Vintage Gibson - Pflege des Nitrolacks fast in die Hose gegangen - Hilfe?!

von QOTSA_Lover, 12.11.18.

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  1. QOTSA_Lover

    QOTSA_Lover Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.11.18   #1
    Hallo Zusammen,

    habe diesen Thread mit Absicht bei "Gitarrenbau" und nicht bei "Pflege" eingestellt, da ich einen Rat von euch Gitarrenbauern und Restauratoren brauche.
    Ich habe eine 63er SG Junior.
    Natürlich mit altem und originalem Nitro Lack. Der ist auch noch ziemlich gut erhalten und startet langsam mit leichten Crackles.

    Ich wollte ein paar "Fingerdapper" entfernen und grundsätzlich dazu (mit weiser Voraussicht) nicht mit Politur etc. draufgehen.
    Habe mir daher ein paar gute Mikrofasertücher bestellt und wollte die Gitarre eigentlich nur mit den Tüchern reinigen. Ohne Chemie.

    Leider haben sich im unteren Bereich matte Flecken gebildet, die mit dem Mikrofasertuch alleine nicht weg gingen. Auch kurz anhauchen etc ging nicht.
    Also habe ich im Netz von Fender Custom Shop das Quick Clean bestellt, welches ja lt. Hersteller für alle Lacke funktionieren soll und frei von scharfer Chemie ist.

    Habe das dann ganz vorsichtig auf einen Lappen aufgetragen und nur diesen Teilbereich der Gitarre damit gereinigt.
    Das Endresultat war eine total matte Stelle. Sah aus als hätte sich der Lack angelöst und wäre matt geworden.
    Sowohl mit dem blanken Finger, wie auch dem Mikrofasertuch ließ sich die Mattierung nicht mehr entfernen.

    SUPER!!! Dachte bereits ich hätte das Finish zerstört.
    Mit Schweiß auf der Stirn habe ich dann von Daddario den Detailer (https://www.thomann.de/de/planet_waves_pw_pl01.htm) aus meiner Gruschkiste rausgekramt und es wieder halbwegs wegbekommen.

    Daher meine Frage an Euch Gitarrenbauer und Vintage-Erfahrenen:
    WIE REINIGE ICH MEINE ALTE GIBSON?

    Viele nehmen keine Politur (wie ich es jetzt musste) um die Patina nicht zu zerstören und keine dauerhaften Politurschichten auf die Gitarre aufzutragen.
    Andere (in den US Foren) empfehlen Naphtha, wo ich aber in Deutschland nicht finde bzw nicht weiß was das deutsche 1:1 Produkt ist.

    Bin grad echt etwas verunsichert und will natürlich nicht das Finish zerstören.
    Habt ihr Tipps und Anregungen für mich?
     
  2. Bassturmator

    Bassturmator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.11.18   #2
    Das Naphta das amerikanische Gitarrenbauer zum reinigen verwenden ist gereinigtes Benzin, also unser Waschbenzin oder Feuerzeugbenzin.

    Würde ich persönlich nicht auf einer alten Gitarre mit Nitrolack verwenden.

    Mikrofasertücher sind oft abrasiv, bergen also auch ein gewisses Risiko wenn sie nicht sehr hochwertig sind.

    Von speziellen als Gitarrenzubehör angebotenen Produkten rate ich generell ab. Alles Geldmacherei ohne Nutzen.

    Mit einem leicht feuchten also mindestens gut ausgewrungenem Baumwolltuch. Bei hartnäckigen Verschmutzungen mit einem Tröpfchen Spüli. Am allerbesten ist ein altes Band-T-Shirt von den Queens of the stoneage!!!
     
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  3. guitar-slinger

    guitar-slinger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.11.18   #3
    Waschbenzin klappt wunderbar. Egal ob neuer oder alter Nitrolack.
     
  4. bluesfreak

    bluesfreak Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 12.11.18   #4
    Ich benutze das hier seit Jahren, sowohl an den Gibsons als auch an meinen Schwarz Gitarren die alle Nitrolackiert sind:
    [​IMG]
     
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  5. Bassturmator

    Bassturmator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.11.18   #5
    Und was ist der Vorteil gegenüber einem feuchten Tuch?
     
