Welche Anforderungen/Ausbildungen soll oder muss ein Tontechniker mitbringen um den Job ausüben zu können?

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Dieser Thread wurde aus dem Thread https://www.musiker-board.de/thread...nt-spez-schlagzeug-denn-wirklich-sein.710737/ ausgelagert. Gleichzeitig wurde dieser Beitrag in zwei Teile gesplittet, wobei jeder die Aussagen betreffend des Thread-Themas beinhalten

Und Techniker, die erfolgreich mit Musikern zusammenarbeiten wollen, brauchen entsprechendes Fachwissen über Themen wie Orchestrierung, Tonsatz, Komposition, Affektenlehre, Formen- und Stilkunde und so weiter. Wenn dann noch beide es schaffen, einander zuzuhören, zu erkennen was dem Gegenüber jeweils wichtig ist und das auch unterstützen _wollen_, dann kommt man viel schneller zu einem besseren Ergebnis. Manchmal kanns auch helfen, jemanden als Moderator dabei zu haben, der in beiden Welten zuhause ist.

Und das hört bei diesen Parteien natürlich nicht auf. Welcher Tonmensch kennt nicht die Diskussion darüber, warum das FoH-Pult zwischen die besten Zuhörerplätze muß und nicht irgendwo im 3. Untergeschoß in einem Kellerraum stehen kann wo es keinen stört. Oder daß man die Lautsprecherboxen fürs Bühnenbild unbedingt hinter den Mikros aufstellen muß weil das doch viel besser aussieht. *seufz*.

Oh, und einen noch für die Chefmusiker: wenn man schon den Luxus hat, als Dirigent kein Instrument bedienen zu müssen, dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, beim Soundcheck auch mal in den Saal zu gehen und zu hören wie das was man da produziert unten ankommt.

Es hilft nämlich sehr, wenn Dirigent und Techie sich zunächst einmal darauf einigen, über welches Problem sie eigentlich sprechen. Und das geht halt schlecht, wenn man das Problem gar nicht selbst wahrgenommen hat.

Aber auch die Tonies sollten bevor sie nachhaltig in den Gesamtklang eingreifen ruhig mal nachfragen, wie denn der/die Musiker sich eigentlich klanglich präsentieren wollen. Die haben nämlich oft eine ganz andere Vorstellung davon was an ihrem Instrumentarium gut klingt, als man denkt oder als in irgendwelchen Equalizer-Frequenz-Tipps steht.
 
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Der Techniker geht im Zweifel davon aus, daß man alles gleichermaßen gut und transparent hören soll - der Musiker möchte manche Dinge aber bewußt undeutlich und andere sehr dominant haben.
Da sind Digitalpulte und In-Ear eine wunderbare Lösung. Jeder stellt sich seinen Monitor-Mix selbst ein.
 
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Da sind Digitalpulte und In-Ear eine wunderbare Lösung. Jeder stellt sich seinen Monitor-Mix selbst ein.
ich denke das mit dem "selber einstellen" ist derzeit wohl noch eher die Ausnahme denn die Regel.
Und Techniker, die erfolgreich mit Musikern zusammenarbeiten wollen, brauchen entsprechendes Fachwissen über Themen wie Orchestrierung, Tonsatz, Komposition, Affektenlehre, Formen- und Stilkunde und so weiter.
Hmm, dann dürfte ich die letzten 40 Jahre, oder so, komplett was falsch gemacht haben. Denn von diesen Dingen habe ich so gut wie keine Ahnung, und trotzdem arbeite ich doch sehr erfolgreich als Tontechniker. Und ich kenne einige Tontechniker mit einer klassischen Tontechniker Ausbildung, wo derlei Theorie Bestandteil der Ausbildung ist, die wenig verwertbares auf die Boxen bringen.
Wenn dann noch beide es schaffen, einander zuzuhören, zu erkennen was dem Gegenüber jeweils wichtig ist und das auch unterstützen _wollen_, dann kommt man viel schneller zu einem besseren Ergebnis.
Das ist die Grundvoraussetzung für jegliche gute Zusammenarbeit, so auch hier.
letztendlich läuft für mich alles darauf hinaus, dass zum einen dem Publikum ein möglichst zufriedenstellendes Klangerlebnis dargeboten wird. Das heisst natürlich auch dass man dem Stil des Vortrags entsprechend mischt. Es bring nichts ein Kammerquartett gleich zu mischen wie eine Metalband (letzteres wird von mir des öfternen liebevoll mit "Livemitschnitt aus dem Sägewerk" tituliert:devilish:). Umgekehrt herum funktionierts auch nicht, denn da sind die Erwartungen des Publikums natürlich in einem großen Umfang zu erfüllen. Zum anderen ist es Aufgabe des Technikers den Musikern so gut es geht auch eine angenehme Spielsituation zu ermöglichen. Sprich den Monitor nach deren Wünschen zu gestalten. Mir ist es hin und wieder, wenn ich mal mit Fremdtechniker als Musiker Kontakt hatte, passiert, dass der mir da was vorgesetzt hat, was ich gar nicht haben wollte, nur weil er meinte, das wäre gut. Da gibts dann ein paar Ordnungsrufe meinerseits, denn meist ist das für mich viel zu viel Pegel und Information. Ich will einen Monitor keine Schallwand. Wenn das nicht geht weil der Techniker eben nicht kooperativ sein will, dann habe ich schon dann und wann den Monitor ausgesteckt. Denn kein Monitor ist mir noch lieber als ein komplett falscher und speziell zu lauter.
Viele Techniker finden Stereo komplett überbewertet weils die Dinge kompliziert macht und eh nur für nen Teil des Publikums funktioniert. Manche Musiker möchten aber auf keinen Fall eine "Klangwand", sondern einen räumlichen, in Breite und tiefe gestaffelten Klangraum, bei dem z.B. mehrere gleich laute und im gleichen Tonbereich stattfindende parallele Stimmen ausschließlich aufgrund ihrer räumlichen Anordnung getrennt wahrzunehmen sind (sowas ist bei Klassik oder Jazz wichtiger als bei Pop oder Heavy Metal, aber geben tuts das überall - Pink Floyd hat damals nicht von Ungefähr schon in den 70ern mit Quadrophonie experimentiert).
Und auch hier wieder ein definitives "Hmm" von meiner Seite. In der regel finde ich Stereo schon überbewertet, gerade in einer üblichen Front of House Beschallung. Stereo-Abbildung kann nur ein sehr geringer Teil des Publikums überhaupt wahrnehmen, die in der Mitte vor der Bühne. Alle, die entweder links oder rechts der Mitte stehen, verlieren immer mehr davon, je weiter außen sie stehen. Bei einem Konzert von Ennio Moriccone hatte ich einen Sitzplatz auf der Seite, und ich ärgerte mich ungemein über den Soundmenschen, denn der fuhr extrem Stereo, was hieß dass ich vom Klavier, das auf der anderen Seite war, gar nichts mit bekam, außer bei einer Solostelle, wo der Rest des Orchesters nicht spielte. Dafür waren die Kontrabässe und Celli extrem prominent, da auf meiner Seite. Sowas geht für mich gar nicht.
Übrigens war eine meiner ertsen Band, die ich damals, Ende der 70er, eine Symphonic Rock Band, die auch mit einem Quadrophonie System arbeitete. Aber echte Quadrophonie-Effekte beschränkten sich auf ganz wenige Situtationen, zb um mal eine Gitarrensolo im Raum herum fahren zu lassen oder ähnliches. Aber in der Regel gings auch dort mehr oder weniger Mono ab.
Ich mache derzeit recht viel Jazz und verwandtes, aber da wird bei uns üblicherweise konventionelles Monitoring mit Wedges gemacht. Und auch da ist Stereo nicht angesagt. Im Übrigen ist das Monitoring bei derlei Veranstaltung recht spärlich eingesetzt, da es die Musiker gewohnt sind mit dem Naturklang auszukommen. Bei Inear wäre das wohl anders aber auch da gibt es, soweit ich das verstehe, andere Aspekte denn rein ästhetische, die entscheiden was wo im Sterobild landet.
 
