was genau ist "singen"?

von schmuggla, 20.12.06.

  1. schmuggla

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    Erstellt: 20.12.06   #1
    hallo liebe community

    im ersten augenblick mag die frage vielleicht ein wenig diffus klingen. ich meine:
    "singen" - was ist das schon? einfach einen ton "sprechen"!

    worauf ich aber hinauswill ist folgendes: wenn ein schlagzeug schlecht klingt, sagt man "es sei verstimmt" oder es ist einfach ein schlechtes holz! die verarbeitung sei schlecht und die schrauben klappern!
    wenn eine gitarre nicht schön klingt, kann es an den saiten liegen. es ist aber auch möglich, dass sie aus plastik statt holz oder der amp einfach schlecht ist.
    beim singen ist das anders: hier ist "man selbst der ton" - nur wie erzeugt man einen "richtigen ton"?
    es gibt ja menschen die einfach singen können und andere können es nicht! woran liegt das?
    hängt es mit dem luftdruck im hals zusammen? ist es die beschaffenheit der stimmbänder?
    woran liegt es, dass manche niemals singen werden können und andre können es sofort, obwohl sie nicht wissen, wie es geht?

    also - was genau ist "singen?"

    hoffe auf antworten :)

    mfg
     
  2. IcePrincess

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    Erstellt: 20.12.06   #2
    Hallo Kollege!

    Eine gute Frage. Oder besser: viele gute Fragen. Hier meine Meinung:

    Jein. Sprechen tut man anders, als Singen. Auch ein "Rezitativ" - eine gesungene Erzählung - wird gesungen.

    Über die richtige Stütze - die übrigens auch bei fast allen Blasinstrumenten eine große Rolle spielt - und über das Nutzen der richtigen Resonanzen.

    Das mußt Du anders sagen: Es gibt Menschen, die spontan singen können und es gibt Leute die es nicht spontan können. Lernen kann es jeder. Das ist wie mit dem Gitarre spielen. Manchen Leuten zeigst Du einen Akkord und die legen los, andere üben an einem einfachen Blues in E für Jahre.

    Reden wir lieber von der Luftsäule. Der "Druck" sollte im Bauchraum erzeugt werden, und sorgt nicht dafür, dass Du einen Ton rausdrückst, sondern dafür, dass die Luft gleichmäßig und wohldosiert an den Stimmbändern vorbeiströmt.
    Die Luftsäule hat viel mit einem runden, guten Klang zu tun.

    Die haben etwas damit zu tun, welchen Stimmumfang Du hast. Man wird eben als Sopran oder Alt oder Bass geboren, das kann man nicht ändern. Die haben auch was damit zu tun ob Du nun - wenn Du geübt bist - zwei Oktaven, oder drei oder gar dreieinhalb singen kannst.
    Sie sind für dein Timbre - also den Grundklang - verantwortlich. Damit meine ich nicht "schön" oder "häßlich" sondern "klar", "warm" oder so.

    Das gilt meiner Ansicht nach lediglich für einen ganz, ganz kleinen Teil der Menschheit, die niemals hören können, ob sie richtig singen oder falsch. Jeder andere kann singen lernen, genau wie er jedes andere Instrument erlernen kann.

    Naturtalente gibt es überall.

    Was ist Singen? Genaugenommen das Erzeugen eines Tones mittels der Stimmbänder, unter Nutzung von Stütze und Resonanzen.

    Grüße

    Ice
     
  3. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 20.12.06   #3
    Wirklich gute Frage...

    bleiben wir gleich bei den Parallelen

    ... und was ist Schlagzeugspielen? Das Erzeugen eines Klanges durch eines Stockes auf einen Klangkörper ...

    Im Grunde nicht unähnlich.


    Jein ... auch ein Schlagzeug kann einfach schlecht gespielt werden und auch der Gesangsapparat kann beschädigt, von Grund weniger geeignet oder schlecht gepflegt sein.

