welches für den jeweiligen Song am besten klingt.

    Ein erfahrenerer Mischer hingegen könnte wahrscheinlich hingehen und die Metal-Machinery Drumsounds so abmischen, dass sie fast genauso klingen wie die Metal-Organic Sounds. :D

    Metal Machinery hat halt noch ein paar zusätzliche Variationsmöglichkeiten durch größere Unabhängigkeit der einzelnen Sounds (z.B. gibt es separate Kanäle für Kick In und Out, Snare Top und Bottom, für HiHat, Ride und Crash Cymbals zusätzlich den Overheads, usw.

    Der Grundsound von Metal Machinery ist eben künstlicher als Metal Organic, aber das steckt ja auch im Namen schon drin, dass das wahrscheinlich von den Entwicklern so gewollt ist.
     
  7. exoslime

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    Erstellt: 07.10.20   #7
    Ich würde das tun was für den jeweiligen Song am besten klingt und ich finde es durchwegs spannender und unterhaltsamer zu hören, wenn jeder Song eines Albums seinen Speziellen Sound hat, und das erlaubt mMn auch unterschiedliche Schlagzeugsounds.

    Ausnahmen sind vielleicht irgendwelche Hardcore, Grindcore, DeathMetal Alben, wo eine solche Konsistenz durch ganze Album auch irgendwie zum Stil gehört, aber im breiten Feld des "Rock" und "Metal" Bereichs, finde ich schon das es diese Freiheiten erlaubt.

    Die Konstenz beim durchhören sollte allerdings nicht darunter leiden, für uns Musikliebhaber die darauf vielleicht achten, kann und wird es ein schönes Detail oder eine Nuance in der Produktion sein.

    Übrigens Devin Townsend hat beim Song Genesis 3 verschiedene Schlagzeuger mit ganz unterschiedlichen Kits im Einsatz gehabt, und hätte ich ihn das nicht mit eigenen Ohren sagen gehört beim letztenmonatlichen Nailthemix, wäre es mir beim anhören seiner Platte nie aufgefallen
     
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