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Es muss doch ein Grund geben, warum die Musiker sich selbst nicht hören!

Natürlich gibts den. Irgendwas ist zu laut. Manchmal der eigene Monitor.
Da sind Digitalpulte und In-Ear eine wunderbare Lösung. Jeder stellt sich seinen Monitor-Mix selbst ein.

_Wenn_ der Musiker erkennt, daß es daran liegt.

Genau das ist aber oft nicht der Fall. "Ich hör nix" -> Monitor lauter -> es wird (unbewußt) lauter gespielt -> "Ich h ör nix" -> ...

Finde den Fehler. Und die Lösung :)

Und auch hier wieder ein definitives "Hmm" von meiner Seite.

Wie ich schon sagte: unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Sichtweisen, unterschiedliche (beiderseits valide) Gründe dafür.

Stereo bedeutet ja nicht daß man ins Extrem verfallen muß. Und es ist immer auch eine Frage der Location.

Mich persönlich stört es allerdings auch durchaus, wenn ich in einem klassichen Konzert alles irgendwie aus der Mitte höre. Ich möchte bitte die erste Geigen links vorne haben und die Holzbläser hinten in der Mitte und die Pauken ganz hinten, wo sie auch sitzen/stehen. Und ich finds auch verwirrend wenn der Tenor nicht von da klingt wo er steht. Am liebsten möchte ich Lautsprecher akustisch gar nicht als Tonquelle wahrnehmen, sondern einfach nur den Eindruck haben daß man die Leute auf der Bühne hier aber toll weit hören kann. Was - zugegeben - viel verlangt ist, das ist mir bewußt.

Wenn das an manchen Plätzen so gar nicht geht, dann hat man möglicherweise auch die falsche Anlage oder das falsche Beschallungskonzept gewählt. Da hilft Kommunikation, das zu erkennen und zu vermeiden, wenn schon nicht bei dem Gig (weil halt schon alles steht), dann wenigstens zukünftig.

Es gibt ja schon Wege für Kompromisse, wenn man das will.

Beispielsweise verstärkt auf Laufzeit- statt Pegelstereophonie zu setzen (was natürlich hieße, daß man anders mikrophoniert oder daß das Pult Phase Panning beherrschen muß), so daß der Zuhörer der den zweiten Kanal nicht hört dann wieder scheinbar vollständiges Mono hat. Das ist dann zwar nicht so ideal wie in der Mitte, aber deshalb sind dann halt die Karten unterschiedlich teuer.

Oder man kombiniert eine große Frontline in Stereo mit Sidefills und Delay Lines , die mit einem zusätzlichen Mono Mix beaufschlagt werden und die Lücken an den schlechten Plätzen füllen.

Oder man macht LCR Stereo mit 50% Mono auf dem Center Kanal, der (hoffentlich) überall ankommt.

Oder mischt ein Mono Signal mit wenigen ms Delay akustisch hinter ein breites Stereosignal, so daß da wo Stereo funktioniert das Gesetz der ersten Wellenfront für Pseudo-Ortung sorgt. Kann natürlich anderweitge klangliche Konsequenzen haben, die man ggf. gewichten muß.

Die Technik gibt heutzutage so viel her, man muß das nur nutzen - was aber voraussetzt, daß man es eben auch weiß und kann.

Und bitte, man kann auch mit einem Monosignal ein Mindestmaß an sowas wie räumlicher Abbildung erreichen - entweder in kleinen Sälen durch Mischung mit dem Bühnensound, die dort eh unvermeidlich ist, oder zumindest durch eine gewisse Tiefenstaffelung.
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4 ) Auf E-drums sind nicht leise: Tok-Tok-Tok auf "Becken" ohne Lautsprecherwiedergabe liegen locker bei 85 dB SPL.

Das kommt sehr drauf an. Es gibt durchaus welche die _sehr_ wenig Eigengeräusch produzieren. Und den eigentlichen Sound von den Dingern kann man ja leiser drehen - IMHO eines der wichtigsten Argumente für deren Einsatz.
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7 ) Neben "laut" und "leise" gibt es ja noch "im Takt", "im Tempo" und verwandte Merkmale ...

Ich empfehle hier mal das bewußte durchhören einer guten Aufnahme der guten alten Buddie Rich Big Band in leiser Lautstärke. Man könnte feststellen: das grooved! Ganz ohne Lärm!.

Zugegeben, man kann nicht vom Durchschnittsamateur erwarten auf diesem Level zu trommeln, aber man kann erwarten daß er es wenigstens versucht ;)
 
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Das kommt sehr drauf an. Es gibt durchaus welche die _sehr_ wenig Eigengeräusch produzieren. Und den eigentlichen Sound von den Dingern kann man ja leiser drehen - IMHO eines der wichtigsten Argumente für deren Einsatz.

Ich habe auch schon gesehen, daß man das akustische Drumkit in die Plexiglas-Kabine steckt, wo dann so laut gespielt kann wie nötig, und der Tontechniker kann den abgenommenen Ton dann perfekt in den Mix einfügen.
 
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Stereo bedeutet ja nicht daß man ins Extrem verfallen muß.
Das ist mir klar, hartes Links-Rechts Panning macht außer bei speziellen Effekten wenig Sinn.
Mich persönlich stört es allerdings auch durchaus, wenn ich in einem klassichen Konzert alles irgendwie aus der Mitte höre. Ich möchte bitte die erste Geigen links vorne haben und die Holzbläser hinten in der Mitte und die Pauken ganz hinten, wo sie auch sitzen/stehen.
Nun ja, eine Liveveranstsltung ist keine rein akustische Angelegenheit, sondern ein Erlebnis unter Einbeziehung sämtlicher Sinne. und man sollte da nicht vergessen, das z.B der optische Eindruck deutlich wichtiger zur Ortung ist als der akustische. Lautsprecher hört man, meiner Erfahrung nach, eher wenn man es mit dem Panning übertreibt. Wenn z.B das Panning der ersten Geigen zu stark nach links raus geht, dann verwirrt das das Publikum mehr als wenn es akustisch in der Mitte abgebildet wird.
wobei ich dazu sagen sollte, dass ich PA eher stützend den dominant einsetze. Das ist wohl der Art der Darbietungen geschuldet, die ich so betreue.
 
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Das driftet jetzt langsam zu sehr ins OT ab, aber die Wahl des richtigen Veranstaltungsorts ist natürlich auch Teil der Aufgabe.

Und es kommt sehr drauf an, was man da mischt. Eine klassische Band mit Schlagzeug, Gitarre, Gesang und ein bißchen Keyboard kriegst Du durch EQing auch in Mono transparent, _wenn_ die Leute einen vernünftigen Sound liefern.

Bei einer großen chorischen Besetzung - egal ob Gitarrenchor, Posaunenchor, reines Streicherorchester ohne Bläser und Percussion oder auch Akkordeonorchester (das ja streng genommen ein Akkordeonchor ist) funktioniert das hingegen nicht so gut, denn da klingen alle Instrumente mehr oder weniger gleich. Und wenn man die zu sehr beschneidet wird das dann ganz schnell unausgewogen oder breiig.