    Ein schlechtes Drumkit kannst Du aufpeppen: neue Felle, Schrauben ersetzen, andere Becken kaufen usw ... dann ist es schon brauchbar, wird aber nie ein werksneues 6000 Euro Modell, weil das Holz eben gleich bleibt.

    Mit dem Gesang vielleicht ähnlich: Stütze kann man aufbauen, Technik trainieren - aber die Stimme hat man... man kann damit klar kommen, aber nicht unbedingt ein zweiter Freddy Mercury werden...

    Wie gut man beides (Drum und Gesangsapparat) am Ende beherrscht, hängt gleichermaßen vom Talent und vom Fleiß ab...

    Ansonsten unterstreiche ich Ice' Bemerkungen...

    Singen (lernen) kann (fast) jeder, aber gutes Ausgangsmaterial wirkt sich enorm günstg aus :)
     
  4. schmuggla

    schmuggla Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.12.06   #4
    danke für die guten antworten :)

    aber woran genau liegt es dann, dass man talent hat bzw keines?
    ist das talent auf die "stütze" zu reduzieren oder auf die stimmbänder oder auf was agnz andres?
     
  5. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 20.12.06   #5
    Lass mich so sagen: Physisch ist das mehr wie die Leute, die halt zum Sprinter taugen, und die Leute die für ihre 100 Meter trotzdem 20 Sekunden brauchen. Das Material kannst Du leider nicht beeinflussen, das ist da, damit wirst Du geboren. Die "Hardware" wenn Du so willst liegt in den Stimmbändern.

    Was genau "musikalisches Talent" ist, und warum das manchmal Familiengehäuft auftritt ist eine gute Frage. Sicher ist, dass musikalische Menschen immer leichter Singen lernen, als unmusikalische, weil sie das bessere Gehör mitbringen. Das Gehör spielt beim Singen eben auch eine große Rolle.

    Was dann nachher "rauskommt" ist eine Kombination aus den physischen Gegebenheiten und der Technik. Stütze und Resonanz gehören in den Bereich der "erlernbaren Technik", die Stimmbänder hast Du. Die kann man zwar trainieren, aber eben nur in begrenztem Maße.
    So wie im Prinzip jeder gesunde Mensch lernen kann, Marathon zu laufen. die Frage ist halt, ob Du's in Weltklasse 2 Stunden oder in "Otto-Normalbürger-5-Stunden" machst.
     
  6. schmuggla

    schmuggla Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.12.06   #6
    hmm...

    mir geht es halt darum, was die menschen anders machen, die nie gesangsunterricht o.ä. hatten, aber trotzdem schön singen...
    und wo da der unterschied zu den leuten wie mir liegt, die zB nicht von natur aus die töne treffen...

    es ist nunmal so, dass ich schon seit langer zeit gesangsunterricht nehmen möchte und nun (endlich) einen evtl. lehrer gefunden habe.
    ich möchte nur wissen woran es liegt, dass man töne treffen kann!
    ich hab mir das so zusammengereimt:

    tonhöhen werden durch die geschwindigkeit der an den stimmbändern vorbeisausenden luft erzeugt. je größer aber die stimmbänder, desto dunkler ist der ton und demensprechend sind niedrigere obere grenzen gesetzt!
    als konsequenz daraus, müsste man, wenn man die töne treffen will, den druck dieser luft einfach kontrollieren lernen (wenn man das mal so einfach ausdrücken kann)...
    und die menschen, die einfach so singen können, ohne je was dazu beigetragen zu haben, machen diese regulation automatisch, jedoch unbewusst ...:er_what: ???!?

    klärt mich bitte noch weiter auf, ihr hilfsbereiten menschen, ihr :D

    achja...was ist die stütze????

    edit: und noch was: heißt talent zum singen schon vor dem gesangsunterricht töne zu treffen? bzw heißt es, dass man kein talent hat, wenn man sie vorher nicht trifft?
     