  6. drul

    drul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.11.18   #6
    Ich nutze auch schon lange das Gibson Polish Spray. Ich würde sagen es reinigt deutlich besser vor allen Fettfinger und kleine Schmutzablagerungen zB im Handballenbereich und es hinterlässt wenn ich mich richtig erinnere auch eine hauchdünne Wachsschicht die vor schneller neuer Verschmutzung schützt
    --- Beiträge zusammengefasst, 13.11.18, Datum Originalbeitrag: 13.11.18 ---
    Ich kann da immer mit den Geldschneiderei Argumenten nicht so viel anfangen.
    die Kosten sind überschaubar und es hält ewig
    --- Beiträge zusammengefasst, 13.11.18 ---
    Und wenn ich schon keine echte Gibson habe, so habe ich auf diese Art wenigstens ein echtes Gibson Pflegemittel ;)
     
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  7. bluesfreak

    bluesfreak Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 13.11.18   #7
    Das auch gröberer Schmodder gut abgeht und das keine Feuchtigkeit durch die sich bei richtigem Nitrolack zwangsläufig über die Zeit ergebenden Haarrisse eindringen und den Lack aufstellen kann....
    Außerdem "flutscht" dann die Halsrückseite wieder und man reibt nicht quietschend über den Lack bei schnellem Lagenwechsel....
     
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  8. shadok

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    Erstellt: 13.11.18   #8
    Das verwende ich auch seit zwar erst einem Jahr, da ich vorher keine nitrolackierten Gitarren hatte, jedoch zur absoluten Zufriedenheit. Auch recht preiswert das Ganze.
    Man kan ja der Empfehlung eines Herstellers für seine Pflegeprodukte auch mal trauen...
     
  9. Bassturmator

    Bassturmator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.11.18   #9
    Gerade die Flutschigmacher in diesen Polituren sind häufig Silikonöle. Wenn die in Lackrisse eindringen halte ich das für deutlich schädlicher als Wasser.

    Aber vertraut mal ruhig dem Hersteller - der will ja nur Euer bestes...
     
  10. OldRocker

    OldRocker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.11.18   #10
    Hmmmm....

    habe die Erfahrung gemacht, dass es stark darauf ankommt wie chemisch stabil der alte Nitrolack noch ist.
    Hab schon Gitarren in der Hand gehabt wo sich sowas wie ne obere "Schmodder-Schicht" auf dem Lack gebildet hat. Wenn man versucht so ne Gitarre zu reinigen-egal mit was, da reicht schon das Bissle mechanische Belastung vom Tuch-bemerkt man, dass man gerade dabei ist die ganze Lackschicht regelrecht aufzureissen, weil sie insgesamt nur noch aus ner gummiartigen Masse besteht, die vom Holz in extremen Fällen regelrecht abgestossen wird.

    Vorallem bei alten Framus, Klira, Höfner Gitarren hab ich das beobachtet, aber auch schon bei stark geageten Gibson Custom Shops-da muss der Lack beim agen irgendwie "gekippt" sein.
    Hatte auch schon alte Gibsons aufm Tisch bei denen das so war, wenn auch nicht so schlimm, aber immerhin so ausgeprägt dass normales Polieren sicherlich schon allein durch die mechanische Belastung die Lackierung ruiniert hätte.
    Im Endeffekt ist also Vorsicht angeraten-mir wäre kein Mittel bekannt, das einen solchen Lack wieder festigt...vielleicht weiss jemand was!? Die Oldtimer Restaurateure haben ihre Tricks für sowas!?

    Mir blieb immer nicht viel mehr als die Kunden darauf hinzuweißen dass ich ihre Gitarre nicht richtig putzen konnte und warum und dass sie mit dem Lack vorsichtig sein sollten.

    Bevor du also weitere Versuche machst...es könnte sein, dass der Lack deiner Gibson n ähnliches Phänomen hat...

    Gruss,
    Bernie
     
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  11. QOTSA_Lover

    QOTSA_Lover Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.11.18   #11
    Danke für Eure Antworten!!!

    Möchte das nochmal etwas genauer beschreiben. Ich habe eine ganze Armada an Pflegeprodukten im Haus, die bei meinen anderen Instrumenten (alle Nitro) ohne Probleme funktionieren.
    Da habe ich den beschriebenen Effekt auch überhaupt nicht.

    D.h. es geht hier scheinbar wirklich darum, dass es eben ne Wintätsch Klampfe von 63 ist.
    Habe es gestern nochmal auf der Rückseite ganz klein ausprobiert = mit dem exakt gleichen Ergebnis.