In solchen Fällen sind andere Methoden gefragt, um einen transparenten Gesamtklang zu kriegen. Einen Teil davon kann man schon mit Orchestrierung, Registrierung, Artikulation und Arrangement erreichen oer auch versauen. Auf der Technikseite bleibt aber letztlich nur die räumliche Differenzierung übrig. Also sauberes (nicht übertriebenes) Panning - die Delayline braucht nebenbei ein schmaleres Panorama als die Frontline - und starke (da darf es auch auch etwas übertrieben sein) Tiefenstaffelung mittels Delay und Hall. Daß das dann im Fußballstadion weniger gut funktioniert als im akustisch sauber ausdifferenzierten Konzertsaal ist klar. Und es wird halt technisch schnell aufwendig, z.B. weil man die Summe erstmal als MS-Signal braucht, das man durch 2 oder 3 Matrixbusse schiebt um verschiedene Stereobreiten für Delaylines zu bauen.

Wobei gerade das Beschneiden über EQs auch nicht so ohne ist. Wenn Du einem Pianisten erzählst, sein Klavier spielt bei 800 Hz, dann kräuseln sich dem innerlich die Fußnägel, denn dessen Instrument hat 7 Oktaven Tonumfang und damit liegt bereits die Frequenz der Grundtöne zwischen 22,5 Hz und 3,5 kHz. Und natürlich will der alle Töne einsetzen können und auch die Obertonreihe von dem edlen Steinway rüberbringen, mithin sogar gezielt einsetzen.

Und noch viel wichtiger: der lernt von Klein auf mühsam, daß er eine Tonleiter über die ganze Klaviatur so spielen kann, daß alle Töne gleich laut, gleich dominant und gleichfarbig klingen, auch wenn das Instrument einzelne Ausreißer in den Tönen hat - sowas nennt man "ausgleichen". Ist echt ne mühsame Sache bis man es drauf hat.

Und dann kommst Du als Techie und haust ihm nen Bandpaß zwischen 200 und 2200 Hz drauf, drückst also die hohen und tiefen Oktaven gezielt nach unten.

Das ist quasi wie wenn Du oben und unten zwei Oktaven von der Klaviatur absägst! Der fühlt sich dann wie Du, wenn einer mal eben an Deinem FoH zwei Faderbänke samt Meterbridge wegflext.
 
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Hmm, dann dürfte ich die letzten 40 Jahre, oder so, komplett was falsch gemacht haben.

Nicht zwingend, jedenfalls nicht zwingend falsch. Möglicherweise aber weniger optimal als möglich oder mit mehr Zeitaufwand als nötig. Kommt natürlich auch drauf an auf was für Musiker Du stößt und wie gut Du denen zuhörst. Ist immer auch Glückssache, und viele Skills kann man ja auch mit anderen kompensieren / substituieren.

Ich habe indes durchaus schon Tonleute gesehen, die z.B. bei Musical- oder Opernproduktion die Partitur am Pult mitlesen. Da spricht nichts dagegen. Manche Tonleute sind auch selber zumindest gute Amateurmusiker (Die Tonmeister für die klassischen Übertragungen in den ÖR-Rundfunkanstalten haben m.W. oft wenn nicht nahezu zwingend selbst ein Musikstudium absolviert).

Und dann ist es auch eine Frage, wie viel der Dirigent / Musiker von Technik versteht. Karajan z.B. war bekannt dafür, da sehr tief drinzustecken und konnte sich dadurch vermutlich auch in "Techniker-Sprache" ausdrücken. Andere können das vielleicht nicht so gut, dann ist mehr musikalisches Wissen vom Techie gefordert. Und manche Begriffe werden halt einfach unterschiedlich betrachtet / ausgelegt.

Aber ich würde schon sagen, daß es hilfreich ist, wenn der Techie z.B. bei einer "Freischütz"-Ouvertüre das Samiel-Motiv als solches erkennen und diesem die richtige Bedeutung zuordnen kann, bevor er an irgendwelchen Reglern dreht. Sonst kommt der womöglich auf die Idee, das "häßlich" klingende Fagott mit etwas EQ gefälliger zu machenn...

Es sollen auch schon Mischer im Studio versucht haben, den einen oder anderen Tristan-Akkord zu "entschärfen". Oder bei Andersons "Sandpaper Ballet" das nervige Rauschen rauszueditieren. Aus Technikersicht könnte man solche Ideen durchaus haben. Nur könnte es sein daß die Musiker über das Ergebnis sagen wir mal ungläubig staunen.

Gestern Abend habe ich mir ein paar alte Pink Floyd Aufnahmen reingezogen, u.A. The Dark side of the Moon. Und ich finde, man hört diesen wirklich an, daß da Techniker und Musiker gegenseitig verstanden haben, was sie tun, wie sie es tun und warum sie es tun. Das Ergebnis ist vermutlich mit das beste Konzeptalbum aller Zeiten.

wobei ich dazu sagen sollte, dass ich PA eher stützend den dominant einsetze. Das ist wohl der Art der Darbietungen geschuldet, die ich so betreue.

Das ist auch eine Frage der Location. Im kleinen Club wo man den Bühnensound im Publikum ohnehin gut hört ein guter und richtiger Ansatz. Fürs Stadionkonzert wirds da wohl eher schwierig.

Wenn man stützt kann es auch eine gute Idee sein, die Stütze geringfügig hinter den Bühnenschall zu delayen, um die Ortung stärker von diesem dominieren zu lassen. Sauber zu pannen anstatt alles in die Mitte zu blasen ist aber auch dann eine gute Idee IMHO.
 
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Gestern Abend habe ich mir ein paar alte Pink Floyd Aufnahmen reingezogen, u.A. The Dark side of the Moon. Und ich finde, man hört diesen wirklich an, daß da Techniker und Musiker gegenseitig verstanden haben, was sie tun, wie sie es tun und warum sie es tun.
Interessant ist bezüglich deinen anderen Ausführungen dass der Techniker, Alan Parsons, an sich keinerlei einschlägig Studien absolvierte. aber er ist sicherlich ein ganz großer der Zunft. ich finde sowieso dass in der Zeit mitte der 70er extrem viele hochwertige Produktionen passierten. Songs in the Key of Live, Heijra, Show some Emotion, usw sind nach wie vor meine Lieblingstonträger.

Ich mach keine Klassik, bis auf einige wenige Kammermusik Geschichten, da ich zu Opern, Symphonien und schon gar nicht moderner E-Musik keinen ernst zu nehmenden Zugang bzw. Interesse habe. Ist einfach nicht meins. Daher kann ich dazu auch nichts sagen. Zu dem, was ich so mache, habe ich durchaus ein persönliches Interesse. Und ich traue mir schon zu zu verstehen was die musikalische Intention ist und wie man die auch als Techniker unterstützen kann.
 
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Ich mach keine Klassik, bis auf einige wenige Kammermusik Geschichten, da ich zu Opern, Symphonien und schon gar nicht moderner E-Musik keinen ernst zu nehmenden Zugang bzw. Interesse habe. Ist einfach nicht meins.
Umgekehrt mache ich daher nichts im Bereich Pop/Rock/Metal, sondern bewege mich tontechnisch im Bereich Klassik (liegt auch nahe, da ich studierter "Klassiker" bin).

Wenn ein Tonler das Gefühl hat, bei einem Steinway-Konzertflügel oder einem von einem professionellen Solo-Fagottisten gespielten Heckel-Fagott am EQ schrauben zu müssen, dann stimmt etwas mit seinem Equipment nicht, oder mit dem Raum. Beides ist aber bei professionellen Produktionen extrem unwahrscheinlich, da stecken Schoeps oder vergleichbare Mikros auf den Stativen und die Räume sind ausgesucht hinsichtlich ihrer passenden Akustik.

Wer wie weiter oben erwähnt ihm "ihm nen Bandpaß zwischen 200 und 2200 Hz drauf (haut)", der wird umgehend fristlos entlassen.