  7. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 21.12.06   #7
    Guten Morgen!

    Aaaalso... dann holen wir mal ganz weit aus ;)

    Okay. Die allerwichtigste Voraussetzung für's schön Singen ist - wie Du richtig festgestellt hast, dass man die Töne trifft. Das ist nicht ganz einfach, weil Du Dich selbst nie so hörst, wie jemand Dich von außen hört.
    Das ist übrigens der Grund, wieso fast alle von uns glauben, dass sie auf Aufnahmen schrecklich klingen.

    Insofern ist der Teil "Töne Treffen" des Gesangsunterrichts in erster Linie "Gehörbildung", weil Du lernen mußt, wie Du in Dir drin klingst, wenn Du draußen Ton XY erzeugst.

    Es gibt Leute, die das instinktiv können. Ich gehöre dazu, kann Dir aber nicht sagen, *warum* ich nie lernen musste, einen Ton zu treffen. Ich kann mir nur vorstellen, dass es was damit zu tun hat, dass ich wirklich vom Kindergarten an Musikunterricht hatte und heute (vielleicht schon immer?) über ein fast absolutes Gehör verfüge.

    Glückwunsch!

    Du denkst viel zu kompliziert ;)

    Die Tonhöhe wird nicht durch den "Luftdruck" erzeugt, sondern durch die Spannung auf den Stimmbändern. Siehe Wikipedia.
    Um eine Tonhöhe zu treffen mußt Du also die zugehörige "Spannung" erlernen. Im Endeffekt gehört zu jeder Spannung dann noch eine Resonanz, also ein Ort an dem Du den Ton spürst.

    So, jetzt schmeiße ich mit ganz bösen Wörtern um mich :D
    Für das ausgebildete, gute Singen ist "Luftökonomie" das höchste Gut. Du mußt mit so wenig Luft wie möglich so sauber und laut wie möglich singen. Lernen, dass "mehr Luft" eben nicht heißt "lauter" sondern nur "unsauber" und so seltsam das klingt "leiser".
    Um diese Ökonomie zu erreichen ist es sehr wichtig, dass der Luftstrom möglichst gleichmäßig, aber ..."klein" kommt. Und um das zu erreichen benötigt der Sänger die Stütze. "Stütze" ist ein Sammelausdruck für das Einsetzen verschiedener Muskeln. Kurz gefaßt "das aktiv-halten der Einatem-Muskulatur beim Ausatmen."
    In der Praxis geht das über so Dinge wie: Bauch anspannen, Flanken- (also Rücken-)Muskulatur anspannen, Po zusammenkneifen etc.
    Stütze hilft auch dabei, einen Ton sauber zu treffen, denn die Spannung des Atemapparates und die Spannung der Stimmbänder gehen Hand in Hand.

    Leider haben wir momentan keine SuFu... denn die würde Dir da viel drüber verraten können.

    Nein. Ich hatt's ja versucht zu erklären: Töne treffen ist eine Gehörsache. Ich kenne Leute mit einer grandiosen Stimme, die vor'm Unterricht keinen einzigen Ton getroffen haben. Das kann sehr schnell gehen, so bald Dir mal jemand erklärt hat, wie man das macht.

    Hoffe dass Du wieder etwas schlauer bist.

    Ice
     
  8. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 21.12.06   #8
    Es ist - denke ich - ein bißchen einfacher. Du greifst das erste Mal nach einem Apfel. Die Hand nimmt den Apfel und hält ihn fest. Als nächstes greifst Du nach einem Sack voll Trauben. Du musst es nicht neu lernen, obwohl die Trauben ganz anders geformt sind, kann Dein Gehirn auf die Infos aus der ersten Apfelhandbewegung zurück und kann die Trauben greifen.