    Nen Gitarrenreiniger drauf gesprüht (Fender CS, PRS) und dann hatte ich wieder dieser krasse Mattierung, die nur mit dem Polish von Daddario weg zu bekommen war (nach etlichen Wiederholungen wohlgemerkt).

    Der Lack ist noch super intakt und auch hart wie Glas. Die ersten Crackles bilden sich langsam und die Farbe (Cherry Red) ist noch fast wie aus der Fabrik.
    Denke daher nicht, dass es der Lack an sich ist.

    Mir kommt es fast so vor, als würden die Reinigungsmittel die über die Jahre aufgebaute Patina angreifen und dann verschmieren. Das Verschmierte sitzt aber dann so bomben fest und fühlt sich auch stumpf an, dass es nicht mehr mit nem herkömmlichen Reiniger weg zu bekommen ist.

    Was ich mir auch noch vorstellen könnte ist, dass einfach etliche Ablagerungen von Nikotin, Schweiß, Dreck und etlichen anderem Zeug auf der Gitarre sind, die durch das "Pflegeprodukt" dann angegriffen werden und sich derart verschmieren, dass man diesen Effekt bekommt. Gerade so jahrelange Nikotinablagerungen sind ja oft die Hölle zum wegputzen.

    Ich bin immer noch sehr sehr unschlüssig was ich machen soll. Viele raten eben von Polishern etc. ab. Sie würden zum einen in die Crackles eindringen und im schlimmsten Fall den Lack um den Riss herum vom Holz ablösen (worst case) und darüber hinaus wieder eine art Waxschicht auf der Gitarre bilden, die man eigentlich vermeiden sollte.

    Ich bin im Netz auf zwei Produkte gestoßen, dass gerade bei alten Gitarren einen absoluten MEGA-Ruf genießt: Virtuoso Polish und Cleaner
    Darüber hinaus raten viele zum eben besagten Naphtha. Kann mir vielleicht jemand mal nen Link oder so schicken, was man da anstelle nehmen kann in GER? Die einen sagen Wundbenzin wg dem niedrigeren Siedepunkt, die anderen Feuerzeugbenzin und wieder andere Waschbenzin.

    Das Naphtha hat angeblich die Eigenschaft, dass die Ablagerungen relativ leicht zu entfernen sind, aber die Patina erhalten bleibt und das Instrument danach nicht "hochglanzpoliert" aussieht. Eigentlich genau das was ich möchte. Ich habe da auch keinen übertriebenen Fimmel. Ganz im Gegenteil. Putze meine Klampfen nur gelegentlich, wenns wirklich nötig ist. Ansonsten dürfen die ruhig "used" aussehen. Und die 63er sowieso.

    Hier mal zwei interessante Artikel auf die ich gestoßen bin:
    https://reverb.com/news/cleaning-your-guitar-without-doing-damage
    https://www.premierguitar.com/articles/19960-guitar-shop-101-safe-ways-to-clean-your-guitars-finish
     
  12. Bassturmator

    Bassturmator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.11.18   #12
    Ja, genau so ist das. Nitrolacke sind relativ reaktionsfreudig. Und wenn sie sich mal chemisch verändert haben, gelten die bisherigen Regeln eben auch nicht mehr.

    Ein typischer Schaden ist eine chemische Veränderung im Armauflagebereich. Der Lack ist dort für längere Zeit saurem Schweiß ausgesetzt der dazu diverse Salze enthält. Was genau dort chemisch abgeht kann ich nicht sagen, bin aber ziemlich sicher dass diese Veränderung nicht reversibel ist.

    Ich fürchte nicht, da ich dieser Szene länger verbunden war. Lackschäden die dort auftreten haben ja meist andere Ursachen.

    Nein, das Alter spielt da nicht so eine große Rolle sondern eher die Zusammensetzung des Lacks.

    Der schlimmste Lackschaden den ich persönlich erlebt habe befand sich auf einer Gitarre die in diesem Jahrtausen hergestellt wurde.

    Nichts außer einem feuchten Lappen verwenden.

    Verschiedene Namen für die gleiche Suppe. Stark fettlösend und ziemlich Rückstandsfrei auftrocknend.

    So handhabe ich das im allgemeinen auch. Dreckige Gitarren sind ekelig, aber Patina darf man nicht entfernen.

    Bring die mal zum Sondermüll. Dann hast du mehr Platz im Haus und wenn Du nie wieder welche kaufst, dann geht es auch unserer Umwelt viel besser.
     
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