Im Ernst, wer als verantwortlicher Tonmeister die Berliner Philharmoniker in der Waldbühne auf die PA bringen muss, oder für die Live-Übertragungen eines Rundfunkorchesters oder des Neujahrskonzert der Wiener oder der Dresdener Philharmoniker zuständig ist, der hat nicht nur ein hochkarätiges Tonmeister-Studium hinter sich gebracht, der hat ganz selbstverständlich eine umfassende Partiturkenntnis und ein Gehör, das dem des Dirigenten in nichts nach steht. Zudem darf er sich auf ein Techniker-Team verlassen, das ebenfalls nicht nur technisch, sondern auch musikalisch umfangreich im Bilde ist.
Die Tonmeister-Studiengänge in Detmold, Berlin und Wien gehören zu den anspruchsvollsten musikalischen Studiengängen, die ich kenne. Schon die Aufnahmeprüfungen sind regelrecht ´gnadenlos´.

Ob jeder Tontechniker in einem x-beliebigen Theater, Opernhaus oder Musical ebenso oder auch nur ausreichend fähig ist, steht auf einem anderen Blatt. Es gibt auf den normalen Positionen und Posten immer und überall gute und weniger gute Leute, das ist Alltag.
Dass auch nicht-Studierte in der Lage sein können, Top-Qualität abzuliefern, vielleicht sogar bessere Qualität als "Studierte", die im entsprechenden Genre nicht zu hause sind (oder einfach nicht gut), kann auch nicht bezweifelt werden, Beispiele dazu finden sich ja.
 
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teressant ist bezüglich deinen anderen Ausführungen dass der Techniker, Alan Parsons, an sich keinerlei einschlägig Studien absolvierte.

Also laut Wikipedia spielt Parsons von Kind auf Klavier, Flöte und Gitarre und war praktisch zeit seines Lebens von professionellen Musikern umgeben. Da nichts über Tonsatz oder Arrangement mitgekriegt zu haben wäre nur mit Autismus zu erklären.

Man muß ja nicht gleich ein KR-Diplom haben (obwohl das bei Tonmeistern in großen Klassikproduktionen sicher eher die Regel als die Ausnahme ist), um zumindest Basics zu lernen.

Jenseits der "Tontechniker-Fernstudiengänge" bei HOFA und SAE (die aller Ehren wert sind) kann man ja z.B. auch an Musikhochschulen ein tontechnisches Studium absolvieren, und da würde ich doch behaupten, daß man um die eine oder andere Vorlesung in Musikgeschichte, Tonsatz, Partiturkunde, Arrangement oder Formenlehre nicht herumkommen wird. Ich weiß nicht ob man in allen Fällen zwingend Gesang oder ein Instrumentalfach belegen muß, aber wundern würde es mich nicht (und ratsam wäre es allemal).

Dass auch nicht-Studierte in der Lage sein können, Top-Qualität abzuliefern, vielleicht sogar bessere Qualität als "Studierte", die im entsprechenden Genre nicht zu hause sind (oder einfach nicht gut), kann auch nicht bezweifelt werden, Beispiele dazu finden sich ja.

Das passiert bekanntermaßen immer wieder mal. Wobei IMHO wie bei instrumentalen Autodidakten auch hier meist die Spezialisierung schmaler (und tiefer) ist.

Von einem Absolventen in Detmold oder Wien würde ich erwarten, daß der mit geeignetem Material auch ne Jazz-Combo, eine Zithergruppe oder eine Metal-Band einigermaßen sinnvoll ins Bierzelt blasen kann.

Daß ein Amateur-Toni einer Punkband sagen wir mal eine auf Zinken gespielte Barock-Suite wirklich überzeugend in einen Kammermusiksaal bekommt, ist hingegen nicht so wirklich garantiert. Das heißt nicht, daß der nix kann, sondern einfach nur daß er andere Dinge kann und weniger breit aufgestellt ist.

Außerdem gibt es bei Amateuren noch einen strategischen Vorteil: sie tun es nicht (nur) für Geld(tm), sondern ausschließlich aus persönlicher Leidenschaft. Was erstens garantiert, daß sie ein gewisses ernsthaftes Interesse an der Sache mitbringen (tun viele Bezahlte auch, aber eben nicht alle) und zweitens, daß sie es sich sozusagen leisten können, nahezu beliebig viel Zeit zu investieren.

Letzteres ist live nicht sooo ausschlaggebend. Ok, der Amateur scheut vielleicht den Mehraufwand nicht, noch zwei Mikros aufzubauen, während der Profi mit "das stand aber nicht auf dem Vertrag" daherkommen könnte, aber so kleinlich ist man ja dann meist doch nicht.

Aber im Studio und beim Nachbearbeiten schlägt das zu. Da kann es sich der Amateur leisten, so lange rumzuschrauben, bis das Ergebnis ihn absolut überzeugt, und vorher (oder auch überhaupt) nichts als Ergebnis rauszugeben. Der Profi hat einen Liefertermin oder zumindest eine zeitlich wirksame Budgetgrenze und muß dann auch liefern.

Dafür ist er zwar geübter, und hat mehr und teureres Gerät (kaum ein Amateur wird sich Schoeps-Mikros leisten können, ich jedenfalls nicht) , so daß er für das gleiche Ergebnis auch weniger Zeit braucht - aber es ist eben nicht garantiert, daß das wenig genug ist.

Grob gesagt macht der Profi also seine Kompromisse aus Zeit- und Budgetdruck (und hoffentlich eher selten aus begrenzten Fähigkeiten, aber es gibt sehr wohl auch unfähige Profis), der Amateur hingegen überwiegend aus begrenzten Fähigkeiten und schlechterer Ausrüstung.

Fähigkeiten kann man aber durchaus im Lauf der Zeit erwerben. Und Zeit ist, was der Amateur quasi im Überfluss hat (deshalb betreibt er ja ein Hobby).

Und selbst die billigstee Ausrüstung ist heutuzutage bei Weitem nicht mehr so schlecht daß man damit nichts zustande kriegen könnte. Mit einem popeligen Paar T.Bone SC140 für 100 Euro ist z.B. ein Steinwayflügel durchaus sinnvoll klingend auf eine CD zu bekommen - vielleicht sogar besser als vor einigen Jahrzehnten mit unbegrenztem Budget.

Natürlich gehts mit Neumännern oder Schoepsen besser und wenn ich wählen kann bleiben die T-Knochen liegen. Aber wenn mir einer eine Klavieraufnahme vorlegt die sch* klingt, liegt das mit 99,99999%iger Wahrscheinlichkeit nicht daran, daß kein geeignetes und bezahlbares Mikro existiert, sondern daran, daß entweder ungeeignetes (_nicht_ zu billiges) Material im Einsatz war oder das was da war (egal ob billig oder teuer) nicht sinnvoll bedient wurde.

Man darf nie vergessen: es gibt weltberühmte und ergreifende Konzertaufnahmen, die mit Kohlemikrofonen gemacht wurden - aus fast allen Genres. Was für einen Luxus haben wir da heute - auch als Hobbyisten?

Wie in der Musik halt auch: ein echtes Musik-Genie kann mit ner auf dem Kamm geblasenen Speed Metal Nummer das Publikum zum Headbangen bringen. Und ein untalentierter Stümper klingt auch auf ner mit Weihwasser besprenkelten und dann in einer schwarzen Messe verfluchten von Adrian Smith handsignierten und gestimmten Custom Strat mit 17-fachem Beast Crush Maximizer wahlweise nach Wiegenlied oder Verkehrslärm.

Wer wie weiter oben erwähnt ihm "ihm nen Bandpaß zwischen 200 und 2200 Hz drauf (haut)", der wird umgehend fristlos entlassen.

Ich meinte da nicht daß das in klassischen Produktionen die Regel ist.

Es ging mir da um die im Rock/Pop-Bereich verbreitete Mischtechnik, quasi jedem Instrument "seinen" Frequenzbereich zuzuweisen, um Transparenz und aufgeräumten Klang zu erreichen.