    Beim singen: Du schreist deinen ersten Ton im Säuglingsalter. Auxch wenn Du es nicht mitkriegst: Das Hirn "speichert" aber dennoch die Position und Körperbewegungen, so wie es alles speichert.
    Wichtig ist also, diese Funktionen dann beim Singen zurück ins Bewusstsein zu bekommen. Das klappt beim "weniger Begabten" vielleicht einfach nicht so gut.

    Zur Frage, was ist Talent, hat man Talent, warum können die einen und die anderen nicht usw...

    Sicher hängt Talent zu einem großen Teil von der eigenen inneren Begeisterung und Leidenschaft mit der man was macht. Ein großern Anteil von MUsikalität ist sicher auch Körperbeherrschung.

    Vielleicht kann man sich, um das herauszufinden, einfach mal fragen: was macht mich glücklich?
    Hat es mich als Jugendlicher glücklich gemacht, einen 100-Meter-Lauf in ganz kurzer Zeit zurückzulegen? Hat es mich glücklich gemacht, ein kniffliges Rätsel zu lösen oder eine gute Zensur in Mathe zu haben? In allen Fällen: nein!! Das alles hat mir null und nichts gegeben.
    Aber es hat mir sehr viel gegeben, Songs zu schreiben und Texte, GItarrensoli zu spielen und jene vor Menschen darzubieten. Daraus konnte ich Kraft und Selbstsicherheit schöpfen. Gerade als Pubertant enorm wichtig.

    So denke ich, dass Talent zu einem großen Teil eben auch einen Motivatiosnfrage ist.
    Zum Vergleich: meine 3 Cousins waren damals in der Kindheit und Jugend sehr gute Leistungssportler. Alle haben auch Musik gemacht, aber hier ging es nie über das durch Unterricht Gelernte / Beigebrachte im Sinne einer Freizeitbeschäftigung hinaus. Ich und meine Geschwister haben dagegen von Anfang an Musik autodidaktisch und von innen heraus gemacht. Ich denke, dieser innere Trieb, etwas unbedingt tun zu müssen und zu wollen, um dafür geliebt und anerkannt zu werden, ist ein großer Teil dessen, was man "Talent" nennt und ermöglicht den Zugang zu Techniken schneller als durch renes Reproduzieren von Beigebrachtem.

    Ein anderer talentfördernder Aspekt ist sicher, auf welche Weise einem schon frühkindlich etwas nahe gebracht wird (Mozarts Papa hat seinem Sprößling ja schon Musik vorgespielt, als jener noch im Bauch war)...

    Also zusammangefasst: Talent: ein Gemisch aus Motivation, Interesse, Leidenschaft evtl. Zwang, Körperbeherrschung, möglicherweise schon in frühkindlichem Alter geprägt. Woraus die Motivation entsteht, ist sicher bei jedem unterschiedlich. Der eine aus Defiziten, beim anderen ist es vielleicht Druck, woanders wieder der frühe Einfluss..

    Wobei ich trotz Allem mit dem Wort "Talent" oder "Untalent" immer vorsichtig umgehen würde, denn es gibt soooo unterschiedliche Möglichkeiten. Der eine hat rhythmisch immer alles sofort drauf, der andere kann im Kopf die ausgefuchsesten Arrangements schreiben. Musik ist Gefühl, Tanz, Show, Ausdruck , aber auch ganz sachliche und langweilige Mathmatik. Beide Aspekte sind wichtig setzen unterschieche Begabungen voraus. Der eine hat dort seinen Schwerpunkt, der andere hier. Und ganz beneidenswerte Schweinehunde können beides gleich gut. Aber die begegnen einem zum Glück eher selten.

    BTW: das hat jetzt nichts zu tun mit der immer wieder beliebten Grundsatzdiskussion "Musiktheorie ja oder nein" .
     