Mit Gitarre, Baß, Schlagzeug und Gesang funktioniert das durchaus oft genug. Und das Ergebnis kommt dann auch Mono gut raus.

Mit einem großen Blockflötenchor z.B. ist hingegen die Chance dafür recht gering. Da spielen sich 2 oder 3 von 5 Registern praktisch in der gleichen Tonlage oder eine Oktave darunter ab. Die kriegst Du per Frequenzfenster nicht "auseinander" ohne mindestens 2 davon den Grundton zu "klauen".

Entzerrung über die Zeit/Rhythmus-Achse wie beim gegateten Schlagzeug funktioniert ebensowenig, weil die Flöten ja alle lange Töne spielen.

Also bleibt nur die räumliche Dimension. Erste Flöte eher nach links, zweite eher nach rechts, die dritte und die Baßflöte z.B. mit ein paar ms Delay und Hallzugabe dahinter (am besten entsprechend der tatsächlichen Anordnung) - dann gibts eine Chance, daß sich die "Schallwand" zu einer räumlichen Darstellung auflöst. Vorausgesetzt, die Anlage kann auch einigermaßen sinnvoll Stereo abbilden.

Ich habe selbst noch nie ein großes Sinfonieorchester abgenommen, aber wenn ich das machen sollte würde ich auch da so einen Ansatz verfolgen. Vielleicht in einer Haupt-/Stützmikrophonie mit Decca-Tree, MS- oder mehreren AB-Anordnungen als Basis und natürlich wirds bei den "großen" Häusern noch eine Menge technischer Finessen in den Details geben, aber gerade die räumliche Darstellung macht da IMHO viel von der Atmosphäre aus. Und ich weiß, daß die vielen Dirigenten auch sehr wichtig ist - je nach Werk denken die schon über die Platzierung der Musiker durchaus intensiv nach.
 
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Im Ernst, wer als verantwortlicher Tonmeister die Berliner Philharmoniker in der Waldbühne auf die PA bringen muss, oder für die Live-Übertragungen eines Rundfunkorchesters oder des Neujahrskonzert der Wiener oder der Dresdener Philharmoniker zuständig ist, der hat nicht nur ein hochkarätiges Tonmeister-Studium hinter sich gebracht, der hat ganz selbstverständlich eine umfassende Partiturkenntnis und ein Gehör, das dem des Dirigenten in nichts nach steht.
Das ist mir schon klar, und deswegen, bzw. wegen meinem mangelnden Bezug zu der Musik, mache ich das auch nicht. Afaik ist ein Tontechniker/Tonmeister Studium eines mit den Bereichen Elektrotechnik und Musik. Hier in Graz zumindest ist es so.
Dass auch nicht-Studierte in der Lage sein können, Top-Qualität abzuliefern, vielleicht sogar bessere Qualität als "Studierte", die im entsprechenden Genre nicht zu hause sind (oder einfach nicht gut), kann auch nicht bezweifelt werden,
Nun ja, wenn man ein Tontechnikstudium aus Voraussetzung bräuchte, gäbe es deutlich weniger Veranstaltungen weil zu wenige Techniker verfügbar wären.;-)
Also laut Wikipedia spielt Parsons von Kind auf Klavier, Flöte und Gitarre
Nun ja, zwischen "spielt ein oder mehrere Instrumente" und einem kompletten Musikstudium gibts durchaus noch einige Stufen dazwischen. Ich kann nicht sagen, dass in meinem Umfeld irgendein Techniker rumläuft der nicht zumindest ein Instrument spielt. Aber die von dir eingeforderten Skills
Orchestrierung, Tonsatz, Komposition, Affektenlehre, Formen- und Stilkunde und so weiter
daß man um die eine oder andere Vorlesung in Musikgeschichte, Tonsatz, Partiturkunde, Arrangement oder Formenlehre nicht herumkommen wird.
sind nichts was man in den ersten paar Jahren Musikschule sich aneignet, geschweige denn wenn man als Autodidakt sich das Spiel der Instrumente beibringt.
Eigentlich ist es wohl wie mit dem Spielen eines Instrumentes. die theoretische Ausbildung, die man an einer Schule oder Uni sich aneignet, kann helfen, muss aber nicht. Und sie ist definitiv keine Voraussetzung um sein Instrument virtuos zu beherrschen. Dafür gibt es eben genug erfolgreiche Autodidakten, für die z.B Noten maximal eine nicht zu entziffernde Ansammlung von Strichen und Punkten auf einem Papier sind.
Ich bin in jeglicher Hinsicht Autodidakt, Tatsache ist, dass alles was ich derzeit machen, ich nicht irgendwo in einer schulischen Einrichtung gelernt habe. Das betrifft das Musizieren, die Tontechnik und selbst meinen Dayjob als Programmierer erlernte ich ohne schulischer Ausbildung. Was ich aber sagen kann ist dass ich durchaus erfolgreich in diesen Tätigkeiten bin.
Ich bin ohnehin der Auffassung dass man durch zielgerichtetes Lernen, und ohne Lernen geht es ohnehin nicht, deutlich intensiver lernt und das Wissen auch deutlich besser vertiefen kann. Und so lerne ich halt Anlass bezogen. Ich habe lange Zeit keinen Flügel abnehmen müssen, aber als es dann soweit war, lernte ich es eben. Das gilt für viele Dinge in dem Umfeld. Es ist auch so, dass es kaum einige Konzerte gibt, die mich nicht vor neue Herausforderungen stellt, z.B wegen für mich neuartige Instrumente. Lernt man bei HOFA, SAE oder selbst an der Hochschule wie man mit klassischen orientalischen, afrikanischen oder indianischen Instrumenten optimal umgehen kann? Ich denke nicht. Und ehrlich gesagt, dienen für mich diese Ausbildungen, wie jegliche schulische Ausbildung, lediglich dazu einen Grundstock an Wissen zu vermitteln. Ob man den auch sinnvoll anwenden kann, ist damit nicht gesagt. eine Abschluss an einer Ausbildungsstätte heißt ja wohl meist erst mal nur "hat glaubhaft versichern können, dass er das erforderliche Wissen zum Zeitpunkt der Prüfung gekannt hat." Das Anwenden muss man genauso wie der Autodidakt erst im praktischen Einsatz außerhalb von Laborbedingungen. Das ist zumindest meine Meinung dazu.

besagter Parsons z.B ging auch den harten Weg des Lehrlings bis hin zum Produzenten, wie viele andere auch.
Von einem Absolventen in Detmold oder Wien würde ich erwarten, daß der mit geeignetem Material auch ne Jazz-Combo, eine Zithergruppe oder eine Metal-Band einigermaßen sinnvoll ins Bierzelt blasen kann.
Abgesehen davon dass Absolventen dieser Hochschulen wohl kaum für den Hungerlohn eines Metal-Technikers in einem 50 PAX Club arbeiten würde, bin ich mir nicht sicher dass es Sinn macht eine Metalband mit der Herangehensweise eines Klassik-Ensembles zu mischen, genauso wie es umgekehrt nicht funktionieren würde. Man muss das Musik-Genre schon musikalisch verstehen um den Job gut machen zu können.

Und bevor ich mich in das ganze Amateur vs Profi Thema vertiefe, sei mal gesagt, dass man auseinanderhalten muss, ob der Profi ein studierter ist oder einfach ein Amateur, der das mal als Spaß an der Freude elernt hat und inzwischen davon mehr oder weniger gut lebt.
Übrigens mache ich seit einiger Zeit die Live-Technik bei Veranstaltungen, die von einer Rundfunkstation zwecks Ausstrahlung aufgezeichnet werden. Für den Rundfunk macht den Mix ein Techniker mit abgeschlossenem Studium und ich, als das was du Amateur bezeichnest, mache den Haus-Sound. Bei vielen Themen und Entscheidungen zur Umsetzung der Veranstaltungen herrscht eine Gesprächskultur auf Augenhöhe. jeder Vorschlag, der zielführend ist, wird umgesetzt, egal wer den Vorschlag macht.

Gut wird immer der sein der den Job gut macht. Letztendlich fragt keiner im Publikum, wie der am Pult zu seinen Skills gekommen ist. Dieses Standestünkel finde ich meist bei Personen, die zwar einen Schein für irgendwas haben, aber nicht ganz so erfolgreich in der praktischen Umsetzung sind.
 
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Es ging mir da um die im Rock/Pop-Bereich verbreitete Mischtechnik, quasi jedem Instrument "seinen" Frequenzbereich zuzuweisen, um Transparenz und aufgeräumten Klang zu erreichen.
Diese Mischtechnik existiert in der "Klassik" praktisch nicht.
Mit einem großen Blockflötenchor z.B. ist hingegen die Chance dafür recht gering. Da spielen sich 2 oder 3 von 5 Registern praktisch in der gleichen Tonlage oder eine Oktave darunter ab. Die kriegst Du per Frequenzfenster nicht "auseinander" ohne mindestens 2 davon den Grundton zu "klauen".

Entzerrung über die Zeit/Rhythmus-Achse wie beim gegateten Schlagzeug funktioniert ebensowenig, weil die Flöten ja alle lange Töne spielen.

Also bleibt nur die räumliche Dimension. Erste Flöte eher nach links, zweite eher nach rechts, die dritte und die Baßflöte z.B. mit ein paar ms Delay und Hallzugabe dahinter (am besten entsprechend der tatsächlichen Anordnung) - dann gibts eine Chance, daß sich die "Schallwand" zu einer räumlichen Darstellung auflöst. Vorausgesetzt, die Anlage kann auch einigermaßen sinnvoll Stereo abbilden.

Ich habe selbst noch nie ein großes Sinfonieorchester abgenommen, aber wenn ich das machen sollte würde ich auch da so einen Ansatz verfolgen. Vielleicht in einer Haupt-/Stützmikrophonie mit Decca-Tree, MS- oder mehreren AB-Anordnungen als Basis und natürlich wirds bei den "großen" Häusern noch eine Menge technischer Finessen in den Details geben, aber gerade die räumliche Darstellung macht da IMHO viel von der Atmosphäre aus. Und ich weiß, daß die vielen Dirigenten auch sehr wichtig ist - je nach Werk denken die schon über die Platzierung der Musiker durchaus intensiv nach.
Wer mit diesen aus dem Rock/Pop-Bereich stammenden Gedanken und Vorgehensweisen an die Aufnahme oder Abnahme eines "klassischen" akustischen Ensembles heran geht, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit Schiffbruch erleiden, weil er das Wesen der Klangestalt dieser klassischen akustischen Ensembles nicht verstanden hat.

Es gehört mit zu den wichtigsten und zentralsten Anliegen von Komponisten und Arrangeuren in diesem Genre, sich um eine sinnvolle und gut (im Sinne der Absichten des Komponisten/Arrnangeurs) klingende Instrumentierung/Orchestrierung zu kümmern. Ob etwas verschmelzt oder sich absetzt, ist also von der Instrumentierung, aber ganz wesentlich auch vom Satz, also der Komposition selber abhängig.
Die Spieler/Ensembles und bei Orchestern die Dirigenten verwenden viel Zeit und Akribie darauf, eben diese kompositorischen und klanglichen Absichten und Finessen sauber heraus zu arbeiten. Und damit die gewünschte Transparenz respektive Verschmelzung im Live-Klang zu erzeugen.
Wenn dann ein Toni hingehen würde, ein Unisono von Klarinette und Oboe, bei dem beide mit voller Absicht zu einem neuen Kombinationsklang verschmelzen (und worauf die Spieler dann auch sorgsam achten, u.a. durch perfekte Intonation und angepasste Dynamik) per Filter, Delay und was noch alles ´schön transparent´ zu separieren, dann macht er das gewünschte Ergebnis kaputt und verkehrt die Absichten des Komponisten geradezu ins Gegenteil.

Die genaue Kenntnis der Komposition, des Stils und der Instrumentierung ist daher unabdingbar.
Auch die Dynamik, sowohl die Gesamtdynamik als auch die individuellen Abstufungen der Dynamik einzelner Gruppen, oder die Dynamik einer Solo-Stelle, all dies ist in die Partitur eingeschrieben und lässt sich aus dieser heraus lesen.

In der "Klassik" wird also ein im Prinzip fertiges klangliches Ergebnis präsentiert, insofern ist die Ton-Technik kein wirklicher Bestandteil des Klangs, der oft entscheidendes hinzu fügen muss, sondern die Tontechnik soll das schon fertige Ergebnis möglichst unverfälscht aufzeichnen und wiedergeben.
Eingriffe wie Filter oder (leichte) Kompression sind allenfalls dort nötig, wo sie den Unzulänglichkeiten des Abhörens in einer häuslichen Umgebung geschuldet sind. So wird man bespielsweise eine live durchaus mögliche Gesamtdynamik von über 60 dB und mehr zwangsläufig etwas reduzieren müssen, weil diese selbst gute HiFi-Anlagen im heimischen Wohnzimmer kaum befriedigend reproduzieren können.

Was die Tiefenstaffelung oder das Vermeiden einer "Schallwand" angeht, gehen deine Gedanken an der Praxis vorbei. Nmm mal ein Blockflötenensemble in einem akustisch guten und passenden Raum mit einer Hauptmikrofonanordnung mit Laufzeitunterschieden und sehr guten Mikrofonen auf. Für eine optimale Tiefenstafellung nimmst du am besten zwei "Kugeln" in AB-Anordnung (oder drei für "Decca Tree"). Die bringen von sich aus eine schöne Tiefenstaffelung.
Oft schon zuviel, so dass aufgrund der Entfernung etwa die Holzbläser schon zu schwach abgebildet werden. Da helfen dann gezielte Stützen, um die Balance wieder herzustellen.
Da es bei der Wiedergabe von einer CD keine optischen Informationen gibt wie beim Live-Konzert und das ´Gesetz der ersten Wellenfront´ nur unzureichend funktioniert (da sowohl der Direktklang des Ensembles als auch der Raumklang der Aufnahme aus denselben Lautsprechern, also aus der selben Richtung kommen, und dann auch noch zeitgleich), wird man bei größeren Ensembles kaum ohne Stützen auskommen um für zu Hause ein adäquates Hörerlebnis herstellen.
Aber da geht es wie gesagt nicht darum, dem originalen Klang etwas von der technischen Seite zwingend hinzuzufügen, sondern die quasi Unzulänglichkeiten der Wiedergabekette so auszugleichen, dass es schließlich wieder sozusagen ´original´ klingt.