  9. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 21.12.06   #9
    Hallo !
    Zur Gesangstechnik bzw. dem Erlernen derselben ist schon so gut wie alles gesagt worden.... jenseits davon gibt es aber noch etwas, das sich nicht erklären lässt. Gesang ist auch ein Geheimnis; warum manche Stimmen unsere Seele berührern, andere hingegen uns kalt lassen - ich werde die Antwort auf diese Frage wohl lebenslang suchen. Und kKein Gesangslehrer der Welt kann einem das beibringen. Man hat es, oder man hat es nicht...
    viele Grüße
    Bell
     
  10. Tommi

    Tommi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.12.06   #10
    Boah.....

    Ich habe mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht. Allerdings ist es erstaunlich, wie Ice und Antipasti darüber schreiben...... regt zum nachdenken an........ :great:

    Hallo schmuggla,
    Ich habe einfach mal ein Wiki zur Hilfe genommen und dort folgendes gefunden.Das trägt vielleicht etwas zur Beantwortung deiner Frage bei......

    Begabungen setzen stets auch eine genetische Komponente voraus. Spezifische leistungsfördernde Persönlichkeitsfaktoren, familiäre, schulische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sind jedoch ebenso unerläßlich. Dazu zählen Elternhaus, Schule und alle anderen Faktoren der Ausbildung und Umwelt, ohne die keine Hochleistung denkbar ist. Studien zeigen, dass bei begabten Menschen eine erhöhte Hirnaktivität im entsprechenden Bereich festzustellen ist. Außerdem sind gewisse Hirnregionen (geringfügig) stärker ausgeprägt als beim Durchschnitt. Diese Ausprägung entwickelt sich vor allem durch frühe Förderung bzw. Stimulation gewisser Fähigkeiten und somit der entsprechenden Hirnregionen.

    Ausnahmen bilden hier natürlich Begabungen, die auf besondere körperliche Eigenschaften zurückzuführen sind. So hängt die Begabung eines Sängers in erster Linie mit seiner Stimme d.h. mit der Anatomie seines Stimmorgans zusammen.
    Begabung äußert sich durch eine relativ frühe spezifische Ansprechbarkeit, für ein bestimmtes Material, eine bestimmte Aufgabe, für eine bestimmte Sache. Der Begabte verspürt zudem eine Neigung, für dieses Material usw. interessiert zu werden. Im Falle einer Begabung zeigt sich auch eine lustbetonte Leichtigkeit im Umgang mit der Bemeisterung dieses Materials etc. Ein Begabter kann sich durchaus für seinen Stoff aufopfern, da dieser ein gesteigertes Bedürfnis hat, auf seinem Gebiet mehr zu erleben. Außerdem ist die begabte Person ständig unzufrieden mit den bereits erlangten Leistungsstufen, was die Anstrengungsbereitschaft in diesem Bereich erhöht. Wissenschaftler bezeichnen es als "produktive Unzufriedenheit". Wachsendes Selbstvertrauen ist ein weiterer Indikator einer Begabung, da ein Talentierter (= Begabter) weiß, wie sehr er seine Materie, Aufgabe, Sache... beherrscht. Schließlich führt dies dazu, dass ein Begabter auf seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten vertraut. Ein begnadeter Sänger z. B. würde sich eher wagen, vor einem Publikum aufzutreten als eine Person, deren Begabung nicht das Singen ist. Der letzte und vollkommenste Schritt dieser Entwicklung, eine Begabung umzusetzen, ist die schöpferische Produktivität. Der Begabte wird hier selbstständig und schöpferisch tätig. Er kreiert Neues wie man es bei einem Genie vorfinden kann.

    greez

    Tommi
     
  11. schmuggla

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    Erstellt: 21.12.06   #11
    wow :)

    sehr tolle antworten die mich sehr viel weiter in meinem gedankengang gebracht haben :)
    seid voll lieb *ganz froh bin, dass ihr euch soviel mühe gebt*

    nur zu dem wiki-artikel -" Begabung äußert sich durch eine relativ frühe spezifische Ansprechbarkeit, für ein bestimmtes Material, eine bestimmte Aufgabe [...]"