Eigentlich ist es wohl wie mit dem Spielen eines Instrumentes. die theoretische Ausbildung, die man an einer Schule oder Uni sich aneignet, kann helfen, muss aber nicht.
Ein Musikstudium, aber auch ein Tonmeister- oder Tontechniker-Studium ist sehr praxisbezogen, auch wenn es selbstverständlich einen mehr oder weniger großen Anteil "Theorie" gibt.
Wenn man eine professionelle Aufnahme machen lassen möchte - die aber keinen kommerziellen Hintergrund haben darf -, braucht man nur einen Aushang an einer Hochschule aufhängen, die einen Toningenieur-Studiengang anbietet. Er wird recht schnell ein Team finden dafür, denn die Studenten sind angehalten, möglichst viel Praxiserfahrung zu sammeln.
Gut wird immer der sein der den Job gut macht. Letztendlich fragt keiner im Publikum, wie der am Pult zu seinen Skills gekommen ist. Dieses Standestünkel finde ich meist bei Personen, die zwar einen Schein für irgendwas haben, aber nicht ganz so erfolgreich in der praktischen Umsetzung sind.
So ist es. (y)
 
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Es gehört mit zu den wichtigsten und zentralsten Anliegen von Komponisten und Arrangeuren in diesem Genre, sich um eine sinnvolle und gut (im Sinne der Absichten des Komponisten/Arrnangeurs) klingende Instrumentierung/Orchestrierung zu kümmern.
Wobei das eigentlich auch für alle anderen Genres gilt. Eines meiner Grundprinzipien in dem Job ist, dass die Band, egal wie groß, also eben auch ein Orchester, den Sound macht. Als Tontechniker hat man im Wesentlichen die Aufgabe es für das Publikum nochmals aufzubereiten, im günstigsten Fall also einfach nur etwas lauter zu machen. Und auch in der Pop/Rock/Jazz Welt gibt es "Kombi-Klänge" die man nicht auseinander dividieren soll/darf.
Zudem muss man auch berücksichtigen, dass es bei typischen Klassik-Veranstaltungen meist Vorteile durch gute Raumakustik und genügend Zeit zur Optimierung des, meist fix installierten, Systems gibt. Das hat man als Wald und Wiesen Techniker nicht unbedingt. Gemeindehallen im grausamen 70er-Holz Design oder wild umgebaute Industriehallen usw. machen es einem auch nicht leichter.
Mir ist gerade eingefallen, dass ich hin und wieder auch bei Schulveranstaltungen ein Schulorchester betreue. Aber da ist wohl das Level was Arrangement und dessen Umsetzung betrifft in keiner Weise mit einem professionellen Orchester vergleichbar ist. Und wenn man dann mal eben zuerst ein Klarinetten-Ensemble hat oder ein Pop-Besetzung mit einer Vokal-Klasse und dann in ein paar Minuten einen Changeover zum Jugendorchester machen soll, sind die Möglichkeiten mit ausgeklügelten Mikrofonierungen recht überschaubar. Da ist dann die Strategie des Guerilla-Mischens angesagt ;-)
 
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Das hat man als Wald und Wiesen Techniker nicht unbedingt. Gemeindehallen im grausamen 70er-Holz Design oder wild umgebaute Industriehallen usw. machen es einem auch nicht leichter.
Es ist daher auch recht selten, dass akustische Ensembles in der "Klassik" verstärkt werden. Wenn der Raum gut ist und passt, dann macht man mit Verstärkung ohnehin schnell mehr kaputt als dass man wirklich etwas verbessert.

Wenn es aber sozusagen ´keine´ oder keine gute Akustik gibt, dann muss die PA diese schaffen - eine Kunst! Wenn die Akustik aber ´gegen´ die Technik geht (weil es z.B. üble Raummoden, Dröhnen, übertriebenen Hall usw. gibt), dann wird der Job des Tontechnikers schnell zu einem schweißtreibenden Knochenjob.
Mir ist gerade eingefallen, dass ich hin und wieder auch bei Schulveranstaltungen ein Schulorchester betreue. Aber da ist wohl das Level was Arrangement und dessen Umsetzung betrifft in keiner Weise mit einem professionellen Orchester vergleichbar ist. Und wenn man dann mal eben zuerst ein Klarinetten-Ensemble hat oder ein Pop-Besetzung mit einer Vokal-Klasse und dann in ein paar Minuten einen Changeover zum Jugendorchester machen soll, sind die Möglichkeiten mit ausgeklügelten Mikrofonierungen recht überschaubar. Da ist dann die Strategie des Guerilla-Mischens angesagt ;-)
Das erfordert eine sehr gute Routine und kein Insistieren auf Perfektion.
Aber gerade bei Laien-Ensembles, die eben oft nicht so gut ausbalanciert spielen wie Profis, kann der Tonler das Fehlende am Klang mit seiner Technik und seinem Können schön aufhübschen. Was eine sehr dankbare, wenn auch gelegentlich ziemlich aufwändige Sache sein kann (gilt auch und gerade für Mitschnitte, die später z.B. auf CD weiter gegeben werden sollen).

Ergänzen möchte ich noch, dass ich als "Tontechniker" selber Amateur und Autodidakt bin. Tontechnik hat mich aber immer schon interessiert, entschieden habe ich mich aber für ein reines Musikstudium (Instrumentalpädagogik), weil mich das Selber-Musizieren und das Unterrichten doch mehr interessiert hat. Allerdings habe ich zum Thema Tonaufnahmen sehr, sehr viel gelesen und mittlerweile auch viel Praxis angesammelt. Aber alles nur "Klassik", denn das ist mehr meine Welt. Pop/Rock ist nicht mein Genre, das überlasse ich denen, die darin besser firm sind und denen diese Genres mehr liegen.
Mein Vorteil bei "Klassik"-Aufnahmen ist, dass ich auch reichlich Auftrittserfahrungen als Mitspieler der verschiedensten Besetzungen und Ensembles habe und mit den Klangvorstellungen dieses Genres gut vertraut bin, auch bei Chören.
 
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Nmm mal ein Blockflötenensemble in einem akustisch guten und passenden Raum mit einer Hauptmikrofonanordnung mit Laufzeitunterschieden und sehr guten Mikrofonen auf. Für eine optimale Tiefenstafellung nimmst du am besten zwei "Kugeln" in AB-Anordnung (oder drei für "Decca Tree"). Die bringen von sich aus eine schöne Tiefenstaffelung.

Das ist schon richtig.

Nur: den akustisch guten und passenden Raum muß man auch erstmal haben.

Vielleicht bin ich da als "Vereins- und Musikschulverseuchter" ja auch einfach vorgeschädigt, aber gerade in der Schulmusik hast Du oft weder optimale Wiedergabe noch optimale Räume.

Wenn Du z.B. auf der Schulfestbühne im Hof stehst mit Deiner Flötengruppe, dann ist mit einer Hauptmikrophonanordnung im Grunde nichts zu reißen - zu viel Störgeräusche, zu geringer Schalldruck, der auf größere Entfernung noch an den Mikros ankommt, zu viel Feedback-Gefahr. Besonders natürlich mit Kugeln. Und dann kommen vielleicht noch schüchtern und unsicher singende/spielende Musikschüler dazu...

Das sind dann die Situationen, in denen der Tonie so richtig zeigen kann, was er handwerklich drauf hat - und im Idealfall merkts keiner. Denn das ist auch die Crux an dieser Aufgabe: bewußt wahrnehmen tun die meisten nur, wenn da was nicht paßt oder stört.

Wie auch immer, wenn Du da keine Klangwand produzieren willst, bleibt halt nur, im Rahmen der Möglichkeiten ein Stereobild zu bauen. Und ja, das ist schon machbar. Mit guter Vorbereitung und Ausrüstung kann man sogar den Aufwand in Grenzen halten - allerdings muß man dazu das Ensemble und möglichst auch die Location gut kennen und z.B. ein Pult mit umfangreichen Speichermöglichkeiten haben, so daß man nur noch vorbereitete Szenen optimieren muß. Sowas von Null auf dem leeren Pult aufzubauen kann Stunden dauern.
 
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Es ist daher auch recht selten, dass akustische Ensembles in der "Klassik" verstärkt werden.

Oh ich glaube das täuscht. Die haben ja auch ihre Open Air Auftritte und dergleichen. Und manchmal wird das Zeug mit Sicherheit auch einfach nur gut getarnt und sehr dezent ausgesteuert so daß man es eigentlich kaum hören kann wenn man es nicht weiß.
 