    zum glück wurde hier von dem wort "relativ" gebrauch gemacht, da ich zB erst mit 17 jahren angefangen habe schlagzeug zu spielen (bin jetzt 18) und mir wurde extremes talent dafür zugesprochen, obwohl ich früher mich nie dafür intressiert habe...so kanns gehn ;) ich hoffe ja darauf, dass es beim singen genauso ist :D

    vielen vielen dank nochmal an alle :)
     
  12. GuitarRa

    GuitarRa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.12.06   #12
    wenn eine gitarre schlecht klingt kann es auch am spieler liegen :p
     
  13. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 22.12.06   #13
    @Tommi

    Danke für den Artikel, der zu meiner Freude einen großen Teil - besser formuliert und chronologisch besser geordnet - meiner rein subjektiven Gedanken bestätigt...

    Zur "relativ frühen spezifischen Ansprechbarkeit"

    Nun, manchmal ruht eine Begabung natürlich lange. Weil sie nicht früh erkannt oder gefördert wurde. Ich hab erst mit 14 angefangen, aktiv Musik zu machen. Aber das gesteigerte Interese, mehr mit Musik anzufangen als das reine Konsumieren dessen, was die Klassenkameraden aus den Charts gut fanden, war schon viel früher da. Ich hatte schon immer einen anderen Geschmack als meine Altergenossen. Sicher war ein Aspekt der Einflluss meines älteren Bruders, der bereits Musik machte. Aber dass ich mich schon immer mit den Texten und den Biografien, den Persönlicheiten der Künstler und auch deren physischen Eigenarten auseinandersetzte: das war von ganz alleine da. So hatte ich schon immer - auch als kleines Kind - den Drang und eben auch das "Talent", mich darzustellen, etwas vorzuführen und konnte das auch schon immer ad hoc. Bis dies durch das Medium Musik seinen Weg fand, dauerte es halt noch ein bißchen.

    Will sagen: das Talent und das, was man später damit macht, muss nicht zwangsläüfig zeitgleich auftauchen und klar erkennbar sein. Das eine ist das Talent, was schon vorhanden war und was vielleicht auf andere Weise Ausdruck fand, das andere (z.B. das Singen oder Schlagzeugspielen) nur ein Medium, was durchaus später, durch soziale oder familiale Einflüsse bestimmt wird.

    Oder anders: Die Fähigkeit, komplexe Software zu programmieren oder im Kopf wunderschöne Opern zu arrangieren und zu komponieren, kann durchaus auf das gleiche Talent zurückzuführen sein. Ebenso wie Fähigkeit, ein besonders guter Boxer zu sein oder Ballettänzer, oder Schlagzeuger, oder ...

    Dass Du also mit dem Schlagzeugeln erst mit 17 angefangen hast, heisst nicht, dass Du nicht schon viel früher diese Begabung irgendwie genutzt und trainiert hast.
     
  14. schmuggla

    schmuggla Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.12.06   #14
    es geht hier nicht drum, wie eine gitarre gespielt wird, sondern wie sie einfach einen ton bringt!
    ist die gitarre gestimmt, läuft sie über einen guten amp und ist die gitarre an sich gut, dann spielt man ein "c" und es hört sich nach "c" an :)
    wie man das nun umsetzt ist was andres!

    gleiche beim singen: einmal trifft man töne und einmal kann man daraus ne melodie machn...