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Wobei das eigentlich auch für alle anderen Genres gilt. Eines meiner Grundprinzipien in dem Job ist, dass die Band, egal wie groß, also eben auch ein Orchester, den Sound macht. Als Tontechniker hat man im Wesentlichen die Aufgabe es für das Publikum nochmals aufzubereiten, im günstigsten Fall also einfach nur etwas lauter zu machen. Und auch in der Pop/Rock/Jazz Welt gibt es "Kombi-Klänge" die man nicht auseinander dividieren soll/darf.
Zudem muss man auch berücksichtigen, dass es bei typischen Klassik-Veranstaltungen meist Vorteile durch gute Raumakustik und genügend Zeit zur Optimierung des, meist fix installierten, Systems gibt. Das hat man als Wald und Wiesen Techniker nicht unbedingt. Gemeindehallen im grausamen 70er-Holz Design oder wild umgebaute Industriehallen usw. machen es einem auch nicht leichter.
Mir ist gerade eingefallen, dass ich hin und wieder auch bei Schulveranstaltungen ein Schulorchester betreue. Aber da ist wohl das Level was Arrangement und dessen Umsetzung betrifft in keiner Weise mit einem professionellen Orchester vergleichbar ist. Und wenn man dann mal eben zuerst ein Klarinetten-Ensemble hat oder ein Pop-Besetzung mit einer Vokal-Klasse und dann in ein paar Minuten einen Changeover zum Jugendorchester machen soll, sind die Möglichkeiten mit ausgeklügelten Mikrofonierungen recht überschaubar. Da ist dann die Strategie des Guerilla-Mischens angesagt ;-)

Natürlich sollten es immer die Musiker sein, die die Musik machen. Die stehen ja auch schließlich als künstlerisch verantwortliche Akteure auf dem Konzertprogramm, nicht der Techniker. Weshalb im Zweifelsfall auch der musikalische Leiter über akustische Dinge da letzte Wort haben sollte. Wenn der vom Pultmenschen verlangt, daß es schepprig klingt, dann muß man eben schepprig mischen ;)

Das ist aber einfach eine idealisierte Basis, die man mehr oder weniger nie erreichen wird. Quasi eine Art grundlegendes Leitbild. Mehr nicht.

Ein Sinfonieorchester im Konzertsaal kommt dem näher, weil dort mehr Resourcen zur verfügung stehen und man es sich zu einem gewissen Grad leisten kann, den Raum um die Musik herum auszuwählen oder zu optimieren. Der Schulchor hat diese Möglichkeit in aller Regel nicht und muß daher schauen, wie er mit dem was vorhanden ist zu einem guten Kompromiss - denn das ist es im Ergebnis immer - kommt. Es ist IMHO sehr wichtig, daß Musiker und Techniker erfolgreich miteinander kommunizieren, damit dieser Kompromiss eben möglichst nicht zu Lasten der Musik geht.

Man kann auch einen Schritt weiter denken und die Tontechnik als Teil des künstlerischen Instrumentariums betrachten, quasi als Teil der Instrumente oder als zusätzliches Instrument. Stockhausen und Schönberg haben das z.B. bei neuer Musik durchaus gemacht, auch in der Popmusik ist es gang und gäbe ( siehe z.B. Cher, aber auch bei Abba oder Pink Floyd sind Band und Mix nicht wirklich separiert, sondern greifen ergänzend ineinander). Wer das allerdings tun will, muß noch mehr Verständnis für Musik und Technik vereinen, sonst kann das nicht funktionieren.

MIteinander reden - und sich gegenseitig verstehen wollen. Daran haperts oft, wenn Künstler auf Techniker treffen, und das ist nicht gut.
 
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Das ist aber einfach eine idealisierte Basis, die man mehr oder weniger nie erreichen wird.
MIteinander reden - und sich gegenseitig verstehen wollen. Daran haperts oft, wenn Künstler auf Techniker treffen, und das ist nicht gut.
Oh Mann, mit welchen Leuten hast du nur zu tun? Oder liegts an deinem Zugang? Ich weiss es nicht,kann das aus der Distanz auch nicht beurteilen.
in meinem Umfeld ist es jedoch so, dass Bands, ebenso wie ich, ganz gut vorbereitet sind, und höchst kommunikationsbereit sind. Das ist der Regelfall und definitiv nicht die Ausnahme. Denn an sich wollen alle, von den Künstlern, uns Betreuern bis zu den ganzen Leuten des Veranstalters, dass die Veranstaltung ein Erfolg wird. Und damit ist eine extrem gute Basis für ein konstruktives Zusammenarbeiten gegeben.
 
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Ein Sinfonieorchester im Konzertsaal kommt dem näher, weil dort mehr Resourcen zur verfügung stehen und man es sich zu einem gewissen Grad leisten kann, den Raum um die Musik herum auszuwählen oder zu optimieren.
Ein Konzertsaal sollte eigentlich immer akustisch für dort auftretenden Ensembles optimiert sein. Wenn dem so ist, dann braucht es weder eine Verstärkung noch wäre sie üblicherweise geeignet, den Klang zu verbessern.
Ich weiß, dass es auch schlechte Säle gibt, aber die lassen sich dann auch mittels PA kaum bis nie in einen guten Saal verändern.
In meinen nunmehr rund 50 Jahren, in denen ich als Schüler, Student und als Profimusiker als Hörer, aber auch als Mitspieler Konzerte "klassischer" rein akustischer (Profi-)Ensembles in Konzerträumen gehört bzw. dabei mitgewirkt habe, habe ich noch nie erlebt, dass dabei etwas verstärkt wurde.
Mitbekommen (in Konzerträumen) habe ich das aber schon bei Laien- und Amateurensembles, aber auch in Theatern/Opernhäusern, wo die Tontechniker gerne ungünstig weit hinten oder in den Kulissen positionierten Sängern/Chören etwas nachhelfen, gut über die Rampe zu kommen.
Der Schulchor hat diese Möglichkeit in aller Regel nicht und muß daher schauen, wie er mit dem was vorhanden ist zu einem guten Kompromiss
Hier geht es aber um eine ganz andere ´Baustelle´, wie ich schon im vorigen Satz und in meinem letzten Post schrieb, kann hier die Tontechnik sehr gut helfen, den Amateuren mehr Fülle, eine bessere Balance und überhaupt mehr Hörbarkeit zu verschaffen. Was üblicherweise sehr dankbar angenommen wird, da es die Spieler entlastet und dem Publikum zu einem besseres Konzerterlebnis verhilft.

Alles was draußen im Freien stattfindet oder unter ungünstigen akustischen Bedingungen, oder wo es gilt, Umgebungslärm zu übertönen (wie es bei unserem Salonensemble stets nötig ist, wenn wir zum Tanz aufspielen, 100 Füße können einen ganz schönen Lärm machen) erfordert selbstredend eine PA und einen sensiblen und möglichst kenntnisreichen und positiv-routinierten Techniker, um akustische Ensembles mit der PA gut abzubilden.

In den Genres, wo die Tontechnik und überhaupt die Elektronik eine substanzielle Rolle spielt (wie beim schon erwähnten Stockhausen und Kollegen, aber naturgemäß auch im Pop/Rock usw.), kann die Technik per se als ein integrativer Bestandteil des Ensembles angesehen werden, da ohne diese Technik einfach ganz viel fehlt.

Bei meinen Anmerkungen weiter oben, wo ich das AB-Stereohauptmikrofonsystem ins Spiel brachte, war ich einerseits von idealen Verhältnissen ausgegangen, andererseits mehr von einem Mitschnitt als von PA. Wenn es über die Abnahme zur Verstärkung im Freien geht, ist ein Stereo-Hauptmikrofonsystem selten bis fast nie hilfreich und daher entbehrlich. Da geht man in der Tat besser mit nah positionierten Mikros an die Spieler heran.
 
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