    @ antipasti: da kannst du sogar recht haben! ich hab früher zB leichtathletik gemacht - vorallem als sprinter! ich war nie der aller schnellste, aber hatte bei wettbewerben immer den vorteil, dass ich sehr gut aus dem block gekommen bin, da ich das timing von "auf die plätze" - "fertig" und "los" gut einschätzen konnte:er_what:
    beim klavier spielen wurde mir ein gutes rhythmusgefühl beigebracht und durch breakdance koordination ...

    passt irgendwie :p
     
  15. Franzie

    Franzie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.01.07   #15
    hmm.. bei mir versuch ich das als reine sympathiefrage abzutun: manche menschen sind einem auf anhieb sympathisch, andere ganz und gar nicht ! obwohl sie dem nächsten schon wieder sehr gefallen. genauso ist es mit ihren stimmen- oft sogar unabhängig von deren tatsächlichem gesanglichen können, vielmehr abhängig vom gefühl.


    "erst" ist gut.. ich nun ganze zehn jahre später :(

    zunächst wollt ich noch ergänzen, dass (wie inzwischen angemerkt) auch das kindliche aufwachsen unter bestimmten gegebenheiten eine große rolle spielt.... dann fiel mir aber ein, dass mein elternhaus ja absolut unmusikalisch ist und ich dennoch angefangen habe, leidenschaftlich zu singen. und das eigentlich auch schon in all den jahren als teenager, wenn auch versteckt im eigenen zimmer- aber es war und ist das, was glücklich macht, wie antipasti erkannt hat.. nun noch für den feinschliff gesangsunterricht zu nehmen, war eigentlich nur ein weiterer und richtiger schritt, den liebsten zeitvertreib genauer zu verfolgen.
     
  16. think.funny

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    Erstellt: 08.01.07   #16
    Das machst Du intuitiv gleich ganz spontan richtig. Die Stimme verrät einiges über den Menschen, das Instrument selbst, wie es mit sich selbst umgeht, behandelt wird, ob es in sich ruht und frei schwingen kann, oder ob ab dem Hals nach unten schon Schluss ist mit Schwingung.
    Den Körper in Schwingungen zu versetzen, betrachte ich als eine Art Selbstfindung. Da gibts Sachen zu erleben, die man sonst nie entdeckt hätte, als bei bewusstem Selbststudium.
     
  17. antipasti

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    Erstellt: 11.01.07   #17
    Zum Trost : Mit dem Singen auf der Bühne hab ich erst mit 30 begonnen (bsi auf ein, zwei peinliche Ausrutscher mit 14 Jahren). Vorher war ich Bassist und Gitarrist und hab nur mal unter Dusche gesungen.
     
  18. Franzie

    Franzie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.01.07   #18
    ah gut, dann hab ich dich ja doch um 6 jahre geschlagen :p

    ..vielleicht sollten wir ein thema eröffnen "mit vielen jahren war dein erstes mal (auf der bühne!)" darin dürften wir ja rausfinden, wer hier schon mit "gesangstalent" geboren wurde oder wer sich alles hart erarbeiten musste- sozusagen "jahrzehntgesangsunterrichtnehmer vs. sofortdrauflosrocker". und dann könnte man noch hörproben vergleichen, bei wem man eben diesen unterschied raushören kann, an der technik oder so.. ob das wohl ginge :confused: na das führt zu weit;_>
     
  19. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 12.01.07   #19
    Warum eigentlich nicht? Mehr als leer bleiben kann der Thread ja nicht:

    https://www.musiker-board.de/vb/pla...rste-mal-auf-buehne-gesungen.html#post2021111
     
  20. Foxx

    Foxx Pop/Rock-Gesang HFU

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    Erstellt: 15.01.07   #20
    Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das Gehör spielt mit die wichtigste Rolle. Nicht nur, dass ein gutes bzw. ausgebildetes Gehör unerlässlich für eine saubere Intonation ist, nein, auch die durch die richtige Technik entstehende Klangqualität und Brillanz erschließt sich einem. Es hilft einfach enorm, wenn man auch kleine Veränderungen in der Stimme als Ergebnis des richtigen Stimmtrainings wahrnimmt und dadurch die "Positivität" desselben erkennt bzw. sich auch leichter kontrollieren kann und umgekehrt Fehler rasch heraushört.
     
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